Europa

Deutschland: Verbraucherpreise im April nur +1,6%, aber Nahrungsmittel +3,4%, Butter +30%

Es gibt in Deutschland schon seit Monaten einen enormen Unterschied zwischen der offiziellen Teuerungsrate (die gesamten Verbraucherpreise) und dem, was der Verbraucher beim täglichen Einkaufen an Preissteigerungen zu verkraften hat. Denn wo die gesamten Verbraucherpreise im April nach heute veröffentlichten offiziellen Daten im April nur um 1,6% gestiegen sind (Jahresvergleich), da steigen die Nahrungsmittelpreise um 3,4%.

Butter zum Beisiel verteuert sich um satte 30,4%. Äpfel verteuern sich um 32%, Sahne um 37%, Milch um 14%. Paprika hingegen wurde um 24% billiger, Tomaten um 15% und Kartoffeln um 11%. Aber wie gesagt – insgesamt gesehen heben sich die +3,4% bei den Lebensmittelpreisen deutlich ab vom Schnitt mit 1,6%. Das EZB-Ziel von 2% ist bei den Lebensmittelpreisen schon längst weit übertroffen worden.  Also ist der Alltag deutlich teurer, als es die Gesamtzahl vermuten lässt.

Energiepreise lagen im April mit +1,3% unter dem Schnitt. Im Bereich Dienstleistungen gab es viele Bereiche, die sich genau so stark verteuerten wie der Schnitt, oder sie liegen sogar darüber. Doch was zieht den Schnitt denn nun runter auf 1,6%? Da wären zum Beispiel Telekom-Dienstleistungen mit -0,7% und Pauschalreisen mit -1,1%. Weil eine Reise ja mehrere tausend Euro kostet, kann sie wohl als großer starker Preisfaktor den Gesamtschnitt dämpfen. Wer nie in Urlaub fährt, kommt also nicht in den Genuss dieser fallenden Preise!

Wie die letzte Grafik zeigt, verharrt die Steigerungsrate der Verbraucherpreise im Jahresvergleich auf dem Niveau von 1,5% oder 1,6% seit Mai 2017. Hier weitere Details vom Statistischen Bundesamt:

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich von April 2017 bis April 2018 mit + 3,4 % überdurchschnittlich. Der Preisanstieg binnen Jahresfrist hat sich damit im April 2018 verstärkt (März 2018: + 2,9 %). Teurer als ein Jahr zuvor waren vor allem Speisefette und Speiseöle (+ 15,4 %). Diese Erhöhung ist im Wesentlichen durch steigende Butterpreise (+ 30,2 % gegen über April 2017) bedingt. Durchweg mehr mussten die Verbraucher für Molkereiprodukte und Eier (+ 8,9 %) bezahlen. Deutlich teurer wurde auch Obst (+ 8,6 %). Weitere Preiserhöhungen binnen Jahresfrist gab es unter anderem bei Fisch und Fischwaren (+ 2,5 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+ 2,4 %), nennenswerte Preisrückgänge hingegen bei Gemüse (− 4,5 %). Ohne Berücksichtigung der Preise für Energie und Nahrungsmittel hätte die Inflationsrate im April 2018 nur bei + 1,4 % gelegen.

Die Preise für Waren insgesamt lagen im April 2018 um + 1,6 % über dem Vorjahresmonat. Neben den Preisanstiegen bei Energie (+ 1,3 %) und Nahrungsmitteln (+ 3,4 %) verteuerten sich insbesondere Zeitungen und Zeitschriften (+ 4,8 %), Bier (+ 4,7 %) und Tabakwaren (+ 4,4 %) deutlich. Günstiger hingegen wurden zum Beispiel Geräte der Unterhaltungselektronik (− 3,8 %) und Informationsverarbeitungsgeräte (− 3,0 %).

Mit + 1,5 % erhöhten sich von April 2017 bis April 2018 die Preise für Dienstleistungen fast im gleichen Maße wie für Waren. Bedeutsam für die Preiserhöhung bei Dienstleistungen waren die Nettokaltmieten (+ 1,6 % gegenüber April 2017), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Noch etwas stärker verteuerten sich binnen Jahresfrist zum Beispiel Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+ 3,2 %) sowie Dienstleistungen für Verpflegung in Restaurants, Cafés und Straßenverkauf (+ 2,2 %). Günstiger für die Verbraucher waren unter anderem Telekommunikationsdienstleistungen (− 0,7 %) und Pauschalreisen (− 1,1 %).

Verbraucherpreise



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2 Kommentare

  1. „Es gibt in Deutschland schon seit Monaten einen enormen Unterschied zwischen der offiziellen Teuerungsrate (die gesamten Verbraucherpreise) und dem, was der Verbraucher beim täglichen Einkaufen an Preissteigerungen zu verkraften hat.“

    Ist das so? Also spürt der Verbraucher einen Jahrespreisanstieg von 3,3% bei Lebensmitteln so genau, zumal Gemüse billiger und Brot kaum teurer geworden ist. Letztlich sind ja nur wirklich wenige Kategorien wie Öle/Fette, Obst, Molkereiprodukte und Benzin wirklich überdurchshcnittlich teurer geworden.

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