Gestern erläuterte ein Stratege der Bank of America: Statt KI sollten Anleger besser auf defensive Aktien setzen. Heute gibt es Äußerungen von Goldman Sachs. Auch hier eine Abkehr vom KI-Trade der letzten Monate. Chipaktien sind out, weil sie zu gut gelaufen sind?
Die letzten Monate hieß es gemäß des Chartverlaufs doch recht eindeutig: Chipaktien sind der Renner, weil die KI-Ausgaben der Hyperscaler (Oracle, Amazon, Meta, Microsoft, Alphabet) eben bei den Chipherstellern landen. Und die Hyperscaler-Aktien liefen nicht mehr, weil sie eben die großen Ausgaben schultern, weil sie die Kosten haben, mit unklaren Umsatzerlösen zwecks Refinanzierung. Alleine 725 Milliarden Dollar wollen sie in diesem Jahr ausgeben.
Goldman-Stratege sieht Chancen bei Big-Tech-Aktien statt bei Chipaktien
Big-Tech-Aktien könnten im Rahmen des KI-Trends an Attraktivität gewinnen, da die Chipaktien weiterhin Volatilität zeigen, so sagt es Christian Mueller-Glissmann, Stratege bei der Goldman Sachs Group. Zwar haben Chiphersteller und Unternehmen, die von KI-Investitionen profitieren, die Märkte nach oben getrieben – und nicht die Hyperscaler. Doch Mueller-Glissmann weist darauf hin, dass diese Aktien einen besonders volatilen Teil des KI-Spektrums darstellen, mit erheblichen Positionen und Hebeleffekten durch Anlageinstrumente wie börsengehandelte Fonds und Optionen.
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„Wenn man die Dynamik im KI-Bereich weiterhin als positiv einschätzt, sollte man in Richtung der Hyperscaler diversifizieren und sich vielleicht von den Chipaktien abwenden. Denn sie sind der wirklich volatile Teil des KI-Investitionsspektrums“, sagte Mueller-Glissmann, Leiter der Asset-Allocation-Forschung bei Goldman, in einem Interview mit Bloomberg TV.
Halbleiter waren in den vergangenen Monaten die bevorzugten AI-Anlagen, während die Hyperscaler hinterherhinkten, da Anleger deren übermäßige Investitionen in Rechenzentren in Frage stellten. Der Philadelphia Stock Exchange Semiconductor Index (SOX) ist unterdessen im vergangenen Jahr um rund 150 % gestiegen. Mit Blick auf den jüngsten Chip-Boom sagte Mueller-Glissmann: „Bis zu einem gewissen Grad könnte es sinnvoll sein, das Portfolio weg von diesen Titeln zu diversifizieren.“
Risikoappetit-Indikator gestiegen
Allgemeiner betrachtet wies Mueller-Glissmann darauf hin, dass der Risikoappetit-Indikator von Goldman Sachs gestiegen ist, was zunächst durch KI-Investitionen getrieben wurde, die die Gewinne ankurbelten, in jüngster Zeit jedoch durch die Wiederöffnung der Straße von Hormus.
Dies hat zu einem von Mueller-Glissmann als „Goldilocks-Spektrum“ bezeichneten Szenario geführt, das durch sinkende Inflationserwartungen in Verbindung mit einem relativ guten Gewinnwachstum gekennzeichnet ist. Doch eine optimistische Anlegerstimmung bedeute nicht automatisch, dass es an der Zeit sei, an den Märkten eine pessimistische Haltung einzunehmen, selbst wenn Positionierungsindikatoren zeigten, dass die Risikobereitschaft gestiegen sei, sagte er.
„Wenn alle optimistisch sind, bedeutet das nicht automatisch, dass man pessimistisch sein sollte, aber es besteht das Risiko von Rückschlägen und Korrekturen, wenn der Markt an diesen Treibern zweifelt“, fügte Mueller-Glissmann hinzu.
FMW/Bloomberg
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