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Vergemeinschaftung von Schulden in Europa verlagern auf Privatanleger – so wird das gemacht

Claudio Kummerfeld

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Die Vergemeinschaftung von Schulden in Europa ist ein Dauerthema, vor allem bei uns in Deutschland. Wir wollen es nicht, weil wir der größte Zahlmeister wären. Die EU-Kommission hat zwar bereits über Rettungsmechanismen wie den ESM schon eine gewisse Art der Vergemeinschaftung von Schulden eingeführt – und die EZB kauft im Auftrag aller Mitgliedsstaaten schon seit Jahren Staatsschulden auf.

Aber so richtig los geht es erst jetzt mit dem neuen Instrument der EU-Kommission namens „Sovereign Bond-Backed Securities“ (SBBS). Es ist quasi eine modernere Variante der Verbriefung von Immobilienkrediten, welche letztlich verdeckten, wie kaputt und überladen das US-Hypothekensystem im Jahr 2007 war. Nun will die EU-Kommission den Weg frei machen, dass Staatsanleihen mehrerer Eurozonen-Staaten in einer Verbriefung (also in einem „Produkt“) gebündelt werden. Dieses Produkt soll dann von privaten Investoren gekauft werden.

Also kann man annehmen, dass vielleicht Fondsgesellschaften, Pensionskassen etc solche Produkte kaufen um höhere Renditen zu erzielen. Über diesen Umweg landen letztlich die Risiken von Staatspleiten beispielsweise in Griechenland und Italien in den Rentenspar-Plänen deutscher Arbeitnehmer, ohne dass die davon überhaupt etwas mitbekommen. Zitat EU-Kommission aus einer aktuellen Veröffentlichung:

Die Europäische Kommission will regulatorische Hindernisse für die marktgetriebene Entwicklung von Wertpapieren, die durch Staatsanleihen besichert sind (Sovereign Bond-Backed Securities, kurz „SBBS“) aus dem Weg räumen. Die Wertpapiere würden von privaten Instituten aufgelegt als Verbriefung von Forderungen auf ein Portfolio aus Euroraum-Staatsanleihen. Die Verbriefungen würden keinerlei Vergemeinschaftung von Risiken und Verlusten unter den Euro-Staaten bedeuten. Risiken und mögliche Verluste würden ausschließlich von privaten Investoren getragen. Durch Anlagen in diese neuen Instrumente könnten Investoren ihre Anleihebestände diversifizieren. Banken wiederum könnten die teils noch zu enge Kopplung an ihre Herkunftsstaaten lockern.

Es klingt genau so wie in den USA vor zehn Jahren. Durch diese Verbriefungs-Geschichten sollen Risiken „verteilt“ werden. Dadurch entsteht aber beim Marktteilnehmer der Eindruck, dass das Risiko nicht mehr existiert. In Wirklichkeit ist das Risiko hierdurch überall vorhanden, und nur noch schwer erkennbar. Lesen Sie hierzu mal dieses Zitat:

„Die marktgetriebene Entwicklung von SBBS wird dazu beitragen, dass Anleger ihre Staatsanleihebestände diversifizieren können, und sie wird die Finanzmarktintegration befördern. Wir haben einen pragmatischen Vorschlag vorgelegt, der die privatwirtschaftliche Risikoübernahme über integrierte Finanzmärkte stärken und die Risiken im Bankensektor verringern wird, ohne dass Risiken vergemeinschaftet werden“, sagte der für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständige Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis. SBBS würden sich nicht negativ auf die bestehenden nationalen Anleihemärkte auswirken.

Die EU-Kommission macht aktuell Druck. Man fordere den EU-Rat und das EU-Parlament dazu auf eine „zügige Annahme und Umsetzung“ von SBBS sicherzustellen. Woher kommt der Druck? Wir überlegen mal. Besonders Länder wie Griechenland, Italien und Co dürften sich die Finger danach reiben – so könnten sie noch leichter mehr Geld am Markt aufnehmen, wenn Banken Risiken an Dritte weiterreichen können. Banken dürften sich zügig daran machen SBBS-Produkte aufzulegen, um so Staatsanleihen in eine Gulaschkanone namens SBBS-Verbriefung zu packen. Landen werden diese Produkte wohl fast überall, ohne dass viele Endverbraucher es merken – wenn ihre Lebensversicherungsgesellschaft, ihre private Rentenversicherung oder ihre Betriebsrentenversicherung so etwas in ihr eigenes Portfolio aufnimmt, wie wollen Sie als Sparer davon etwas mitbekommen? So läuft das wunderbar mit der Vergemeinschaftung von Schulden hin zum Privatanleger.

