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Konjunkturdaten

Verschuldung: US-Verbraucher drehen Spirale weiter

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Haben die Amerikaner ihr Wachstum mit einer gigantischen Verschuldung erkauft? Die USA sind die führende Wirtschaftsnation – und auch das aktuelle Wachstum von 2,1 Prozent deutet scheinbar auf einen Sonderstatus des Landes hin, inmitten einer weltweiten Abschwungphase. Aber wie kommt dieses Wachstum zustande? Durch eine allgegenwärtige Verschuldung, wie es immer neue Zahlen verdeutlichen.

 

Verschuldung: Amerikas Schuldenorgie

Die US-Wirtschaft befindet sich im 11. Jahr des Aufschwungs seit der Finanzkrise 2009 – und sie hat in diesem langen Zyklus im Jahr 2018 nach der Steuerreform sogar noch einen Zahn zugelegt. Die deutliche Reduzierung der Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent sollte die Wirtschaft ankurbeln, jedoch mit deutlichen Nebenwirkungen, wie die aktuelle (Staats-)Schuldenhöhe von über 23 Billionen Dollar anzeigt, mit einer Neuverschuldung von über fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ein Wert, der deutlich über den Maastricht-Kriterien liegt und sogar Europas Schuldenkönige Frankreich und Italien als disziplinierte Haushälter erscheinen lässt.

Auch die Schulden der Unternehmen machen Grund zur Sorge, nicht wegen der  absoluten Höhe, sondern wegen des drastischen  Absackens der Qualität der Verbindlichkeiten (siehe hierzu den Artikel zum BBB-Risiko).

Aber kaum bemerkt, entwickelt sich in den Staaten eine weitere Schuldenblase, die in ihrer Ausprägung ein bisschen an die Subprimekrise erinnert: Es geht um die Kreditaufnahme im Automobilsektor.

 

Die Schuldenaufnahme der Verbraucher

Es ist für den Durchschnittsdeutschen schon etwas befremdlich, wie leichtfertig die Amerikaner mit ihren Schulden umgehen. Man nutzt das Eigenheim als Kreditquelle, indem man den gestiegenen Wert zur Schuldenaufnahme nutzt – und zusätzlich verwendet man eine Vielzahl von Kreditkarten, die man bis zum Limit ausreizt. Zu exorbitanten Zinsen (durchschnittlich ca. 17%!), die man hierzulande mit Zinswucher im Sinne des § 138 BGB in Verbindung brächte.

Es sind über 1,5 Milliarden Kreditkarten im Umlauf, für Überziehungen bezahlt man bis 25 Prozent Zinsen, selbst für die neue Apple Card. Eine Art Schneeballsystem, welches nur durch die allgemein sinkenden Zinsen am Platzen gehindert wird.

Und jetzt steigen die Verbraucherschulden auch im Bereich teurer Anschaffungen, wie der massenhafte Kauf von SUVs beweist, natürlich auf Pump.

Ein Ökonom der University of Michigan, Donald Grimes, hat errechnet, dass die Aufwendungen für den Erwerb eines Kfz seit der Finanzkrise um 5299 Dollar gestiegen sind, während die Löhne nur um 3646 Dollar zugelegt haben.

Um einen Autokauf möglich zu machen, nimmt man lange Kredite auf – bis zu sieben Jahren. Dabei sind die Schulden noch nicht einmal getilgt, wenn es zum Modellwechsel kommt, der in den USA meist derzeit „Aufstieg“ in einen SUV bedeutet. Bereits jeder dritte Amerikaner, der sein altes Fahrzeug für ein neues in Zahlung gibt, hat das alte noch nicht abbezahlt. Dennoch spielen die Banken mit, indem sie neue Kredite vergeben, mit teilweise horrenden Zinsen von bis zu 15 Prozent. Alte Kredite werden in neue „gerollt“.

Und nicht nur das. Der Markt für verbriefte Autokredite boomt, diese Anleihen finden reißenden Absatz. Das erinnert unweigerlich an die Subprime-Krise mit den Asset Backed Securities (ABS). Dabei zeigen neuesten Zahlen der Fed von New York, dass die Zahl der Autokäufer, die mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Rückstand sind, ansteigt. Derzeit belaufen sich die Autokredite inzwischen auf der Rekordsumme von 1,3 Billionen Dollar, was schon 5,6 Prozent der US-Wirtschaftsleistung entspricht. Auch hier, wie bei den BBB-Unternehmen, darf sich die US-Wirtschaft nicht stark abkühlen, von einer Rezession erst gar nicht zu reden.

