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Militärschlag der USA gegen Russland? Versenkten die USA den russischen Frachter „Ursa Major“?

Versenkten die USA den russischen Frachter „Ursa Major“?
Foto: alexey_seafarer - Freepik.com

Haben Streitkräfte der USA den russischen Frachter Ursa Major gezielt außer Gefecht gesetzt, oder ging das Schiff durch einen internen Defekt verloren? Der Untergang im Mittelmeer führt tief in verdeckte Militärlogistik, Sanktionsbruch und geheime Machtspiele auf hoher See. Explosionen, geheime Ladung und ein versunkener Frachter. Der Fall Ursa Major wirft Fragen auf, die weit über einen Schiffsunfall hinausgehen.

USA und Russland: Notruf, Feuer, Explosionen: Das Ende der Ursa Major

Weihnachten 2024. Rund 40 Seemeilen vor der spanischen Mittelmeerküste gerät das russische Versorgungsschiff Ursa Major in Seenot. Auf offener See bricht im Maschinenraum ein Feuer aus. Nach Angaben russischer und spanischer Stellen kommt es zu mehreren Explosionen, die den Rumpf schwer beschädigen. Kurz darauf setzt die Besatzung einen dringenden SOS-Funkspruch ab.

Die spanische Seenotrettung reagiert umgehend. Ein Patrouillenboot sowie das Rettungsschiff Clara Campoamor laufen aus, unterstützt von Hubschraubern und weiteren Einheiten. In einer koordinierten Rettungsaktion werden 14 Besatzungsmitglieder aus dem Meer geborgen und an Land gebracht. Dort übernimmt das Rote Kreuz die Versorgung, die Seeleute werden vorübergehend in Notunterkünften untergebracht.
Zwei Mitglieder der Besatzung gelten bis heute als vermisst. Wenig später sinkt die Ursa Major. Das Schiff ist verloren.

Militärische Missionen hinter ziviler Tarnung

Die Ursa Major war kein gewöhnlicher Frachter. Das russische Versorgungsschiff stand seit Jahren im Fokus westlicher Beobachter, weil es wiederholt mit militärischen Transporten in Verbindung gebracht wurde. Nach Recherchen westlicher Medien gehörte die Ursa Major zu einer Flotte russischer Schiffe, die regelmäßig zwischen russischen Häfen und Syrien verkehrten. Sie soll Teil der sogenannten „Syria Express“ Route gewesen sein, über die Moskau militärische Ausrüstung und Versorgungsgüter für das Assad Regime transportierte.

Offiziell war das Schiff als ziviler Frachter registriert. In sicherheitspolitischen Analysen wurde es jedoch als logistisches Bindeglied der russischen Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer beschrieben. Die Routen, die Ladung und die Betreiberstruktur ließen Zweifel an einem rein kommerziellen Einsatz aufkommen. Auch westliche Geheimdienste führten das Schiff seit Jahren als sicherheitsrelevant.

Zur Ursache des Unglücks machen die Beteiligten widersprüchliche Angaben. Russische Stellen erklärten unmittelbar nach dem Untergang, es habe sich um einen Brand im Maschinenraum gehandelt, ausgelöst durch technische Defekte. Kurz darauf folgte eine weitere Version. Moskau sprach von einem gezielten Angriff und brachte den Begriff Terrorismus ins Spiel. Demnach könnten Sabotage oder eine Explosion von außen für das Sinken verantwortlich gewesen sein.

Europäische Behörden äußerten sich zurückhaltender. Ermittlungen in mehreren Mittelmeerstaaten konzentrieren sich bislang auf technische Ursachen und mögliche Explosionen an Bord. Hinweise auf einen gezielten Anschlag wurden weder bestätigt noch ausgeschlossen. Offizielle Ergebnisse liegen bis heute nicht vor.

Fest steht, dass die Ursa Major kein gewöhnlicher Frachter war. Einsatzprofil, Fahrtrouten und bekannte Transportaufgaben deuten darauf hin, dass das Schiff Teil der russischen Militärlogistik und damit des militärischen Apparates Moskaus war.

