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Wall Street im Aufwind: Aktienmärkte peilen Jahresendrally an

Wall Street im Aufwind: Aktienmärkte peilen Jahresendrally an
Grafik: ChatGPT

Während in Washington die Uhren stillstanden, drehte sich an der Wall Street alles weiter – und zwar erstaunlich gut. Die Aktienmärkte haben den längsten Shutdown in der Geschichte der Vereinigten Staaten weitgehend unbeschadet überstanden. Trotz des politischen Stillstands im Kongress und der lähmenden Unsicherheit zeigten sich Anleger bemerkenswert widerstandsfähig. Statt Panik dominierte Zuversicht: Mit dem nahenden Ende des Regierungsstillstands hoffen Investoren nun auf den Beginn einer saisonal typischen Jahresendrally.

Aktienmärkte trotzen längstem Shutdown

Die Aktienmärkte haben sich auch vom längsten Regierungsstillstand der US-Geschichte nicht bremsen lassen. Trotz des seit dem 1. Oktober andauernden Shutdowns konnte der S&P 500 in den vergangenen 40 Tagen um 0,6 % zulegen – und verzeichnete am Montag einen weiteren kräftigen Anstieg, als ein Ende der politischen Blockade in greifbare Nähe rückte. Historisch betrachtet deutet vieles darauf hin, dass die Aktienmärkte in die traditionelle Jahresendrally übergehen könnten, so ein Bericht von Bloomberg.

Laut Sam Stovall, Chefmarktstratege bei CFRA, verzeichnete der S&P 500 im Durchschnitt ein Plus von 2,3 % im Monat nach dem Ende der letzten 15 Shutdowns. Sollte sich dieses Muster wiederholen, könnte der US-Leitindex bis Mitte Dezember bis an die Marke von 7.000 Punkten klettern.

Das politische Patt in Washington könnte bereits am Mittwoch beendet werden, nachdem sich die Demokraten im Senat auf eine Abstimmung über den Kompromiss geeinigt haben, der nun noch das Repräsentantenhaus passieren muss. Anleger reagierten erleichtert, weil die befürchteten wirtschaftlichen Schäden und Belastungen für Unternehmensgewinne offenbar abgewendet wurden. Damit rückt nun wieder die Geldpolitik der Fed in den Fokus – die Märkte erwarten für den kommenden Monat eine dritte Zinssenkung der Federal Reserve – sowie die Auswirkungen der Zölle auf die Inflation.

„Es ist eine gewisse Erleichterung, dass wir hier weiterkommen, aber schon bald wird sich die Marktaufmerksamkeit wieder den großen Technologiewerten zuwenden“, sagte Keith Lerner, Chief Investment Officer bei Truist Advisory Services. Besonders gespannt blickten Investoren auf die Quartalszahlen von Nvidia, die am 19. November auf der Agenda stehen.

Wall Street vor Jahresendrally? - US-Aktienmärkte steigen trotz Government Shutdown
US-Aktienmärkte steigen trotz Government Shutdown

Schwankungen und starke Unternehmensgewinne

Ganz ohne Turbulenzen verlief der Shutdown für die Wall Street allerdings nicht. In der Woche zum 10. Oktober fiel der S&P 500 um 2,4 %, nachdem Präsident Trump die Handelsspannungen mit China erneut angeheizt hatte. In der vergangenen Woche verlor der Index weitere 1,6 %, da sich Anzeichen einer Überhitzung im KI-Segment zeigten. Zwischenzeitlich kletterten die Aktienmärkte jedoch um mehr als 4 %, beflügelt von robusten Unternehmensgewinnen.

Seit Beginn des Shutdowns liegt das Plus des S&P 500 bei 2,2 % – ein besseres Ergebnis als im Durchschnitt der Regierungsstillstände seit 1981, wie CFRA-Daten zeigen. „Es sieht so aus, als ob eine Korrektur nach der jüngsten Schwächephase mit dem Ende des Shutdowns verschoben wird“, erklärte Stovall. „Die Geschichte zeigt, dass die Aktienmärkte einen Monat nach Ende eines Shutdowns meist höher steht.“

Wall-Street-Strategen bleiben optimistisch

Viele Strategen rechnen mit einer Fortsetzung der Rally, sobald Bundesangestellte ihre Arbeit wieder aufnehmen und verlässliche Wirtschaftsdaten erneut veröffentlicht werden – ein Unsicherheitsfaktor weniger für die Aktienmärkte. Besonders die jüngsten Rücksetzer bei den großen Technologiewerten im Zuge der KI-Bedenken, die rund ein Viertel des S&P 500 ausmachen, könnten sich nun als attraktive Einstiegschance für Schnäppchenjäger erweisen.

„Mit dem Ende des Regierungsstillstands ist das Risiko großer politischer Störungen wohl hinter uns, und der Rückgang bei KI-bezogenen Aktien bietet interessante Einstiegschancen“, sagte Dennis DeBusschere, Präsident und Mitgründer von 22V Research. Er riet Anlegern, auf Aktien von Unternehmen zu setzen, die aktiv künstliche Intelligenz nutzen – etwa Nvidia oder Constellation Energy – und gleichzeitig auf Aktien zu verzichten, die keine KI-Strategie verfolgen. Die Tech-Werte könnten überdurchschnittlich vom verbesserten Sentiment profitieren, nachdem politische Unsicherheit „endlich wieder begonnen hatte, auf die Vermögenspreise zu drücken“, so DeBusschere.

Auch Firmen mit Regierungsaufträgen wie CACI International oder Palantir Technologies könnten nach Ende des Shutdowns profitieren.

Risiken und Gegenwind bleiben

Nicht alle Folgen des absehbaren Endes des Shutdowns sind positiv. Das Fehlen offizieller Konjunkturdaten zu Inflation und Arbeitsmarkt ermöglichte es Anlegern bislang, Risiken bei Preisstabilität und Beschäftigung zu ignorieren. „Das ist eine Art Zwei-Wege-Risiko“, sagte Lerner. Sollten neue Wirtschaftsdaten deutlich von bisherigen Erwartungen abweichen, könne sich das sowohl positiv als auch negativ auf die Aktienmärkte auswirken.

Der im Senat ausgehandelte Kompromiss verlängert zudem keine Subventionen für Krankenversicherungen nach dem Affordable Care Act – einem zentralen Streitpunkt zwischen Demokraten und Republikanern. Das führte zu deutlichen Kursverlusten bei Versicherern wie Centene Corp. und Molina Healthcare Inc. Zwar wird über eine Verlängerung der Finanzmittel verhandelt, doch ist bisher nichts beschlossen.

Hoffnung auf eine Jahresendrally

Trotz anhaltender Risiken bleibt der Aufwärtstrend intakt: Hohe Bewertungen, Sorgen um die Kauflaune der US-Verbraucher und Schwächen in einzelnen Branchen wie dem Gesundheitswesen belasten die Aktienmärkte weiterhin. Doch an der Wall Street überwiegt die Zuversicht. Mit der wiederhergestellten Klarheit über staatliche Ausgaben und einer spürbar besseren Stimmung rechnen viele Strategen mit einer Fortsetzung der Erholung – und setzen auf eine Jahresendrally.

„Das bietet den Anlegern eine gewisse Erleichterung“, sagte Stovall abschließend.

FMW/Bloomberg

 



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