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Wirtschaft: Talsohle durchschritten? Wachstum: Eurozone übertrifft Prognose – Deutschland entgeht Rezession

Wachstum: Eurozone übertrifft Prognose - Deutschland entgeht Rezession
Brandenburger Tor, Berlin, Deutschland. Foto: Bloomberg

Überraschend gute Konjunkturdaten aus dem Euroraum machen zumindest etwas Hoffnung auf ein Ende der Stagnation. Auch weil der kranke Mann Europas, Deutschland, eine Rezession vermeiden konnte, fiel das Wachstum im Eurogebiet besser aus als erwartet. Mit 0,4 Prozent wuchs die Wirtschaft in der Eurozone stärker als von den Ökonomen erwartet.

Eurozone: Wirtschaft wächst stärker als erwartet

Wie Bloomberg aktuell berichtet, ist die Wirtschaft der Eurozone im dritten Quartal stärker gewachsen als erwartet – und auch Deutschland konnte die von Ökonomen weithin vorhergesagte Rezession vermeiden.

Das Wachstum des 20-Nationen-Währungsblocks beschleunigte sich auf 0,4 Prozent, weil die Dynamik in Frankreich zunahm und in Spanien unverändert hoch blieb. Ökonomen hatten eigentlich mit einem unveränderten Wachstum von 0,2 % gerechnet. Auch Deutschland trug mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 % und nicht wie von den Analysten erwartet mit einer erneuten Schrumpfung zu den besser als erwarteten Daten bei. Allerdings wurden die Werte für die vorangegangenen drei Monate stark nach unten korrigiert.

Der Schwachpunkt war Italien, wo die Produktion unerwartet stagnierte, was auf einen negativen Beitrag des Außenhandels zurückzuführen war.

Wirtschaft: Wachstum der Eurozone übertrifft Erwartungen - Deutschland entgeht Rezession
Eurozonen-Wachstum ist überraschend stark im dritten Quartal

Was die Inflation betrifft, so zeigen separate Daten aus Spanien, dass sich der Anstieg der Verbraucherpreise leicht auf 1,8 % beschleunigt hat, aber immer noch innerhalb des Ziels der Europäischen Zentralbank von 2 % liegt. Die deutschen Zahlen, die im Laufe des Tages veröffentlicht werden, dürften ebenfalls einen Aufwärtstrend zeigen. Am Donnerstag stehen dann die Zahlen für die gesamte Eurozone auf der Agenda. Auch hier rechnen die Volkswirte mit einem Anstieg der Inflationsrate auf 1,9% nach zuvor 1,7%.

Zinskurs der EZB

Die Daten am Mittwoch könnten einige der Sorgen um die europäische Wirtschaft zerstreuen, die in der vergangenen Woche aufkamen, als sich Finanzminister und Notenbanker in Washington zum Treffen des Internationalen Währungsfonds trafen. Einige EZB-Vertreter argumentierten, dass eine Verschlechterung der Aussichten stärkere Zinssenkungen erforderlich machen könnte, während andere zur Vorsicht mahnten.

Die überraschend starken Wachstumszahlen könnten Argumente für eine langsamere Lockerung und die Beibehaltung der traditionellen Zinssenkung um einen Viertelpunkt liefern. Nach der Datenflut reduzierten die Händler ihre Wetten auf Zinssenkungen der EZB und rechneten mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 25 % für eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt im Dezember. Zu Beginn des Monats lag die implizite Wahrscheinlichkeit, gemessen an den Swap-Preisen, noch bei 50 %.

Deutschland bereitet Sorgen

Die größten Sorgen bereitet Deutschland, wo das verarbeitende Gewerbe mit einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit zu kämpfen hat, den die Unternehmer auf hohe Energiekosten, übermäßige Regulierung und einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zurückführen. Die Unsicherheit hat die Verbraucher dazu veranlasst, ihre Ersparnisse aufzustocken, anstatt die Lohnerhöhungen der letzten Monate auszugeben.

