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Wann die EZB die Zinswende einleitet? Hier im Zitat die ganz genaue Erklärung der EZB

Wollten Sie es auch schon immer ganz genau wissen, wie wann und wo die EZB nun endlich die Zinswende einleitet? Einige neue Gründe seitens Mario Draghi hatten wir in den letzten Wochen...

FMW-Redaktion

Wollten Sie es auch schon immer ganz genau wissen, wie wann und wo die EZB nun endlich die Zinswende einleitet? Einige neue Gründe seitens Mario Draghi hatten wir in den letzten Wochen bereits genannt, warum man jetzt noch nicht die lockere Geldpolitik beenden kann. Negativzinsen und Geldschwemme laufen erst einmal weiter. Draghi´s Kollegin im EZB-Direktorium Sabine Lautenschläger hat am Wochenende präzise Stellung genommen im Gespräch mit dem Deutschlandradio. Und da geht es so richtig in Detail. Das wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Hier im Zitat:

Frau Lautenschläger, die Inflation ist zurückgekehrt. Lange gab es sie nicht, im ganzen Euro-Raum ist sie jetzt nach der letzten Schätzung auf 1,8 Prozent für den Euro-Raum angestiegen. Die EZB hat ja immer gesagt, man will eine Inflationsrate nahe 2 Prozent haben, die haben wir jetzt. Wann erhöhen Sie die Zinsen?

Ist die Inflation zurückgekehrt, frage ich Sie zurück, wenn es für einen Monat eine derartige Inflationsrate gibt? Wir haben…

Im Dezember lag sie bei 1,7 Prozent.

Nein, im Dezember lag sie für den Euro-Raum…

In Deutschland bei 1,7 Prozent und im Euro-Raum bei 1,1 Prozent, immerhin.

Genauso ist es. Im Euro-Raum – und die EZB macht ja Geldpolitik für den Euro-Raum – lag im Dezember die Inflationsrate bei 1,1 Prozent und im Januar wird sie auf 1,8 geschätzt. Ich freue mich da sehr darüber, sage ich Ihnen ganz ehrlich – unser Zielwert ist nah – knapp unter 2 Prozent. Nur wichtig ist für mich, dass das nicht ein vorübergehender, kurzer Ausreißer nach oben ist. Ich kann Ihnen sagen, für Januar wissen wir es noch nicht genau. Für Dezember war der Anstieg der Inflationsrate vor allen Dingen durch die Energiepreise bedingt und zwar durch den sogenannten Basiseffekt. Ein Jahr war rum mit den niedrigen Preisen und dann schlägt das ein und – halten Sie sich fest – auch durch die Pauschalreisen, die die Deutschen gebucht haben im Dezember. Das geschieht nun leider nicht jeden Monat, auch wenn wir Reiseweltmeister sind. Und deswegen ist es …

Okay, aber bleiben wir mal bei…

Lassen Sie mich bitte aussprechen: …deswegen ist es wirklich wichtig, dass es einen Trend gibt, dass sichergestellt ist, dass die Inflation auch wirklich zurückgekehrt ist.

Aber bleiben wir mal bei den Energiepreisen. Da ist ja nicht absehbar, dass der Ölpreis in der nächsten Zeit wieder sinkt. Also, eine Inflation – einen Trend – haben wir ja schon, aber die Zinsen liegen immer noch bei 0 Prozent. Wie kann man das verständlich machen? Wann werden Sie denn reagieren?

Also, ich bin eine derjenigen, die am optimistischsten ist, die schnellstmöglich zu einer Normalisierung der sehr expansiven Geldpolitik zurückkehren will. Aber für mich ist es entscheidend, dass es eben nicht nur ein kurzer, vorübergehender Ausreißer nach oben ist, der uns dann wieder – Monate später – zu niedrige Inflationsraten anzeigt und wir dann womöglich mit stärkeren und noch akkommodierenderen geldpolitischen Maßnahmen reagieren müssten. Das wäre, wie soll ich das sagen, mehr als kontraproduktiv. Also, …lassen Sie uns doch, lassen Sie uns einige wenige Monate abwarten und dann können wir auch sicher sein …

Aber Frau Lautenschläger, kann man denn eine Medizin auch vielleicht zu spät absetzen? Denn eine Medizin sollte es ja sein.

Oh ja, natürlich. Und es ist eine starke Medizin mit Nebenwirkungen und Risiken, die man nicht unterschätzen darf. Nur: noch schwieriger wäre es, wir würden sie absetzen, und würden zwei Monate später merken, dass es zu früh war, das Wachstum einbricht, die Arbeitslosigkeit wieder zunimmt, die Deutschen nichts mehr sparen können, weil sie keine Arbeitnehmer, sondern Arbeitslose sind, und weil die Unternehmer wegen mangelndem Wachstum keine Aufträge mehr einfahren. Die ganze Sparfähigkeit ginge zurück und dann nutzen Ihnen auch höhere Zinsen nichts – gar nichts nutzen Ihnen dann höhere Zinsen. Und deswegen ist es wichtig, …

Aber, wenn Sie schon den Deutschen als …

… es im richtigen Moment …

Ja.

