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Europa

Verbraucherpreise Juli 1,7%, aus EZB-Sicht nur noch 1,1%… immer diese Pauschalreisen!

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden für den Monat Juli die endgültigen Daten für die deutschen Verbraucherpreise veröffentlicht. Wie vorab vermeldet lag das Plus im Jahresvergleich bei 1,7%. Laut Statistischem Bundesamt liegt der „Harmonisierte Verbraucherpreiseindex“ (HVPI) aber nur bei 1,1%. Normalerweise verlaufen beide Zahlen immer ganz dicht bei einander. Aber diesmal eine Abweichung von 0,6%, das ist ein enorm großer Abstand. Bedeutend ist der HVPI deswegen, weil eben dieser Wert von der EZB als Inflationsrate betrachtet wird (vereinheitlichte Betrachtungsweise für alle Euro-Länder). Somit liegen die deutschen Verbraucherpreise aus Sicht der EZB bei 1,1% im Juli, und eben nicht bei 1,7%. Aber die EZB wird wohl auch bemerken, dass es hier statistische Abweichen gibt? So bemerken heute auch die deutschen Statistiker zu diesem Abstand Zitat:

Der für europäische Zwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland lag im Juli 2019 um 1,1 % über dem Stand von Juli 2018, nach 1,5 % im Juni 2019. Die starke Abweichung der Inflationsrate für Juli 2019 zwischen HVPI und VPI von 0,6 Prozentpunkten resultiert aus einem methodischen Sondereffekt bei den Pauschalreisen im HVPI.

Energiepreise waren jahrelang der unterstützende Faktor für den Gesamtschnitt der Verbraucherpreise. Aktuell im Juli steigen sie mit 2,4% zwar immer noch überdurchschnittlich. Aber der Oberhammer ist das nicht. Innerhalb der Energiepreise steigen die Kraftstoffpreise sogar nur um 0,2%. Erdgas (+4,4 %) und Strom (+3,8 %) ziehen den Schnitt der Energiepreise gut nach oben. Dass die Verbraucherpreise im Gesamtschnitt nicht abschmieren, liegt wohl auch an den Nahrungsmittelpreisen. Sie steigen mit 2,1% auch deutlich besser als der Schnitt. Dazu die Statistiker im Wortlaut:

Der Preisauftrieb hat sich damit gegenüber dem Vormonat deutlich verstärkt (Juni 2019: +1,2 %). Erheblich teurer als ein Jahr zuvor war im Juli 2019 Gemüse (+11,0 %). Weitere deutliche Preiserhöhungen gab es bei Fleisch und Fleischwaren sowie bei Fisch, Fischwaren und Meeresfrüchten (jeweils: +3,6 %). Den Preisanstiegen standen wenige starke Preisrückgänge gegenüber (zum Beispiel Speiseölen und Speisefette: -10,1 %; Obst: -4,5 %).

Bei Preisen für Dienstleistungen gibt es erhebliche Detailunterschiede in einzelnen Preissegmenten. Zitat von den Statistikern:

Im Vergleich zu den Waren erhöhten sich die Preise für Dienstleistungen im Juli 2019 binnen Jahresfrist mit +1,5 % etwas schwächer. Bedeutsam für die Preisentwicklung der Dienstleistungen war die Preiserhöhung bei Nettokaltmieten (+1,4 %), da private Haushalte einen großen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden. Deutlich stärker verteuerten sich zum Beispiel Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,5 %), Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+4,7 %) sowie Gaststättendienstleistungen in Restaurants, Cafés und Straßenverkauf (+2,8 %). Einige Dienstleistungen waren auch günstiger, unter anderem Bildungsdienstleistungen des Elementarbereichs (-12,5 %). Der starke Preisrückgang im Bildungswesen ergibt sich insbesondere durch die Reduzierung der Kinderbetreuungskosten in einigen Bundesländern.

