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Konjunkturdaten

Verschuldung: US-Verbraucher drehen Spirale weiter

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Haben die Amerikaner ihr Wachstum mit einer gigantischen Verschuldung erkauft? Die USA sind die führende Wirtschaftsnation – und auch das aktuelle Wachstum von 2,1 Prozent deutet scheinbar auf einen Sonderstatus des Landes hin, inmitten einer weltweiten Abschwungphase. Aber wie kommt dieses Wachstum zustande? Durch eine allgegenwärtige Verschuldung, wie es immer neue Zahlen verdeutlichen.

 

Verschuldung: Amerikas Schuldenorgie

Die US-Wirtschaft befindet sich im 11. Jahr des Aufschwungs seit der Finanzkrise 2009 – und sie hat in diesem langen Zyklus im Jahr 2018 nach der Steuerreform sogar noch einen Zahn zugelegt. Die deutliche Reduzierung der Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent sollte die Wirtschaft ankurbeln, jedoch mit deutlichen Nebenwirkungen, wie die aktuelle (Staats-)Schuldenhöhe von über 23 Billionen Dollar anzeigt, mit einer Neuverschuldung von über fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein Wert, der deutlich über den Maastricht-Kriterien liegt und sogar Europas Schuldenkönige Frankreich und Italien als disziplinierte Haushälter erscheinen lässt.

Auch die Schulden der Unternehmen machen Grund zur Sorge, nicht wegen der  absoluten Höhe, sondern wegen des drastischen  Absackens der Qualität der Verbindlichkeiten (siehe hierzu den Artikel zum BBB-Risiko).

Aber kaum bemerkt, entwickelt sich in den Staaten eine weitere Schuldenblase, die in ihrer Ausprägung ein bisschen an die Subprimekrise erinnert: Es geht um die Kreditaufnahme im Automobilsektor.

 

Die Schuldenaufnahme der Verbraucher

Es ist für den Durchschnittsdeutschen schon etwas befremdlich, wie leichtfertig die Amerikaner mit ihren Schulden umgehen. Man nutzt das Eigenheim als Kreditquelle, indem man den gestiegenen Wert zur Schuldenaufnahme nutzt – und zusätzlich verwendet man eine Vielzahl von Kreditkarten, die man bis zum Limit ausreizt. Zu exorbitanten Zinsen (durchschnittlich ca. 17%!), die man hierzulande mit Zinswucher im Sinne des § 138 BGB in Verbindung brächte.

Es sind über 1,5 Milliarden Kreditkarten im Umlauf, für Überziehungen bezahlt man bis 25 Prozent Zinsen, selbst für die neue Apple Card. Eine Art Schneeballsystem, welches nur durch die allgemein sinkenden Zinsen am Platzen gehindert wird.

Und jetzt steigen die Verbraucherschulden auch im Bereich teurer Anschaffungen, wie der massenhafte Kauf von SUVs beweist, natürlich auf Pump.

Ein Ökonom der University of Michigan, Donald Grimes, hat errechnet, dass die Aufwendungen für den Erwerb eines Kfz seit der Finanzkrise um 5299 Dollar gestiegen sind, während die Löhne nur um 3646 Dollar zugelegt haben.

Um einen Autokauf möglich zu machen, nimmt man lange Kredite auf – bis zu sieben Jahren. Dabei sind die Schulden noch nicht einmal getilgt, wenn es zum Modellwechsel kommt, der in den USA meist derzeit „Aufstieg“ in einen SUV bedeutet. Bereits jeder dritte Amerikaner, der sein altes Fahrzeug für ein neues in Zahlung gibt, hat das alte noch nicht abbezahlt. Dennoch spielen die Banken mit, indem sie neue Kredite vergeben, mit teilweise horrenden Zinsen von bis zu 15 Prozent. Alte Kredite werden in neue „gerollt“.

Und nicht nur das. Der Markt für verbriefte Autokredite boomt, diese Anleihen finden reißenden Absatz. Das erinnert unweigerlich an die Subprime-Krise mit den Asset Backed Securities (ABS). Dabei zeigen neuesten Zahlen der Fed von New York, dass die Zahl der Autokäufer, die mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Rückstand sind, ansteigt. Derzeit belaufen sich die Autokredite inzwischen auf der Rekordsumme von 1,3 Billionen Dollar, was schon 5,6 Prozent der US-Wirtschaftsleistung entspricht. Auch hier, wie bei den BBB-Unternehmen, darf sich die US-Wirtschaft nicht stark abkühlen, von einer Rezession erst gar nicht zu reden.

 

Fazit

Wie in vielen Beiträgen auf FMW dargestellt, rennt die USA in eine Verschuldung hinein, die nur durch niedrigste Zinsen gestemmt werden kann.