Ein Zeitungsbericht mit brisanten Behauptungen

Ein Jahr nach dem Untergang der Ursa Major veröffentlichte die spanische Regionalzeitung La Verdad einen ausführlichen Bericht über einen möglichen Hintergrund des Vorfalls. In dem Artikel wird behauptet, dass die Ermittlungen spanischer Behörden dokumentiert hätten, was sich an Bord des Frachters befand und wie das Schiff beschädigt wurde. La Verdad ist derzeit die einzige veröffentlichte Quelle, die diese Darstellung schildert. Der Bericht liegt öffentlich nicht als offizieller Ermittlungsbericht vor, und die Darstellung kann nicht unabhängig überprüft werden.

Nach La Verdad wurden spanische maritime Überwachungsstellen bereits am 21. Dezember 2024 auf den Kurs der Ursa Major aufmerksam, weil sie unregelmäßige Bewegungen zeigte. Am 22. Dezember verlor das Schiff ohne ersichtlichen Grund an Geschwindigkeit und änderte seinen Kurs. Die erste direkte Funkverbindung erfolgte erst am 23. Dezember, als die Besatzung schließlich einen Mayday-Ruf absetzte. Die Zeitung zitiert Aussagen des Kapitäns, wonach an Bord mehrere Explosionen stattfanden und ein Loch im Rumpf entstand, dessen Kanten nach innen gebogen wären. Nach La Verdad könnte dies auf einen äußeren Durchschlag hindeuten, etwa durch eine Unterwasserdetonation.

Ein zentrales Element des La Verdad-Berichts ist die Behauptung, dass das Schiff entgegen der offiziellen Ladungsangaben zwei große, nicht deklarierte Container an Bord hatte, die auf Luftaufnahmen erkennbar gewesen seien. Diese Container sollen nach Einschätzung der Zeitung Komponenten von VM-4SG-Reaktoren für den Antrieb nuklearer U-Boote oder ähnlicher Systeme enthalten haben. Die Zeitung führt aus, dass spanische Behörden diese Bauteile identifiziert und vermutet hätten, dass sie für den Weitertransport bestimmt gewesen seien.

La Verdad beschreibt weiter, dass ein russisches Militärschiff, die Ivan Gren, nach dem Notruf am Unglücksort erschien und Druck auf die spanischen Rettungskräfte ausübte, sich aus dem Bereich zurückzuziehen. Dem Bericht zufolge feuerten Besatzungsangehörige der Ivan Gren rote Leuchtkörper in den Himmel, um angeblich die Satellitenüberwachung zu stören, kurz bevor die Ursa Major endgültig sank.

Im Januar 2025 erschien zudem das russische Forschungsschiff Yantar am Wrackort in rund 2500 Metern Tiefe. Nach Berichten internationaler Fachmedien und Analysen führte es eine Unterwasseruntersuchung durch, möglicherweise zur Bergung oder Vernichtung sensibler Teile. Dies unterstreicht die besondere Sensibilität der Ladung aus russischer Sicht.

Abschließend stellt La Verdad die Hypothese in den Raum, dass die Schäden am Rumpf nicht allein durch einen internen Maschinendefekt erklärbar seien, sondern mit einer externen Explosion übereinstimmen könnten. Der Bericht verknüpft diese Schlussfolgerung mit weiteren ungewöhnlichen Beobachtungen während der Rettungsaktion und der späteren russischen Reaktion.

Wichtig bleibt: Diese Darstellung stammt ausschließlich aus einem einzigen Zeitungsbericht. Eine offizielle, öffentlich zugängliche Untersuchung durch internationale maritime Behörden oder unabhängige Experten, die La Verdad’s Angaben bestätigt, existiert derzeit nicht. Deshalb lässt sich der Bericht nicht unabhängig verifizieren.

Militärschlag der USA gegen die Ursa Major?

Die von La Verdad beschriebenen Schäden sprechen für eine Explosion von außen. Ein rund 50 Zentimeter großes Loch im Rumpf mit nach innen gebogenen Kanten deutet auf eine massive äußere Krafteinwirkung hin. Seismische Messdaten, die einer Unterwasserexplosion mit einer Sprengkraft von etwa 20 bis 50 Kilogramm TNT entsprechen, stützen dieses Bild. Ein interner Brand oder eine Explosion im Maschinenraum erklären diese Schäden nur unzureichend.

