Anleihen

Vor dem FOMC-Protokoll: Blöde Ausgangslage – und Nervosität an den Anleihemärkten..

Aufmerksame Beobachter werden bemerkt haben, dass an den Finanzmärkten heute eines gewisse Risikoaversion vorherrscht – wobei die Gründe etwas nebulös sind, schließlich bestand für die Hoffnungs-Party am Montag eigentlich genau so wenig Anlaß wie jetzt für das Erstaunen darüber, dass die Konflikte zwischen den USA und China doch nicht wundersamerweise plötzlich verschwunden sind. Was für eine faustdicke Überraschung, mit der niemand hätte rechnen können!

Was derzeit abläuft, sieht man besonders am Anleihemarkt, und hier besonders am spread zwischen der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe, deren Rendite heute zum Vortag um fast 10% auf nun 0,50% fällt, und der Rendite der italienischen 10-jährigen Anleihe, die heute um 5% zum Vortag steigt auf nun 2,44%:


(Chart durch anklicken vergrößern, Bundesanleihe schwarz, 10-jährige italienische Anleihe orange)

Auch amerikanische Anleihen sind als vermeintlich sicherer Hafen gefragt: die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe fällt heute auf nun 3,01%, die der 2-jährigen US-Anleihe auf 2,55% im Vorfeld der heutigen FOMC-Protokolls. Und es ist dieser Fall der Renditen bzw. Anstieg der Anleihekurse, die viele unter Druck bringt, weil derzeit Rekordquoten auf US-Anleihen bestehen (man wettet also auf steigende Renditen). Das Boot ist also ähnlich voll wie einst Ende Januar/Anfang Februar bei den Spekulationen auf einen weiter fallenden VIX!

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Fallen die Renditen weiter, erwischt das also eine große Menge an Spekulanten auf dem völlig falschen Fuß – jene Spekulanten, die vielfach auch in Aktien long investiert sind, sodass absehbare Margin Calls bei ihren Anleihepositionen das Potential haben, den Druck auf die Aktienmärkte noch weiter zu verstärken, weil die Player Liquidität generieren müssen. Andereseits wäre ein (schneller) Anstieg der Renditen wiederum ein Anzeichen für Risikoaversion mit damit verbundener Dollar-Stärke (der Dollar steigt heute aber trotz der fallenden Renditen) und dementsprechend auch nicht förderlich für die Aktienmärkte..

Was aber wird das FOMC-Protokoll heute zutage fördern? Immer deutlicher wird, dass die Fed eine weitere Verflachung der Zinskurve vermeiden möchte, weil dies als Signal für eine bevorstehende Rezession gilt (so Atlanta Fed-Chef Bostic kürzlich, als er sagte, es sei „sein Job“ eine Invertierung der Zinskurve zu unterbinden). Daher wird in der Fed offenkundig schon diskutiert, die sogenannte „forward guidance“ einzustellen, also die Erwartung der Notenbank, zu welchem Zeitpunkt die Leitzinsen wo stehen – was den Effekt hätte, dass die Unsicherheit für länger laufende US-Anleihen steigen würde, weil der Markt im Nebel stochern muß und so ein weiterer Anstieg der längerfristigen Renditen wahrscheinlich wäre (nicht aber der kürzer laufenden Anleiherenditen, was die Zinskurve dann wieder versteilen würde).

Im Fokus weiterhin die Aussagen der Fed zur Inflation, zur US-Wirtchaft etc. Hören wir dazu eine Einschätzung von Jochen Stanzl, der zunächst kurz über den Dax spricht, dann aber auf das heutige FOMC-Protokoll zu sprechen kommt:



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