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Wann die EZB die Zinswende einleitet? Hier im Zitat die ganz genaue Erklärung der EZB

Wollten Sie es auch schon immer ganz genau wissen, wie wann und wo die EZB nun endlich die Zinswende einleitet? Einige neue Gründe seitens Mario Draghi hatten wir in den letzten Wochen…

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FMW-Redaktion

Wollten Sie es auch schon immer ganz genau wissen, wie wann und wo die EZB nun endlich die Zinswende einleitet? Einige neue Gründe seitens Mario Draghi hatten wir in den letzten Wochen bereits genannt, warum man jetzt noch nicht die lockere Geldpolitik beenden kann. Negativzinsen und Geldschwemme laufen erst einmal weiter. Draghi´s Kollegin im EZB-Direktorium Sabine Lautenschläger hat am Wochenende präzise Stellung genommen im Gespräch mit dem Deutschlandradio. Und da geht es so richtig in Detail. Das wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Hier im Zitat:

Frau Lautenschläger, die Inflation ist zurückgekehrt. Lange gab es sie nicht, im ganzen Euro-Raum ist sie jetzt nach der letzten Schätzung auf 1,8 Prozent für den Euro-Raum angestiegen. Die EZB hat ja immer gesagt, man will eine Inflationsrate nahe 2 Prozent haben, die haben wir jetzt. Wann erhöhen Sie die Zinsen?

Ist die Inflation zurückgekehrt, frage ich Sie zurück, wenn es für einen Monat eine derartige Inflationsrate gibt? Wir haben…

Im Dezember lag sie bei 1,7 Prozent.

Nein, im Dezember lag sie für den Euro-Raum…

In Deutschland bei 1,7 Prozent und im Euro-Raum bei 1,1 Prozent, immerhin.

Genauso ist es. Im Euro-Raum – und die EZB macht ja Geldpolitik für den Euro-Raum – lag im Dezember die Inflationsrate bei 1,1 Prozent und im Januar wird sie auf 1,8 geschätzt. Ich freue mich da sehr darüber, sage ich Ihnen ganz ehrlich – unser Zielwert ist nah – knapp unter 2 Prozent. Nur wichtig ist für mich, dass das nicht ein vorübergehender, kurzer Ausreißer nach oben ist. Ich kann Ihnen sagen, für Januar wissen wir es noch nicht genau. Für Dezember war der Anstieg der Inflationsrate vor allen Dingen durch die Energiepreise bedingt und zwar durch den sogenannten Basiseffekt. Ein Jahr war rum mit den niedrigen Preisen und dann schlägt das ein und – halten Sie sich fest – auch durch die Pauschalreisen, die die Deutschen gebucht haben im Dezember. Das geschieht nun leider nicht jeden Monat, auch wenn wir Reiseweltmeister sind. Und deswegen ist es …

Okay, aber bleiben wir mal bei…

Lassen Sie mich bitte aussprechen: …deswegen ist es wirklich wichtig, dass es einen Trend gibt, dass sichergestellt ist, dass die Inflation auch wirklich zurückgekehrt ist.

Aber bleiben wir mal bei den Energiepreisen. Da ist ja nicht absehbar, dass der Ölpreis in der nächsten Zeit wieder sinkt. Also, eine Inflation – einen Trend – haben wir ja schon, aber die Zinsen liegen immer noch bei 0 Prozent. Wie kann man das verständlich machen? Wann werden Sie denn reagieren?

Also, ich bin eine derjenigen, die am optimistischsten ist, die schnellstmöglich zu einer Normalisierung der sehr expansiven Geldpolitik zurückkehren will. Aber für mich ist es entscheidend, dass es eben nicht nur ein kurzer, vorübergehender Ausreißer nach oben ist, der uns dann wieder – Monate später – zu niedrige Inflationsraten anzeigt und wir dann womöglich mit stärkeren und noch akkommodierenderen geldpolitischen Maßnahmen reagieren müssten. Das wäre, wie soll ich das sagen, mehr als kontraproduktiv. Also, …lassen Sie uns doch, lassen Sie uns einige wenige Monate abwarten und dann können wir auch sicher sein …

Aber Frau Lautenschläger, kann man denn eine Medizin auch vielleicht zu spät absetzen? Denn eine Medizin sollte es ja sein.

