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Deutsche Verbraucherzentralen fordern Provisionsverbot für Anlageberatung wie in Großbritannien – da gibt es nur ein Problem

Seit 2013 sind in Großbritannien Provisionen für Anlageberatungen verboten. Produktanbieter dürften also an Berater keine Provisionen mehr zahlen, wenn sie Geldanlageprodukte an Kunden…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Seit 2013 sind in Großbritannien Provisionen für Anlageberatungen verboten. Produktanbieter dürften also an Berater keine Provisionen mehr zahlen, wenn sie Geldanlageprodukte an Kunden verkaufen. Die Kunden zahlen stattdessen Honorare an ihre Berater. Laut britischer Finanzaufsichtsbehörden seien durch das Verbot Beratungsqualität und Verbrauchervertrauen gestiegen, wie eine aktuelle Studie zeigen soll. Zitat auszugsweise:

„Over the past few years, there have been major improvements to the quality of financial advice, driven by the Retail Distribution Review (RDR) and other regulatory initiatives. These have raised standards of professionalism and enhanced consumer protection.”

Der Bundesverband der deutschen Verbraucherzentralen (vzbv) fordert heute in einer Veröffentlichung daher mit Bezug auf die britischen Erfahrungen dieses Provisionsverbot auch für Deutschland einzuführen. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar und auch sinnvoll. Denn oft werden horrende einmalige und laufende Provisionen in Anlageprodukten optisch gut versteckt. Der Kunde merkt rein optisch von all den Gebühren nichts, und zahlt sie mit seiner Unterschrift bei der Geldanlage einfach mit. Was man nicht sieht, schmerzt auch nicht. Hierzu schreibt die „vzbv“ heute:

„Der Bericht aus Großbritannien zeigt, dass ein Provisionsverbot wirkt. Sowohl die Beratungsqualität als auch das Vertrauen der Verbraucher in die Finanzberatung nehmen zu. Die Qualität der Anlageberatung in Deutschland ist nachweislich schlecht. Deshalb braucht es auch in Deutschland dringend ein Provisionsverbot“, sagt Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim vzbv.

Großbritannien hat im Jahr 2013 ein Provisionsverbot für Anlageberatungen eingeführt. Dazu zählen etwa Beratungen zu Investmentfonds und Lebensversicherungen. Ihre Vergütung erhalten Anlageberater seitdem ausschließlich von ihren Kunden.

Beratungen auf Provisionsbasis sind nicht gratis

In Deutschland finanzieren sich die meisten Berater dagegen über Provisionen, die sie von den Produktanbietern erhalten – allerdings erst bei Abschluss eines Anlagevertrags. Kunden zahlen diese Kosten indirekt über höhere Produktkosten. Bei unabhängiger Beratung zahlen Kunden hingegen ein Honorar an den Berater. Dafür fallen die Produktkosten im Falle eines Abschlusses geringer aus.

„Beratung ist nie kostenlos. Im Gegensatz zur Finanzierung durch Provisionen steht bei einer Beratung auf Honorarbasis aber das Kundeninteresse im Mittelpunkt. Das ist wichtig, damit Verbraucher passende Produkte empfohlen bekommen“, so Mohn.

Unabhängige Finanzberatung ist bezahlbar

Die Erfahrungen aus Großbritannien zeigen auch, dass unabhängige Beratung für alle Verbraucher bezahlbar gemacht werden kann. Der Bericht der Finanzaufsicht listet eine Reihe von Maßnahmen auf, die ergriffen wurden, um eine unabhängige Finanzberatung für mehr Verbraucher attraktiv zu machen. Beispielsweise können Arbeitgeber die Kosten für die Beratung ihrer Angestellten steuerlich geltend machen oder Verbraucher können eine unabhängige Beratung aus ihren Rentenansprüchen finanzieren.

Den größten Effekt erhofft sich die Aufsicht aber vom steigenden Verbrauchervertrauen. Bisher führt der Mangel an Vertrauen dazu, dass viele Verbraucher überhaupt keine Beratung in Anspruch zu nehmen.

Was der „vzbv“ schreibt, ist im Grundsatz richtig. Die britische Studie sagt aber auch Zitat:

Verbraucher nehmen die Möglichkeit einer unabhängigen professionellen Beratung aus Kostengründen nicht war. Durch das Provisionsverbot hat sich die Wahrnehmung der Kosten einer Finanzberatung verändert. Bei einer unabhängigen Beratung auf Honorarbasis sind die Kosten direkt vom Verbraucher an den Berater zu zahlen. Auch bei einer Provisionsberatung tragen Verbraucher die Kosten der Beratung. Allerdings werden diese vom Verbraucher nur indirekt bezahlt, meist über die laufenden Kosten der verkauften
Produkte.

Und genau da sehen wir das Problem. Es gibt oder besser gesagt gab schon vereinzelt Anbieter, die versucht haben die Honorarberatung in Deutschland zu etablieren. Bislang mit mäßigem Erfolg. Der Grund ist die menschliche Psyche, gerade bei uns Deutschen (so möchten wir von FMW es mal behaupten). Auch wenn man dem Menschen mehrmals sagt, dass er beispielsweise 1.000 Euro versteckte indirekte Kosten hat, die als Provision an den Berater fließen, und wenn man dann sagt, dass bei der Honorarberatung nur 700 Euro zu zahlen sind, wird der Kunde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Honorarberatung wählen.

