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Vollgeld-Abstimmung Sonntag in der Schweiz – Horror oder Rettung des Finanzsystems?

Am Sonntag stimmen die Schweizer über die Vollgeld-Initiative ab. Doch was ist damit gemeint? Im Kern geht es darum, dass alles Geld auch wirklich Geld sein soll, dass dem Bürger gehört. Denn die Initiatoren haben mit ihrer Aussage (Video) schon recht, wenn sie sagen, dass ein Großteil des vorhandenen Geldes derzeit nicht wirklich den Bürgern direkt gehört. Das allermeiste Geld liegt nämlich elektronisch auf Bankkonten.

Nur eine Forderung gegen Banken

Dieses Geld ist aber nicht das direkte Eigentum der Bankkunden. Nein, es ist in der Schweiz, in Deutschland, und überall sonst wo das ungedeckte Papiergeldsystem benutzt wird, nur eine Forderung des Bankkunden gegen die Bank. Haben Sie also Geld auf dem Sparbuch, Termingeldkonto oder Girokonto, so ist dies nicht ihr unmittelbares Eigentum, sondern sie sind in diesem Augenblick halt nur Gläubiger gegenüber ihrer Bank. Geht der Schuldner (also die Bank) pleite, guckt der Gläubiger (also der Bankkunde) in die Röhre.

Bislang gibt es dafür Einlagensicherungsfonds. Aber in Deutschland wie auch in der Schweiz gilt: Gehen Giganten wie Deutsche Bank, Commerzbank, UBS oder Credit Suisse pleite, hilft ein Einlagensicherungsfonds nicht mal zu kleinen Bruchteilen. Da müsste schon der Staat einen gigantischen Scheck aus Steuergeldern ausschreiben, um diese Banken, die Einlagen und das gesamte Finanzsystem zu retten. Genau darauf haben die Initiatoren der Vollgeld-Initiative keine Lust mehr.

Sie wollen, dass auch die Forderungen gegen die Banken (die Bankguthaben der Kunden) zum Vollgeld werden – zum unmittelbaren Eigentum der Bürger, genau wie Bargeld. Nur noch die Schweizerische Nationalbank alleine soll für die Geldschöpfung zuständig sein. Die Banken sollen Kundengelder, die durch das Vollgeld der Notenbank gedeckt sind, separat verwalten. Somit hätte der Kunde jederzeit Zugriff aus seine vollen Einlagen, auch wenn die Bank den Bach runtergeht.

Vollgeld Pro und Contra

Das würde natürlich eine enorme Sicherheit für alle Einleger bieten und das System stabilisieren. Kritiker verweisen aber darauf, dass die Banken dann dann nicht mehr in Eigenregie zügig große Kredite vergeben können, und die Volkswirtschaft nicht mehr zielgrichtet fördern können. Für die Aktionäre der Banken wäre es ein Problem. Die Banken könnten nicht mehr ins Risiko gehen, und mit kleinem Eigenkapital aufs Risiko der Sparer Geld verleihen.

Die Banken würden nur noch Vermittler sein, und das von der Notenbank geschaffene Vollgeld an Kreditkunden weiter-vermitteln. Damit wäre es eine Degradierung der Banken zu reinen Abwicklern und Verwahrern. Das würde ihre Renditen natürlich schrumpfen lassen, was Aktionären und Vorständen wenig Freude bereiten dürfte. Die Angst, dass die Volkswirtschaft dann nicht mehr zielgerichtet und vollumfänglich mit Krediten versorgt wird, bespricht in einem Kommentar beispielsweise der angesehene Kommentator Thorsten Polleit (bitte hier klicken). Deutlich positiver wird das Vollgeld betrachtet vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (bitte hier klicken). Dort sieht man vor allem die Stabilisierung des Finanzsystems als großen Vorteil.

Hier das Video der Initiatoren.

Vollgeld SNB-Zentrale
Die Schweizerische Nationalbank. Foto: SNB



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9 Kommentare

  1. Na, da bin ich ja mal gespannt.
    Wahrscheinlich wird es wieder nichts, weil die Banken Angst um ihren reichen Hintern haben und in den Qualitäts-Medien die richtigen Argumente streuen werden: „Preise gehen rauf, Löhne runter, Wertbewerbsnachteil zum Ausland, Exporte brechen ein…“ Das übliche blabla, genauso wie beim EU-Beitritt. Daß die Schweiz außerhalb der EU heute in EUropa wirtschaftlich viel besser als die restliche EU dasteht, vergleicht leider niemand mit den damaligen Horrorscenarien der „Qualitätsmedien“. Leider!
    Die Entscheider im Hintergrund sind noch viel zu stark, und die Masse zu whatsappt. (wotsääpt!)

  2. Die Gegenkampagne läuft bereits seit Monaten. Argumente sind selten, üblicherweise wird nur Angst gemacht. Als Beispiel sei hier genannt: Kreditklemme, Steigende Zinsen, Steigende Gebühren, Entlassungen bei Banken, usw.
    argumente die dafür sprechen würden, werden in der Presse nur wenig genannt. Sogar der Bundesrat greift massiv in die Meinungsbildung ein. Er bezeichnet das heutige Bankensystem als so stabil wie noch nie…
    Dabei ist es doch ganz einfach, die Nationalbank soll das Geld (Münzen, Banknoten und Buchgeld) herstellen, und jede Bank kann damit Dienstleistungen erbringen.

