Volkswagen-Chef Oliver Blume bekommt seinen großen Sanierungsplan. Der Aufsichtsrat hat gestern Abend die Gesundschrumpfung des Konzerns genehmigt, der eine viel zu hohe Kostenbasis hat. Der Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen als grobe Zielrichtung wird anvisiert, die exakte Zahl ist aber offenbar nicht in Stein gemeißelt. Und auch der Abbau von 4 Werken in Deutschland ist anvisiert, aber man prüft alternative Verwendungen. Und offenbar könnte es zu einem Auslaufen der Modelle zwischen 2031 und 2034 kommen, die in diesen Werken noch produziert werden. Also haben die dortigen Mitarbeiter noch ein paar Jahre Zeit, sich umzuorientieren. Und auch die Produktpalette wird stark reduziert. Konzentrieren auf die gut laufenden Modelle, und dort mehr Kraft investieren, so lautet sozusagen die Marschroute.
Volkswagen: Abbau von 8 % der globalen Belegschaft
Die am Donnerstag bei einer Sitzung in Wolfsburg beschlossenen Maßnahmen verdoppeln den Personalabbau bei den Marken des Volkswagen-Konzerns seit Ende 2024 und ebnen gleichzeitig den Weg dafür, dass das Unternehmen seine Fahrzeugpalette bis 2035 um bis zu die Hälfte verkleinert, so Bloomberg News. Der neue Personalabbau entspricht etwa 8 % der weltweiten Belegschaft von VW zum Ende des vergangenen Jahres.
Die Unternehmensleitung treibt die Einsparungen als Reaktion auf rückläufige Verkaufszahlen in China, hohe Kosten in Deutschland und nicht ausgelastete Werke voran. Volkswagen strafft zudem seine Investitionen und plant für den Zeitraum von 2027 bis 2031 Investitions- sowie Forschungs- und Entwicklungsausgaben in Höhe von 135 Milliarden Euro – etwa 16 % weniger als in der im vergangenen Jahr vereinbarten Investitionsrunde.
Die Ausgabenkürzungen erfolgen vor dem Hintergrund, dass chinesische Konkurrenten, angeführt von BYD, in Europa expandieren, was den Druck erhöht, Kosten zu senken und Investitionen auf die stärksten Geschäftsbereiche zu konzentrieren.
„Mutiger Plan“
„Dies ist ein mutiger Plan und eine realistische Entscheidung für alle Beteiligten“, schrieben Analysten der Citigroup in einer Mitteilung und bezeichneten die Vereinbarung als „existenziell“ für den Automobilhersteller. Sie „sollte es Volkswagen zudem ermöglichen, weiterhin Kapital in seine rentabelsten Marken und Modelle umzuschichten, ohne übermäßige Kapazitätsauslastung aufrechterhalten zu müssen“, fügten sie hinzu.
Betriebsrat beschwichtigt
Der Volkswagen-Betriebsrat, der die Belegschaft des Unternehmens vertritt, versuchte, die Befürchtungen vor möglichen Arbeitsplatzverlusten zu dämpfen, und erklärte, die Zahl von 50.000 sei eine Planungsannahme, die sich aus dem Ziel von Volkswagen ableite, bis 2030 eine Marge von 9 % zu erreichen, und kein festes Personalziel. Ein Sprecher der Arbeitnehmervertretung sagte zudem, dass Zwangsentlassungen gemäß bestehender Vereinbarungen bis Ende 2030 weiterhin ausgeschlossen seien.
Diese Unterscheidung spiegelt den umfassenderen Kompromiss wider, der hinter der einstimmigen Vorstandsentscheidung vom Donnerstag steht – eine Einigung, die nach wochenlangen, zunehmend erbitterten Auseinandersetzungen einen Tag früher als erwartet erzielt wurde. Die Arbeitnehmervertreter hatten akzeptiert, dass Volkswagen weitere Kostensenkungen benötigte. Sie lehnten jedoch Werksschließungen, Maßnahmen zur Schwächung der Mitbestimmung sowie Pläne zur Ausgliederung von Teilen des VW-Kerngeschäfts vehement ab.
Im endgültigen Paket mit dem Namen „Zukunftsplan 2030“ erhielt Blume die Unterstützung für den zusätzlichen Stellenabbau und umfassende Effizienzmaßnahmen. Die Umstrukturierung zielt auf eine operative Marge von 9 % bis 2030 bei einem Jahresabsatz von etwa 9 Millionen Fahrzeugen ab.
Werke werden nicht sofort geschlossen
Den Beschäftigten wurden Zusicherungen gegeben, dass kein Werk sofort aufgegeben werde und dass umstrittene Standortentscheidungen in den kommenden Monaten gemeinsam ausgearbeitet würden. Die Vereinbarung sieht keine sofortige Schließung von Werken vor. VW räumte ein, dass das Unternehmen derzeit in Europa eine jährliche Überkapazität im Umfang von etwa 500.000 Fahrzeugen hat. Das Unternehmen erklärte, dass seinen Werken in Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau derzeit wettbewerbsfähige Zukunftspläne für die Produktion fehlen, sobald die bestehenden Modelle zwischen 2031 und 2034 auslaufen. Nun sollen alternative Nutzungsmöglichkeiten für die Werke geprüft werden.
Dies gab den arbeitnehmerfreundlichen Vorstandsmitgliedern Spielraum, die Umstrukturierung zu unterstützen, ohne dabei zentrale rote Linien aufzugeben. IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo erklärten, der Kompromiss habe „eine gefährliche Eskalation verhindert“, betonten jedoch, dass keine Werksschließungen vereinbart worden seien und dass Pläne zur Trennung des Pkw- und des Komponentengeschäfts vom Tisch seien.
„Die Arbeit fängt gerade erst an“, sagten die Gewerkschaftsführerinnen über den Umstrukturierungsplan. „Was wir jedoch weiterhin niemals akzeptieren werden, ist, dass die Last einseitig auf die Beschäftigten abgewälzt wird.“
Die Familie Porsche-Piëch, die über die Porsche SE die Mehrheit der Stimmrechte bei VW kontrolliert, hat auf schnelleres Handeln gedrängt, da Renditen und Dividendenströme unter Druck geraten sind. Blume argumentierte, dass sich Volkswagen die gleiche ausufernde Kostenbasis und industrielle Präsenz nicht mehr leisten könne, während gleichzeitig Investitionen in Elektrofahrzeuge, Batterien und Software finanziert werden müssten.
Die Porsche SE „begrüßt diese Entscheidung und beabsichtigt, die Transformationsbemühungen des Vorstands ihrer Kernbeteiligung, der Volkswagen AG, weiterhin zu unterstützen“, erklärte ein Sprecher in einer Stellungnahme.
FMW/Bloomberg
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Die Aktie ist aus dem Eurostox raus, was noch teuer werden wird. Und diese Entscheidung betrachte ich als Verschiebung des Konfliktes. Zurecht, weil die Fabriken ja nicht morgen leer stehen werden, sondern erst in einigen Jahren. Wer weiß schon was dann ist.