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Vor OPEC-Kürzung: Bestandsaufnahme und Ausblick bei Ölpreis, Lager und Fracking

Das Jahr ist zu Ende, und ab Montag wollen OPEC und Nicht OPEC-Förderländer beginnen in den nächsten Monaten ihre Öl-Fördermenge um insgesamt 1,8 Millionen Barrels zu reduzieren...

FMW-Redaktion

Das Jahr ist zu Ende, und ab Montag wollen OPEC und Nicht OPEC-Förderländer beginnen in den nächsten Monaten ihre Öl-Fördermenge um insgesamt 1,8 Millionen Barrels zu reduzieren. Wir haben unsere Skepsis über eine wirklich effektive Kürzung oft zum Ausdruck gebracht, und möchten jetzt mal eine Bestandsaufnahme machen, wie sich die Dinge in den letzten Monaten entwickelt haben.

Der erste Versuch die Öl-Fördermenge im April einzufrieren, endete übel in einem totalen Flop. Der war sogar so schlimm, dass es noch nicht mal eine Presseerklärung gab. Dann gab es nach und nach Gerüchte über einen erneuten Versuch, welche Ende September in Algier konkret besprochen wurden. Dann endlich am 30. November gab es beim offiziellen OPEC-Meeting in Wien auch zu unserer Überraschung tatsächlich eine Vereinbarung, bei der nicht nur die OPEC, sondern auch viele Nicht OPEC-Länder (vor allem Russland) mitmachen wollen.

Ob es denn nun wirklich im Alltag zur Kürzung der Fördermenge kommt, ist immer noch fraglich. Denn bisher wichen die eigentlichen Fördermengen immer noch den vorherigen OPEC-Zielen ab. Aber man hat ja am 30. November ein aus 3 Ländern bestehendes Kontrollgremium installiert, dass die Einhaltung der Kürzung überwachen soll. Was hat sich bis heute im Ölpreis getan? Nun, das ganze Jahr scheint unter dem Motto gelaufen zu sein „wir haben irgendwie Hoffnung auf eine Kürzung der Fördermenge“. Diese Hoffnung schaffte es doch tatsächlich den Ölpreis hochzuziehen.

Mit einigem Auf und Ab ging es unterm Strich von April bis November aber rauf von 40 auf gerade mal 45 Dollar. Der Durchbruch war dann wirklich der 30. November in Wien, der den Ölpreis seitdem steil anziehen lässt auf heute gut 54 Dollar im WTI (Brent 57 Dollar). Laut Internationaler Energie-Agentur wird die weltweite Öl-Nachfrage in 2017 relativ konstant bleiben, aber die Angebotsseite wird durch die Einfrierung unter die Nachfrage-Menge rutschen. Das reicht für eine euphorische Grundstimmung. Die Öl-Lager sind aber nach wie vor randvoll. Die weltweite Lagerhaltung ist fast unmöglich zu messen, und basiert lediglich auf groben Schätzungen.

Was dafür aber als globaler Gradmesser genommen wird, ist die relativ verlässliche wöchentliche Messung der Öl-Lagerbeständ ein den USA, die wir auch wöchentlich veröffentlichen. Im Vergleich zu Dezember 2015 ist diese Lagermenge von 455 auf 486 Millionen Barrels gestiegen. Also wäre beim möglichen Abbau der Lager ein noch größerer Verkaufsdruck vorhanden als vor einem Jahr. Und nun kommen wir zu den von uns oft angesprochenen Fracking-Buden in den USA, die selbst angekündigt hatten bei steigenden Ölpreisen ihre stillgelegten Aktivitäten wieder hochfahren zu wollen, weil man irgendwo um die 50 Dollar herum größtenteils wieder in der Gewinnzone arbeitet.

Die Rig Counts, also die Anzahl der aktiven Bohrfelder in den USA, ist alleine letzte Woche um weitere 13 auf 523 gestiegen, und hat damit die Rückgänge vom Anfang des Jahres wieder aufgeholt. Es geht also weiter steil bergauf bei der Reaktivierung der Bohrfelder in den USA. Was dabei erstaunlich ist: Mehrere OPEC-Offizielle hatten am 30. November in Wien auf die Fracker angesprochen ziemlich desinteressiert gewirkt. Man kümmere sich nur um sich selbst, so die einhellige Aussage. Aber das wird wohl nur vorgespielt sein. Das Problem wird sein: OPEC und Nicht OPEC-Förderer wissen, dass sie keinen Einfluss auf die privatwirtschaftlich organisierten Fracker in den USA haben. Daher stehen sie diesem Phänomen ziemlich hilflos gegenüber.

Es geht wohl um das Prinzip Hoffnung, dass die Fracker mit steigenden Fördermengen in 2017 die Kürzung von 1,8 Mio Barrels nicht einfach auffressen. Und dann ist da auch noch ein neuer US-Präsident namens Donald Trump. Der wird wohl alles dafür tun „lästige“ Regulierungen für Fracker abzuschaffen. Hauptsache die schaffen möglichst schnell möglichst viele neue Jobs. Wie heißt es so schön? Die Börse lügt nicht? Oder der Börsenkurs hat immer Recht? Dementsprechend vertraut die Börse darauf, dass es in 2017 wirklich zur globalen Ausbalancierung kommt, und die Nachfrage das Angebot überschreitet. Denn der Ölpreis ist zuletzt immer weiter gestiegen. Das ist ein Fakt. Wir begleiten die Entwicklung weiter mehr als kritisch – wir wollen aber natürlich niemanden davon abhalten an steigenden Kursen zu partizipieren, denn wie gesagt, der Börsenkurs hat immer Recht!?

oelpreis
Der WTI-Ölpreis seit Februar.



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