Verbraucherpreise Juli Deutschland

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  1. Avatar

    leftutti

    13. August 2019 11:19 at 11:19

    Die klimawandelbedingten landwirtschaftlichen Schäden und Ernteausfälle, Futterknappheit bei der Tierhaltung und die Erwärmung der Meere mit ihren Auswirkungen auf die maritime Nahrungskette dürften auf lange Sicht auch weiter kräftig an den Nahrungsmittelpreisen schrauben.

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Europa

Großbritannien setzt negativen Schlusspunkt in Quartalsbilanz

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Es war das erwartete Katastrophenquartal für europäische Volkswirtschaften, vor allem aber für Großbritannien. Im Frühjahr des Jahres 2020 rauschten die westlichen Volkswirtschaften infolge des Lockdowns in ungeahnte Tiefen. Mit Einbrüchen bis zu 18,4 Prozent in Spanien. Jetzt legt das Vereinigte Königreich noch einen drauf.

Großbritannien und sein historischer Wirtschaftseinbruch

Obwohl Premierminister Boris Johnson schon vor Monaten vor den harten Zeiten warnte, die auf die Bürger des Landes zukommen würden, schockierten die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal in Großbritannien dennoch. Mit minus 20,4% war die Wirtschaft der zweitgrößten Nation in Europa in historischer Dimension abgestürzt, so stark wie seit drei Jahrhunderten nicht mehr und auch mit dem dem stärksten Minus in ganz Europa. Hier noch ein paar Vergleichszahlen:

Spanien: -18,5 Prozent
Portugal: -14,1 Prozent
Frankreich: – 13,8 Prozent
Italien: – 12,4 Prozent
Belgien: – 12,1 Prozent
Deutschland: – 10,1 Prozent
USA: – 9,6 Prozent
Tschechien: – 8,4 Prozent
Litauen: -5,4 Prozent
EU-Durchschnitt: – 11,9 Prozent
Dabei hatte das Minus im ersten Quartal (- 2,2 Prozent) noch auf dem Niveau Deutschlands gelegen.

Die späte Reaktion auf die Pandemie in Großbritannien

Wie oft wurde in den Medien darüber berichtet, wie der Premier anfangs Covid-19 auf die leichte Schulter nahm, bis es ihn selbst erwischte, er beatmet werden musste und man sich aus seinen Umfeld schon auf das Schlimmste gefasst machte. Die Reaktion auf die exponentiell ansteigenden Fälle der britischen Regierung war ein heftiger Lockdown ab Ende März, der das Leben in Großbritannien extrem lahmlegte. Dennoch hat das Land bisher offiziell über 313.000 Infektionen und eine Zahl von über 46.000 Toten, die mit oder an Corona gestorben sind. Ein Umstand, der dafür verantwortlich sein könnte, war (wie in New York), dass Millionen Bürger tagelang noch ungeschützt mit der U-Bahn zur Arbeit fuhren, auch das Personal für Krankenhäuser und Pflegeheime.

Aus diesen Gründen dauerten die anschließenden Vorsichtsmaßnahmen sowie die Folgen auch länger als in anderen Ländern.

Folgen des Lockdowns

Eine Ursache für das Rekordminus ist zweifelsohne die Dominanz des Dienstleistungssektors in der britischen Wirtschaftsleistung. Riesige 80 Prozent – was bei einem Lockdown und dem Social Distancing zweifelsohne verheerend wirken muss. Dann natürlich, wie in anderen Ländern auch, die starke Beeinträchtigung von Branchen, wie der Gastronomie, des Entertainments und der Kultur. Privater Verbrauch sowie die Investitionen fielen in Q2 um 23,1 beziehungsweise 25,5 Prozent.

Als Damoklesschwert hängt weiter die Hängepartie mit den Freihandelsgesprächen mit der EU nach dem Brexit über Großbritannien. Sollte es hier keine Lösung geben, gelten ab Januar die besonderen Regeln der Welthandelsorganisation (WHO), mit weiteren Belastungen für die britischen Unternehmen.

