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Börsenfavoriten für 2026 Wall Street vor neuem Zyklus: Profis setzen jetzt auf diese Aktien

Wall Street vor neuem Zyklus: Profis setzen jetzt auf diese Aktien
Händler an der New Yorker Börse. Fotograf: Michael Nagle/Bloomberg

An der Wall Street bahnt sich eine neue Rotation an: Während Tech-Aktien nach ihrer jahrelangen Dominanz an Strahlkraft verlieren, rücken Zykliker zunehmend in den Fokus der Investoren. Getrieben von besseren Konjunkturaussichten und Zinshoffnungen gewinnt der Trend an Breite – und zeigt sich bereits in einer spürbaren Umschichtung innerhalb des S&P 500. Anleger wittern die nächste Phase des Börsenzyklus.

Wall Street setzt auf Zykliker statt Tech

Laut einem Bericht von Bloomberg richtet die Wall Street ihren Fokus zunehmend auf konjunktursensible Aktien, nachdem Tech-Titel über Jahre hinweg das Geschehen an den Aktienmärkten dominiert haben. Sinkende Ölpreise, eine nachlassende Inflation und die Aussicht auf Zinssenkungen der US-Notenbank Fed nähren die Erwartung eines robusteren Wirtschaftswachstums in den USA. Gleichzeitig suchen Investoren nach Alternativen zu den zuletzt dominierenden KI- und Tech-Titeln, während der amerikanische Konsument weiter ausgabefreudig bleibt. Zusammen ergibt das ein nahezu ideales Umfeld für zyklische Werte.

Banken wie JPMorgan Chase, Industriekonzerne wie Caterpillar sowie Einzelhändler wie Gap oder Dollar Tree stehen laut Strategen und Analysten vor einem starken Jahr 2026. „Investoren beginnen, den Start einer Verbesserung in zyklischen Bereichen der Wirtschaft zu wittern“, sagt Michael Kantrowitz, Chefstratege von Piper Sandler. Damit könnten Finanzwerte, Industrials und Anbieter nicht-essentieller Konsumgüter die Vorreiter einer weiteren Aufwärtsbewegung an der Wall Street werden.

Ökonomen, die von Bloomberg befragt wurden, rechnen im Schnitt mit einem US-Wachstum von 2 % im kommenden Jahr. Das sei zwar kein Boom, aber ausreichend, um Kursgewinne auch jenseits von Tech-Aktien zu ermöglichen. „Man will so positioniert sein, dass man Titel findet, die im kommenden Jahr einen schrittweisen Gewinnschub sehen, da wir eine Verbesserung der zyklischen Daten erwarten und 2026 erstmals seit Langem eine Outperformance von Value-Aktien“, so Kantrowitz weiter.

Die Rotation ist an den US-Aktienmärkten bereits sichtbar. Nachdem zyklische Aktien lange im Gleichschritt mit dem S&P 500 gelaufen waren, legte ein entsprechender Goldman-Sachs-Korb im vergangenen Monat um 9,3 % zu – mehr als doppelt so stark wie der S&P 500 mit 4,2 %. Auch gegenüber defensiven Titeln, die im Herbst von einer kurzen Tech-Korrektur profitiert hatten, zeigen Zykliker eine klare Outperformance.

S&P 500: Wall-Sreet-Strategen setzen in 2026 auf Zykliker statt Tech-Aktien
Zyklische Aktien übertrumpfen den breiteren Markt

Rotation treibt neue Gewinner

„Die Rotation in nicht-technologiebezogene Zykliker signalisiert ermutigende Erwartungen an die wirtschaftliche Expansion“, schreibt Sam Stovall von CFRA. Sein Haus erwartet für 2026 ein reales BIP-Wachstum von 2,5 %, „unterstützt durch einen Anstieg der Einzelhandelsumsätze um 4,1 % und einen Rückgang des Kern-PCE auf 2,4 %“. Auch andere Stimmen an der Wall Street sehen zyklische Aktien als längerfristige Gewinner. Dennis DeBusschere von 22V Research betont, dass „prozyklische Trades länger als nur ein oder zwei Quartale anhalten sollten“.

DeBusschere setzt auf Long-Positionen in Banken und Einzelhandelswerten sowie Short-Positionen in Basiskonsumgütern. Zudem favorisiert er den Transportsektor außerhalb der Airlines. Rückenwind kommt vom Dow Jones Transportation Average, der binnen eines Monats um 10 % gestiegen ist und nur noch knapp unter seinem ersten Rekordhoch seit November 2024 notiert.

Auch institutionelle Anleger justieren ihre Allokation. Tom Hainlin von US Bank empfiehlt, zyklische Engagements auszubauen, ohne Tech zu reduzieren. „Wir wollen mehr zyklische Exponierung, aber nicht, indem wir Tech-Aktien verkaufen“, sagt er und erwartet weiterhin führendes Gewinnwachstum bei Technologiewerten, gefolgt von Industrie- und Materialwerten. Citi-Strategen um Adam Pickett raten ebenfalls zu einer Übergewichtung von Finanzwerten und sehen Industrials als Upgrade-Kandidaten.

Ein Risiko bleibt jedoch: Sollte die US-Wirtschaft zu stark laufen, könnten erhoffte Zinssenkungen ausbleiben oder sogar rückgängig gemacht werden. „Es ist alles andere als sicher, dass die Fed die Zinsen bis Ende 2026 weiter senkt“, warnt Pickett. Aktuell preist der Markt laut dem FedWatch-Tool der CME zwei Zinssenkungen für 2026 ein, während die Fed selbst ein Wachstum von 2,3 % erwartet. Ein schnelleres Wachstum würde laut Horizon-Investments-Stratege Michael Dickson vor allem Zyklikern zugutekommen – und die Wall Street weiter vom Tech-Fokus lösen.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Der Zyklus läuft seit dem März des Jahres 2009 ! Er ist mit jetzt 16 Jahren und 9 Monaten der zweitlängste in der jüngeren Geschichte seit 1945…!

    Nur der vom August/“September 82 bis März 00 ging mit 17 Jahren und 7 Monaten etwas länger…wenn auch damals von einem viel tieferen Niveau aus gestartet wurde…850 Punkte beim Dow….500 Punkte beim DAX…

    Nach 16 Jahren und 9 Monaten so zu tun…als läge das Beste noch vor uns …ist absurd und realitätsfern….

    Viel mehr wird auch dieser Zyklus irgendwann zu Ende gehen….so wie immer…es gibt keine Ausnahmen an der Börse…

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