Dies könnte sich jedoch allmählich ändern, da das Statistische Bundesamt den höheren Konsum der privaten Haushalte und des Staates als Grund für das Wachstum im dritten Quartal nennt.

Die fehlende Dynamik in Deutschland wirkt sich zunehmend auf den lange Zeit robusten Arbeitsmarkt aus. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Oktober um 27.000, während Volkswirte nur mit einem Plus von 15.000 gerechnet hatten. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 6,1%.

Länder mit einer stärkeren Ausrichtung auf den Dienstleistungssektor schnitten zuletzt besser ab. Im Oktober stieg die Produktion im privaten Sektor außerhalb Frankreichs und Deutschlands sogar schneller, wie aus den Unternehmensumfragen von S&P Global hervorgeht.

Wachstum der anderen Mitgliedsstaaten

Die Olympischen Spiele haben es Frankreich vorübergehend ermöglicht, die zugrunde liegende Schwäche zu überspielen, die die Finanzen des Landes belastet. Wie in Spanien waren der Konsum der privaten Haushalte und die öffentlichen Ausgaben die Haupttreiber.

Österreich verzeichnete mit 0,3 % das stärkste Wachstum seit zwei Jahren, unterstützt durch eine Erholung des Konsums, während sich das BIP-Wachstum in Portugal und Litauen beschleunigte.

Die wirtschaftliche Verbesserung in Frankreich bedeutet eine Erleichterung für die Regierung, die mit hohen Haushaltsdefiziten zu kämpfen hat, die das Vertrauen der Investoren untergraben. Angesichts steigender Kreditkosten im Vergleich zu anderen europäischen Ländern versucht Premierminister Michel Barnier, unpopuläre Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in einem Parlament durchzusetzen, in dem er keine Mehrheit hat.

Während ein stärkeres Wirtschaftswachstum in diesem Jahr für Präsident Emmanuel Macron ein Segen ist, zeigt ein genauerer Blick auf die Daten, dass die Investitionen im Berichtszeitraum um 0,8 % zurückgegangen sind. Separate Zahlen zeigen, dass sich das Wachstum der Konsumausgaben im September verlangsamt hat. Die anhaltende Schwäche in diesen Bereichen ist ein Schlüsselfaktor für den Einbruch der Steuereinnahmen, der die öffentlichen Finanzen weiter unter Druck setzt.

Die weiterreichenden Folgen dieses Drucks werden nun deutlich. Das Verbrauchervertrauen ist in diesem Monat zum ersten Mal seit April unerwartet gesunken, da die Haushalte ihren künftigen Lebensstandard pessimistischer einschätzen und die Arbeitslosigkeit zu einem größeren Problem wird.

Das sagen die Bloomberg-Ökonomen:

„Der unerwartete Anstieg des BIP im dritten Quartal ändert nichts an unserer Einschätzung, dass die deutsche Wirtschaft nur schwer wieder Tritt fasst und 2024 ein weiteres verlorenes Wachstumsjahr sein wird. Die leichte Verbesserung des Geschäftsklimas gibt zusätzliche Hoffnung, dass die Talsohle durchschritten sein könnte und das BIP in den kommenden Quartalen wieder wächst. – Martin Ademmer, Volkswirt.

Die Ökonomen der Commerzbank teilen diese Einschätzung. Sie sagten: „Die Wirtschaft in der Eurozone ist im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Quartal einer ersten Schätzung zufolge unerwartet kräftig um 0,4 Prozent gewachsen. Die Überraschung kam vor allem aus Deutschland, Frankreich und Spanien. Allerdings ist das überraschend gute Ergebnis zum Teil auf Einmaleffekte zurückzuführen. Die seit dem Sommer rückläufigen Frühindikatoren deuten weiterhin auf ein schwaches Wachstum im Winterhalbjahr hin.

FMW/Bloomberg



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16 Kommentare

  1. interessant, dass aktuell der Dienstleistungssektor das Zugpferd ist. Was auch erklären kann, warum Deutschland das Schlusslicht ist. Da in den kommenden Jahren wohl kaum China boomen wird und sollte Trump gewählt werden, wonach es aussieht, dann wird auch der Export in die USA eher Richtung Süden gehen. Mir scheint die Zeit des Exportweltmeisters ist vorbei. Entweder wir werden zu Hause wachsen oder gar nicht.

