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Aufstieg und Absturz des DAT-Booms Von 2.600% Gewinn zu 86% Absturz: Heißer Krypto-Trade kollabiert

Grafik: ChatGPT

Der Aufstieg und Abstieg des Krypto-Booms prägt derzeit die globalen Finanzmärkte wie kaum ein anderes Phänomen. Im Zentrum der Turbulenzen steht die Strategy-Aktie, einst gefeiert als Paradebeispiel für den scheinbar unaufhaltsamen Höhenflug digitaler Vermögenswerte, den sogenannten DATs. Doch während Bitcoin und andere Token zunächst als Motor für beeindruckende Kursgewinne dienten, entpuppte sich das Modell vieler Unternehmen als fragiler Balanceakt – und leitete eine der spektakulärsten Kehrtwenden des Jahres ein.

Der Aufstieg und Absturz eines Krypto-Booms

Was zu Beginn des Jahres noch als einer der erfolgreichsten Trades an den Aktienmärkten galt, hat sich innerhalb weniger Monate in einen der größten Verlierer verwandelt. Zahlreiche börsennotierte Unternehmen glaubten, ein nahezu grenzenloses Wertschöpfungsmodell entdeckt zu haben: Sie nutzten überschüssige Liquidität, um Bitcoin oder andere Krypto-Token zu kaufen – woraufhin ihre Aktienkurse oft stärker stiegen als die Werte der erworbenen digitalen Vermögenswerte selbst.

Dieses Modell geht maßgeblich auf Michael Saylor zurück, der sein Unternehmen Strategy in eine börsennotierte Bitcoin-Holding umwandelte. In der ersten Jahreshälfte 2025 wirkte dieser Ansatz wie eine Blaupause für Erfolg und lockte über hundert weitere Firmen an. Die sogenannten Digital Asset Treasuries (DATs) entwickelten sich zu einem der heißesten Trends an den Kapitalmärkten; Investoren von Peter Thiel bis zur Trump-Familie beteiligten sich an dieser neuen Welle.

Hype um DATs und erste Risse im System

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Wie Bloomberg berichtet, war SharpLink Gaming Inc. ein besonders spektakulärer Fall. Die Aktie stieg innerhalb weniger Tage um über 2.600 %, nachdem das Unternehmen ankündigte, sein bisheriges Kerngeschäft aufzugeben und Aktien zu verkaufen, um massiv Ethereum-Token zu erwerben – mit einem Ethereum-Mitgründer als Chairman. Doch die grundlegende Frage blieb: Warum sollte ein Token mehr wert sein, nur weil er im Besitz eines börsennotierten Unternehmens ist?

Schon bald zeigte sich, dass das Modell auf unsicheren Beinen stand. Die Kurse begannen erst langsam, dann rasant zu fallen. SharpLink ist inzwischen 86 % unter seinem Hoch notiert – und weniger wert als seine eigenen Krypto-Bestände. Das Unternehmen handelt nur noch zum 0,9-Fachen seines Ether-Werts. Noch drastischer erwischte es Greenlane Holdings, das 2025 über 99 % seines Börsenwerts verlor, trotz eines Bestands von rund 48 Millionen BERA-Token.

Der Analyst Fedor Shabalin von B. Riley Securities brachte die Ernüchterung auf den Punkt: „Investoren haben genauer hingesehen und erkannt, dass diese Bestände kaum Erträge abwerfen, außer dass man einfach auf diesem Geldberg sitzt – und deshalb sind die Bewertungen zurückgegangen.“

Massiver Wertverlust trotz stabilem Bitcoin

Unter US- und kanadischen DATs ist der Medianwert der Aktien um 43 % gefallen, obwohl Bitcoin seit Jahresbeginn nur rund 6 % eingebüßt hat. Einige wenige DATs notieren weiterhin über dem Wert ihrer Token-Bestände, doch laut Berechnungen von Bloomberg steuern rund 70 % auf ein Jahresminus zu. Besonders heftig traf es jene Unternehmen, die auf kleinere und volatile Token gesetzt hatten.

Die Renditen digitaler Vermögenswerte bleiben hinter den Märkten zurück

Auch politisch sorgte die Entwicklung für Aufmerksamkeit: Zwei Söhne von Donald Trump unterstützten Alt5 Sigma Corp., ein Unternehmen, das den Kauf von WLFI-Token im Milliardenvolumen plante – einem Token, der von einer von der Trump-Familie mitgegründeten Firma ausgegeben wurde. Die Aktie ist seit Juni um 86 % gefallen.

