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Volkswagen-Aktie mit KGV bei 3,91

Die Volkswagen Vorzüge zeigen für 2023 ein KGV von nur 3,91. Also eine extrem günstige Bewertung. Was ist hier los?

Anleger vor Laptop

Was ist hier eigentlich los? Warum haben Sie noch längst nicht die Volkswagen Vorzugsaktien gekauft? Disclaimer an dieser Stelle: Das ist hier natürlich KEINE Kaufempfehlung! Bei Volkswagen handeln die Börsianer in erster Linie nicht die Stämme, sondern die Vorzugsaktien. Und was wir da sehen, ist schon erstaunlich. Schauen wir auf das KGV.

Für 2023 erwartetes KGV von 3,91 für Volkswagen Vorzüge

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt an, mit dem wievielfachen eines Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet ist. Dafür rechnet man den Jahresgewinn runter auf eine einzelne Aktie, und vergleicht den Wert mit dem aktuellen Aktienkurs. Je höher das KGV, desto teurer bewertet ist die Aktie. Werte unter 10 gelten als günstig, 10-20 gelten als normal, und alles über 20 darf bei „alten langweiligen“ Aktien schon als teuer bewertet werden. Tech-Aktien notieren oft mit viel höheren KGVs. Und was sehen wir bei Volkswagen? Das aktuelle KGV der Vorzüge liegt bei 4,65.

Aber: Die Börse handelt immer die Zukunft! Und das für 2023 erwartete KGV liegt laut Bloomberg-Daten bei einem Wert von 3,91. Die durchschnittlichen Erwartungen liegen bei 29,81 Euro Gewinn pro Aktie bei Volkswagen in 2023. Und bei einem aktuellen Kurs von 116,55 Euro ergibt das ein KGV von wie gesagt 3,91. Das bedeutet: Kaufen Sie jetzt diese Aktie, und würde Volkswagen theoretisch die nächsten vier Jahre diesen Gewinn halten können, und würde das Unternehmen den gesamten Jahresgewinn an die Aktionäre ausschütten, dann hätten Sie nach gerade mal 4 Jahren ihren Kaufpreis für die Aktie über die Dividende refinanziert. So billig ist die Aktie derzeit bewertet. Bei finanzen.net wird für 2023 ein Wert von 4,58 angezeigt, für 2024 soll das KGV bei 4,36 liegen, und in 2025 bei 4,03.

Im Schnitt der letzten zehn Jahre gab es laut Bloomberg 21,26 Euro Gewinn pro Aktie. Also haben die Erwartungen für 2023 mit 29,81 Euro zugenommen. Nun stellt sich die Frage: Warum kaufen die Börsianer die Aktie nicht nach oben? Mit einem steigenden Kurs würde das KGV auch wieder ansteigen auf Niveaus, die als „normal“ gelten. Hier und jetzt scheint die Aktie viel zu günstig bewertet zu sein. Erwarten die Trader, die Portfolioverwalter etc eine harte Rezession die Volkswagen trifft, einen Einbruch im China-Geschäft, Probleme bei E-Autos etc? All das müsste eigentlich in den Analystenerwartungen eingepreist sein, denn das sind ja schlaue, gut bezahlte Menschen.

Von 24 Analystenbewertungen zur Volkswagen-Aktie stehen derzeit 17 auf Kaufen, 5 auf Neutral, und 2 auf Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel für die nächsten zwölf Monate liegt derzeit bei 196,61 Euro (aktueller Kurs 116,55 Euro). Also wäre da noch jede Menge Luft nach oben vorhanden. Sind die Analystenbewertungen vielleicht veraltet? Nein. Alleine in den letzten drei Wochen haben sich 10 Bankanalysten zu den Volkswagen-Vorzugsaktien geäußert. 4 davon stuften sie auf „Kaufen ein“, 2 davon auf „Übergewichten“, und 1 auf „Outperform“. Nur 1 Analyst urteilte mit „Underperform“, und zwei mit neutralen Bewertungen.

