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Während China mit -22% im Bärenmarkt ist, wollen Dax und Dow das Risiko noch nicht sehen

Kennen Sie das Sprichwort „in China fällt ein Sack Reis um“? Das bringt man immer dann, wenn ein Thema völlig belanglos ist. Tja, in China passiert etwas, und niemanden interessiert es? Vor mehreren Jahrzehnten mag das vielleicht noch gegolten haben. Aber inzwischen sind die global agierenden Konzerne derart mit anderen Märkten verflochten, dass China uns sehr wohl interessierten sollte.

So hängen deutsche Autobauer inzwischen essenziell davon ab, dass die chinesischen Konsumenten auch fleißig deutsche Autos kaufen. Sonst wären die Bilanzen von VW, Daimer und Co im Eimer. Also sollte das Wohlergehen der chinesischen Konsumgesellschaft auch Dax-Anleger interessieren. Aber wenn die USA wie heute gerade beschlossen den Chinesen immer mehr Strafzölle aufbürden, bekommt das die dortige Industrie zu spüren, und letztlich auch Konsumenten in China, die womöglich den Kauf neuer Autos verschieben.

Bislang aber ist dem Anleger in Dax und Dow diese globale Sichtweise wohl noch nicht ganz bewusst. Wir vergleichen an dieser Stelle mal. Seit dem Hoch der Aktienindizes im Januar ist der chinesische Leitindex „Shanghai Composite“ von 3548 auf 2777 Punkte gefallen. Das ist ein Minus von fast 22% (erster Chart). Im selben Zeitraum ist der Dax von 13.570 auf 12.460 Pukt gefallen – das sind lediglich -8,1%. Der Dow Jones fiel währenddessen von 26.650 auf 24.684 Punkte – das ist auch nur ein Minus von 7,4%.

Die allgemeine Definition eines Bärenmarktes (Baisse) lautet, dass vom Hochpunkt ein Minus von mindestens 20% erreicht sein muss. Man kann also sagen: Während die Chinesen sich schon im Bärenmarkt befinden, wollen Dax und Dow dieses Problem offenbar noch nicht erkennen. Möglicherweise müssen sich schlechte Nachrichten aus China erst real in den Bilanzen deutscher Auto- und Maschinenbauer widerspiegeln?

Das könnte noch etwas dauern. Erstmal müssen die Chinesen anfangen weniger Autos zu kaufen – dann sieht man es in den Verkaufszahlen der Autohersteller. Dieser Prozess könnte noch ein paar Monate dauern – aber die Börse handelt ja stets die Zukunft. Also ist es doch recht erstaunlich, dass wir hierzulande bislang so wenig gefallen sind.


Shanghai Composite


Dax und Dow.

Bärenmarkt
Bulle gegen Bär. Skulptur Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse von Reinhard Dachlauer. Foto: Eva K. – Eva K. / Wikipedia (CC BY-SA 2.5)



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