    Bei mir in der Nachbarschaft sind in mehrere leerstehenden Läden Friseure eingezogen. Nachdem die Läden überall ins Internet umziehen, vielleicht die neue Boombranche? Fa die Haare nicht schneller wachsen, wird man versuchen teurere Dienstleistungen anzubieten. Mal sehen.

    1. Nicht Friseure, sondern Headhunter sind die neue Boombranche.
      Mein Zahnarzt sucht seit über einem halben Jahr ein/e Assistent/in (und muß in der Zwischenzeit einige Patienten außerhalb von Notfällen vertrösten) und hat kürzlich einen sonchen Dienstleister eingeschaltet…

  2. der einzige grund warum hier erwartungen beim bip geschlagen werden, ist weil die preiskomponeneten wieder dominanter werden. in eu und den usa.

    u.a. die verantwortungslosen zinssenkungen der angeblich datenabhängigen notenbanken bescheren uns praktisch deckungsgleich dasselbe inflationsmuster wie in den 70ern. demnach befinden wir uns im anstieg zur zweiten welle. man muss sich nur ansehen was gold und anleiherenditen machen.

    man bringe mir nasse fetzen. diese i*io*en schaffen es doch tatsächlich sehenden auges als anhängsel von big money den gleichen mist zu bauen wie vor vier jahrzehnten und sind nicht fähig oder willens ihre fehler zu sehen und einen entsprechenden kurswechsel zu vollziehen.

    diese rezessionsverschleppung wird uns allen noch sehr viel wohlstand über die enteignung durch inflation kosten.

  3. Mehr Fratzscher braucht das Land

    @ Ost, sie sind einer der wenigen mit Hirn und Wirtschaftsverstand. Warum landen solche Leute auf FMW und nicht in Regierungs- und andern wichtigen Stellen? Aufruf an Headhunter, holt euch die Leute bei FMW ! Aber Achtung, der Supertrader ist unbezahlbar und mit Konservendosen schon ausgelastet.
    Grüne Politik hat VW zerstört, tragisch dass grüne Politiker auf den Staatskanälen die hörigen Manager beschuldigt.Grüne sind Pazifisten, sie zerstören ein ganzes Land auch ohne Waffen.

    1. @Wechselbalg, haben Sie mich heute schon nach dem Nasdaq short gefragt?

  4. Profi grüsst Anfänger

    @ Perma, als Profi weiss man ,dass langfristige Optionen auf kurze Schwankungen wenig reagieren. Also kein Grund um mit Scheingewinnen zu bluffen. Bleiben sie lieber bei ihren Konservenbüchsen, Metalle und Blech werden weiter steigen.

    1. @Wechselbalg, König der Andichtungen und Erfindungen, habe ich mit Scheingewinnen geblufft? Wenn ja, zeigen Sie mir die Stelle in meinem Kommentar. Ihre Dichtkünste sind sehr zweifelhaft, man könnte sie auch einfach Lügen nennen.

      Die Konserven gehören im Übrigen Ihrem Märchenonkel Helmut, nicht mir. Leider musste er Ihrem Fantasiegebilde der glücklichen Selbstversorgung widersprechen, weil er massenweise Fischbüchsen gekauft und in seinem Keller eingelagert hat. Der Dichter und sein Märchenonkel…

      1. @…..nix,

        wo bleiben die regelmässig publizierten, nachvollziehbaren gewinnnachweise für das publikum?

        zeig deine auszüge oder die notariell beglaubigte aussage darüber eines beeideten wirtschaftsprüfers

        1. @1150, wollen wir mal nicht übertreiben..

