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Volkswagen: „Existenzbedrohende Krise“

FMW-Redaktion

Volkswagen kommt nicht zur Ruhe. Intern wird jetzt mit dem großen Besen gekehrt, weitere am Diesel-Skandal mutmaßlich beteiligte Mitarbeiter wurden beurlaubt. Am Wochenende trommelte die Firma die Werbetrommel in großen Zeitungsanzeigen mit dem Statement „wir werden alles tun um ihr Vertrauen zurückzugewinnen“. Volkswagen´s designierter Aufsichtsratschef Hans-Dieter Pötsch geht gleich in die Vollen und nimmt intern kein Blatt vor den Mund. Volkswagen stehe vor einer existenzbedrohenden Krise und man kriege das aber hin, wenn alle mitziehen. Dieses Zitat hat die „Welt am Sonntag“ aus internen VW-Kreisen erfahren.

Auf die interne Frage, ob von der Software-Manipulation auch Benziner betroffen seien, soll Pötsch vorsichtig geantwortet haben, dass er sich dazu derzeit nicht äußern könne, da dies noch geprüft werde. Volkswagen hat inzwischen für seine Kunden ein Onlineportal eingerichtet, wo man seine Fahrgestellnummer eingeben und so erfahren kann, ob das eigene Auto von den Manipulationen betroffen ist.

Bei einigen Börsianern rumort inzwischen noch etwas ganz Anderes. Wie steht es eigentlich um Volkswagen Financial Services, die hauseigene Bank, die die Fahrzeugfinanzierungen abwickelt? Was ist, wenn der Kapitalmarkt der Bank den Hahn abdreht? Genau die selbe Sorge ist es, die letzte Woche letztlich für den brutalen Kurseinbruch beim Rohstoffgiganten Glencore verantwortlich war: Was ist, wenn Kapitalmarkt + Banken das Vertrauen in die Firma verlieren? Dann bleiben nur noch die Aktionäre, die über eine Kapitalerhöhung frisches Geld einschießen könnten. Solange ein Grundvertrauen in Volkswagen noch vorhanden ist, wäre es z.B. klug eine große Anleihe (20, 40, 60 Milliarden Euro?) zu begeben – so holt man reales Cash in die Kasse und  kann damit die Krise durchstehen. Somit wäre man unabhängig von Bank-Kreditlinien, die widerrufen werden können.

Niemand weiß genau, wie viel Geld die VW-Krise letztlich kosten wird. Die Spekulationen reichen im Augenblick von 30-60 Milliarden Euro. Nach 10 Jahren Rückschau im Jahr 2025 auf heute wird wohl niemand genau beziffern können, wie teuer die Krise für VW war. Denn den Imageschaden, der letztlich viele Kaufwillige davon abhält einen VW zu kaufen, ist nicht exakt zu erfassen. Am 14. Oktober, also schon nächste Woche, muss Volkswagen spätestens seinen großen Plan gegenüber dem Kraftfahrtbundesamt präsentieren, wie man den Schaden beheben will. Das dürfte ein heißer Börsentag für die VW-Aktie werden. Aber auch von ganz unerwarteter Seite gibt es jetzt Stimmen zum VW-Skandal.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström scheint einen Weg gefunden zu haben den Volkswagen-Skandal für sich instrumentalisieren zu können. Der „SZ“ sagte sie „nun sähen die Europäer, dass die USA äußerst strikte Umweltauflagen haben“. Damit zielt sie direkt auf die TTIP-Kritiker in Europa und vor allem in Deutschland, die im Rahmen des angedachten TTIP-Freihandelsabkommens mit den USA Angst davor haben, dass „höhere“ EU-Umweltstandards durch „schlechtere“ US-Standards aufgeweicht werden. Sie sei überrascht, dass gerade in Deutschland die Skepsis gegenüber TTIP so groß sei, da ihrer Ansicht nach gerade die deutsche Wirtschaft am meisten von TTIP profitieren werde. Da meinen wir: Hat Frau Malmström den Kritikern überhaupt mal richtig zugehört?

Aber zurück zu Volkswagen selbst. Was sagt Mutti zu all dem? Angela Merkel sagte am Wochenende die VW-Krise sei dramatisch. Einen langfristigen negativen Effekt für die deutsche Industrie schloss sie aus. Staatshilfe? Notfallrettung wie bei anderen Unternehmen? Dazu müsste Volkswagen, so meinen wir, wohl erstmal sein Cash aufbrauchen und die mehr als gut betuchten Großaktionäre müssten wohl erstmal frisches Geld nachschießen, bevor in Berlin darüber nachgedacht wird. Aber erst mal könnte das Szenario lauten: über eine Anleihe frisches Geld reinholen, mit viel Cash in der Kasse die Krise durchstehen. Aber wie gesagt: Der nächste wichtige Termin ist der 14. Oktober mit dem Kraftfahrtbundesamt!