Oh ja, natürlich. Und es ist eine starke Medizin mit Nebenwirkungen und Risiken, die man nicht unterschätzen darf. Nur: noch schwieriger wäre es, wir würden sie absetzen, und würden zwei Monate später merken, dass es zu früh war, das Wachstum einbricht, die Arbeitslosigkeit wieder zunimmt, die Deutschen nichts mehr sparen können, weil sie keine Arbeitnehmer, sondern Arbeitslose sind, und weil die Unternehmer wegen mangelndem Wachstum keine Aufträge mehr einfahren. Die ganze Sparfähigkeit ginge zurück und dann nutzen Ihnen auch höhere Zinsen nichts – gar nichts nutzen Ihnen dann höhere Zinsen. Und deswegen ist es wichtig, …

Aber, wenn Sie schon den Deutschen als …

… es im richtigen Moment …

Ja.

…zu machen. So früh, wie nur irgendwie möglich.

Wenn Sie den Deutschen als Sparer nehmen, das ist ja nun ein ganz gutes Stichwort: Können Sie denn verstehen, dass viele Deutsche Sorge haben, dass ihr Geld dahinschmilzt, das sie zurücklegen fürs Alter?

Ja, ich bin Sparer.

Nehmen wir mal ein Beispiel. Also, null Zinsen, null Inflation, das heißt also, wenn jemand 10.000,00 Euro hat, dann hat er bei einer Inflationsrate von 1,7 Prozent – und die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass es sich im nächsten Jahr auch so um den Wert drehen wird – dann hat er noch 9.830,00 Euro [nach einem Jahr] und nach zehn Jahren 8.400,00 Euro. Das Geld schmilzt dahin und die EZB, die tut nichts.

Ich verspreche Ihnen: Wenn wir zehn Jahre lang 1,8 Prozent haben pro Monat, dann …

Dann tun Sie was…?

Nein, früher schon, ganz sicherlich. Nein – wirklich ganz, ganz wichtig ist: jeder Sparer hat einen Grund, warum er sparen kann, er ist entweder Unternehmer, Freiberufler oder Arbeitnehmer. Wenn Sie keine Arbeit haben, wenn Sie keine Aufträge für ihr Unternehmen haben, weil das Wachstum nicht stimmt, weil die Investitionen nicht stimmen, dann können Sie auch nicht sparen. Und wenn Sie einen Monat lang 1,8 Prozent Inflationsrate haben, dann werden natürlich Ihre 10.000,00 Euro nicht um 200,00 Euro weniger, weil es ja nicht auf das ganze Jahr gerechnet werden kann, sondern nur auf einen Monat. Also, es ist ganz klar ein ernstes Thema – vor allen Dingen für Sparer -, auch für mich, ich bin auch Sparer. Ja, und deswegen geht es darum, so schnell wie möglich auszusteigen aus der expansiven Geldpolitik, und zwar weil die beabsichtigten Wirkungen der geldpolitischen Maßnahmen abnehmen über den Zeitraum, während die Risiken, die Nebenwirkungen, zunehmen. Also, es geht wirklich darum, so schnell wie möglich auszusteigen, aber es geht auch darum, nicht der Gefahr zu unterliegen, zu früh auszusteigen, nachdem man einmal für einen Monat einen kurzfristigen – womöglich vorübergehenden – Ausreißer gesehen hat.

Wobei, wir haben natürlich jetzt schon lange eine Phase der niedrigen Zinsen.

Ja.

