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Wall Street auf Allzeithoch – Finanz-Chefs von Firmen dagegen so pessimistisch wie selten..

FMW-Redaktion

Man kann nicht sagen, dass die täglichen Allzeithochs an der Wall Street nicht einen gewissen Gewöhnungseffekt hätten – entsprechende Meldungen etwa des US-Finanzsenders CNBC rufen inzwischen nur noch lautes Gähnen hervor. Ein neues Allzeithoch, na und? Haben wir schon über 50 mal erlebt in diesem Jahr. Vielleicht kitzelt die 23.000er-Marke im Dow Jones noch ein bißchen – etwa so, wie ein eingeschlafener Fuß kitzelt..

Dieser penetrante Dauer-Optimismus, der zu einer Art Konditionierung geworden ist und nichts mehr mit Realwirtschaft, aber alles mit der Erwartung an das segensreiche Tun der Notenbanken (und an die Trumpsche Steuersenkung) zu tun hat, steht dabei in einem ziemlich krassen Widerspruch zu dem, was die Firmen in den USA eigentlich denken, genauer die von der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Deloitte befragten Finanzchefs von Firmen (CFOs).

Deloitte führt diese Umfrage quartalsweise durch, und das schon seit 30 Quartalen – befragt werden Unternehmen, die im Jahr mehr als eine Milliarde Umsatz haben. Aber so skeptisch wie im dritten Quartal diese Jahres waren die befragten CFOs nur ganz selten! So meinen etwa 83% der Befragten, dass die Aktienmärkte überbewertet seien, ein Höchstwert, seit es die Umfrage gibt.

Wie aber sehen die Finanzchefs der Firmen die Zukunft? Insgesamt beurteilen nur 29% die Aussichten positiv – im Vorquartal waren es noch 44%. Im Bereich manufacturing sind es sogar nur 22% (von 52% im Vorquartal), im Energiesektor fällt der Wert sogar auf 19% von 48% im Vorquartal.

Warum die Finanzchefs so pessimistisch sind, weiß auch Deloitte nicht so genau – man vermutet geopolitische Unsicherheiten und Frustration darüber, dass die Trump-Administration so wenig zustande bringt bisher. Oder ahnt man vielleicht, dass der Hochpunkt der Konjunktur in den USA längst überschritten ist?

Jedenfalls fällt auf, dass die Firmen kaum investieren – sie horten vielmehr Cash (in der Summe netto 60 Milliarden Dollar), statt wie insgsamt im Jahr zuvor noch Kredite aufzunehmen und zu investieren (-22 Milliarden Dollar).

Dass die Skepsis mit dem eigenen Markt zu tun hat, zeigt auch die Tatsache, dass die Analysten bei denjenigen S&P500-Firmen, die mehr als 50% ihres Umsatzes in den USA machen, sogar mit -0,1% leicht rückläufige Umsätze (zum Vorjahresquartal) rechnen, während jene S&P500-Firmen, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland machen, mit einer Steigerung von durchschnittlich +7,9% rechnen können (und das liegt nicht am Dollar, da der Dollar-Index zum Vorjahresquartal wenig verändert ist).

So oder so: die auffallende Differenz zwischen der Euphorie der Wall Street und der Skepsis der Finanzchefs der Firmen springt ins Auge – und wir werden wohl noch etwas warten müssen, um zu wissen, wer letztlich Recht gehabt hat!


An der Börse werden alle reich – ganz ganz sicher..
Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)



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2 Kommentare

  1. Und dann? Die werden die Kiste knallhart durchziehen bis, dass die EZB sagt : Die EZB-Nullzinspolitik vorbei !

    Das kann teuer werden für Euch Bären, aber ich möchte ja, dass Ihr Shortet !! Sehr gut !! Immer stur gegen den Marktrend traden !

    1. Besser gesagt, immer stur gegen die Banken traden?! Was für ein Markt meinst du? Dieses Papier/luft Gebilde? Auf zum nächsten hoch lol
      Nicht das ich den Gewinn keinem gönne, mich juckt es sowieso nicht, aber diese Märkte sind in meinen Augen von A-Z manipuliert… aber was weis ich schon! Auf zum nächsten ATH

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