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Wall Street: Goldilock-Szenario wankt

Jetzt wird es spannend! Die Hoffnungen der Investoren beruhten auf einem Goldilock-Szenario, dem Glauben an die Beste aller Welten..

Die Stabilität der Kurse an der Wall Street in den letzten Tagen und Wochen war schon mehr als erstaunlich. Gab es nicht jede Menge „Bad News“ von der weltweiten Konjunkturfront sowie auch den Wirtschaftsdaten aus den USA? Dafür kann es eigentlich nur einen Mix aus Rahmenbedingungen geben, die diese Zuversicht begründeten:

Die Hoffnungen und Zwänge der Wall Street

  • Man glaubte und glaubt an eine zwischenzeitliche Einigung im Handelsstreit, weil ihn beide Seiten aus unterschiedlichen Motiven benötigen.
  • Der Unterschied zwischen der Kurs/Gewinn-Verhältnissen von Aktien- und Anleihenmärkten ist historisch extrem hoch. Mit Dividendenrenditen im S&P 500 von 1,7 Prozent und damit auf dem Niveau der 10-jährigen US-Staatsanleihe liegend. Versicherer und Pensionsfonds haben gesetzliche Vorgaben für die Höhe ihres Anleiheanteils und brauchen die Aktiendividenden für Ihre Auszahlungen – der berühmte Anlagenotstand.
  • Dann natürlich die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen der Federal Reserve im Einklang des weltweiten Zinssenkungszyklus der Notenbanken – die australische Notenbank hat gestern zum dritten Mal die Zinsen gesenkt auf nur noch 0,75 %. Damit sind es schon deutlich über 70 Zinssenkungen in diesem Jahr. Dazu kommt noch die Hoffnung auf den Wiedereinstieg in das Anleihekaufprogramm Q4.
  • Außerdem hofft man auf fiskalpolitische Maßnahmen in verschiedenen Staaten, um die Konjunktur auf Trab zu trinken zu bringen. Dabei wird an der Wall Street sehr viel über Deutschland und Europa diskutiert, wo solche Schritte von der EZB gefordert und auch erwartet werden.

 

Der Spielverderber, der Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe

Der ISM-Index des Verarbeitendes Gewerbe ist auf 47,8 Punkte gefallen, den tiefsten Stand seit 2009. Allgemeiner Tenor der beim ISM-Index befragten Einkaufsmanager: das seien Auswirkungen des Handelskonflikts.
Sollte sich jetzt die Verbraucherstimmung auf den Konsum auswirken, muss mit deutlichen Gewinnrevisionen der Unternehmen bei ihren Ausblicken in Q3 gerechnet werden.
Auf Langzeitgrafiken des Institute for Supply Management (ISM) seit den 1950-er-Jahren ist zu erkennen, dass beim Unterschreiten des Index unter die 47 Punktemarke in allen Fällen die USA in eine Rezession abgeglitten war. Sehr weit ist es nicht mehr bis in diese kritische Zone.

Ich habe schon mehrfach betont, dass der monetäre Faktor der wichtigste an der Börse ist, das billige Geld, welches die Boote hebt. Aber mit der Einschränkung, dass dies in einer Rezession nicht mehr gilt. Der darauf folgende Kurseinbruch macht die Aktienanlage auf einen Schlag unattraktiv.

 

Schlussfolgerung

Jetzt wird es spannend. Die Hoffnungen der Investoren beruhte auf diesem Goldilock-Szenario – kurz gefasst einer Einigung im Handelstreit, geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der Federal Reserve und dazu einer US-Wirtschaft, die zwar nicht mehr allzu stark wächst – aber eben dennoch nicht in den rezessiven Bereich abrutscht. Dieses Wunschkonstrukt steht mit dem tiefen Fall des Einkaufsmanagerindex im produzierenden Gewerbe stark auf der Kippe. Jetzt darf der private Verbrauch und der Dienstleistungssektor nicht nachgeben. Einen deutlichen Hinweis darauf werden wir bereits am kommenden Freitag mit den Arbeitsmarktdaten in den USA sehen. Fallen diese schlechter als erwartet aus, so könnte Jerome Powell zwar grünes Licht von der Datenseite bekommen, aber die Maßnahmen könnten zu spät kommen, wenn die Infektion durch den kränkelnden Produktionssektor auf den Konsumenten übergegriffen hat.

 

Fazit – die Lage der Wall Street

Der Dow Jones ist gestern um 343 Punkte gefallen. Donald Trump wird diesen Rückgang sehr wohl registriert haben, vor allem da er und seine Politik unisono mit dem Handelskonflikt in einen ursächlichen Zusammenhag gestellt wird. Sollten jetzt noch ein paar Verlusttage folgen, wird er am 11. Oktober mit einem Plastik-Deal oder zumindest mit großen Zugeständnissen kommen. Nie und nimmer wird er in dieser Situation den Dow Jones an die Wand fahren lassen, hart gegenüber den Chinesen bleiben, um sie in die Knie zu zwingen. Ruckzuck wäre der Konsum heftig betroffen und er bekäme das Szenario, welches er im Wahlkampf überhaupt nicht gebrauchen kann. Die Fed wird wie immer die Konjunktur stützen und auf die Konjunkturdaten am Freitag hoffen, um wenigsten ein bisschen Unterstützung aus den Zahlen zu bekommen. Die Aussagen aus der letzten Pressekonferenz über die starke US-Konjunktur klingen aktuell wie das berühmte Pfeifen im Wald.

Die Fed ist eine „Getriebene“ – von der Weltwirtschaft, von Donald Trump und vom hohen Kurs der eigenen Währung.

 

Die Wall Street war schockiert über die ISM-Daten



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1 Kommentar

  1. Große Zugeständnisse von Trump gegenüber China wird es kaum geben können, will er die noch vorhandene wirtschaftliche Vormachtstellung der USA damit nicht schon vorzeitig an China abtreten und sich gleichzeitig vor aller Welt zum zahnlosen Tiger erklären. Trump sitzt mächtig in der Zwickmühle.

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