          1. @s.g. herr fugmann,

            wenn er schon permanent mit seinen behaupteten gewinnen hausieren geht, soll er doch auch mal

            einen beweis dafür vorlegen. bis dahin bleibt er, gelinde gesagt, ein billiger aufschneider.

            wenn ich morgen behaupten würde, ich hätte die spielbank von baden baden gesprengt,

            würde man mich vielleicht einen lügner nennen. ob zu recht oder nicht bleibt, sei dahingestellt,

            denn kein casino der welt würde zugeben, verloren zu haben

            mittlerweile ist dieses land zu einem land von schneidern, lügnern, plagiatisten verkommen…..

            diesmal kein antikes memo

          2. @1150. Wenn ich den Kauf und ebenso den Verkauf zu dem Zeitpunkt poste, wenn die entsprechende Transaktion durchgeführt wird, dann ist es für jedermann ganz einfach möglich, die Differenz (Gewinn oder Verlust) zwischen beiden Werte nachvollziehbar zu berechnen. Das alles ist, aufgrund des angebrachten Zeitstempels für jeden Kommentar hier bei FMW, nicht nachträglich erfindbar. Wenn Sie anderer Meinung sind, dann erklären Sie mal ganz genau, warum Sie daran zweifeln?

            Hier für Sie der letzte Deal den ich gepostet habe, Dax Short:

            Eröffnet mit Kommentar am 21. Oktober 2024, 08:00 Uhr, Wert bei 19’650 Punkten, automatisch durch meinen Algorithmus in der Nacht zuvor generiert:

            https://finanzmarktwelt.de/dax-auf-der-ueberholspur-auf-zur-20-000-punkte-marke-326896/?unapproved=189176&moderation-hash=748d26d1ebcaaac0df4356063fbe666d#comment-189176

            Geschlossen am 30. Oktober 2024 10:57 Uhr, Wert 19’350

            https://finanzmarktwelt.de/dax-richtungslos-was-fehlt-um-die-rekordjagd-fortzusetzen-327958/

            Ich habe normalerweise maximal 10 verschiedene Werte im Depot, Sie haben aber sicherlich Verständnis, dass ich die nicht alle hier posten kann. Ich orientiere mich in der Regel an aktuellen Themen, Beiträgen und Diskussionen.

            Gehen Sie einfach in den Chart für das o. g. Beispiel und überprüfen Sie die Werte. Ist ja wirklich nicht so schwierig. Gerne kann ich weitere Beispiele aus der Vergangenheit zu Ihrer persönlichen Überprüfung zur Verfügung stellen. So können Sie sich die „notariell beglaubigte aussage eines beeideten wirtschaftsprüfers“ sparen. Ist ja auch viel besser, wenn Sie sich direkt am Chart selbst überzeugen.

          3. @1150

            „soll er doch auch mal einen beweis dafür vorlegen.“

            Die Beweisführung ist bereits durch die Dokumentation des Zeitstempels meiner Kommentare bei der jeweiligen Transaktion (Kauf und Verkauf) erbracht.

          4. @Permanix
            Dafür müsste @1150 aber Ihre Kommentare lesen, kognitiv korrekt verarbeiten und abschließend überprüfen. Ein komplexer Prozess, der ihn durch erhöhten Zeitaufwand von seiner eigentlichen Lebensaufgabe zu sehr ablenken würde: Der dauerhaften, exzessiven Verbreitung fantasievoller Wut- und Hasskommentare gegen sein Land und seine Mitmenschen.

          5. @1150
            also sollten deine posts, die nicht nachweisbar sind, gar nicht erst veröffentlicht werden?
            Z.B. der Intelligenztest der Pharmaindustrie? Wo bleiben da die Nachweise? Dann würden wenigstens 99% deines Geschwurbels weg sein.

          6. @Andreas Wieninger. Ja, es ist davon auszugehen, dass beim @1150 die kognitiven Fähigkeiten nicht ausreichen, um eine einfache Subtraktion durchzuführen.

    2. @Wechselbalg und Möchtegern-Profi. Der NASDAQ hat innert 1-2 Tagen nun rund 750 Punkte verloren. Bei solch scharfen Richtungswechseln und einer sehr hohen Dynamik, ergibt sich ein bedeutender Zugewinn bei meinen Short-Optionen. Ihre Kommentare zeugen mal wieder von großer Ahnungslosigkeit.

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