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Vonovia mit guten Zahlen – im Fegefeuer der Zinswende

Vonovia liefert aktuell gute Zahlen - und das im Fegefeuer der Zinswende. Hier ein Blick auf Daten, Aussagen und Bewertungen.

Vor genau einer Woche hatten wir die vorhandenen Renditeperlen im Dax besprochen, nämlich die Aktien mit einer Dividendenrendite von über 5 Prozent. Dazu gehörte auch Vonovia mit einer Dividendenrendite von 7,22 % und einem KGV von 8,48. Jetzt können wir uns das Unternehmen etwas genauer anschauen, weil der Wohnungskonzern heute seine Neunmonatszahlen veröffentlicht hat.

Aber zuerst schauen wir auf diesen TradingView Chart. Wir sehen seit Jahresanfang den fallenden Dax mit -17 Prozent. Im Vergleich dazu fällt die Vonovia-Aktie um 55 Prozent. Und dazu sehen wir als türkise Linie, wie der EZB-Leitzins nach jahrelangem Festkleben auf der Null-Linie von Juni bis jetzt auf 2,00 Prozent gestiegen ist. Die Zinswende wirkt sich aus. Schon im Vorwege sind die Marktzinsen explodiert. Alleine die regulären Bauzinsen für 10 Jahre Zinsbindung stiegen von 1 auf 4 Prozent (aktuell laut Interhyp 3,84 Prozent). Ein Mega-Konzern wie Vonovia wird für seine Neuverschuldung sicherlich andere Konditionen erhalten als ein privater Häuslebauer – dennoch steigen die Zinsen und verteuern damit die Kreditkosten deutlich.

Vonovia-Aktie im Vergleich zum Dax und EZB-Leitzins

Blicken wir auf die ersten neun Monate bei Vonovia. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr von 3,52 auf 4,62 Milliarden Euro. Der Gewinn (Adjusted EBITDA) steigt von 1,54 auf 2,11 Milliarden Euro. Die Anzahl der bewirtschafteten „Einheiten“ sinkt von 639.878 auf 621.396. Für 2023 prognostiziert Vonovia einen Anstieg der Summe der Umsätze auf 6,8 bis 7,4 Milliarden Euro. Das EBITDA wird voraussichtlich leicht über dem Vorjahreswert liegen. Die Vonovia-Aktie steigt heute um 3,2 Prozent.

Mit 43,4 % ist der Verschuldungsgrad LTV erneut gesunken und liegt weiterhin im Zielkorridor von 40 bis 45 %, so berichtet es das Unternehmen heute. Dennoch bedeutet die Zinswende: Finanzierungen für neue Projekte finden zu erheblich höheren Kreditkosten statt. Und da die EZB die Zinsen wohl weiter anheben wird im Kampf gegen die Inflation, werden womöglich auch die Kreditkosten weiter ansteigen. Auch die hohen Baukosten sind ein Problem. Dennoch, so darf man es anmerken, hat die Aktie in diesem Jahr schon viel Negativität eingepreist mit ihrem starken Verlust, der viel größer ausfiel als im Dax.

Hier das aktuelle Headline-Statement von Vonovia: „Die Auswirkungen des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine, steigende Zinsen, hohe Baukosten und der Fachkräftemangel stellen die Wohnungsbranche vor immense Herausforderungen. Wir sehen einen sich zuspitzenden Mangel an bezahlbaren Wohnungen, insbesondere in den großen Ballungsräumen. Gleichzeitig erfordert der Klimawandel entschlossenes Handeln“, sagt Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender von Vonovia. „Es ist uns auch in diesem Jahr gelungen, neue bezahlbare Wohnungen zu bauen, unseren Bestand weiter energetisch zu sanieren und die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Aber wir müssen feststellen, dass es einer gemeinsamen Kraftanstrengung bedarf, um auch in Zukunft in diesem Maß in Deutschland investieren zu können. Anderenfalls droht die Wohnungsfrage zum sozialen Zündstoff der nächsten Dekade zu werden. Diese Herausforderungen kann die Immobilienwirtschaft nicht allein lösen.“

Fahnen vor der Vonovia-Zentrale Foto: Vonovia



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