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Volkswagen: „Existenzbedrohende Krise“

Redaktion

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FMW-Redaktion

Volkswagen kommt nicht zur Ruhe. Intern wird jetzt mit dem großen Besen gekehrt, weitere am Diesel-Skandal mutmaßlich beteiligte Mitarbeiter wurden beurlaubt. Am Wochenende trommelte die Firma die Werbetrommel in großen Zeitungsanzeigen mit dem Statement „wir werden alles tun um ihr Vertrauen zurückzugewinnen“. Volkswagen´s designierter Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch geht gleich in die Vollen und nimmt intern kein Blatt vor den Mund. Volkswagen stehe vor einer existenzbedrohenden Krise und man kriege das aber hin, wenn alle mitziehen. Dieses Zitat hat die „Welt am Sonntag“ aus internen VW-Kreisen erfahren.

Auf die interne Frage, ob von der Software-Manipulation auch Benziner betroffen seien, soll Pötsch vorsichtig geantwortet haben, dass er sich dazu derzeit nicht äußern könne, da dies noch geprüft werde. Volkswagen hat inzwischen für seine Kunden ein Onlineportal eingerichtet, wo man seine Fahrgestellnummer eingeben und so erfahren kann, ob das eigene Auto von den Manipulationen betroffen ist.

Bei einigen Börsianern rumort inzwischen noch etwas ganz Anderes. Wie steht es eigentlich um Volkswagen Financial Services, die hauseigene Bank, die die Fahrzeugfinanzierungen abwickelt? Was ist, wenn der Kapitalmarkt der Bank den Hahn abdreht? Genau die selbe Sorge ist es, die letzte Woche letztlich für den brutalen Kurseinbruch beim Rohstoffgiganten Glencore verantwortlich war: Was ist, wenn Kapitalmarkt + Banken das Vertrauen in die Firma verlieren? Dann bleiben nur noch die Aktionäre, die über eine Kapitalerhöhung frisches Geld einschießen könnten. Solange ein Grundvertrauen in Volkswagen noch vorhanden ist, wäre es z.B. klug eine große Anleihe (20, 40, 60 Milliarden Euro?) zu begeben – so holt man reales Cash in die Kasse und  kann damit die Krise durchstehen. Somit wäre man unabhängig von Bank-Kreditlinien, die widerrufen werden können.

Niemand weiß genau, wie viel Geld die VW-Krise letztlich kosten wird. Die Spekulationen reichen im Augenblick von 30-60 Milliarden Euro. Nach 10 Jahren Rückschau im Jahr 2025 auf heute wird wohl niemand genau beziffern können, wie teuer die Krise für VW war. Denn den Imageschaden, der letztlich viele Kaufwillige davon abhält einen VW zu kaufen, ist nicht exakt zu erfassen. Am 14. Oktober, also schon nächste Woche, muss Volkswagen spätestens seinen großen Plan gegenüber dem Kraftfahrtbundesamt präsentieren, wie man den Schaden beheben will. Das dürfte ein heißer Börsentag für die VW-Aktie werden. Aber auch von ganz unerwarteter Seite gibt es jetzt Stimmen zum VW-Skandal.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström scheint einen Weg gefunden zu haben den Volkswagen-Skandal für sich instrumentalisieren zu können. Der „SZ“ sagte sie „nun sähen die Europäer, dass die USA äußerst strikte Umweltauflagen haben“. Damit zielt sie direkt auf die TTIP-Kritiker in Europa und vor allem in Deutschland, die im Rahmen des angedachten TTIP-Freihandelsabkommens mit den USA Angst davor haben, dass „höhere“ EU-Umweltstandards durch „schlechtere“ US-Standards aufgeweicht werden. Sie sei überrascht, dass gerade in Deutschland die Skepsis gegenüber TTIP so groß sei, da ihrer Ansicht nach gerade die deutsche Wirtschaft am meisten von TTIP profitieren werde. Da meinen wir: Hat Frau Malmström den Kritikern überhaupt mal richtig zugehört?

Aber zurück zu Volkswagen selbst. Was sagt Mutti zu all dem? Angela Merkel sagte am Wochenende die VW-Krise sei dramatisch. Einen langfristigen negativen Effekt für die deutsche Industrie schloss sie aus. Staatshilfe? Notfallrettung wie bei anderen Unternehmen? Dazu müsste Volkswagen, so meinen wir, wohl erstmal sein Cash aufbrauchen und die mehr als gut betuchten Großaktionäre müssten wohl erstmal frisches Geld nachschießen, bevor in Berlin darüber nachgedacht wird. Aber erst mal könnte das Szenario lauten: über eine Anleihe frisches Geld reinholen, mit viel Cash in der Kasse die Krise durchstehen. Aber wie gesagt: Der nächste wichtige Termin ist der 14. Oktober mit dem Kraftfahrtbundesamt!