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3 Kommentare

  1. Daß das Thema um VW nicht zur Ruhe kommt liegt aber auch daran, daß man sie nicht (daran arbeiten) lässt, da man die Sache immer wieder mit neuen Berichten (jedoch praktisch immer wieder gleichen Inhalten) aufwärmt. Es erscheint so, als wolle man, daß VW jetzt extra in seiner Not noch einen Aussagefehler macht, um sich darauf zu stürtzen wie die Geier auf die Beute. Vielleicht sollte man sie einfach mal machen lassen und deren Energie (Handlungskraft) nicht jedes mal auf die Presse lenken. Auch das beeinflußt die Außenwirkung.

  2. Das VW sich nicht eben mit Ruhm bekleckert hat, steht wohl außer Frage. Nun aber einen globalen Skandal daraus zu basteln und das gesamte Unternehmen oder gar den ganzen Wirtschaftstandort D in Frage zu stellen, halte ich für das was es ist: den eigentlichen Skandal und eine heimtückische Attacke gegen unser Land unsere Wirtschaftskraft und die zahlreichen Arbeitnehmer. Leider zeigt sich auch, dass derjenige, der hier maximalen Schaden in D provozieren will nicht immer nur im Ausland sitzen muß sondern begeisterte Mitstreiter im Inland findet. Dies mal in Richtung Presse und Politik, die an als Totengräber des Standord D bezeichnen muß.
    Tricksereien und Betrügereien sind in vielen Unternehmen – auch in anderen Branchen (Siemens) – gängige Praxis. Allein der Gestank, den die Finanzbranche weltweit hinterlassen und ganz Volkswirtschaften in Schieflage gebracht hat, hätte für mehrere globale Protestwellen und ernste Konsequenzen reichen müssen. Nix ist passiert. Eine Hand schmiert die andere, denn Aufträge und Marktkontrolle sind die neue Religion. Das nahezu alle Automobilhersteller seit Jahrzehnten im Alltagsbetrieb nicht die propagierten und beworbenen Verbrauchswerte erreichen? Geschenkt! Hier ist man sich einig, die Klappe zu halten. Das infolge der Mehrverbräuche auch mehr Emissionen anfallen? Ach was! Einbildung! Das andere Hersteller mit explodierenden Zündschlösseren, versagenden Bremsen oder gehackter Elektronik direkt Menschenleben gefährdet haben und es sogar schon Tote gab? Doppelt geschenkt! Das ausgerechnet die USA mit Fracking-Industrie, Spritsäufern, Stromverschwendung, mangelhafter Bausubstanz etc. als Vorkämpfer für Klimaschutz und harte Klimaschutzauflagen gefeiert werden? Der absolute Witz und Lacher des Jahres!
    Mir sieht das ganze nach einem internat. abgekarteten Spiel aus, in das auch deutsche Köpfe verwickelt sind. Der Zeitpunkt und die Vehemenz der Skandalisierung müssen jeden kritischen Geist aufhorchen lassen. Ein übermächtiger Konzern, desen Reserven geplündert werden, der auf Normalmaß zurechtgestutzt wird und womöglich Arbeitsplätze abbaut, würde im Vorfeld der erzwungenen TTIP und TISA-Einführungen natürlich manchem nach Europa schielenden US-Unternehmen auf Einkaufstour gelegen kommen. Und war da nicht mal auch was mit E-Autos? Kommt nun der Zwang auf E-Autos zu setzen, nachdem man die hocheffiziente Diesel-Technologie quasi zum Ladenhüter degradiert hat? Die Konsum-Schafe sind ja so leicht zu manipulieren. Ach ja: und der Strom kommt natürlich gratis aus der Steckdose…

  3. Es ist nicht neu, dass man in einem Land, in dem auf dem Beipackzettel einer Waschmaschine stehen muss, dass man darin keine Katzen wäscht, Probleme kriegt. So ging es Allianz und Bayer und anderen DAX-Konzernen auch. Crysler war Daimlers größtes Desaster. Die Schlussfolgerung ist sich einerseits aus den USA zurückzuziehen und andererseits US-Produkte in Europa auch mittels Gerichtsverfahren aus dem Markt zu drängen. Microsoft mit dem größten Trojaner der Welt (Windows 10), Alphabet, Twitter, Fratzenbuch und Apple mit ihrer Datenspionage gleich hinterher. Das ändert zwar nichts an den Verfehlungen von VW, aber beugt weiteren Problemen vor. Die Amis haben weltweit immer noch Narrenfreiheit. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. Letztlich erleben wir hautnah, wie es sein wird, wenn der „Freihandel“ mit seinen „Schiedsgerichten“ eingeführt würde.

    Das kriminelle Treiben von VW stellt niemand in Frage, nur wie groß ist denn der Anteil von VW-Dieselfahrzeugen auf dem US-Markt überhaupt? Kann ich sagen. Verschwindend gering.

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