 

Fazit

Wie in vielen Beiträgen auf FMW dargestellt, rennt die USA in eine Verschuldung hinein, die nur durch niedrigste Zinsen gestemmt werden kann.

Eine Staatsverschuldung von aktuell über 23 Billionen Dollar (mehr als 105 Prozent des BIP), Unternehmens- und Verbraucherschulden, die 2018 – 76 bzw. 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukt (Quelle statista) betrugen, machen dies ersichtlich. Wobei es bei den letzten Verbindlichkeiten gar nicht so um die absolute Höhe geht, sondern um die Art und Weise, wie sie zustande kamen (Kreditrating und Zinshöhe).

Bei Zinsanhebungen käme es umgehend zu einem Crash an den Märkten, durch massenhaften Zahlungsausfall von Unternehmen und Konsumenten. Das Jahr 2018, vor allem mit seinem Börseneinbruch im letzten Quartal, gab dafür einen Vorgeschmack. Die Federal Reserve spricht aber von einer gesunden Konjunktur und begründet ihre Zinspolitik mit den Risiken, die sich aus der Abschwächung der Weltwirtschaft und des Handelsstreits ergeben.

Aber liegt das Problem nicht vorwiegend auch in dem Gebahren der US-Wirtschaft, die nur durch eine exorbitante Verschuldung Wachstum erzielen kann? Das Thema Automobilkredite macht dieses Problem derzeit so richtig deutlich.

Der US-Konsument steht für einen gigantischen Jahresumsatz von 14 Billionen Dollar, als Bruttoinlandsprodukt gerechnet wäre es das zweitgrößte der Welt, noch vor China. Aber wie kommt diese gewaltige Konsumorgie von aktuell 332 Millionen Bürgern zustande? Es ist nach meiner Wahrnehmung schon so etwas wie ein kleines Schneeballsystem, am besten erkennbar an den zahllosen Kreditkarten, die akkumuliert werden, um die Zinslast der ausgeschöpften Kartenlimits zu stemmen.

Es wird noch einige Zeit weitergehen unter dem Motto „In Fed we trust“ – bis zum bitteren Ende. Dafür wird schon die Finanzmathematik sorgen, bekannt unter dem Zinseszinseffekt, der erst recht für nicht getilgte Schulden gilt.

Aber was für mich eine weitere Erkenntnis aus diesem Schulden-Dilemma ist:

Donald Trump darf mit seinen Zöllen den US-Konsumenten nicht weiter belasten, die gerade dargelegten Zusammenhänge sprechen für sich. Eskaliert er nochmals, spätestens am 15. Dezember, bekommt er die Rechnung. Zuerst am Aktienmarkt und später in der Realwirtschaft.

Die Verschuldung der Amerikaner ist eine tickende Zeitbombe

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    TM

    3. Dezember 2019 10:53 at 10:53

    Liegen die Kreditkartenzinsen hier nicht auf einem ähnlichen Niveau? Also bei meiner meistgenutzten Karte läge der Zins bei 15%, wobei die ja nie zu zahlen sind, da ich den fälligen Betrag immer auf einen Schlag monatlich bezahle. Das mag in den USA anders sein, wobei die Zinsbelastung der US-Haushalte weiterhin historisch niedrig ist und die Schuldenquote der US-Privathaushalte ist im internationalen Vergleich nicht sonderlich hoch.

    Bei den Autokrediten mag der Anstieg krass sein, aber hier gilt, dass der Anteil der Autokredite an den Gesamtschulden eher gering ist – was bei den Hypotheken anders ist.

    Sollte die nächste Krise also überhaupt von den USA ausgehen (und nicht von China oder den stark in USD verschuldeten Schwellenländern), dann wohl eher aufgrund der vielen schlechten Unternehmenskredite (wie FMW kürzlich berichtete). Sollte die Krise nun bevorstehen, dann bitte rechtzeritig vor den US-Wahlen…

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    Prognosti

    3. Dezember 2019 13:55 at 13:55

    Bitte nicht vergessen, ein grosser Teil des Wachstums der letzten 10Jahre wurde durch übermässige Verschuldung von China gefördert. Dies wird nicht mehr möglich sein. oder könnte sogar negative Folgen haben,wenn China auch schwächelt.
    Der neueste Beitrag von FELIX ZULAUF, an Alle die täglich auf den DEAL warten:
    Der Handelskrieg wird 10 Jahre dauern!