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    joah

    5. Oktober 2015 12:35 at 12:35

    Daß das Thema um VW nicht zur Ruhe kommt liegt aber auch daran, daß man sie nicht (daran arbeiten) lässt, da man die Sache immer wieder mit neuen Berichten (jedoch praktisch immer wieder gleichen Inhalten) aufwärmt. Es erscheint so, als wolle man, daß VW jetzt extra in seiner Not noch einen Aussagefehler macht, um sich darauf zu stürtzen wie die Geier auf die Beute. Vielleicht sollte man sie einfach mal machen lassen und deren Energie (Handlungskraft) nicht jedes mal auf die Presse lenken. Auch das beeinflußt die Außenwirkung.

  2. Avatar

    Kritiker

    5. Oktober 2015 13:50 at 13:50

    Das VW sich nicht eben mit Ruhm bekleckert hat, steht wohl außer Frage. Nun aber einen globalen Skandal daraus zu basteln und das gesamte Unternehmen oder gar den ganzen Wirtschaftstandort D in Frage zu stellen, halte ich für das was es ist: den eigentlichen Skandal und eine heimtückische Attacke gegen unser Land unsere Wirtschaftskraft und die zahlreichen Arbeitnehmer. Leider zeigt sich auch, dass derjenige, der hier maximalen Schaden in D provozieren will nicht immer nur im Ausland sitzen muß sondern begeisterte Mitstreiter im Inland findet. Dies mal in Richtung Presse und Politik, die an als Totengräber des Standord D bezeichnen muß.
    Tricksereien und Betrügereien sind in vielen Unternehmen – auch in anderen Branchen (Siemens) – gängige Praxis. Allein der Gestank, den die Finanzbranche weltweit hinterlassen und ganz Volkswirtschaften in Schieflage gebracht hat, hätte für mehrere globale Protestwellen und ernste Konsequenzen reichen müssen. Nix ist passiert. Eine Hand schmiert die andere, denn Aufträge und Marktkontrolle sind die neue Religion. Das nahezu alle Automobilhersteller seit Jahrzehnten im Alltagsbetrieb nicht die propagierten und beworbenen Verbrauchswerte erreichen? Geschenkt! Hier ist man sich einig, die Klappe zu halten. Das infolge der Mehrverbräuche auch mehr Emissionen anfallen? Ach was! Einbildung! Das andere Hersteller mit explodierenden Zündschlösseren, versagenden Bremsen oder gehackter Elektronik direkt Menschenleben gefährdet haben und es sogar schon Tote gab? Doppelt geschenkt! Das ausgerechnet die USA mit Fracking-Industrie, Spritsäufern, Stromverschwendung, mangelhafter Bausubstanz etc. als Vorkämpfer für Klimaschutz und harte Klimaschutzauflagen gefeiert werden? Der absolute Witz und Lacher des Jahres!
    Mir sieht das ganze nach einem internat. abgekarteten Spiel aus, in das auch deutsche Köpfe verwickelt sind. Der Zeitpunkt und die Vehemenz der Skandalisierung müssen jeden kritischen Geist aufhorchen lassen. Ein übermächtiger Konzern, desen Reserven geplündert werden, der auf Normalmaß zurechtgestutzt wird und womöglich Arbeitsplätze abbaut, würde im Vorfeld der erzwungenen TTIP und TISA-Einführungen natürlich manchem nach Europa schielenden US-Unternehmen auf Einkaufstour gelegen kommen. Und war da nicht mal auch was mit E-Autos? Kommt nun der Zwang auf E-Autos zu setzen, nachdem man die hocheffiziente Diesel-Technologie quasi zum Ladenhüter degradiert hat? Die Konsum-Schafe sind ja so leicht zu manipulieren. Ach ja: und der Strom kommt natürlich gratis aus der Steckdose…

  3. Avatar

    Michael

    5. Oktober 2015 20:41 at 20:41

    Es ist nicht neu, dass man in einem Land, in dem auf dem Beipackzettel einer Waschmaschine stehen muss, dass man darin keine Katzen wäscht, Probleme kriegt. So ging es Allianz und Bayer und anderen DAX-Konzernen auch. Crysler war Daimlers größtes Desaster. Die Schlussfolgerung ist sich einerseits aus den USA zurückzuziehen und andererseits US-Produkte in Europa auch mittels Gerichtsverfahren aus dem Markt zu drängen. Microsoft mit dem größten Trojaner der Welt (Windows 10), Alphabet, Twitter, Fratzenbuch und Apple mit ihrer Datenspionage gleich hinterher. Das ändert zwar nichts an den Verfehlungen von VW, aber beugt weiteren Problemen vor. Die Amis haben weltweit immer noch Narrenfreiheit. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. Letztlich erleben wir hautnah, wie es sein wird, wenn der „Freihandel“ mit seinen „Schiedsgerichten“ eingeführt würde.

    Das kriminelle Treiben von VW stellt niemand in Frage, nur wie groß ist denn der Anteil von VW-Dieselfahrzeugen auf dem US-Markt überhaupt? Kann ich sagen. Verschwindend gering.

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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