Und meine Frage an Sie wäre: Welche Botschaft richtet diese Niedrigzinspolitik eigentlich an die jungen Leute? Die müssen doch jetzt eigentlich beginnen, Geld fürs Alter zurückzulegen, Lebensversicherungen abzuschließen, Bausparverträge abzuschließen, kriegen aber kaum noch Zinsen dafür. Welche Botschaft richten Sie an diese jungen Leute, die eigentlich vorsorgen müssten?

Also, meine Tochter ist 25 und ich sage meiner Tochter sehr deutlich: „Du hast ungefähr 40 Jahre vorzusorgen, wir wollen mit unseren geldpolitischen Maßnahmen dafür sorgen, dass du auch 40 Jahre lang sparen kannst und nicht nur das nächste Jahr mit höheren Zinsen. Wir wollen dafür sorgen, dass du Arbeit hast und dass Wachstum besteht. Lege dein Geld klug an, überlege dir, wann du es anlegst, diversifiziere, wenn du das möglich machen kannst.“ Die Deutschen haben im Übrigen im dritten Quartal letzten Jahres etliche Milliarden an Vermögen hinzugewonnen, also, es ist nicht so, als würden wir alle kein Vermögen haben.

Nicht alle gleichermaßen.

Nicht alle gleichermaßen, da bin ich ganz bei Ihnen.

Aktienbesitzer, Hausbesitzer, die haben gewonnen.

Ja, genau. Und junge Leute heiraten, haben Kinder und wollen ein Haus bauen und bekommen derzeit die Möglichkeit, ein Haus zu bauen zu Zinsen, so wie es früher nie der Fall war. Das heißt, wenn Sie Unternehmer sind oder wenn Sie eine junge Familie sind und Sie möchten gerne Ihren Wohnraum selber im Eigentum halten, dann sind das goldene Zeiten für Sie.

Wie erklärt man eigentlich Kindern heute den Sinn von Sparen, wenn sie gewohnt sind, aufgewachsen sind in einer Situation, wo am Ende des Jahres gar keine Zinsen gezahlt werden?

Man sagt den Kindern sehr deutlich, dass man nicht nur für einen Monat spart, sondern für viele, viele Jahre, und dass sich Anlagebedingungen über vier Jahrzehnte, wenn man für die Altersvorsorge sparen will, verändern, und dass man sich über den langen Zeitraum nicht nur das, was man ansparen kann, sondern auch die Sparfähigkeit, nämlich die Frage der Verdienstmöglichkeit, ansehen muss. Also, es ist wirklich wichtig, dass man als Eltern einem Kind erläutert, dass es nicht darum geht, für einen Monat zu sparen – das ist dann eine Frage des Taschengeldes und ob ich denn gerne mal ins Kino gehen möchte, et cetera – sondern dass man für die Altersvorsorge tatsächlich über Jahrzehnte sparen muss. Da gleichen sich die Zinsen dann sehr aus.

Wenn wir mal davon ausgehen, dass das jetzt nicht nur alles für einen Monat ist, sondern dass wir eine Inflation haben, die auch über mehrere Monate und ins nächste Jahr weiter ansteigen und höher liegen wird, dann hätten wir ja doch die Möglichkeit, in einem anderen Punkt ein bisschen zurückzufahren.

Ja.

Sie haben im Moment ein Anleihe-Kaufprogramm, wo Sie Milliarden und Milliarden ausgeben, um Anleihen zu kaufen, gerade erst verlängert. Am Ende des Jahres werden wir da ein Kaufvolumen von über zwei Billionen Euro erreicht haben – das kann man sich schon kaum vorstellen, diese Zahl. Können Sie da nicht mal ein bisschen zurückfahren, mal den Fuß vom Gaspedal nehmen?

