Europa

Verbraucherpreise auf Höchststand seit 1993 – hier die Gründe im Detail

Geldbeutel in Schrautstock

Wie vor zwei Wochen vorab gemeldet, wurden heute früh die Juli-Verbraucherpreise für Deutschland vom Statistischen Bundesamt bestätigt mit +3,8 Prozent im Jahresvergleich. Im Vergleich zu Juni (+2,3 Prozent) ist es ein deutlicher Sprung. Dies liegt vor allem an den Lebensmittelpreisen. Höhere Verbraucherpreise gab es zuletzt im Dezember 1993 mit +4,3 Prozent. Heute früh haben wir mit den endgültigen Zahlen auch die Detailangaben erhalten.

Die Preise für Nahrungsmittel stiegen laut den Statistikern im Juli 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,3 Prozent nach +1,2 Prozent im Juni 2021. Merklich teurer gegenüber Juli 2020 wurden zum Beispiel Gemüse (+7,2 Prozent) sowie Speisefette und Speiseöle (+6,9 Prozent). Auch verteuerten sich unter den Waren auch Bekleidungsartikel (+6,2 Prozent) und Fahrzeuge (+5,2 Prozent) sowie Möbel und Leuchten (+4,0 Prozent) deutlich. Etwas billiger wurden dagegen unter anderem Mobiltelefone (-2,9 Prozent). Wichtig sind aber auch folgende Aussagen der Statistiker, hier im Wortlaut:

Als Folge der temporären Senkung der Mehrwertsteuersätze (von Juli 2020 bis Dezember 2020) waren die Verbraucherpreise im Juli 2020 stark gefallen. Das niedrige Preisniveau vor einem Jahr wirkte nun erhöhend auf die Preisentwicklung vieler Waren und Dienstleistungen und somit auf die Inflationsrate insgesamt. „Der im Juli 2021 sprunghaft einsetzende Basiseffekt war zu erwarten, da die Weitergabe der Steuererleichterung an Verbraucherinnen und Verbraucher vor einem Jahr bei vielen Gütern zu sinkenden Preisen geführt hatte. Der preiserhöhende Effekt wird durch Sonderentwicklungen für einzelne Güter verstärkt, insbesondere für die Energieprodukte“, sagt Christoph-Martin Mai, Leiter des Referats „Verbraucherpreise“ im Statistischen Bundesamt.

Energie verteuerte sich binnen Jahresfrist kräftig um 11,6 %

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich von Juli 2020 bis Juli 2021 überdurchschnittlich um 5,4 %. Vor allem die Preise für Energieprodukte lagen mit +11,6 % deutlich über der Gesamtteuerung. Der Preisauftrieb hierfür hat sich erneut verstärkt (Juni 2021: +9,4 %). Hier wirkten neben der Preisentwicklung vor einem Jahr (Basiseffekte) und der zu Jahresbeginn eingeführten CO2-Abgabe auch der aktuelle Anstieg der Energiepreise erhöhend auf die Teuerungsrate. Teurer wurden vor allem Heizöl (+53,6 %) und Kraftstoffe (+24,7 %). Auch die Preise für Erdgas (+4,7 %) und Strom (+1,6 %) erhöhten sich.

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Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist um 2,2 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im Juli 2021 um 2,2 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die aufgrund des großen Anteils an den Konsumausgaben der privaten Haushalte bedeutsamen Nettokaltmieten verteuerten sich um 1,4 %. Deutlicher erhöhten sich unter anderem die Preise für Leistungen sozialer Einrichtungen (+5,1 %), Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+4,9 %) sowie für Gaststättendienstleistungen (+3,6 %).

Grafik zeigt Verlauf der Verbraucherpreise seit 2016



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