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Vorhersehbares Brexit-Muster scheint langsam einzutreten

Man denke zurück an das letzte Jahr. UK-Premierministerin Theresa May hatte mit allen ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten japanische Autobauer (zumindest vorerst) in UK gehalten. Dabei kamen mögliche…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Man denke zurück an das letzte Jahr. UK-Premierministerin Theresa May hatte mit allen ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten japanische Autobauer (zumindest vorerst) in UK gehalten. Dabei kamen mögliche Steuererleichterungen ins Spiel, aber auf jeden Fall jede Menge „Unterstützung bei Ausbildung, Bürokratieerleichterung“ etc. Ob direkte Subventionen in Cash flossen oder noch fließen werden, ist unklar. Aber nutzt all das strukturell gegen ein Abwandern von Produktion, wenn der große Abnehmermarkt für die Produkte auf dem EU-Festland liegt, also dem EU-Binnenmarkt?

Obwohl UK als Volkswirtschaft chronisch Außenhandelsdefizite erwirtschaftet, liefert die Autoindustrie dennoch viele produzierte Autos auf das Festland. Das wird gemäß des „Brexit-Musters“ ein Problem. Das besagt nämlich, dass ein UK-Produzent mit viel Absatz in der EU bei einem nicht mehr vorhandenen uneingeschränkten Zugang zu diesem Markt steigende Bürokratiekosten und noch viel eher mögliche Zölle zu befürchten hat. Diese Rechtsunsicherheit sollte Hersteller dazu drängen Produktion in den Absatzmarkt hinein zu verlagern, also in die EU.

Dieses Muster scheint sich offenbar jetzt im Fall BMW zu bewahrheiten. Man produziert in UK den Mini und Rolls-Royce. Nun wird die Elektro-Variante des Mini eingeführt, und man überlegt, wo dieses Produkt produziert werden soll. Am Mini-Stammsitz in auf der Insel, so wie es eigentlich sein sollte? Wie das Handelsblatt aus BMW-Interna erfahren haben will, soll UK aus dem Rennen sein. 80% der BMW-Modelle aus UK-Produktion werden ins Ausland exportiert. Beim Mini werden mehr als 50% in die EU exportiert. Da man ja auch noch nicht weiß, wie UK nach dem Brexit mit Ländern außerhalb Europas neue Handelsverträge abschließen wird, besteht auch für diese Absatzmärkte in den nächsten Jahren Rechtsunsicherheit für BMW, was Importzölle angeht für Minis aus britischer Produktion.

Zwei BMW-Standorte in Deutschland und ein Auftragsfertiger in den Niederlanden soll BMW angeblich derzeit prüfen als neue Produktionsstätten für den Elektro-Mini. Durch die hohe Exportquote von BMW-Produkten aus UK Richtung EU ist der deutsche Hersteller vielleicht der am eindeutigsten betroffene Hersteller, der sich durch den „harten Brexit“ neu orientieren muss, wenn es um neue Investitionen für neue Produkte geht. Auch die Japaner, die viel in UK produzieren und aufs Festland versenden, dürften langfristig ähnliche Überlegungen anstellen. Möglich und denkbar ist, dass die britische Regierung (aus Prestigegründen) versuchen wird gerade große Produzenten mit vielen Mitarbeitern auf der Insel zu halten, durch Subventionen in Cash.

Dann hätte man sein Gesicht gewahrt, und Jobs würden erhalten bleiben. Aber volkswirtschaftlich wäre das ein Verlust. Denn man bedenke: Was UK durch Joberhalt und Steuereinnahmen in UK am Leben erhält, würde dann nur künstlich erkauft werden durch Subventionen, die ebenfalls der UK-Steuerzahler berappen müsste. Und die Cash-Subventionen würden sicherlich die Vorteile wieder auffressen. Es käme zu einem staatlich verzerrten Markt, einer Art staatlich regulierter und künstlich am Leben gehaltener Produktion. Wohin sowas langfristig führt, sieht man in Ländern wie Venezuela oder Russland.

Davon ist UK natürlich jetzt noch weit weit weit entfernt. Aber entscheidend wird sein, ob durch den harten Brexit wirklich seitens der EU Importzölle auf britische Waren eingeführt werden. Das würde dann mittlere und kleine britische Firmen treffen, die nicht alle einzeln durch die britische Regierung mit möglichen Extra-Subventionen beglückt würden. Aber ja, da gibt es bereits ein Alternativ-Konzept von Theresa May namens „Drastische Unternehmenssteuersenkung“. Von der würden aber nicht nur die Exporteure oder abwanderungswilligen Auslandsfirmen profitieren, sondern alle Unternehmen auf der Insel. Ein dramatischer Verlust ein Steuereinnahmen wäre absehbar.

Aber jetzt wieder zurück ins Hier und Jetzt. Wenn BMW diese Neu-Investition in die EU verlagert, wäre das ein erster Schritt in der britischen Autoindustrie, den man logischerweise so erwarten kann in Sachen „Flucht vor den Brexit-Folgen“.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    sabine

    28. Februar 2017 15:14 at 15:14

    a) Audi baut vieles in der Slowakei, Indien, China und nun Mexiko. Und?
    b) Gerade Nicht-EU-Staaten provitieren von der fehlenden EU-Bürokratie und sind dadurch konkurrenzfähiger als wir kastrierte und politisch korrekte Hühner!
    c) Amazon will in Europa 15.000 Stellen schaffen, davon 5.000 in Großbritannien und 2.000 in Deutschland. Wegen der Vorteile durch den Brexit ist in Großbritannien ein überproportionaler Stellenaufbau vorgesehen.
    Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht für den Autobauer PSA bei einer Opel-Übernahme keine andere Möglichkeit als einen massiven Stellenabbau. Er rechnet damit, dass jeder 3.Job (6.300 von 19.000) bei Opel wegfallen könnte. Der Mitarbeiterabbau sei für den Peugeot-Chef Carlos Tavares der einzige wirksame Kostenhebel.
    http://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/ferdinand-dudenhoeffer-auto-experte-rechnet-weiter-mit-stellenabbau-bei-opel/19416672.html

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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