Europäische Aktien verlieren gegenüber der Wall Street wieder an Boden. Der Stoxx 600 bleibt hinter dem S&P 500 zurück. Steigende Energiepreise, höhere Zinsen und schwächere Gewinnaussichten belasten den europäischen Aktienmarkt, während sein Bewertungsvorteil schmilzt. Eine aktuelle Fondsmanagerumfrage der Bank of America zeigt, dass internationale Anleger ihre Europa-Positionen deutlich reduziert haben und weiterhin US-Titel bevorzugen. Entscheidend ist nun, ob Europa nur eine Schwächephase erlebt oder gegenüber der Wall Street strukturell weiter zurückfällt.
Europäische Aktien: Anleger reduzieren Positionen
Wie Bloomberg berichtet, sind globale Fondsmanager bei Aktien der Eurozone inzwischen netto mit 5 Prozent untergewichtet. Einen Monat zuvor waren sie noch mit 6 Prozent übergewichtet. Bei US-Aktien liegt die Netto-Übergewichtung dagegen weiterhin bei 25 Prozent, nach 27 Prozent in der vorherigen Umfrage. Zudem erwarten netto 8 Prozent der Befragten, Europa innerhalb der kommenden zwölf Monate unterzugewichten.
Dieser Stimmungswechsel ist besonders auffällig, weil sich die Konjunkturdaten der Eurozone relativ zu den USA verbessert haben. Die positivere wirtschaftliche Überraschung mündete bislang jedoch nicht in eine bessere Börsenperformance. Während der Citi Economic Surprise Index seit dem Frühjahr zugunsten Europas gestiegen ist, hat das Verhältnis des Stoxx Europe 600 zum S&P 500 wieder nachgegeben.

Ein Grund dafür ist die Zusammensetzung des europäischen Aktienmarktes. Anleger setzen vor allem auf Banken, Industrieunternehmen, Technologie und Grundstoffe. Diese Sektoren können von Konjunkturerholung und staatlichen Investitionen profitieren, reagieren aber empfindlich auf steigende Finanzierungskosten. Das Engagement in Banken bleibt erhöht, hat sich laut der BofA-Umfrage gegenüber dem Vormonat jedoch halbiert.
Hohe Energiepreise belasten Europas Aussichten
Die größte Gefahr ist der Ölpreis von mehr als 100 Dollar. Teure Energie erhöht die Produktions- und Transportkosten, schwächt die Kaufkraft und verstärkt den Inflationsdruck. Beide Wirtschaftsregionen sind betroffen, doch für das von Energieimporten abhängige Europa fallen die Konsequenzen schwerer aus.
Die EZB erhöhte ihre Leitzinsen im September um 25 Basispunkte. Bleibt der Ölpreis hoch, könnte die Inflation länger über dem Zielwert verharren und weitere Zinsschritte erforderlich machen. Höhere Finanzierungskosten würden wiederum das Wachstum und die Gewinne europäischer Unternehmen belasten.
„Der geopolitische Kontext entwickelt sich zunehmend zu einem spürbaren Hindernis“, erklärten die CIC-CIB-Strategen Nicolas Bouthors und Maxime Garcia. „Steigende Energiepreise werden für Wachstum und Inflation immer problematischer. Diese Entwicklung können die Zentralbanken und insbesondere die EZB nicht ignorieren.“
Die Wall-Street-Strategen halten deshalb Kürzungen der Gewinnprognosen für 2027 um mindestens 5 Prozent für möglich. Als Belastungen nennen sie den anhaltenden Iran-Konflikt und dessen Folgen für Energiepreise, Wachstum und Zinsen. Damit wächst zugleich das Risiko, dass sich die bisher auf wenige zyklische Branchen konzentrierte europäische Börsenrally als anfällig erweist.
Bewertungsvorteil wird kleiner
Bislang konnten Anleger die geringeren Wachstumsaussichten Europas mit niedrigeren Bewertungen rechtfertigen. Doch dieses Argument verliert an Kraft. Der Bewertungsabschlag des Stoxx Europe 600 gegenüber dem S&P 500 hat sich seinem langfristigen Durchschnitt von rund 20 Prozent angenähert. Europäische Aktien sind weiterhin günstiger, bieten aber keinen außergewöhnlich großen Sicherheitspuffer mehr.

Gleichzeitig bleibt das erwartete Gewinnwachstum hinter der Wall Street zurück. Die Gewinne der Stoxx-600-Unternehmen sollen laut Bloomberg Intelligence 2026 um 15 Prozent und 2027 um 9,7 Prozent steigen. Für die USA werden dagegen Zuwächse von 27 beziehungsweise 19 Prozent erwartet.
Hinzu kommt der amerikanische Vorsprung bei künstlicher Intelligenz. „Unsere Überzeugung zugunsten von US-Aktien gegenüber Europa bleibt unverändert: Die USA verfügen über eine umfassende Vormachtstellung bei den weltweiten Unternehmensgewinnen und stehen für 65 Prozent der Gewinne aller OECD-Länder“, sagte Christopher Dembik, leitender Anlageberater bei Pictet Asset Management. „Die Stärke liegt darin, dass US-Unternehmen derzeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette der KI-Industrie vertreten sind und diese dominieren.“
Die Aussichten für europäische Aktien sind damit nicht grundsätzlich schlecht, doch das Chance-Risiko-Verhältnis hat sich verschlechtert. Solange höhere Energiepreise, steigende Zinsen und schwächere Gewinnperspektiven dominieren, dürften Anleger US-Titel bevorzugen.
FMW/Bloomberg
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Und sollte die USA den Export von Diesel einstellen, wird es noch sehr viel übler. Klassischer Move der USA: Unser Krieg, Euer Problem. Das selbe von China: Kein Wachstum in China? Dann exportieren wir nach Europa. Ich würde hier unsere Ex-Kanzlerin zitieren: Das schaffen wir schon.
PS: Ich habe meine Aktien verkauft und gucke mir das erstmal an.