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Verschärfte Venezuela-Sanktionen der USA in Kraft: Goldman Sachs „völlig unerwartet“ mit Vorteil

Donald Trumps Chef-Wirtschaftsberater im Weißen Haus Gary Cohn, bei dem man vor Kurzem dachte er könnte seinen Job verlieren, wird womöglich bald Nachfolger von Janet Yellen als neuer Chef der...

FMW-Redaktion

Donald Trumps Chef-Wirtschaftsberater im Weißen Haus Gary Cohn, bei dem man vor Kurzem dachte er könnte seinen Job verlieren, wird womöglich bald Nachfolger von Janet Yellen als neuer Chef der US-Notenbank Federal Reserve. Was hatte er vorher gemacht? Top-Manager bei Goldman Sachs! Der als kompetent und skrupellos angesehene Finanzminister Steve Mnuchin soll für Trump die Steuerreform vorantreiben, so hoffen es viele zumindest. Was hatte er vorher gemacht? Top-Manager bei Goldman Sachs!

Also sind quasi die beiden wichtigsten Finanz-Fachleute um Trump herum Ex-Goldmänner. Aber wie soll sich das schon auswirken, wie will Goldman davon schon profitieren, fragen Sie sich jetzt? Na ja, Donald Trump hat als US-Präsident übers Wochenende verschärfte Sanktionen für Venezuela erlassen. So dürfen US-Bürger- und Unternehmen nun keine neu ausgegebenen Anleihen des Staates Venezuela mehr erwerben, und auch keine Altschulden mehr.

Das kommt natürlich einer Katastrophe gleich für Venezuela, da somit quasi die USA als Handelsplatz für Schulden für das Land gesperrt sind. Aber da war doch noch was? Ja, im Mai diesen Jahres kaufte Goldman Sachs für 2,8 Milliarden Dollar Nominalwert Schulden aus Venezuela. Nicht direkt vom Staat, aber von der staatlichen Ölgesellschaft PdVSA. Dafür hagelte es Kritik, denn Goldman unterstütze damit die Regierung Maduro. So ein Mist, denkt man jetzt als Goldmann? Sind unsere Anleihen jetzt von den Sanktionen betroffen? Nur eine Sekunde. Denn der Kniff liegt im Detail.

Wer Verschwörungstheoretiker ist, könnte nun glatt glauben die Goldmänner um Trump herum haben ihm seinen aktuellen Sanktionserlass exakt so vorgeschrieben, dass ihr Ex-Arbeitgeber Goldman glänzend davon kommt. Aber wir bei finanzmarktwelt.de glauben selbstverständlich nicht an solche obskuren Verschwörungstheorien. Daher wird das folgende sicherlich ein reiner Zufall sein.

Laut Erlass von Donald Trump ist nämlich der Handel mit neuen Schulden des Staates Venezuela verboten, wie auch der Handel mit neuen Schulden von PdVSA. Darüber hinaus ist der Handel mit Altschulden des Staates Venezuela verboten. Lesen Sie hier im Wortlaut aus dem Erlass, was ab jetzt verboten ist:

(i) new debt with a maturity of greater than 90 days of Petroleos de Venezuela, S.A. (PdVSA);

(ii) new debt with a maturity of greater than 30 days, or new equity, of the Government of Venezuela, other than debt of PdVSA covered by subsection (a)(i) of this section;

(iii) bonds issued by the Government of Venezuela prior to the effective date of this order; or

(iv) dividend payments or other distributions of profits to the Government of Venezuela from any entity owned or controlled, directly or indirectly, by the Government of Venezuela.

Was aber fehlt hier? Richtig, das Verbot des Handels mit Altschulden von PdVSA. Und genau die hält ja Goldman Sachs, nämlich Altschulden (also gekauft vor dem aktuellen Erlass) nicht des Staates, sondern der Ölgesellschaft PdVSA, obwohl die ja auch dem Staat gehört. Jeder weiß es eigentlich. Die einzige bedeutende Transaktion amerikanischer Investoren fand durch Goldman Sachs statt, und genau diese „Nicht-Erwähnung“ von Altschulden der PdVSA erlaubt es Goldman sie weiter frei zu handeln.

Hätte Trump auch diese Altschulden mit auf die Sanktionsliste gesetzt, hätte Goldman womöglich in einer Art sofortigem Notverkauf diese Anleihen abstoßen müssen, und das wohl weiter unter dem Kaufpreis – eben weil man ja hätte verkaufen müssen. Also spart diese Ausnahme, die geschickt als „Nicht-Erwähnung“ durchrutscht, Goldman wohl viel Geld – oder besser gesagt man erspart sich hohe Verluste durch einen möglichen Notverkauf, der von der US-Regierung wohl aufgezwungen worden wäre.

Wie praktisch ist es da, dass Finanzminister Mnuchin für die Durchführung dieser Sanktion zuständig ist. Ob er diese „Nicht-Erwähnung“ durchgesetzt hat im Erlass? Aber nein, nein, wir glauben nicht als solche Verschwörungstheorien. Sicher hat diese „Nicht-Erwähnung“ der PdVSA-Altschulden irgendeinen wichtigen Grund – auch wenn wir den nicht finden können.

Beobachter im politischen Washington hatten eigentlich angenommen, dass alle Venezuela-Schulden unter diese neue Sanktion fallen würden, von daher ist diese „kleine aber feine Ausnahme“ doch schon erstaunlich! Anleihe-Händler rechnen damit, dass die Pleite-Wahrscheinlichkeit des venezuelanischen Staates durch diese Sanktionen weiter steigt. Aber womöglich retten die Chinesen das Land, wenn man so einen verlässlichen Öl-Lieferanten gewinnen kann!

Es gibt in New York ganz frisch einen lustigen und gleichzeitig auch traurigen Satz, der bei einigen Anleihe-Händlern kursiert. Wenn Venezuela pleite gehe, dann aber erst nachdem Goldman sein Anleihepaket abgestoßen hat, zum Beispiel an deutsche Witwen und Weisen… (ein Verweis auf die deutschen Kleinsparer, bei denen damals die Lehman-Zertifikate landeten kurz vor der Lehman-Pleite).



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1 Kommentar

  1. Sieh mal einer an. Das ist ja wirklich sehr interessant.
    Oh, die deutschen Banken werden sich ganz sicher dieses Schnäppchen von Goldman Sachs nicht entgehen lassen und ihren Kunden als Top-Anlage verkaufen.

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