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Man wird ja wohl noch fragen dürfen... Volkswagen-Aktie: Die Kaufchance Ihres Lebens?

Die Volkswagen-Aktie ist eine Katastrophe. Anleger zweifeln am Kerngeschäft, andere Hersteller ziehen davon? Die Kaufchance gegen den Strom?

Volkswagen-Logo
Volkswagen Logo. Foto: Claudio Kummerfeld

Ist das die „Chance Ihres Lebens“ als Börsianer? Natürlich ist das eine überspitzte Formulierung. Jetzt richtig günstig die „ausgebombte“ Volkswagen-Aktie kaufen, und auf einen langfristigen, großen Turnaround wetten? Es ist zwar eine äußerst riskante Idee, aber dies hier soll ja auch ganz klar keine Kaufempfehlung sein. Ähnlich wie bei anderen bekannten deutschen Aktien, an die niemand mehr glaubte, könnte auch hier das Unvorstellbare geschehen.

Volkswagen: Kaufen, was sonst keiner mehr kaufen will?

Man denke zum Beispiel an die Aktie von Siemens Energy. Von 2021 bis Herbst 2022 stürzte die Aktie immer weiter ab von 33 auf 8 Euro. Wer hatte da noch Lust in die Aktie einzusteigen? Inzwischen steht die Aktie bei 96 Euro, ein gigantisches Comeback! Oder die Commerzbank: Nach dem großen Absturz im Jahr 2011 kam die große Phase der Depression, die Aktie fiel bis 2020 auf nur noch 3 Euro. Aber dann? Massive Restrukturierungen, bessere Zinsgewinne, und zuletzt die massiven Aufkäufe durch UniCredit – die Aktie steht jetzt bei über 31 Euro. Wer damals bei 3 Euro gekauft hätte – was für eine Rendite! Und Volkswagen? Wer hat jetzt schon Lust zu kaufen? Auch hier ist Krise angesagt, gefühlt kann es ja nur noch weiter nach unten gehen!?

Probleme im Autogeschäft

Total verkrustete Strukturen! Ein schwerfälliger Hauptaktionär namens Niedersachsen entsendet Grüne in den Aufsichtsrat, das hat den Konzern sicherlich ordentlich nach vorne gebracht (Scherz). Man ist zu spät bei Elektroautos eingestiegen, hat aber auch zu schnell umfangreiche Produktionskapazitäten in Europa hochgefahren, ohne zu schauen, ob die Kunden die Autos überhaupt kaufen wollen. Auch Porsche hatte viel zu hart umgeschwenkt auf Elektro, aber wohl nicht wirklich vorgefühlt, ob die Kunden das überhaupt wollen. Nun sah man am Freitag erneut eine heftige Gewinnwarnung bei Porsche. Volkswagen als Konzern musste daraufhin eine 5 Milliarden Euro schwere Gewinnwarnung verkünden. Beide Aktien fallen heute deutlich! Und natürlich weiß niemand, ob oder wie viele Gewinnwarnungen noch folgen, und ob die Aktie deswegen noch weiter abrutscht.

KGV „traumhaft“ günstig

Seit Jahren bieten die deutschen Autoaktien „traumhaft“ günstige KGV-Werte. Und ja, die Gewinne stimmten die letzten Jahre ja auch noch halbwegs. Aber die Anleger rochen den Braten, und sahen die Abwärtstendenz im Autogeschäft. Niedriger Aktienkurs und gleichzeitig „noch“ gute Gewinne – das beschwert der Volkswagen Vorzugsaktie bis jetzt ein KGV (Erwartung für Geschäftsjahr 2025) von 5,64, für 2026 ist es ein Wert von nur 3,89. Traumhaft günstig. Werte unter 10 gelten als sehr günstig, zwischen 10 und 20 als normal. Aber natürlich muss man bedenken, dass viele Analysten ihre Gewinnerwartungen erst noch nach unten anpassen müssen? Dies könnte die KGV-Erwartungen verschlechtern.

