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Verschiebt die schwächelnde US-Konjunktur die Zinserhöhung nach hinten?

Von Claudio Kummerfeld

Eigentlich hatten die Aussagen der US-Notenbank „Federal Reserve“ in den letzten Wochen relativ eindeutig die Schlussfolgerung zugelassen, im Sommer würde man eine Phase der Zinserhöhung einleuten. Doch die in den letzten Tagen veröffentlichten US-Konjunkturdaten dürften wohlmöglich den Beginn der Anhebung nach hinten verschieben.

Die Zahl der wöchentlich gemeldeten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe von gestern lag bei 295.000, und somit, wenn man sich die Statistik genauer anschaut, verharren die wöchentlichen Erstanträge auf einem hohen Niveau, denn vor einem Jahr lag die Zahl um 20.000 höher – keine große Absenkung bei einer angeblich derart robusten US-Konjunktur.

Die Verkäufe neuer Häuser sank doppelt so stark wie allgemein erwartet. Der Hausmarkt ist in den USA deutlich wichtiger als in Deutschland und gilt als wichtiges Konjunkturbarometer.

Hinzu zeigen die Quartalszahlen der US-Konzerne mit starker Auslandsorientierung zunehmend, dass der starke Dollar im Gesamtjahr 2015 ernsthafte Auswirkungen haben wird. Die Umsatzrückgänge zahlreicher Unternehmen im 1. Quartal 2015 sind ein zaghafter Vorbote von dem, was in den nächsten drei Quartalen auf die Bilanzen dieser Unternehmen zukommt. Schlechte Unternehmensgewinne oder sogar Verluste verhageln in den USA auch viel mehr die Stimmung der Privatkonsumenten als in Deutschland. Dort ist es für große Teile der Bevölkerung normal Aktien zu besitzen oder aktiv zu handeln. Gewinne und Dividenden fließen oft und schnell in den Konsum – der negative Dollareffekt könnte über ausbleibende Dividenden und schlechtere Aktienkurse so auch auf den Privatkonsum stärker wirken als bisher angenommen.

Obwohl sich der Ölpreis in den letzten Tagen etwas erholt hat, ist ein Niveau von 57 Dollar immer noch viel zu schwach, als dass die Fracking-Industrie oder Firmen wie Schlumberger und Halliburton auf die Idee kommen könnten ihre kürzlich vollzogenen Massenentlassungen schnell rückgängig zu machen.

Nächste Woche wird das US-Bruttoinlandsprodukt für das 1. Quartal gemeldet. Analysten sind schon fleißig dabei ihre Erwartungen herabzusetzen, damit bei Verkündung der Schock nicht so groß ist und man sagen kann „gut, das GDP wurde im Rahmen der Erwartungen“ gemeldet.

All diese Zeichen könnten (!) auf eine Verschiebung der Zinsanhebung hindeuten.



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