      1. Und wo wurde auch objektiv auf die Probleme im heutigen, expansiven Geldsystem hingewiesen.
        Sicher sind in kleinen Artikeln alle Punkte einmal genannt worden, aber das Wording ist entscheidend.
        Wenn ein sicheres Geld als Kartenhaus bezeichnet wird, wenn der Bundesrat in der ARENA Sendung sogar falsche Aussagen, wie vom SRF Ombutsmann bestätigt, macht und der SNB Chef Jordan sat, die Initiative wäre sicher umsetzbar, in einem Nebensatz, sonst aber permanent sagt es sie ev. gefährlich, die Zinsen würden ev. steigen, die KReditvergabe sei ev. schwieriger… dann sind dies Aussagen, aber nie durch nachvollziehbare Begründungen nachvollziehbar gemacht.
        Genau dies meine ich mit Angst-Propaganda. Denn für Angst brauht es keine Begründung, sie wirkt auch so.

  3. An diesem Artikel zeigt sich wieder, daß weder unser derzeitiges Geldsystem noch das Vollgeldsystem wirklich verstanden wird. Es ist ja quasi schon eine Sensation für mich, daß selbst der liebe Markus Fugmann langsam kapiert, wie unser derzeitiges Geldsystem wirklich funktioniert. Das Märchen von „Die Bank verleiht das Geld der Sparer“ muß wirklich langsam aus den Köpfen der Menschen entfernt werden…

    Geld wird heute nämlich nicht zum großen Teil durch die Zentralbanken geschaffen, sondern durch die Kreditvergabe der privaten Geschäftsbanken. Da bin ich den Schweizern wirklich sehr dankbar für diese Vollgeldinitiative, mit der endlich mal dieser systematische Betrug erklärt wird…

    Was aber ist Vollgeld??? Vollgeld ist natürlich auch nur aus dem Nichts geschaffenes Geld. Es hat keinerlei Deckung, außer das Vertrauen in dieses Geld. Vollgeld heiß nur Vollgeld, weil es ein voll gültiges gesetzliches Zahlungsmittel ist. Das ist das heutige Giralgeld/Buchgeld auf den Konten eben nicht. Die Einführung von Vollgeld wäre ein Quantensprung in Sachen Geldsicherheit, den eine Pleite einer Bank würde nicht das Guthaben bei einer insolventen Bank in Frage stellen…

    Die DWN haben heute einen sehr guten Artikel über die Fragen zum Vollgeld veröffentlicht…

    Ich empfehle die Vollgeldseite von Prof. Josepph Huber, der die eigentliche Kapazität im Bereich der Geldsystemkritik ist. Auf seiner Seite vollgeld.de findet manausführliche Informationen inkl. Masterarbeiten zur Kritik an der Geldschöpfung durch die privaten Geschäftsbanken…

    Mein Wunsch jetzt an die Macher der Finanzmarktwelt: Bitte führen sie die Menschen nicht weiter in die Irre, sondern klären sie die Menschen ehrlich darüber auf, wie unser Geldsystem wirklich funktioniert. Herzlichen Dank bereits dafür…

    Meine Prognose für die Abstimmung über die Vollgeldinitiative heute: Sie wird natürlich scheitern, weil das Bankenbetrugskartell die Menschen in der Schweiz mit dreisten Lügen über das Geldsystem derart verunsichert haben, daß sie dann lieber nichts ändern wollen.

    Das Narrativ über das Geld, also der systematische Volksbetrug ist leider so gravierend, daß es sicherlich einen weiteren Anlauf benötigt, bis das „Fake-Money“, wie es Christoph Pfluger es zurecht nennt, durch ein wenigstens faires Geldsystem abgelöst wird, in dem der Souverän dann auch der Nutznießer des gewaltigen Geldschöpfungsgewinns sind und nicht das mafiöse Bankenkartell.

    Insoweit sind Systemverteidiger, wie Polleit, für mich nicht relevant. Poleit, den ich seit rund 20 Jahren kenne, ist Teil des Bankenkartzels. Heute verkauft er Gold, na, was wird er da wohl für ein Interesse haben??? Und danach sollte man halt immer fragen: Welches Interesse verfolgt da ein „Analyst“…

    Viele Grüße und einen schönen Sonntag

    GN

    Hier der Link zum DWN_Artikel:

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2018/06/09/vollgeld-initiative-steuert-die-schweiz-den-untergang/

  4. ….ach btw. ich nehme meine Kritik an der neuen Seite zurück. Durch die Funktion der letzten 10 Artikel und das Archiv ist es jetzt absolut okay…VG

  5. Eine einfache Frage. Wenn alles Geld – Schulden sind. Wie bitte, soll ich die Schulden mit Geld bezahlen? Verstehen Sie?
    Auch wenn es niemand hören möchte, Sie können die Schulden nur mit einer konkreten Leistung oder einem realen Sachwert begleichen.
    Sollange es ein Zentralbankensystem gibt, werden die Menschen nicht frei sein. Sie sind Sklaven, auch Vollgeld löst das Problem nicht, den das Geld wurde durch ein Akt der Verschuldung geschaffen. Auch Zinsen funktionieren nicht, weil das Geld ja gar nicht knapp ist. Es ist unbegrenzt möglich es zu erschaffen.

    1. Wenn Sie den vorgeschlagenen Verfassungstext lesen, sehen Sie auch die schuldfreie Ausgabe von Geld. Zumindest ein Teil des neu ausgegebenen Teils soll schuldfrie sein. Ein Teil kann als Kredite an die Banken vergeben werden, um die Geldmenge auch regulieren zu können.
      Hier wird das von Ihnen angesprochenen Thema verwendet.
      Ihre Aussage an sich ist aber richtig.

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