Das tiefste Kursziel von diesen 10 frischen Analystenbewertungen lag für 12 Monate bei 133 Euro, 6 aber über 200 Euro. Der Optimismus für die Kursentwicklung der Aktie ist also auch bei den aktuellen Bewertungen gegeben! Und bei dem erwarteten KGV tut sich dennoch nichts in der Aktie. Sie tendiert derzeit im Sog des Dax eher gen Süden. Die Kaufgelegenheit für Börsianer, die auf gute Renditen und fundamental günstig bewertete Aktien schauen? Entscheiden Sie selbst.

Sonderdividende

Im Chart sehen wir die Performance der Volkswagen Vorzüge seit Jahresanfang mit -36,84 %, dazu im Vergleich der Dax mit -13,04 %. Anfang der Woche sackte die Aktie schlagartig von 136 auf 122 Euro ab. Dies war ein „ex Dividende“ Ereignis in der Aktie. Denn es wurde verkündet, dass Volkswagen-Aktionäre bezüglich des Porsche IPO pro Aktie 19,06 Euro Sonderdividende erhalten werden. Wer die Aktie schon hatte, erhält die 19,06 Euro – wer die Aktie neu kauft und die Dividende nicht erhält, erhält dafür einen reduzierten Kaufkurs. Zwar wurden die Kursziele von Analysten in dieser Woche nach unten angepasst. Aber das lag zu guten Teilen eben an der Sonderdividende, die für einen tieferen Aktienkurs sorgte.

Volkswagen Vorzüge Aktie im Vergleich zum Dax seit Jahresanfang

FMW/Mit Daten aus Bloomberg-Terminal/Chart TradingView



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1 Kommentar

  1. Da gibt es zwei kleine (oder besser gesagt riesige) Haken bei VW:

    1.) Die Politik zerstört gerade nachhaltig das Geschäftsmodell der Autohersteller in Europa. Die meisten EU-Bürger werden sich zukünftig keinen Neuwagen mehr leisten können (Verarmung durch Inflationierung der Währung, Deindustrialisierung, künstlich in die Höhe getriebene Energiepreise, Steuererhöhungen, Verbot von Verbrennern, sehr hohe Batteriepreise bei E-Autos, VIEL zu wenig Kraftwerke zum Laden der E-Autos usw.). Einfach ins Ausland fliehen (also sich auf Zukunftsmärkte konzentrieren) ist für VW schwierig, da VW de facto ein Staatskonzern ist: Politiker kontrollieren den Laden, Gewerkschaften sitzen überall mit drin, selbst eine fachunkundige Autofeindin haben die Grünen inzwischen im Aufsichtsrat positioniert.
    Aktuelle Lage: Sehr schlecht.
    Zukunftsperskeptive: EXTREM DÜSTER!

    2.) VW ist extrem überschuldet. Eigentlich müsste man den Laden als PLEITE bezeichnen, aber als großer Staatskonzern ist er natürlich „too big to fail“.
    527,93 € Langezeit Gesamtverbindlichkeiten / Aktie (2021) bei einem Gewinn von 29,61 € (2021) und einem aktuellem Kurswert von 116,36 €.
    Da ist es schon fast egal, dass die Quartalsgewinne 2022 im Sinkflug sind:
    Q1: 11,228 €
    Q2: 6,419 €
    Q3: 3,356 €
    Hier kauft man für 116 € eine Schuldenlast von 528 € – irre, oder?
    Es würde fast 18 Jahre dauern, um mit dem 2021-Gewinn von 29,61 € die Schulden von 527,93 € zu bezahlten.
    Erst danach bleibt was für die Aktionäre übrig. Die im inflationären Umfeld ansteigende Zinslast auf die Schulden ist da noch gar nicht berücksichtigt.

    Ernsthaft – klingt das nach einem guten Geschäft????
    Ich picke mir im Rohstoffbereich sehr gezielt Unternehmen mit extrem niedrigem KGV raus. Aber man muss halt immer im Blick haben, warum eine Aktie so günstig ist. Der erste Blick sollte dabei immer auf die Verschuldung gehen!

    MfG
    Der Energiefaktor

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