Denn hier muss er selbst 700 Euro an seinen Berater überweisen. Der Kunde sieht diese 700 Euro real von seinem Konto als Buchung abfließen. Das schmerzt. Bei den versteckten Provisionen schmerzt gar nichts. Der Kunde investiert eine Bruttosumme mit dem oberflächlich tollen Gefühl, dass auch wirklich diese Bruttosumme nun in seinem Sinne am Kapitalmarkt arbeitet. Dass aber von dieser investierten Bruttosumme ein guter Teil an Provisionen abgezogen wird, ist nicht so schlimm, denn der Kunde bekommt davon ja nichts mehr mit. Das läuft alles zwischen Produktanbieter und Berater.

So ist es nun mal mit der menschlichen Psyche. Gerade der deutsche „Geiz ist geil“-Bürger will alles billig oder am liebsten umsonst haben. Dass er bei der jetzigen Beratung wohl oft teurer fährt als bei einer möglichen Honorarberatung, das zählt nicht. Denn bei Honoraren sieht er ja, dass er Geld zahlt. Bei den jetzigen Beratungen sieht er davon nichts. Was ich nicht sehe, muss mich auch nicht aufregen. Genau dieses Prinzip wird wohl der Honorarberatung vor allem in Deutschland nicht zum Sieg verhelfen!

Hier mehr Details zur britischen Studie der dortigen verbotenen Provisionen.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Bipa

    20. April 2017 15:04 at 15:04

    Ich kann diesem Artikel zu 100 % zustimmen.
    Kunden wollen nicht extra für Beratung zahlen. Ob Versicherungen, Finanzdienstleistern oder Reisebüro. Alles soll gratis sein.
    Bei Finanzprodukten wird außerdem oft alles geglaubt und unterschrieben, ohne Vergleiche anzustellen da das Fachwissen fehlt.
    Dafür wird beim Kauf eines Toasters um 25€ stundenlang im Internet nach dem billigsten Anbieter gesucht. So ist es leider.

  2. Avatar

    leser

    20. April 2017 15:17 at 15:17

    Wenn die Verbraucherzentralen das ernst meinen, müssten sie sich konsequenterweise selbst abschaffen. Die Finanzierung läuft nämlich nahezu vollständig indirekt über öffentliche Mittel. Wenn die Leistung direkt bepreist würde, käme keiner mehr.

    • Avatar

      gerd

      20. April 2017 16:07 at 16:07

      Ja, ja die Verbraucherzentralen. Die kümmern sich um das Wesentliche im Leben – oder vielleicht auch nicht.
      Z.Bsp. Gebühren fürs Bargeldabheben bei
      Sparkassen und Volksbanken:

      Verbraucherschützer ziehen gegen einzelne Kreditinstitute vor Gericht. „Wir haben klare Belege, dass d r e i Institute ihre Kunden v o r h e r nicht ausreichend über die Preisänderung i n f o r m i e r t haben“, sagt Herr Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen.
      Görner zufolge müssen Banken und Sparkassen ihre Kunden zwei Monate vor geplanten Preisänderungen informieren und sie auf ihr Kündigungsrecht aufmerksam machen. „Bei den drei Instituten fehlte der korrekte Verweis auf das fristlose und kostenfreie Kündigungsrecht.“
      … Besonders ärgerlich ist aus Sicht Görners, wenn Kunden am Automaten nicht auf die Gebühr hingewiesen werden. Zwar seien die Finanzhäuser dazu nicht grundsätzlich verpflichtet. „Im Einzelfall kann aber Irreführung des Verbrauchers vorliegen. Dann können wir dagegen vorgehen.“.
      (Auszug aus dem Handelsblatt)

      Sauerei, jetzt hat doch der eine oder andere Kunde womöglich 2 Monate jeweils 1Euro Gebühren bezahlt – ohne dass er informiert war.
      Wenn man mich schon um 1-2 fette Euro ärmer macht, möchte ich doch wenigstens vorher informiert werden. Nee aber auch. Dann hätte ich mich auf e i n e Abhebung beschränkt oder hätte gekündigt.
      Und wenn so eine Obersauerei mit diesem immens hohen Schaden auch nur von drei Instituten verursacht wurde ( bei wie viel Tausend Sparkassen und Volksbanken?),
      ist das für die Verbraucherzentralen Grund genug vors Landgericht (Halle) zu ziehen.

      • Avatar

        Michael

        20. April 2017 16:31 at 16:31

        Und wenn dann mal alle Banken nachziehen, und nur die Hälfte aller Bundesbürger 5 Mal pro Monat Geld abhebt, macht das lächerliche 40 Millionen x 5 x 12 = schlappe 2,4 Milliarden EUR aus.
        Man sollte nicht so kleinlich gegenüber den armen Banken sein, vor allem, da sie ja nur noch 10 bis 12% Zinsen für Überziehungen kassieren.

        • Avatar

          gerd

          20. April 2017 17:22 at 17:22

          Michael, Sie wollten es eventuell in einem anderen Licht betrachtet wissen, aber in Ihrem Text finde ich trotzdem genau den Grund, warum ich das Vorgehen der Verbraucherzentralen als ein lächerliches Scheingefecht ansehe. (zur Ablenkung?)

          Es geht bei allen Kunden der drei Banken (übrigens nur bei denen mit einem ganz bestimmten Billig-Konto-Modell) zusammen womöglich nur um ein paar Hundert Euro.

          Sie zeigen aber richtigerweise auf, dass es demnächst um Hunderte Millionen, unter Umständen sogar Milliarden gehen könnte.
          Und diese Gebühren kann kein Gericht den Instituten verbieten. Und wenn das alle Banken machen, nützt es dem Kunden auch nicht, wenn er vorher informiert wird und sein Konto kündigt.

          Warum die Institute nicht freiwillig was erstattet haben, falls sie denn zuvor aufgefordert wurden, verstehe ich allerdings auch nicht.

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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am

Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

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Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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