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Wall Street und das Wahldilemma: Trump oder Joe Biden?

Es sind nur noch knapp 15 Wochen bis zu den US-Wahlen – und die Wall Street muß sich auf mögliche Konsequenzen einer Niederlage von Trump einstellen

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

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Es sind nur noch knapp 15 Wochen bis zu den US-Präsidentschaftswahlen – und die Wall Street muß sich auf mögliche Konsequenzen einstellen: Seit März sinkt der Stern von Donald Trump am Wahlhimmel – und mit jeder neuen Rekordmarke in der leidigen Infektionskrise wird der Vorsprung von Herausforderer Joe Biden größer. Wenngleich Wahlen durch viele Unentschlossene oft erst in den letzten Tagen vor dem Wahltag entschieden werden und bis Ende Oktober noch viel passieren kann – Stichworte: Impfstoffentwicklung, Eindämmung von Covid-19, Wirtschaftserholung, neue Börsenhöchstkurse – steckt die Wall Street in einem Dilemma. Ungeachtet des desaströsen Managements der Pandemie aus praktischer und kommunikativer Sicht, war die Finanzpolitik Trumps doch sehr nach dem Geschmack des großen Geldes. Wie also sich auf den möglichen Umschwung vorbereiten?

Wall Street: Die Finanzwelt widmet sich der Ära Biden

Wenngleich es selbst bei einem Wahlsieg des Demokraten Biden aus jetziger Sicht sehr viele noch offene Fragen gibt, beginnt man sich in den Geldhäusern auf den möglichen Wechsel vorzubereiten. Wer hat am Januar das Sagen im Repräsentantenhaus und im Senat, wer wird Vizepräsident und vieles mehr, was von großer Bedeutung für die künftigen Gesetzesvorhaben sein wird – vor allem in der Frage, wie viele Zugeständnisse Biden dem linken Flügel der Partei wird machen müssen? Aus jetziger Sicht werden sehr wahrscheinlich die Unternehmenssteuern steigen, Banken stärker reguliert werden und die US-Wirtschaft deshalb womöglich langsamer wachsen. Nichtsdestotrotz muss sich auch die Finanzbranche auf einen Wechsel vorbereiten, so seltsam es klingt:

Die Wall Street, die lange Zeit für Donald Trump so etwas wie das Symbol seiner Politik war, wendet sich von ihm ab. Wie in den USA üblich, fließen Spenden zur Unterstützung des vermeintlichen Gewinners, in der Hoffnung auf dessen späterer Gunst. Letzter Stand für Bidens Wahlkampagne: Im Juni 141 Millionen Dollar Wahlkampfspenden, mehr als beim Amtsinhaber.

Dabei war doch bis Corona alles so gut gelaufen, im wechselseitigen Interesse.

Der Dow Jones (Donald Trumps Referenzindex) war seit seiner Amtsübernahme um 60 Prozent gestiegen. Trump hatte die Regularien für die Bankenbranche entschärft und vieles rückgängig gemacht, was Vorgänger Barrack Obama nach der Finanzkrise gesetzlich verfügt hatte (Dodd-Frank-Act), zulasten des Bankensystems. Und jetzt die Pandemie, die der Präsident wochenlang (und auch noch heute) verharmlost hatte. Die Folge ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf ungesehene Höhen, zumindest für die allermeisten Bürger und der immer größer werdende Zweifel an den Voraussagen des Präsidenten, dass alles noch besser würde, als vor Covid-19. Vorteil Biden

Bidens Wirtschaftspolitik – keine Freude für die Vermögenden

Die großen Firmen müssten sich eigentlich vor einem neuen Präsidenten Biden gruseln: Sein Ansinnen ist es, nicht nur die große Unternehmenssteuerreform von Trump aus dem Dezember 2017 zurückzunehmen (die Senkung von 35 auf 21 Prozent) – sondern parallel dazu auch viele Amnestieregelungen zu streichen, die so richtig dicke Gewinne einbrachten. Allerdings will Biden die Steuerreform nicht komplett zurück nehmen – derzeit ist von 28 Prozent die Rede. Dazu kommen noch belastende Regulierungen von Branchen, wie den Banken, Unternehmen aus der unökologischen Energiebranche und sogar für die Hightech-Industrie.

Wie stark sich der Fokus der Regierungspolitik ändern könnte, kam in einer der letzten Wahlkampfreden Bidens zum Ausdruck: „Amerika wurde nicht von Hedgefonds gebaut, sondern von der Mittelschicht. Die reichen Anleger, die brauchen mich nicht.“ Deshalb wolle er sich mehr um die Familien des Landes kümmern und nicht so sehr um die Wall Street.

In früheren Zeiten wären solche Aussagen das unmittelbare Aus für eine Präsidentschaftskandidatur gewesen.

Weitere Steuerpläne

Joe Biden hat auch den Firmen den Kampf angesagt, die mittels spezieller Steuerkonstrukte ihre Steuerbelastung gen null drücken – ein beliebtes Spiel der Wall Street: Schlupflöcher beim Ausweichen ins Ausland und was war von vielen Demokraten gefordert wird, die Anhebung des Steuersatzes für Vermögende mit einem Einkommen über 400.000 Dollar von 37 auf 39,6 Prozent.

Die US-Tax Foundation schätzt, dass die Maßnahmen den Unternehmen etwa 180 Milliarden Dollar kosten werden, dies wäre in etwa zehn Prozent des Steueraufkommens des Jahres 2019.

Insgesamt ein großes Steueranhebungsprogramm, welches aber nicht für den Abbau der Staatsschulden genutzt werden soll, sondern zum Ausbau der Sozialleistungen oder den Abbau von Studiengebühren.

Fazit

Derzeit tappen Investoren im Nebel angesichts einer Pandemie, die zu den größten wirtschaftlichen Verwerfungen seit Dekaden geführt hat. Aber wenn man sich mit dem Szenario des möglicherweise neuen 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten auseinandersetzt, so wird man gleich wieder mit jeder Menge Unwägbarkeiten konfrontiert. Beginnend mit dem Alter des Kandidaten, bei Amtsbeginn wäre dieser bereits 78 Jahre und nach zwei Perioden 86 – in einem so bedeutsamen und stressgeladenen Amt! Die Präsidenten vor Trump (Clinton, Bush und Obama) waren bei Amtsantritt in den Vierzigern beziehungsweise 55 Jahre alt – und dann diese Wahlprogramme in der Phase rekordhoher Schulden – wie nach dem Zweiten Weltkrieg. Dazu ein Steuerprogramm mit dem Ziele des Umbaus der USA in so etwas wie einen Sozialstaat. Für das kapitalistische Amerika eigentlich nicht vorstellbar.

Aber egal wie es kommen wird, ob die US-Zukunft politisch demokratisch oder republikanisch gestaltet wird, die Wall Steet blickt – trotz Corona – auf 11 Jahre Superhausse mit fast einer Verfünffachung der Kurse beim S&P 500 von 676 Punkte auf aktuell 3252 Punkte zurück.

Die Zeichen sind klar: Big Money an der Wall Street will sich wappnen, sich dem (künftigen) Machthaber andienen, denn die Losung lautet: Besitzstandswahrung – was unglaublich schwer werden dürfte, ob mit Dems oder Reps.

Die Wall Street rüstet sich für eine Niederlage von Donald Trump

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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