Ein wesentlicher Treiber dieser Schwankungen ist der massive Einsatz von Fremdkapital zur Finanzierung der Krypto-Käufe. Strategy selbst platzierte eine Vielzahl wandelbarer Anleihen und Vorzugsaktien, um seine Bitcoin-Bestände aufzubauen, die zeitweise über 70 Milliarden Dollar wert waren. Insgesamt sammelten DATs im laufenden Jahr über 45 Milliarden Dollar ein.

Steigende Schulden, sinkende Token

Nun aber lasten die Zinsen und Dividendenausschüttungen auf den Firmen – während die Krypto-Bestände keinen Cashflow generieren. Portfolio-Manager Michael Lebowitz warnte: „Wenn man Strategy besitzt, hält man sowohl das Bitcoin-Risiko als auch das gesamte Unternehmens- und Stressrisiko, das damit einhergeht.“

Strategy versucht, weiteres Kapital aufzunehmen, zuletzt durch den Verkauf nachrangiger Vorzugsaktien in Europa. Doch selbst diese Titel fielen sofort unter den Ausgabepreis. Für kleinere DATs gestaltet sich die Kapitalaufnahme inzwischen nahezu unmöglich.

Der nächste logische Schritt wäre der Verkauf von Token. CEO Phong Le deutete dies offen an: „Wir können Bitcoin verkaufen – und wir würden Bitcoin verkaufen, wenn wir damit unsere Dividendenzahlungen finanzieren müssen.“
Er erwäge diesen Schritt, sollte die sogenannte mNAV unter 1 fallen – also der Marktwert des Unternehmens unter seine Krypto-Bestände sinken.

Diese Aussage schockierte die Branche, da Saylor zuvor mehrfach betont hatte, niemals verkaufen zu wollen. Er scherzte noch im Februar: „Verkauf notfalls eine Niere, aber behalte den Bitcoin.“

Nun fürchten Investoren eine Abwärtsspirale: „Wenn eine Schlagzeile lautet, dass Strategy verkauft hat – selbst wenn es nur drei Bitcoin sind –, werden die Leute nach allem, was Saylor gesagt hat, die gesamte Bitcoin-Wette infrage stellen,“ warnte Lebowitz.

Strategy-Aktien sind seit ihrem Höchststand im Juli um 60 % gefallen.

Marktrisiken und leise Hoffnung

Strategy baute einen Reservefonds von 1,4 Milliarden Dollar, um kurzfristige Dividenden zu sichern. Zwar steht die Aktie seit Start der Bitcoin-Strategie 2020 noch immer 1.200 % im Plus, doch 2025 droht ein Minus von 38 %. Sollten DATs Token verkaufen müssen, könnten Margin Calls und Zwangsverkäufe die Märkte zusätzlich belasten. Wie schnell sich Euphorie in Panik drehen kann, zeigt der Einbruch von hochgezüchteten Hebel-ETFs, die auf die Saylor-Wette setzten.

Doch es gibt erste Anzeichen für Konsolidierung: Strive Inc., mitgegründet von Vivek Ramaswamy, kündigte die Übernahme von Semler Scientific an – einem frühen DAT, dessen Aktie dieses Jahr 65 % verloren hat.

Rechtsanwalt Ross Carmel erwartet für 2026 eine neue Welle an M&A-Deals und betonte: „Die Branche wird mehr strukturierte Wertpapiertransaktionen sehen, die Anlegern in solchen Deals mehr Abwärtsschutz bieten können.“

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. „Doch die grundlegende Frage blieb: Warum sollte ein Token mehr wert sein, nur weil er im Besitz eines börsennotierten Unternehmens ist?“

    die antwort ist relativ einfach – genauso wie bei strategy können nun marktteilnehmer krypto (indirekt) kaufen, die das nach ihrem regulativ eigentlich aus guten gründen (risc managment; compliance) nicht dürften. ein vehikel für konservative instis (wie versicherer) und insb. jene, die unter renditedruck stehen.

  2. Darauf einen Jazz. Hey, Leute kauft unsere Anleihe. Besichert mit einen Rytmus Coin in C Dur. Dazu noch der Godtimeeinlagensicherungsfond der Firma Coin Burger Smashinvest mit einem Rating von CCC—-.
    Aber Leute, es geht aufwärts. Der nothing coin wird alles in den Schatten stellen. Die ersten Wetten laufen schon auf der Rennbahn der Digigier. Nun den, einen schönen tanzenden Samstagabend allen Digibro.

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