Hier nochmal die Erläuterung der SBBS zu der Funktionsweise:

SBBS sind ein Topf, in dem verschiedene Euroraum-Staatsanleihen gebündelt werden. In diesem Bündel sind die Staatsanleihen aller Euroraum-Staaten je nach deren wirtschaftlichem Gewicht enthalten. Kaufen Anleger SBBS, die durch diesen Anlagepool abgesichert sind, können sie je nach Risikobereitschaft zwischen Papieren mit höherem oder niedrigerem Risiko wählen. Die risikoreichsten Papiere würden etwaige Verluste, die bei dem zugrunde liegenden Anleihepool entstehen könnten, als Erstes tragen, würden den Anlegern dafür aber auch eine höhere Rendite bescheren.

Vergemeinschaftung von Schulden EU
© European Union, 2015 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Christophe Maout

Quelle: EU-Kommission

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Daxrabbit

    25. Mai 2018 12:56 at 12:56

    Wir werden erst uninteressant wenn wir unter das Niveau von z.B. Italien oder Spanien sinken, solange gibt es einen Grund uns zu melken. Ein Freund hat mir einmal gesagt „willst du verstehen warum ein Volk so tickt wie’s tickt must Du dich mit deren Geschichte beschäftigen“. OK, geschichtlich gesehen gehörten diese beiden Nationen einmal zu den ganz großen die sich in Rahmen der Möglichkeiten das genommen haben was sie konnten. Lediglich die Briten haben die feine moderne Variante gewählt und die Partie velassen als die Laune noch halbwegs ok war. Und was lehrt uns unsere Geschichte? Wir scheinen den A…h nicht einmal hochzukriegen wenn‘ schon 5 nach 12 ist !?

  2. Avatar

    foxxly

    25. Mai 2018 13:27 at 13:27

    Die EU lehrt uns, dass sie die probleme geschaffen hat,- mit jeder vergemeinschaftung werden sie größer,- dass die schuldnerländer alle nicht in der lage sind sich mit hilfe der wirtschaft, sich aus den schulden heraus zu wirtschaften. allein darin muss doch jeder merken, dass hierin ein systemfehler liegt! seit bestehen der eu werden die problem größer, statt kleiner. all die politik und diplomatie hat mit ihren bisherigen lösungen absolut nichts gebracht. wer halbwegs rational denken kann, der wird erkennen, dass es nur noch den weg an die wand gibt. mit mehrheitlicher unterstützung unserer wählerschaft. aufwachen!!! bitte!

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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Daniel Stelter: Die Zeitbombe tickt für Deutschland! Was jetzt passieren muß

Markus Fugmann

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Daniel Stelter zählt fraglos zu den besten Köpfen in Deutschland: Er zeigt immer wieder, dass das scheinbar so reiche Land in Wirklichkeit gar nicht so reich ist – und vor allem ab dem Jahr 2030, wenn die Babybommer in Rente gehen, die demografischen Probleme faktisch zu einer Unfinanzierbarkeit der Rentenversprechen führen.

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe Deutschlands

Was also tun? Als Pionier das Klima retten, wie Bundesregierung und EU propgaieren durch eine „Klimaplanwirtschaft„? Überall mehr Staat angesichts der massiven Einbrüche der Wirtschaft in der Coronakrise? Daniel Stelter plädiert für das Gegenteil: für einen funktionierenden Kapitalismus – denn die weiter ausgreifenden Versuche des Staates, die Wirtschaft zu lenken, wird die Wirtschaftstätigkeit bremsen statt zu beschleunigen.

Kürzlich hat Thorsten Polleit in seinem Buch  „Der Antikapitalist: Ein Weltverbesserer der keiner ist“ genau darauf aufmerksam gemacht: der Kapitalismus ist nicht unser Problem, sondern die Lösung – wenn man ihn denn funktionieren lassen würde. Aber der Ruf nach staatlicher Lenkung wird gerade in der Coronakrise immer lauter, immer tiefer mischt sich die „Obrigkeit“ in die Wirtschaft ein (etwa indem man die Insolvantragspflicht aussetzt und damit Zombie-Firmen weiter durchschleppt). Man kauft Zeit durch staatliche Rettungsmaßnahmen, ohne diese Zeit für Reformen zu nutzen. Alle reden „vom Verteilen und Besteuern“, statt die Wohlstandmehrung im Fokus zu haben – so formuliert es Daniel Stelter.

Fakt ist: „Die Lasten steigen, während unsere Wirtschaftskraft sinkt“, so der Ökonom. Also müsste die Struktur geändert werden – etwa bei der tickende Zeitbombe, der Rente. Hier schlägt Daniel Stelter einen Staatsfonds im Stile Norwegens vor, bei dem der Staat jedem Bürger unter 65 Jahren 25.000 Euro schenkt, die dann in die Finanzmärkte investiert werden. Auch in der EU müsste sich einiges ändern – und hier hat Stelter einen ungewöhnlichen Vorschlag: Deutschland und die andere Euro-Länder sollten sich auf Kosten der EZB entschulden können!

In folgendem Video fasst Stelter das zusammen, was für Deutschland und die Lösung seiner Probleme jetzt zwingend notwendig wäre:

 

Daniel Stelter über die tickende Zeitbombe in Deutschland

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