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    Zimmermann

    3. Dezember 2019 18:40 at 18:40

    Es wird zu einer Eskalation kommen und einen Deal geben. Man darf froh sein, dass einem der Markt nochmal die Gelegenheit gibt in die Rally miteinzusteigen. Nicht dass das Geheule wieder groß wird, wenn man wieder nicht dabei ist.

    Was die Verschuldung der USA betrifft, so ist das kein Problem solange der USD Weltleitwährung ist und der Rest der Welt das ganze finanzieren. Also da wird eine Schreckenszenario an die Wand gemalt, das nicht zum Tragen kommt.

    Von der Schuldenfront ist aus den USA nichts zu befürchten.

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      Nico

      3. Dezember 2019 20:09 at 20:09

      @Zimmermann. Ihren Optimismus in allen Ehren. Weil der US-Dollar Weltleitwährung ist, nimmt das Ausland den verschuldeten Autokäufern und Kreditkarteninhabern, Hausbesitzern und Studenten ihre Schulden ab? Schulden sind kein Problem, genau wie die Hausschulden der Amis bei der Finanzkrise 2008/2009 und da hat man die Verbindlichkeiten sogar geschickt versteckt, in Triple A-Anleihen gebündelt. Ach ja, Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich nur.

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Konjunkturdaten

Aktuell: Verkäufe neuer US-Häuser schwach

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Die Verkäufe neuer US-Häuser (New Homes Sales; Dezember) sind mit -0,4% auf eine Jahresrate von 694.000 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +1,5% auf eine Jahresrate von 730.000; Vormonat war +1,3% auf eine Jahresrate von 719.000, nun jedoch auf -1,1% auf eine Jahresrate von 697.000 nach unten revidiert).

Interessant ist, dass die Durchschnittspreise weiter steigen, das Angebot an Häusern aber größer geworden ist. Die Zahlen sind insbesondere schwach, weil die Finanzierungsbedingungen in den mortgage rates durch die fallenden Zinsen günstiger geworden sind!

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Europa

Aktuell: ifo Index schwächer als erwartet, „überraschende Eintrübung“

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Der ifo Index (wichtigstes deutsches Konjunkturbarometer) für den Monat Januar liegt nur bei 95,9 Punkten (Prognose war 97,0; Vormonat war 96,3).

Die aktuelle Lageeinschätzung liegt bei 99,1 (Prognose war 99,2; Vormonat war 98,8).

Die Geschäftserwartung deutlich schwächer, sie liegt bei 92,9 (Prognose war 95,0; Vormonat war 93,8).

Dazu kommentiert Klaus Wohlrabe (ifo): Deutsche Wirtschaft startet verhalten ins neue Jahr; überraschende Eintrübung der Konjunktur; verarbeitendes Gewerbe zeigt Zeichen der Erholung; Dienstleistungssektor aber spürbar schwächer, auch Bauindex hat nachgegeben

 

Dazu die Pressemitteilung des ifo:

 

„Die Stimmung in den deutschen Chefetagen ist zum Jahresstart leicht gesunken. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Januar auf 95,9 Punkte gefallen, nach 96,3 Punkten im Dezember. Dies war auf pessimistischere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Der Indikator zur aktuellen Lage ist hingegen leicht gestiegen. Die deutsche Wirtschaft startet verhalten ins neue Jahr.

Das Verarbeitende Gewerbe zeigt Zeichen der Erholung. Das Geschäftsklima hat sich merklich verbessert. Insbesondere der Index zur aktuellen Lage legte deutlich zu. Ein stärkerer Anstieg war zuletzt im Februar 2017 zu beobachten. Zudem nahm der Pessimismus der Unternehmer mit Blick auf die kommenden Monate erneut ab. Die Kapazitätsauslastung stieg von 82,6 auf 83,1 Prozent.