Eine Staatsverschuldung von aktuell über 23 Billionen Dollar (mehr als 105 Prozent des BIP), Unternehmens- und Verbraucherschulden, die 2018 – 76 bzw. 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukt (Quelle statista) betrugen, machen dies ersichtlich. Wobei es bei den letzten Verbindlichkeiten gar nicht so um die absolute Höhe geht, sondern um die Art und Weise, wie sie zustande kamen (Kreditrating und Zinshöhe).

Bei Zinsanhebungen käme es umgehend zu einem Crash an den Märkten, durch massenhaften Zahlungsausfall von Unternehmen und Konsumenten. Das Jahr 2018, vor allem mit seinem Börseneinbruch im letzten Quartal, gab dafür einen Vorgeschmack. Die Federal Reserve spricht aber von einer gesunden Konjunktur und begründet ihre Zinspolitik mit den Risiken, die sich aus der Abschwächung der Weltwirtschaft und des Handelsstreits ergeben.

Aber liegt das Problem nicht vorwiegend auch in dem Gebahren der US-Wirtschaft, die nur durch eine exorbitante Verschuldung Wachstum erzielen kann? Das Thema Automobilkredite macht dieses Problem derzeit so richtig deutlich.

Der US-Konsument steht für einen gigantischen Jahresumsatz von 14 Billionen Dollar, als Bruttoinlandsprodukt gerechnet wäre es das zweitgrößte der Welt, noch vor China. Aber wie kommt diese gewaltige Konsumorgie von aktuell 332 Millionen Bürgern zustande? Es ist nach meiner Wahrnehmung schon so etwas wie ein kleines Schneeballsystem, am besten erkennbar an den zahllosen Kreditkarten, die akkumuliert werden, um die Zinslast der ausgeschöpften Kartenlimits zu stemmen.

Es wird noch einige Zeit weitergehen unter dem Motto „In Fed we trust“ – bis zum bitteren Ende. Dafür wird schon die Finanzmathematik sorgen, bekannt unter dem Zinseszinseffekt, der erst recht für nicht getilgte Schulden gilt.

Aber was für mich eine weitere Erkenntnis aus diesem Schulden-Dilemma ist:

Donald Trump darf mit seinen Zöllen den US-Konsumenten nicht weiter belasten, die gerade dargelegten Zusammenhänge sprechen für sich. Eskaliert er nochmals, spätestens am 15. Dezember, bekommt er die Rechnung. Zuerst am Aktienmarkt und später in der Realwirtschaft.

Die Verschuldung der Amerikaner ist eine tickende Zeitbombe

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    TM

    3. Dezember 2019 10:53 at 10:53

    Liegen die Kreditkartenzinsen hier nicht auf einem ähnlichen Niveau? Also bei meiner meistgenutzten Karte läge der Zins bei 15%, wobei die ja nie zu zahlen sind, da ich den fälligen Betrag immer auf einen Schlag monatlich bezahle. Das mag in den USA anders sein, wobei die Zinsbelastung der US-Haushalte weiterhin historisch niedrig ist und die Schuldenquote der US-Privathaushalte ist im internationalen Vergleich nicht sonderlich hoch.

    Bei den Autokrediten mag der Anstieg krass sein, aber hier gilt, dass der Anteil der Autokredite an den Gesamtschulden eher gering ist – was bei den Hypotheken anders ist.

    Sollte die nächste Krise also überhaupt von den USA ausgehen (und nicht von China oder den stark in USD verschuldeten Schwellenländern), dann wohl eher aufgrund der vielen schlechten Unternehmenskredite (wie FMW kürzlich berichtete). Sollte die Krise nun bevorstehen, dann bitte rechtzeritig vor den US-Wahlen…

  2. Avatar

    Prognosti

    3. Dezember 2019 13:55 at 13:55

    Bitte nicht vergessen, ein grosser Teil des Wachstums der letzten 10Jahre wurde durch übermässige Verschuldung von China gefördert. Dies wird nicht mehr möglich sein. oder könnte sogar negative Folgen haben,wenn China auch schwächelt.
    Der neueste Beitrag von FELIX ZULAUF, an Alle die täglich auf den DEAL warten:
    Der Handelskrieg wird 10 Jahre dauern!

  3. Avatar

    Zimmermann

    3. Dezember 2019 18:40 at 18:40

    Es wird zu einer Eskalation kommen und einen Deal geben. Man darf froh sein, dass einem der Markt nochmal die Gelegenheit gibt in die Rally miteinzusteigen. Nicht dass das Geheule wieder groß wird, wenn man wieder nicht dabei ist.

    Was die Verschuldung der USA betrifft, so ist das kein Problem solange der USD Weltleitwährung ist und der Rest der Welt das ganze finanzieren. Also da wird eine Schreckenszenario an die Wand gemalt, das nicht zum Tragen kommt.

    Von der Schuldenfront ist aus den USA nichts zu befürchten.

