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Verbraucherpreise, Hauspreise, Großhandelspreise: Sorry, der erste Blick täuscht…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Heute gab es diverse Daten zu Preisentwicklungen in Deutschland und der EU. Wir wollen das jetzt mal einsortieren. Zunächst am Wichtigsten sind da die Verbraucherpreise. So sehr wir Herrn Draghi und seinen Freunden eine höhere Inflationsrate gönnen würden (anstrengen tun sie sich ja), so müssen wir leider enttäuschen. Das Statistische Bundesamt verkündete heute „Verbraucherpreise +0,3%“. Leider hat sich das Amt (merkwürdigerweise) angewöhnt den für die EZB maßgeblichen „Harmonisierten Verbraucherpreisindex“ (HVPI) ganz unten nach der letzten Tabelle in ihrem Text zu nennen, wo man ihn fast nur übersehen kann.

Denn der liegt bei +0,1% für März auf Jahresbasis, und eben nicht bei +0,3%. Das wäre auch fast zu schön gewesen. Aber leider übernimmt die Wirtschaftspresse auf breiter Front die 0,3% – der geneigte Leser denkt die Inflation macht zumindest kleine Fortschritte nach oben, aber dem ist eben nicht so. Die EZB vergleicht den HVPI aller Eurozonen-Länder, und mit nur +0,1% aus Deutschland geht da eben nichts voran.

HVPI März

Aus dem offiziellen Text des Statistischen Bundesamtes:

Weiterhin dämpfte der Preisrückgang der Energie (− 8,9 % gegenüber März 2015) die Gesamtteuerung erheblich. Unter den Energieprodukten waren im März 2016 insbesondere leichtes Heizöl (− 28,3 %) und Kraftstoffe (− 13,5 %) günstiger als ein Jahr zuvor. Auch die Preise für andere Energieprodukte lagen unter dem Vorjahresniveau (zum Beispiel Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme: − 9,3 %; Gas: − 2,6 %). Lediglich für Strom (+ 0,2 %) mussten die Verbraucher etwas mehr bezahlen. Ohne Energiepreise wäre die Inflationsrate im März 2016 mit + 1,4 % deutlich höher ausgefallen.

Preistreibend wirkte sich im März 2016 hingegen die frühe Lage von Ostern aus (2016: Ende März, 2015: Anfang April): Im Jahresvergleich stiegen durch den Kalendereffekt vor allem die Preise für Pauschalreisen (+ 7,1 %). Allein die Preisentwicklung bei den Pauschalreisen trug mit knapp 0,2 Prozentpunkten zu der aktuell gemessenen Teuerungsrate bei.

Im Jahresvergleich erhöhten sich im März 2016 zudem die Preise für Nahrungsmittel um 1,3 %. Dabei waren im März 2016 vor allem Obst (+ 7,5 %) und Gemüse (+ 6,4 %) teurer als ein Jahr zuvor. Weitere Preiserhöhungen gab es bei Fisch und Fischwaren (+ 3,5 %) sowie bei Brot und Getreideerzeugnissen (+ 0,8 %). Weniger als vor einem Jahr mussten die Verbraucher hingegen insbesondere für Speisefette und Speiseöle (− 6,5 %) sowie für Molkereiprodukte (− 3,3 %) bezahlen.

Hauspreise in der EU

Zumindest bei den Hauspreisen kann man sehen, wozu Negativzinsen führen. Endlich mal ein Chart in Europa, der nach oben zeigt, möchte man da jubeln. Die Immobilienblasen werden kräftig angezeigt, europaweit. In Deutschland stiegen sie in 2015 um 6,1%, in Schweden sogar um 14,2%. Ungarn ist mit 10,3 und Dänemark mit 6,5% dabei. Der Schnitt liegt EU-weit bei +3,8%, in der Eurozone bei +2,9%.

EU-Hauspreise

Großhandelspreise

Die Großhandelsverkaufspreise für Deutschland sind auf Jahresbasis im März um 2,6% rückläufig. Der Chart zeigt, dass nicht nur Energiepreise fallen, sondern beim Großhandel auch Preise für Metalle, Getreide und Futtermittel. Auch die genauere Aufschlüsselung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass von den Großhandelspreisen eine steife deflationäre Briese auf breiter Front weht, die nicht automatisch verschwindet, wenn der Ölpreis steigt:

„Im Vorjahresvergleich waren die Preisrückgänge im Großhandel mit Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermitteln (– 10,0 %) sowie im Großhandel mit Erzen, Metallen und deren Halbzeug (– 7,3 %) für die Gesamtentwicklung ebenfalls von Bedeutung. Auch die Preisrückgänge im Großhandel mit chemischen Erzeugnissen (– 3,8 %), mit Milch, Milcherzeugnissen, Eiern, Speiseölen und Nahrungsfetten (– 3,5 %) sowie im Großhandel mit Fleisch und Fleischwaren (– 2,1 %) hatten großen Einfluss auf die Gesamtentwicklung.“

Großhandelsverkaufspreise

Erst gestern hatten wir mit aktuellsten EZB-Daten gezeigt, dass die Kreditvergabe in der Eurozone definitiv nicht zugelegt hat. Daher kann also schon mal keine Inflation entstehen.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    sabine

    13. April 2016 07:47 at 07:47

    Seit wann ist Inflation gut? Hab ich da was verpaßt? Das Geld wird entwertet, Punkt.
    a) Die Schlechten unter den römischen Kaisern haben bei den Münzen etwas abgeschnitten und sie dadurch entwertet.
    b) Heute wird die Papiermenge einfach erhöht, oder gleich ganz verboten und digital in die Höhe getrieben.
    c) Was ist besser? Wie sagt ein Us-Senator zur Regierung: „Don’t steal“.

    Meine Stimme ist zwar klein, und auch wenn es sogar hier immer wieder wiederholt wird, Inflation ist Diebstahl. Es macht ihn nicht besser, wenn dabei angeblich die Wirtschaft wächst. Die japanische ist auch in der langen Deflationsphase gewachsen. Viel schlechter gehts denen auch nicht. Und die Schuldenexzesse, was haben die mit Inflation oder Deflation zu tun??? Sie sind Gier, mehr nicht.

    • Avatar

      joah

      13. April 2016 10:11 at 10:11

      Bitte lernen Sie Ökonomie und Geldsysteme, dann bleibt der Welt derartige Fehlaussagen hoffentlich erspart.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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