Passt dieses Schadensmuster, kommt ein Torpedotreffer als Ursache in Betracht. Militärische Fachleute verweisen darauf, dass moderne Torpedos mit geringer Sprengladung oder primär kinetischer Wirkung genau solche Schäden verursachen können. Der gezielte Einsatz einer solchen Waffe würde erklären, warum das Schiff zwar beschädigt wurde, aber Zeit für eine Evakuierung blieb. Beweise für den Einsatz eines Torpedos existieren nicht. Die Annahme bleibt spekulativ.

Die zentrale Frage lautet daher nicht nur, wie die Ursa Major sank, sondern warum. Hinweise liefern der Kurs des Schiffes und seine mutmaßliche Ladung. Die Ursa Major war von St. Petersburg in Richtung Wladiwostok unterwegs. Diese Route ergibt wirtschaftlich wenig Sinn, passt aber zu der Annahme eines Weitertransports nach Ostasien. Nach übereinstimmenden Berichten transportierte das Schiff zwei schwere Druckkammern, die für einen VM 4SG-Druckwasserreaktor geeignet wären.

Solche Reaktoren kommen in russischen Atom-U-Booten zum Einsatz. Nordkorea arbeitet seit Jahren am Bau eines nuklear angetriebenen U-Bootes. Der Rumpf dieses Bootes ist weit fortgeschritten. Gleichzeitig sprechen technische Analysen dagegen, dass Pjöngjang die komplexe Reaktortechnologie eigenständig entwickeln und integrieren kann. Russische Unterstützung würde diese technologische Lücke schließen.

Der politische Kontext ist eindeutig. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine unterstützt Nordkorea Moskau mit Waffenlieferungen, insbesondere mit Artilleriemunition, und stellt zunehmend auch Personal zur Verfügung. Im Gegenzug liefert Russland militärische und technologische Hilfe. Dazu zählt nach westlichen Einschätzungen auch Unterstützung bei strategischer Militärtechnologie.

Sollte die Ursa Major tatsächlich Komponenten für ein nordkoreanisches Atom-U-Boot transportiert haben, wäre dies Teil dieses Austauschs. Zugleich hätte Russland damit bewusst gegen bestehende UN-Sanktionen verstoßen.

Genau daraus ergibt sich ein mögliches Motiv für einen gezielten Eingriff. Wer ein solches Vorhaben stoppen wollte, musste schnell handeln und zugleich eine offene Eskalation vermeiden. Die USA verfügen über beides: ein starkes strategisches Interesse daran, Nordkoreas nukleare U-Boot Fähigkeiten zu begrenzen, und die militärischen Mittel, um eine solche Operation verdeckt durchzuführen. Ein präziser Angriff ohne zivile Opfer würde in das bekannte Muster amerikanischer Gegenproliferationspolitik passen. Ein Beweis dafür existiert nicht.

Andere Erklärungen bleiben möglich. Russland spricht von einem Terroranschlag, ohne Belege vorzulegen. Ein technischer Defekt lässt sich nicht völlig ausschließen, erklärt jedoch weder das Schadensbild noch die seismischen Signale überzeugend. Eine absichtliche Selbstversenkung erscheint angesichts von Besatzung und Route wenig plausibel.

Am Ende steht keine Gewissheit, aber mehr als ein bloßes Rätsel. Die Ursa Major sank unter Umständen, die eher zu einem gezielten militärischen Eingriff passen als zu einem technischen Unfall. Das Schadensbild, der Kurs und die mutmaßliche Ladung ergeben ein konsistentes Motiv. Wer geschossen hat, bleibt offen.

Klar ist jedoch: Selbst wenn ein ausländischer Akteur das Schiff versenkt haben sollte, begann die Eskalation nicht auf offener See. Sie begann mit dem Versuch, internationale Sanktionen zu umgehen und militärische Schlüsseltechnologie weiterzugeben. Die Verantwortung dafür liegt bei Russland.

Die Ursa Major war kein ziviles Opfer. Sie war Teil eines militärischen Transfers, der bewusst im Verborgenen stattfand. Ihr Untergang markiert keinen tragischen Unfall, sondern einen Moment, in dem verdeckte Aufrüstung, Sanktionsbruch und Gegenmaßnahmen sichtbar wurden. Die Wahrheit liegt auf dem Meeresgrund. Die Verantwortung nicht.



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1 Kommentar

  1. Bis zum 08.12.24 hätte ich dem 47. US-Präsidenten Donald John Trump zugetraut, das Schiff zu versenken.

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