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Wall Street: War das nur eine „sucker rally“?

Warum der „innere Markt“ anzeigt, dass die gestrige Rally nicht dauerhaft sein wird!

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Das war heftig gestern: Dow Jones und S&P stiegen jeweils knapp +5%, der Nasdaq 100 sogar fast +6%! Das kam nicht aus dem Nichts: die US-Märkte waren stark überverkauft – der Relative Stärke Index (RSI) beim S&P lag nach dem Abverkauf am Weihnachtsag bei 19 (Werte unter 30 zeigen Überverkauftheit an). Dazu die bärische Stimmung bei den in der AAII-Umfrage befragten US-Privatinvestoren mit dem pessimistischsten Sentiment seit fünfeinhalb Jahren – also sorgten einige wenige positive Nachrichten für eine fette Rally: Trump wolle Powell nicht absetzen, Mastercard meldete starke Umsätze der US-Konsumenten im Weihnachtsgeschäft.

Ist jetzt wieder alles gut? Sehen wir uns einmal an, wann der Leitindex S&P 500 in den letzten Jahren +4% hinzugewonnen hatte:


(Chart: zerohedge.com; durch anklicken vergrößern)

Man sieht: solche Ansteige von mehr als +4% passierten überwiegend auf dem Hochpunkt der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009! Bullenmärkte steigen dagagen langsam und kontinuierlich, von daher ist das, was wir gestern erlebten, eher ein Signal dafür, dass die Dinge schwierig bleiben statt eine Fortsetzung des Bullenmarkts anzuzeigen!

Vermutlich war das gestern ein Short Squeeze, kombiniert mit Käufen von Algorithmen. Dazu mußten US-Vermögensverwalter (CTAs, Commodity Trading Advisors) und Pensionsfonds Aktien kaufen (letztere, weil sie im Vergleich zu Anleihen inzwischen eine zu geringe Aktienquote hielten). Aber die Rally war wohl zu heftig, um von Dauer zu sein.

Dafür spricht auch der „innere Markt“: 84% der im S&P 500 gelisteten Aktien handeln unter ihrem 200-Tages-Durchschnitt, und sage und schreibe 95% aller S&P-Aktie unter ihrem 50-Tages-Durchschnitt.

Und es kommt noch krasser: an einem Tag, an dem der Dow Jones mehr als 1000 Punkte stieg und damit seinen größten jemals in Punkten gemessenen Anstieg verzeichnete, fielen 114 Aktien auf ein neues 52-Wochen-Tief, während nur eine einzige Aktie ein neues 52-Wochen-Hoch erreichte. Das sagt mehr als 1000 Worte oder Punkte über die innere Verfassung der US-Aktienmärkte!

Das alles spricht dafür, dass wir noch lange nicht das Tief oder einen Boden gesehen haben an der Wall Street. Vielleicht geht die Rally noch weiter, das ist möglich. Aber wahrscheinlich ist eben auch angesichts der zu impulsiven Art der Rally wie auch der inneren Struktur (52-Wochen-Hochs bzw. 52-Wochen-Tiefs) eben der Boden noch lange nicht erreicht. Denn nichts ist impulsiver, als eine Rally in einem Bärenmarkt! Es ist die Art der Rally, die viel über den Zustand eines Marktes verrät. Und die Rally gestern war, so viel scheint klar, eher ein Beleg dafür zu sein, dass uns turbulente Zeiten bevor stehen!


Von Jean-François Le Falher – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6943451

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Wolfgang M.

    27. Dezember 2018 16:46 at 16:46

    „Whatever it takes!“ Diese Worte von Mario Draghi im Juli 2012, die zur Beruhigung der Eurokrise riesige Geldverschiebungen zur Folge hatten, mit noch nicht absehbaren Folgen, scheinen zum geflügelten Wort in gehobenen Kreisen zu werden. Vor Kurzem verwendet durch den OPEC-Chef hat erst heute Donald Trump nachgelegt: „Whatever it takes, we need a wall“, man könnte darüber lachen, wenn….

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Der Boom ist zu Ende

Nach Jahren des Booms soll es 2019 einen Rückgang von bis zu 20% im Bereich von Fusionen und Übernahmen in Deutschland geben. Dabei setzte bei der Spitzendisziplin des Investmentbankings (M&A) im ersten Quartal bereits ein Schrumpfen von 67 % bei den Ankündigungen ein, wie der Finanzdatenanbieter Refinitiv ausgerechnet hat. Im ersten Quartal 2018 hatte es noch einen richtigen Rausch auf diesem Gebiet gegeben.

Und wen erschwischt es dabei besonders? Dreimal dürfen Sie raten, richtig, die Deutsche Bank. Den deutschen Branchenprimus traf es im ersten Quartal besonders deutlich. Das Geldhaus erscheint bei Refinitiv nicht mehr unter den ersten zehn Topadressen bei Fusionen und Übernahmen in Deutschland, in früheren Zeiten eine Unmöglichkeit. Man glaube zwar im Gesamtjahr wieder zulegen zu können, gerade nach einer Fusion mit der Commerzbank. Aber…..?

Auch das Geschäft mit Börsengängen (IPOs) ist im ersten Quartal richtiggehend eingeschlafen. Das Geschäft mit Aktienemissionen brach laut Refinitiv um 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Zuletzt hatte Volkswagen den Börsengang seiner Nutzfahrzeugsparte unter dem Namen Traton abgesagt.

Der Leiter des Bereichs Börsengänge bei EY, Martin Steinbach, fasste es so zusammen: „Eine Mischung aus Konjunktursorgen, Handelskonflikten und politischen Unsicherheiten wie dem Brexit hat viele Börsenkandidaten dazu veranlasst, zunächst abzuwarten und zu schauen, ob sich in den Folgequartalen wieder IPO-Fenster öffnen“.

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Die Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt. Foto: Thomas Wolf (Der Wolf im Wald) CC BY-SA 3.0

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