    • Avatar

      Nico

      3. Dezember 2019 20:09 at 20:09

      @Zimmermann. Ihren Optimismus in allen Ehren. Weil der US-Dollar Weltleitwährung ist, nimmt das Ausland den verschuldeten Autokäufern und Kreditkarteninhabern, Hausbesitzern und Studenten ihre Schulden ab? Schulden sind kein Problem, genau wie die Hausschulden der Amis bei der Finanzkrise 2008/2009 und da hat man die Verbindlichkeiten sogar geschickt versteckt, in Triple A-Anleihen gebündelt. Ach ja, Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich nur.

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Konjunkturdaten

US-Verbrauchervertrauen schwächer, Erwartungen fallen deutlich

Markus Fugmann

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am

Das US-Verbrauchervertrauen (Conference Board; November) ist mit 96,0 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 98,0; Vormonat war 100,9, nun auf 101,4 nach oben revidiert).

Die Erwartung liegt bei 89,5 (Vormonat war 98,4)

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei 105,9 (Vormonat war 104,6)

Wie zuletzt immer wieder ist die Seite des Conference Board down – wegen aktuell zu viel Traffic. Sehr wahrscheinlich ist, dass die Republikner depressiv geworden sind..

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Europa

ifo Index mit zweitem Rückgang in Folge – Lage ok, Erwartungen schwächer

Markus Fugmann

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Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für November veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 90,7 (Prognose war 90,1; Vormonat Oktober war 92,7) – das ist der zweite Rückgang in Folge nach zuvor fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,0 (Prognose war 87,0; Vormonat war 90,3)

– Erwartungen: 91,5 (Prognose war 93,5; Vormonat war 95,0)

Dazu Wohlrabe von ifo: Dienstleistungssektor spürbar schwächer, Industrie hat sich Abwärtsentwicklung entgegen gestemmt, Handel schwächer

Hier die Pressemitteilung des ifo:

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im November auf 90,7 Punkte gesunken, nach 92,5 Punkten im Oktober. Der Rückgang war vor allem auf deutlich pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Auch ihre aktuelle Lage bewerteten sie etwas weniger gut. Die Geschäftsunsicherheit ist gestiegen. Die zweite Corona-Welle hat die Erholung der deutschen Wirtschaft unterbrochen.

Das Verarbeitende Gewerbe ist der Lichtblick in diesem Monat. Das Geschäftsklima hat sich verbessert. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage deutlich besser. Die Auftragseingänge stiegen, wenn auch langsamer als im Vormonat. Der Ausblick auf die kommenden Monate fiel jedoch merklich weniger optimistisch aus.

Im Dienstleistungssektor hat der Geschäftsklimaindikator merklich nachgegeben. Er liegt erstmals seit dem Juni wieder im negativen Bereich. Die zuletzt gute Lageeinschätzung hat sich deutlich eingetrübt. Zudem blicken erheblich mehr Unternehmen pessimistisch auf die kommenden Monate. Die Indikatoren im Bereich Hotels und Gastgewerbe sind regelrecht abgestürzt.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima verschlechtert. Die Unternehmen waren mit ihrer aktuellen Lage weniger zufrieden. Auch die Erwartungen trübten sich merklich ein. Insbesondere die Einzelhändler berichteten von deutlich weniger gut laufenden Geschäften.

Im Bauhauptgewerbe hat der Index leicht nachgegeben. Die Baufirmen bewerteten ihre aktuelle Lage etwas besser als im Vormonat. Ihre Erwartungen hingegen fielen etwas pessimistischer aus.“

Der ifo Index ist das wichtgiste deutsche Konjunkturbarometer

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Konjunkturdaten

US-Einkaufsmanagerindizes bester Wert seit 2015, Preise mit Rekoranstieg, Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

Veröffentlicht

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Soeben wurde die Einkaufsmanagerindizes für die USA (Markit PMI; November) veröffentlicht:

Verarbeitendes Gewerbe: 56,7 (Prognose war 53,0; Vormonat war 53,4)

Dienstleistung: 57,7 (Prognose war 55,0; Vormonat war 56,9)

Gesamtindex: 57,7 (Vormonat war 56,9)

Dazu schreibt Markit, das die Daten erhebt:

“The November PMI surveys provide the first postelection snapshot of the US economy, and makes forvery encouraging reading, though stronger economic growth is quite literally coming at a price.
“First the good news: business activity across both manufacturing and services rose in November at the strongest rate since March 2015. The upturn
reflected a further strengthening of demand, which in turn encouraged firms to take on staff at a rate not  previously seen since the survey began in 2009. “However, the surge in demand and hiring has pushed prices and wages higher. Average selling prices for goods and services rose at the fastest rate yet recorded by the survey, with shortages of supplies also more widespread than at any time previously reported.
“Firms are scrambling for inputs and workers to meet the recent growth of demand, and to meet rising future workloads. Expectations about the year ahead have surged to the most optimistic for over six years, reflecting the combination of a post-election lift to confidence and encouraging news that vaccines may allow a return to more normal business conditions in the not too distant future.”

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