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Walmart – umsatzstärkstes Unternehmen der Welt – zeigt, was Trumps Handelskrieg bewirken wird!

Bislang ist der Handelskrieg für die Amerikaner eine sehr abstrakte Sache: bis zu diesem Wochenende werden chinesische Waren im Volumen von 50 Milliarden Dollar bezollt, am kommenden Montag erhöht sich dann das Volumen um weitere 200 Milliarden Dollar – 78 Milliarden davon sind Konsumgüter. Noch also spürt der US-Konsument praktisch nichts in seinem Geldbeutel – aber das wird sich schon bald ändern, wie das weltweit umsatzstärkste Unternehmen Walmart in einem Brief an den US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer aufzeigt. Dort lautet der zentrale Satz:

„The immediate impact will be to raise prices on consumers and tax American business and manufacturers“.

Also klipp und klar: die Zölle werden zu Preissteigerungen sowohl für die US-Konsumenten führen als auch eine Art Steuer sein für amerikanische Firmen!

Vor zwei Wochen hatte Walmart die US-Regierung gebeten, auf die Bezollung von aus China gelieferten Weihnachtslichtern, Shampoo, Hundefutter, Fahrräder, Klimaanlagen etc. zu verzichten. Vergeblich – auch wenn einige Produktgruppen wie Fahrradhelme, Autositze, die Apple Watch und andere Produkte doch noch ausgenommen wurden.

Aber das sind Ausnahmen – und damit werden dann vor allem ab Montag die ersten Ausläufer des Handelskriegs bei den US-Konsumenten real ankommen – derzeit versuchen vor allem US-Importeure fieberhaft, möglichst viele von den Zöllen betroffene Waren noch ins Land zu bringen, wie Insider berichten.

Und Walmart, so heißt es weiter in dem Brief an Lighthizer: entweder werden die US-Konsumenten mehr bezahlen, oder Zulieferer werden weniger verdienen, oder Konsumenten werden eben weniger kaufen oder Käufe ganz sein lassen:

„Either consumers will pay more, suppliers will receive less, retail margins will be lower, or consumers will buy fewer products or forego purchases altogether“.

Sollten dann, wie von der Trump-Administration ab dem 01.Januar geplant, die Zölle von 10% auf dann 25% erhöht werden, dürfte sich die Kosten für US-Verbraucher noch einmal potenzieren: so beziffert der US-Einzelhandelsverband National Retail Federation die Mehrkosten für US-Konsumenten auf 4,5 Milliarden Dollar pro Jahr, wenn aus China importierte Möbel mit diesem Satz bezollt würden. Reise-Utensilien wie Koffer und Handtaschen würden dann die Amerikaner 1,2 Milliarden Dollar pro Jahr mehr kosten.

Ein besonders signifikantes Beispiel aber sind Fahrräder: sie bestehen meist aus 40 Produktgruppen, die allesamt aus China importiert werden. Selbst bei einem Zoll von 25% würde Walmart weiterhin in China diese Produktgruppen einkaufen, weil US-Hersteller gar nicht in der Lage seien, diese Volumina zu liefern. Und genau das trifft den Nerv der Sache: die Trump-Administration hat keinen Schimmer von Lieferketten und ihrer Bedeutung, wie etwa der US-Einzelhandelsverband (National Retail Federation) seinerseits in einem Brief an Robert Lighthizer klar stellte:

„The [administration] continues to overestimate the ability of US companies to shift supply chains out of China. Global supply chains are extremely complex. It can take years to find the right partners who can meet the proper criteria and produce products at the scale and cost that is needed.“
.

Lieferketten seien also extrem komplex – und wer Qualität sicher stellen wolle, der brauche zum Aufbau solcher Lieferketten oft Jahre, so der Tenor. Und: Einkaufsmamanger bestellen Produkte mit einem Vorlauf von einem halben Jahr bis einem ganzen Jahr – bei vielen sei inzwischen schon Panik ausgebrochen, wie sie bestimmte Produkte für das Jahr 2019 überhaupt noch in die Verkaufsregale bekommen könnten!

Walmart machte im Vorjahr 500 Milliarden Dollar Umsatz, davon hängen 50 Milliarden unmittelbar mit China zusammen: der Löwenanteil sind Importe aus China, ein kleiner Teil davon sind Investitionen von Walmart in China. Und Walmart gilt in den USA als Billig-Anbieter, nicht zuletzt wegen der günstigen Produkte aus China, und ist daher gerade für viele Millionen von Amerikanern mit geringem Einkommen von zentraler Bedeutung. Ca. 10% der gesamten Einzelhandelsumsätze in den USA gehen über die Kassen von Walmart, deren Kundschaft sich vorwiegend neben Geringverdienern aus der unteren Mittelschicht speist.

Nun ist es kein Geheimnis, dass Trumps Wählerbasis sich vor allem im Mittleren Westen des Landes befindet – der „fly over zone“, wie Ost- und Westküstler lästern, die über ein durchschnittlich deutlich höheres Einkommen verfügen als Menschen des Mittleren Westens. Mit anderen Worten: das Beispiel Walmart zeigt eindringlich, wer von den Zöllen Trumps besonders betroffen ist: eben seine eigenen Wähler!

 


By Brandonrush – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23262727



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