Dennoch stellt sich die Frage, ob die Volkswagen-Aktie inzwischen genug gecrasht ist. Gewiss… der spekulative Anleger, der hier jetzt „günstig“ einsteigt, wird es nicht schaffen im Tiefpunkt einzukaufen. Dafür braucht man eben Glück. Aber es geht darum, ob man relativ günstig einsteigt. Die Frage lautet: Bekommt der Volkswagen-Konzern die Kurve, wie Commerzbank oder Siemens Energy? Ist die Substanz, Fähigkeit und Willen zur Wandlungsfähigkeit im Konzern und auch die Innovationskraft so groß, dass man die Wende doch noch schafft? Immerhin, man verkauft jetzt bereits deutlich mehr Elektroautos in Europa als Tesla!

Entwicklung der Jahresgewinne

Der Jahresgewinn pro Aktie lag bei Volkswagen im Vor-Coronajahr 2019 bei 31,9 Euro. Dann ging es von 17,83 Euro im Corona-Jahr 2020 in den Folgejahren aufwärts auf 29,59, 29,63, und 31,92 Euro in 2023. Dann in 2024 ging es runter auf 21,36 Euro, und für 2025 werden 15,9 Euro erwartet. Es ist zuletzt also ein Abwärtstrend auszumachen, aber immer noch macht Volkswagen spürbar Gewinn. Für 2026 bis 2028 erwarten die Analysten im Schnitt wieder eine Steigerung von 23 auf 33,8 Euro pro Aktie. Aber das muss nicht so bleiben. Gibt es weiterhin schlechte Finanzdaten und Gewinnwarnungen – dann können sich diese Aussichten natürlich schnell verschlechtern.

Volkswagen-Aktie im Vergleich zum Dax – richtig schlechte Performance

Der Chart zeigt die Entwicklung des Dax in den letzten zehn Jahren mit +104 % (rote Linie). Die Volkswagen-Aktie (blaue Linie) verlor 52,6 %. Man sieht, dass sich die Entwicklung ab dem Jahr 2021 abgekoppelt hat. Bei der Aktie ging es nur noch abwärts, die Anleger erkannten den zunehmend schlechten Geschäftsverlauf – während die Masse der Dax-Aktien gute Geschäfte machte, was von der Börse honoriert wurde. Es gibt keine Gewissheiten an der Börse, und nur weil eine Aktie stark gefallen ist, muss sie deswegen nicht zwingend wieder kräftig steigen. Auch dafür gibt es unzählige Beispiele: Stark gefallene Aktien fallen immer weiter, verfallen in einen bärischen Dauerzustand, und erholen sich nie wieder – weil eine eigentlich gute Firma die Zeichen die Zeit nicht erkannte, weil andere Firmen vorbei zogen, weil sich die Kaufgewohnheiten von Konsumenten ändern, weil das Management völlig versagt hat usw.

Man muss aber auch die Dimensionen sehen: Volkswagen hat jetzt nur noch eine Marktkapitalisierung von 45,2 Milliarden Euro bei bei 324 Milliarden Euro Firmenumsatz in 2024, bei Tesla sind es 1,4 Billionen Dollar Marktkapitalisierung bei 97,7 Milliarden Dollar Firmenumsatz! Volkswagen erwirtschaftete im letzten Jahr 10,7 Milliarden Euro Gewinn, bei Tesla waren es 8,4 Milliarden Dollar. Die große Wende im Geschäft von Volkswagen wie auch in der Aktie kann gelingen – es ist und bleibt aber nun mal ein großes Risiko, auf so einen großen Turnaround zu wetten!

Chart vergleicht die prozentuale Entwicklung der Volkswagen-Aktie mit dem Dax in den letzten zehn Jahren

Risikohinweis: Der Handel mit Wertpapieren und Finanzinstrumenten kann Ihr Kapital erheblichen Risiken aussetzen, unter Umständen auch über das eingesetzte Kapital hinaus. Trading ist nicht für jeden geeignet. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Performance. Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Moin, offensichtlich hat man viel zu spät
    Grüne in den Aufsichtsrat geschickt. 30
    Milliarden hat Vw der Abgasbeschiss gekostet, davon hätte man schon einiges an guten e Autos(vor allem auch Kleinere
    wie den Zoe) entwickeln können.
    Diesem allgemeinen Grünenbashing sollte ein vetantwortlicher Finanzdienstleister nicht mitmachen da der Klimawandel vermutlich noch sehr viel Kapital vernichten wird. Wäre schön wenn wir Grünen NICHT Recht hätten
    Mit freundlichen Grüßen
    Uwe Hach

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