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Wall Street: Rezession im Blick – US-Indizes rutschen über die Klippe

Wall Street: Rezession im Blick - US-Indizes rutschen über die Klippe

Die Sorgen vor einer straffen Geldpolitik der Fed und einer bevorstehenden Rezession haben die US-Indizes an der Wall Street unter Druck gebracht. Nach einer turbulenten Vorwoche spitzt sich die technische Lage im S&P500, Dow Jones und Nasdaq weiter zu. Die US-Indizes stehen allesamt an einer kritischen Marke.

Die Angst vor einer weltweiten Rezession geht um, das zeigt sich an den zuletzt immer wieder gesenkten globalen Wachstumsprognosen von diversen Institutionen und Ökonomen. Gleichzeitig nimmt der Inflationsdruck zu, was zu einer Straffung der Geldpolitik und einem Liquiditätsentzug führt. Zusätzlich belasten die Flaschenhalsprobleme aufgrund des Ukraine-Konflikts, den Lockdowns in China und einer laufenden Deglobalisierung die Weltwirtschaft. Die Kombination aus steigenden Zinsen und sinkendem Wachstum sind nicht gut für die immer noch hohen Bewertungen an der Wall Street.

Rezessionsgefahr am Horizont

Die Zutaten für eine weltweite Rezession liegen auf dem Tisch. Die Analysten von JPMorgan haben es auf den Punkt gebracht. Ihrer Meinung nach leben wir in den chaotischsten und am schwersten vorhersehbaren makroökonomischen Zeiten seit Jahrzehnten. Um der hohen Inflation entgegenzuwirken, muss die US-Notenbank die Zinsen erhöhen und dem Markt Liquidität entziehen. Der Preis dafür könnte jedoch eine Rezession sein. Die Fed strebt zwar ein sogenanntes „Soft Landing“ an, also die Bekämpfung der Inflation ohne dabei die Konjunktur abzuwürgen, es bestehen aber Zweifel, ob dies wirklich gelingt. Sie wandert auf jeden Fall auf einem sehr schmalen Grat, weshalb spürbare Abwärtsrisiken an der Wall Street und den weltweiten Aktienmärkten bestehen.

Der geisternde Spruch „Sell in May and go away….“ Scheint in diesem Jahr einmal mehr an Bedeutung zu gewinnen. Demnach könnten die Aktienmärkte noch ein paar ungemütliche Monate bevorstehen, bevor im September wieder etwas Hoffnung am Horizont erscheint.

Fed-Chef drückt die Zinserwartungen

Die Indizes an der Wall Street haben den jüngsten Zinsschritt von 50 Basispunkten noch nicht vollends verdaut. Es kam zwar zu einer Erleichterungsrally, diese hat sich im Nachhinein aber als Strohfeuer herausgestellt. Eines ist Fed-Chef Powell dennoch gelungen, er hat die Zinserwartungen nach unten gebracht. Zuvor waren die Sorgen groß, dass die US-Notenbank die Zinsen sogar um 75 Basispunkte erhöhen könnte. Nun erwartet der Markt allerdings „nur noch“ zwei volle Zinserhöhungen um 0,5 Prozentpunkte auf den kommenden beiden Sitzungen. Danach könnte die Fed mit Zinsschritten in Höhe von 25 Basispunkten fortfahren.

Demzufolge liegen die Erwartungen für das Jahresende nicht mehr bei 3 Prozent, sondern bei 2,75 Prozent. Das letzte Mal, dass die Fed in einem solch schwierigen Marktumfeld die Zinsen erhöht hat, war nach der Jahrtausendwende während der Dotcom-Blase. Was danach passierte, dürfte den meisten Marktteilnehmer noch im Gedächtnis sein. „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie …“ – Die Gefahren einer bevorstehenden Rezession und eines Bärenmarktes sind demnach nicht von der Hand zu weisen. Es hängt jetzt viel davon ab, wie sich die Situation in der Ukraine und China entwickelt und ob es den Notenbanken gelingt ein Soft Landing hinzubekommen.

Wall Street: Blick auf den Leitindex S&P500

Werfen wir stellvertretend für die Wall Street einen Blick auf den marktbreiten S&P500. Der Leitindex ist in der Vorwoche mehrfach unter die wichtige Unterstützung bei 4.135 Punkten gefallen. Am Freitag kam es schließlich erstmals zu einem Tagesschluss darunter. Ganze sechsmal haben die Bullen zuvor versucht die Marke zu halten. Es scheint aber so als ob der S&P500 die Marke nachhaltig aufgegeben hat. Im außerbörslichen Handel ist er am heutigen Vormittag sogar unter das Mai-Tief 2021 bei 4.063 Punkten gefallen. Nun könnte er das außerbörsliche Tief bei 4.037 Zählern anpeilen.

Die Unterstützungszone zwischen 4.070 und 4.038 Punkte ist die letzte Bastion. Hier befindet sich zudem das 127,2% Extensionslevel (4.059) einer ABC-Korrektur. Gibt der S&P500 die Zone auf, dann droht die nächste Abwärtswelle in Richtung der Unterstützung bei rund 3.970 Punkte bzw. sogar bis an das Tief von Ende März 2021 bei 3.860 Punkte. Der Bereich geht einher mit dem 161,8% Extensionslevel (3.853). Der RSI auf Tagesbasis ist noch ein Stück entfernt von einem überverkauften Zustand (unter 30), somit wäre noch Platz nach unten. Auf der anderen Seite sehen wir indessen eine leichte Divergenz bei den letzten Tiefpunkten. Allerdings sollte man das „Death Cross“, dass durch das Kreuzen der EMA50 und EMA200 entstanden ist, nicht unterschätzen.

Eine Richtungsentscheidung im S&P500 könnte zwischen 4.038 und 4.135 Punkten fallen. Gelingt es den Bullen die letzte Bastion bei rund 4.040 Punkten zu verteidigen, dann besteht die Chance auf einen Rücklauf an die vorherige Unterstützung bei 4.135 Punkte. Ein Scheitern an der Marke wäre jedoch ein deutliches Schwächesignal. Die Situation in den US-Indizes Dow Jones und Nasdaq sieht ähnlich aus. Während der Dow Jones noch vor der Klippe steht, hat der Nasdaq diese bereits nach unter verlassen. An der Wall Street riecht derzeit alles nach Bärenmarkt sowohl aus fundamentaler als auch aus technischer Perspektive.

S&P500 Chart: Fed und Rezession belasten US-Indizes

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1 Kommentar

  1. Und Gold lässt sich auch nicht lumpen und folgt in solidarischem Gehorsam. Silber läuft voran.

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