Im Dienstleistungssektor ist der Indikator spürbar gefallen. Dies war auf merklich zurückhaltendere Erwartungen der Unternehmen zurückzuführen. Mit ihrer aktuellen Lage waren sie hingegen etwas zufriedener.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima verbessert. Die Indikatoren zur aktuellen Lage und zu den Erwartungen lagen höher als im Vormonat. Dies war aber nur auf den Großhandel zurückzuführen. Die Einzelhändler äußerten sich zurückhaltender.

Im Bauhauptgewerbe hat der Index nachgegeben. Die Einschätzungen zur aktuellen Lage fielen auf den niedrigsten Stand seit Juni 2018. Zudem nahm die Skepsis mit Blick auf die kommenden Monate erneut zu.“

Der ifo Index ist der wichtigste Konjunkturindikator für Deutschland

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Asien

Wie der Coronavirus Chinas Wirtschaft belastet

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Wuhan und 12 weitere Metropolen in der Provinz Hubai wurden bereits abgeriegelt – damit sind mehr als 43 Millionen Menschen in China direkt von dem Coronavirus betroffen.

Der Coronavirus legt das Verkehrs- und Industriezentrum Zentral-Chinas lahm

Über vierzig Millionen Chinesen, also die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands, sind aktuell bereits von den Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit und akuter Ansteckungsgefahr durch den Coronavirus betroffen.

Zuletzt ist die Zahl der infizierten Personen auf über 900 angestiegen, 27 Menschen sind bereits an der Lungenkrankheit, die der Virus auslöst, verstorben. Erste Fälle aus Taiwan, Südkorea, Thailand, Japan, Hongkong und den USA sind ebenfalls bekannt.

Neben der Stilllegung des Fernverkehrs hat Peking nun auch eine weitere drastische Maßnahme zur Eindämmung der Epidemie ergriffen: Reisebüros in ganz China dürfen ab sofort keine Pauschalreisen mehr für das In- und Ausland anbieten. Damit ist neben dem Transport- und Fertigungssektor in der Industrieregion nun auch die gesamte chinesische Touristikbranche negativ betroffen.

In der elf Millionen Einwohner zählenden Stadt Wuhan, die das Verkehrs- und Produktionszentrum Zentral-Chinas ist, sind alle öffentlichen Verkehrsverbindungen in und aus der Stadt, also via Zug, Flugzeug, Fähre und Bus, stillgelegt worden. Die Stadt liegt an den Flüssen Jangtse und Han.

Die Ausbreitung des aktuellen Coronavirus erinnert an die SARS-Pandemie aus dem Winter 2002/2003, die etwa 1.000 Todesopfer forderte. Auch damals war zunächst ein bis dahin unbekanntes Coronavirus aufgetreten, das man später als SARS-assoziiertes Coronavirus (SARS-CoV) bezeichnete. SARS steht für „severe acute respiratory syndrome“. Das schwere akute Atemwegssyndrom stellt besonders für ältere und gesundheitlich angeschlagenen Personen eine lebensgefährliche Bedrohung dar.

Die Ansteckungsgefahr ist sehr hoch, da das Coronavirus nicht nur die Artenbarriere überwinden kann, sondern relativ leicht via Tröpfcheninfektion übertragbar ist. Der Virus kann zudem bis zu 24 Stunden außerhalb eines Wirtes überleben.

Ein weiteres Risiko ist die Inkubationszeit von zwei bis sieben Tagen, die dazu führt, dass die mit dem Coronavirus infizierten Personen erst nach einigen Tagen Symptome wie hohes Fieber, Husten, Heiserkeit und Halsentzündungen bemerken. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zur Entzündung der Lungenflügel und akuter Atemnot.

Da momentan in China eine erhöhte Reisetätigkeit im Rahmen des chinesischen Neujahrsfests stattfindet, besteht die Gefahr, dass sich das Coronavirus über Reisende weit über die betroffene Provinz Hubai hinaus ausbreitet.

Aktuell werden Passagiere an Flughäfen und Bahnhöfen an Hand von elektronischen Fieberthermometern und Wärmebildkameras überall in China überprüft. Aufgrund der Inkubationszeit kann aber nicht jeder Infizierte auf diese Art und Weise sofort entdeckt werden.