…zu machen. So früh, wie nur irgendwie möglich.

Wenn Sie den Deutschen als Sparer nehmen, das ist ja nun ein ganz gutes Stichwort: Können Sie denn verstehen, dass viele Deutsche Sorge haben, dass ihr Geld dahinschmilzt, das sie zurücklegen fürs Alter?

Ja, ich bin Sparer.

Nehmen wir mal ein Beispiel. Also, null Zinsen, null Inflation, das heißt also, wenn jemand 10.000,00 Euro hat, dann hat er bei einer Inflationsrate von 1,7 Prozent – und die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass es sich im nächsten Jahr auch so um den Wert drehen wird – dann hat er noch 9.830,00 Euro [nach einem Jahr] und nach zehn Jahren 8.400,00 Euro. Das Geld schmilzt dahin und die EZB, die tut nichts.

Ich verspreche Ihnen: Wenn wir zehn Jahre lang 1,8 Prozent haben pro Monat, dann …

Dann tun Sie was…?

Nein, früher schon, ganz sicherlich. Nein – wirklich ganz, ganz wichtig ist: jeder Sparer hat einen Grund, warum er sparen kann, er ist entweder Unternehmer, Freiberufler oder Arbeitnehmer. Wenn Sie keine Arbeit haben, wenn Sie keine Aufträge für ihr Unternehmen haben, weil das Wachstum nicht stimmt, weil die Investitionen nicht stimmen, dann können Sie auch nicht sparen. Und wenn Sie einen Monat lang 1,8 Prozent Inflationsrate haben, dann werden natürlich Ihre 10.000,00 Euro nicht um 200,00 Euro weniger, weil es ja nicht auf das ganze Jahr gerechnet werden kann, sondern nur auf einen Monat. Also, es ist ganz klar ein ernstes Thema – vor allen Dingen für Sparer -, auch für mich, ich bin auch Sparer. Ja, und deswegen geht es darum, so schnell wie möglich auszusteigen aus der expansiven Geldpolitik, und zwar weil die beabsichtigten Wirkungen der geldpolitischen Maßnahmen abnehmen über den Zeitraum, während die Risiken, die Nebenwirkungen, zunehmen. Also, es geht wirklich darum, so schnell wie möglich auszusteigen, aber es geht auch darum, nicht der Gefahr zu unterliegen, zu früh auszusteigen, nachdem man einmal für einen Monat einen kurzfristigen – womöglich vorübergehenden – Ausreißer gesehen hat.

Wobei, wir haben natürlich jetzt schon lange eine Phase der niedrigen Zinsen.

Ja.

Und meine Frage an Sie wäre: Welche Botschaft richtet diese Niedrigzinspolitik eigentlich an die jungen Leute? Die müssen doch jetzt eigentlich beginnen, Geld fürs Alter zurückzulegen, Lebensversicherungen abzuschließen, Bausparverträge abzuschließen, kriegen aber kaum noch Zinsen dafür. Welche Botschaft richten Sie an diese jungen Leute, die eigentlich vorsorgen müssten?

Also, meine Tochter ist 25 und ich sage meiner Tochter sehr deutlich: „Du hast ungefähr 40 Jahre vorzusorgen, wir wollen mit unseren geldpolitischen Maßnahmen dafür sorgen, dass du auch 40 Jahre lang sparen kannst und nicht nur das nächste Jahr mit höheren Zinsen. Wir wollen dafür sorgen, dass du Arbeit hast und dass Wachstum besteht. Lege dein Geld klug an, überlege dir, wann du es anlegst, diversifiziere, wenn du das möglich machen kannst.“ Die Deutschen haben im Übrigen im dritten Quartal letzten Jahres etliche Milliarden an Vermögen hinzugewonnen, also, es ist nicht so, als würden wir alle kein Vermögen haben.

Nicht alle gleichermaßen.

Nicht alle gleichermaßen, da bin ich ganz bei Ihnen.

Aktienbesitzer, Hausbesitzer, die haben gewonnen.

Ja, genau. Und junge Leute heiraten, haben Kinder und wollen ein Haus bauen und bekommen derzeit die Möglichkeit, ein Haus zu bauen zu Zinsen, so wie es früher nie der Fall war. Das heißt, wenn Sie Unternehmer sind oder wenn Sie eine junge Familie sind und Sie möchten gerne Ihren Wohnraum selber im Eigentum halten, dann sind das goldene Zeiten für Sie.

Wie erklärt man eigentlich Kindern heute den Sinn von Sparen, wenn sie gewohnt sind, aufgewachsen sind in einer Situation, wo am Ende des Jahres gar keine Zinsen gezahlt werden?