Wie geht es weiter?

Der Bank of England zufolge ist der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise durchschritten und im dritten Quartal soll die Wirtschaft in Großbritannien um 18 Prozent gegenüber Q2 wachsen. Danach könnte es zwar wieder etwas langsamer weitergehen, aber im Gesamtjahr soll es bei einer Rezession von 9,5 Prozent bleiben.

Eine optimistische Sichtweise, aber warum sollten britische Ökonomen eine bessere Glaskugel haben, als ihre Kollegen aus Kontinentaleuropa?

Die Risiken sind auch in Großbritannien wenig anders geartet, als in anderen europäischen Staaten: Die zweite Coronawelle mit regionalen Lockdowns, die Entwicklung der Kurzarbeit und die überall so große Bedeutung der Höhe der Arbeitslosigkeit. Auch die Briten setzen auf das Instrument der Kurzarbeit, die allerdings im Oktober ausläuft. Und auf Rettungspakete, um die Folgen abzumildern, aber alles muss irgendwie finanziert werden.

Fazit

Großbritannien steht in einer doppelten Bewährungsprobe: Da ist zum einen das langwierige und zähe Ringen um die geänderten Wirtschaftsbeziehungen nach dem Brexit und die Eindämmung einer Pandemie, die nach wie vor voller Rätsel steckt. Ob jetzt die Zugehörigkeit zur Europäischen Union in der momentanen Lage nicht doch ein paar Vorteile mit sich bringen würde?

Die späte Reaktion auf das Coronavirus ließ in Großbritannien das BIP stärker einbrechen

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Europa

Verbraucherpreise: Deflation dank Mehrwertsteuer und Energie

Claudio Kummerfeld

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Geld und Waren als Symbole für Verbraucherpreise

Bevor die von einigen kritischen Personen erwartete Hyperinflation über Deutschland hereinbricht, steht aktuell erstmal die Deflation ins Haus. Hatte der Ölpreis-Schock aus dem Frühjahr die Verbraucherpreise eh schon Richtung Null-Linie laufen lassen, so gibt die Mehrwertsteuersenkung, die seit Juli gilt, einer möglichen positiven Preisentwicklung den Rest.

Energie beeinflusst Verbraucherpreise stärker als Mehrwertsteuersenkung

Heute früh hat das Statistische Bundesamt die endgültigen Daten für die Verbraucherpreise für Juli veröffentlicht. Im Vergleich zu Juli 2019 sind sie um 0,1 Prozent rückläufig. Im Monatsvergleich von Juni zu Juli 2020 ist es ein Minus von 0,5 Prozent. Die Verbraucherpreise für Energie gehen im Jahresvergleich um 6,7 Prozent zurück nach -6,2 Prozent im Juni. Ohne Berücksichtigung der Preise für Energieprodukte hätte die Inflationsrate im Juli 2020 bei +0,8 Prozent gelegen, ohne Energieprodukte und Nahrungsmittel bei +0,7 Prozent. Man sieht also: Energie wirkte sich stärker auf die jüngsten Tendenzen in die Deflation aus als die Mehrwertsteuersenkung. Man darf vermuten: Würde der Einzelhandel in vollem Umfang die gesenkte Mehrwertsteuer an die Endkunden weiterreichen, wäre die Deflation wohl noch viel stärker ausgefallen. Dazu im Wortlaut die Statistiker:

Nachdem die Inflationsrate im Juni 2020 leicht angestiegen war, dämpfte die Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli 2020 als eine Maßnahme des Konjunkturpakets der Bundesregierung nun die Preisentwicklung. In welchem Umfang die niedrigeren Steuersätze an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurden, ist nur schwer nachweisbar, da die Preisentwicklung von vielen Faktoren abhängt. Der Einfluss der Senkung der Mehrwertsteuersätze kann daher nur modellmäßig berechnet werden. Unter der Annahme einer vollständigen und sofortigen Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Verbraucherinnen und Verbraucher ergibt sich im Juli 2020 rein rechnerisch eine um 1,6 Prozentpunkte niedrigere Inflationsrate. Ohne die Steuersenkung wäre die Inflationsrate also maximal 1,6 Prozentpunkte höher gewesen.