Eine heilende medikamentöse Therapie gegen die Viruserkrankung gibt es nicht. Die Patienten werden mit Cortison, Virostatika und Antibiotika behandelt. Letztere sollen die zusätzlich auftretende bakterielle Infektion der Atemwege lindern.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Coronavirus

An den Aktienmärkten in China werden die ökonomischen Auswirkungen erst mit Verspätung ankommen, da im gesamten Reich der Mitte der Wertpapierhandel anlässlich der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest vom 24. bis zum 30. Januar pausiert.

Ersten Schätzungen zufolge könnte die Epidemie das Wirtschaftswachstum des Landes im Gesamtjahr 2020 um bis zu 1,2 Prozent schmälern. Bereits im letzten Jahr war die Konjunktur mit nur 6,2 Prozent mit der niedrigsten Rate seit 29 Jahren gewachsen. Für dieses Jahr wurde bereits vor dem Ausbruch der Epidemie mit einem schwächeren Wachstum unterhalb der Sechs-Prozent-Marke gerechnet (5,9 Prozent). Für die chinesische Wirtschaft könnte die Virus-Epidemie also je nach Verlauf zu einer spürbaren Zusatzbelastung mitten in einer ohnehin schon stattfindenden Wachstumsabkühlung werden.

Die Economist Intelligence Unit (EIU), ein Unternehmen der The Economist Group, warnt, dass die ökonomischen Auswirkungen über China hinaus erheblich sein können, wenn sich das Virus über China hinaus zu einer Pandemie ausbreitet. Die SARS-Krise im Jahr 2003 kostete die chinesische Wirtschaft 1 Prozent, die Weltwirtschaft lediglich 0,2 Prozent. Gleichwohl boomte China damals und wuchs noch mit zweistelligen Wachstumsraten pro Jahr. Heute ist die zweitgrößte Volkswirtschaft ökonomisch durch den Handelskrieg mit den USA, hohe Unternehmensschulden, eine grassierende Schweinegrippe und eine ausgeprägte Immobilienblase geschwächt. Dazu kommen noch die durch die Proteste leidenden wirtschaftlichen Aktivitäten im Tourismus, dem Handel und dem Finanzmarkt in Hongkong.

Ausbreitung als größtes Risiko für die Weltwirtschaft

Abgesehen von den Kosten für die Eindämmung der Epidemie und die Gesundheitskosten, wird es für verschiedene Bereiche der chinesischen Wirtschaft je nach Verlauf der Virusverbreitung zu Schäden kommen. So zum Beispiel in der Luftfahrt, dem Tourismus, dem stationären Einzelhandel sowie bei persönlichen Dienstleistungen. Hält die Epidemie über die Feiertage in China hinaus an, müssten auch Betriebe, Schulen, Universitäten und Behörden geschlossen bleiben.

Bei einer verstärkten Ausbreitung über die Landesgrenzen hinaus, wären ähnliche volkswirtschaftliche Schäden auch in den betroffenen Nachbarländern und anderen Ländern zu erwarten. Vor allem dann, wenn sich die Epidemie zu einer weltweiten Pandemie ausbreitet. Dies könnte die zuletzt leicht positiven Frühindikatoren der OECD für die Weltwirtschaft wieder zum Kippen bringen und eine milde und temporäre Rezession, u. a. in Deutschland und den USA, bewirken.

Fazit und Ausblick

Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Ort des Ausbruchs der Epidemie, Wuhan, wird kurzfristig schwerwiegend sein. Die 11 Millionen Einwohner zählende Metropole der Provinz Hubei ist Sitz der wichtigsten einheimischen Automobil- und Stahlindustrie. Die als „Durchgangsstraße Chinas“ bekannte Stadt fungiert als Verkehrs- und Industriezentrum für Zentral-China und ist das politische, wirtschaftliche und kommerzielle Zentrum der Region.

Kommt es im Zuge der alljährlichen Reisewelle anlässlich der chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten zu einer verstärkten Ausbreitung des Virus durch Personen, die nicht als infiziert identifiziert werden können (bedingt durch die Inkubationszeit) oder die individuell mit Fahrrädern, Motorrädern, Autos, Booten oder zu Fuß die Absperrungen umgehen, dann könnte das Thema noch für einige Zeit die Schlagzeilen beherrschen. Umso länger die Notfallmaßnahmen der Regierung die gesamte Industrieregion Hubai lahmlegen, umso größer wird der lokale Schaden am Ende sein.

Von Wuhan aus verbreitet sich das Coronavirus

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