Man sagt den Kindern sehr deutlich, dass man nicht nur für einen Monat spart, sondern für viele, viele Jahre, und dass sich Anlagebedingungen über vier Jahrzehnte, wenn man für die Altersvorsorge sparen will, verändern, und dass man sich über den langen Zeitraum nicht nur das, was man ansparen kann, sondern auch die Sparfähigkeit, nämlich die Frage der Verdienstmöglichkeit, ansehen muss. Also, es ist wirklich wichtig, dass man als Eltern einem Kind erläutert, dass es nicht darum geht, für einen Monat zu sparen – das ist dann eine Frage des Taschengeldes und ob ich denn gerne mal ins Kino gehen möchte, et cetera – sondern dass man für die Altersvorsorge tatsächlich über Jahrzehnte sparen muss. Da gleichen sich die Zinsen dann sehr aus.

Wenn wir mal davon ausgehen, dass das jetzt nicht nur alles für einen Monat ist, sondern dass wir eine Inflation haben, die auch über mehrere Monate und ins nächste Jahr weiter ansteigen und höher liegen wird, dann hätten wir ja doch die Möglichkeit, in einem anderen Punkt ein bisschen zurückzufahren.

Ja.

Sie haben im Moment ein Anleihe-Kaufprogramm, wo Sie Milliarden und Milliarden ausgeben, um Anleihen zu kaufen, gerade erst verlängert. Am Ende des Jahres werden wir da ein Kaufvolumen von über zwei Billionen Euro erreicht haben – das kann man sich schon kaum vorstellen, diese Zahl. Können Sie da nicht mal ein bisschen zurückfahren, mal den Fuß vom Gaspedal nehmen?

Also, ich bin eine derjenigen, die für einen sehr frühen Austritt eintritt, wenn denn dann die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Und das bezieht sich natürlich vor allem auf das Staatsanleihekaufprogramm, das ja eine außergewöhnliche Maßnahme – geldpolitische Maßnahme – ist, also nicht zum normalen Standardprogramm gehört. Und sie haben jetzt das nächste, das übernächste Jahr oder einen Zeitpunkt in zehn Jahren angesprochen… Also, ich hoffe doch und bin da optimistisch, dass wir das ein bisschen früher als in fünf oder zehn Jahren sehen. Das Programm selber läuft so oder so im nächsten Jahr aus, wenn es denn dann nicht verlängert wird, falls unsere optimistischen Erwartungen doch nicht zum Tragen kommen und die Inflationsrate wieder niedriger ausfällt. Also, so gesehen, hat es derzeit tatsächlich auch eine gewisse Art von Endzeitpunkt. Ja.

Wenn das alles so bleibt, können wir im Frühjahr dann damit rechnen, dass da vielleicht ein erster Punkt gesetzt wird?

Also, ich werde Ihnen hier jetzt kein Datum nennen. Noch mal: Würde sich die Inflationsrate, so wie wir sie im Januar gesehen haben, fortsetzen, dann würde ich nicht bis nächstes Jahr warten wollen.


EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger. Foto: EZB



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8 Kommentare

  1. Vielleicht sollte Frau Lautenschläger diesen Artikel (einer von vielen) lesen, http://www.focus.de/finanzen/boerse/80-prozent-kaufkraftverlust-wie-sich-das-geld-der-deutschen-langsam-aufloest_id_4268471.html
    Der richtige Ratschlag wäre dann vielleicht die Abschaffung der Zentralbanken.

  2. Moin, moin,
    was sagt sie denn nun? Irgendwie typisches Politiker-Deutsch. Fachlich sind diese Herrschaften oft nicht qualifiziert, daher auch diese Art Aussagen. Aber egal, den Big-Peng wird niemand überhören oder verpassen. Solange läuft alles wie gewohnt weiter. EZB dient m.E. nur zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit (=billiges Geld) für die Mittelmeerländer. Ausserdem verkündet die EZB die aktuelle Inflation, alle anderen Daten sind wie immer falsch. Fazit: Die EZB macht wie immer alles 100% richtig, wir verstehen es oft nur nicht.

  3. Wow, EZB Zinswende noch 2017, denn daß die Inflation sich fortsetzt, ist anzunehmen.

  4. Frau Lautenschläger macht genauso ein substanzloses Geplapper zusammen wie alle Zentralbanker. Außerdem kann man herauslesen, das von ihrer „Bundesbank-Denkweise“ schon nicht mehr viel übrig geblieben ist.

  5. Nicht auf den Zinsen herumhacken – die Produkte teurer verkaufen und die Löhne rauf, dann regelte sich das von selbst –
    wenn da nicht der Unwille zu einer Transferunion wäre.

    Fünfer u n d Weggli geht nur, solange noch Fünfer u n d Weggli umä sind – und das ist schon längst vorbei in Euroland.

  6. Der ganze Anleihemist muss ja wieder in den Markt zurück. das wird denke ich mal Jahrzehnte dauern. Aber die nächste Krise wird sich vermutlich früher melden. Und dann?

  7. Typisch! Viel Gelaber, aber nichts gesagt!

  8. Das kann bei unserem wirren Wirtschafts und Geldsystem nur der Anfang sein, es werden weitere Massnahmen folgen um den am Ende unaufhaltbahren Zusammenbruch noch etwas hinauszuzögern

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