Verbraucherpreise aufgeteilt in einzelne Segmente

Großhandeldspreise deutlich in der Deflation

Die Großhandelspreise hängen nun schon den sechsten Monat in Folge in der Deflation! Nach heutigen Daten war es im Juli im Jahresvergleich ein Minus von 2,6 Prozent nach -3,3, -4,3 und -3,5 Prozent in den Vormonaten. Auch hier haben die Importe von Energieprodukten immer noch einen negativen Einfluss auf den Gesamtschnitt. Im Wortlaut von den Statistikern:

Den größten Einfluss auf die Gesamtentwicklung im Vergleich zum Vorjahresmonat hatten im Juli 2020 die niedrigeren Preise im Großhandel mit Mineralölerzeugnissen (-17,9 %). Nachdem diese von Februar bis Mai 2020 krisenbedingt um rund 30% gefallen waren, konnten seitdem deutliche Preissteigerungen (+16,3 % im Vergleich zu Mai 2020) beobachtet werden. Das Vorkrisenniveau ist aber noch nicht wieder erreicht: Die Preise für Mineralölerzeugnisse lagen im Juli 2020 immer noch 22,6 % niedriger als im Januar 2020.

Kräftige Preisrückgänge gegenüber dem Vorjahr gab es ebenfalls im Großhandel mit Altmaterial und Reststoffen. Insbesondere lagen die Preise für sortiertes gemischtes Altpapier (-43,4 %) sowie für Eisen- und Stahlschrott (-19,6 %) unter denen des Vorjahres. Auch im Großhandel mit lebenden Tieren (-8,6 %) sowie mit Datenverarbeitungsgeräten, peripheren Geräten und Software (-3,9 %) lagen die Preise deutlich unter dem Vorjahresniveau. Dagegen waren unter anderem die Preise für Tabakwaren auf Großhandelsebene höher als im Juli 2019 (+4,2 %).

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Europa

Industrieproduktion in der Eurozone: Ist das die V-förmige Erholung?

Claudio Kummerfeld

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Stahlfertigung als Symbol für Industrieproduktion

Die Industrieproduktion in Europa ist kräftig abgestürzt in der Coronakrise. Die Frage lautet: Gibt es eine langsame Erholung, ein Dahindümpeln im negativen Bereich, oder eine schnelle V-förmige Erholung? Im Juni stieg die saisonbereinigte Industrieproduktion gegenüber Mai 2020 sowohl im Euroraum als auch in der EU um 9,1 Prozent, laut heute veröffentlichten Schätzungen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union. Im Mai 2020 stieg die Industrieproduktion im Euroraum um 12,3 Prozent und in der EU um 11,6 Prozent. Gegenüber Juni 2019 ging die Industrieproduktion im Juni 2020 im Euroraum um 12,3% und in der EU um 11,6% zurück.

Die Frage ist jetzt nur: Geht diese V-Erholung im Juli auch weiter im selben Tempo wie im Mai und Juni? Dann wird es wirklich etwas mit einem klassischen V. Bis jetzt sieht es jedenfalls danach aus. Der folgende Chart von Eurostat sieht doch schon stark nach V-Erholung aus? Er zeigt die Entwicklung der Industrieproduktion in der Eurozone und in der Gesamt-EU seit dem Jahr 2011.

Industrieproduktion in EU und Eurozone seit 2011

Hier die Veränderung im Jahresvergleich (ein Balken steht für einen Monat).


source: tradingeconomics.com

Hier die Veränderung im Monatsvergleich (ein Balken steht für einen Monat).


source: tradingeconomics.com

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