Also, ich bin eine derjenigen, die für einen sehr frühen Austritt eintritt, wenn denn dann die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Und das bezieht sich natürlich vor allem auf das Staatsanleihekaufprogramm, das ja eine außergewöhnliche Maßnahme – geldpolitische Maßnahme – ist, also nicht zum normalen Standardprogramm gehört. Und sie haben jetzt das nächste, das übernächste Jahr oder einen Zeitpunkt in zehn Jahren angesprochen… Also, ich hoffe doch und bin da optimistisch, dass wir das ein bisschen früher als in fünf oder zehn Jahren sehen. Das Programm selber läuft so oder so im nächsten Jahr aus, wenn es denn dann nicht verlängert wird, falls unsere optimistischen Erwartungen doch nicht zum Tragen kommen und die Inflationsrate wieder niedriger ausfällt. Also, so gesehen, hat es derzeit tatsächlich auch eine gewisse Art von Endzeitpunkt. Ja.

Wenn das alles so bleibt, können wir im Frühjahr dann damit rechnen, dass da vielleicht ein erster Punkt gesetzt wird?

Also, ich werde Ihnen hier jetzt kein Datum nennen. Noch mal: Würde sich die Inflationsrate, so wie wir sie im Januar gesehen haben, fortsetzen, dann würde ich nicht bis nächstes Jahr warten wollen.


EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger. Foto: EZB

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    leser

    20. Februar 2017 12:44 at 12:44

    Vielleicht sollte Frau Lautenschläger diesen Artikel (einer von vielen) lesen, http://www.focus.de/finanzen/boerse/80-prozent-kaufkraftverlust-wie-sich-das-geld-der-deutschen-langsam-aufloest_id_4268471.html
    Der richtige Ratschlag wäre dann vielleicht die Abschaffung der Zentralbanken.

  2. Avatar

    asyoulike

    20. Februar 2017 12:51 at 12:51

    Moin, moin,
    was sagt sie denn nun? Irgendwie typisches Politiker-Deutsch. Fachlich sind diese Herrschaften oft nicht qualifiziert, daher auch diese Art Aussagen. Aber egal, den Big-Peng wird niemand überhören oder verpassen. Solange läuft alles wie gewohnt weiter. EZB dient m.E. nur zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit (=billiges Geld) für die Mittelmeerländer. Ausserdem verkündet die EZB die aktuelle Inflation, alle anderen Daten sind wie immer falsch. Fazit: Die EZB macht wie immer alles 100% richtig, wir verstehen es oft nur nicht.

  3. Avatar

    columbo

    20. Februar 2017 12:57 at 12:57

    Wow, EZB Zinswende noch 2017, denn daß die Inflation sich fortsetzt, ist anzunehmen.

  4. Avatar

    Marcus

    20. Februar 2017 13:26 at 13:26

    Frau Lautenschläger macht genauso ein substanzloses Geplapper zusammen wie alle Zentralbanker. Außerdem kann man herauslesen, das von ihrer „Bundesbank-Denkweise“ schon nicht mehr viel übrig geblieben ist.

  5. Avatar

    KK

    20. Februar 2017 14:05 at 14:05

    Nicht auf den Zinsen herumhacken – die Produkte teurer verkaufen und die Löhne rauf, dann regelte sich das von selbst –
    wenn da nicht der Unwille zu einer Transferunion wäre.

    Fünfer u n d Weggli geht nur, solange noch Fünfer u n d Weggli umä sind – und das ist schon längst vorbei in Euroland.

  6. Avatar

    Stefan

    20. Februar 2017 16:58 at 16:58

    Der ganze Anleihemist muss ja wieder in den Markt zurück. das wird denke ich mal Jahrzehnte dauern. Aber die nächste Krise wird sich vermutlich früher melden. Und dann?

  7. Avatar

    Gixxer

    21. Februar 2017 15:51 at 15:51

    Typisch! Viel Gelaber, aber nichts gesagt!

  8. Avatar

    Tino

    21. Februar 2017 22:02 at 22:02

    Das kann bei unserem wirren Wirtschafts und Geldsystem nur der Anfang sein, es werden weitere Massnahmen folgen um den am Ende unaufhaltbahren Zusammenbruch noch etwas hinauszuzögern

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Markus Krall-Szenario mustergültig – Sparkassen mit stark wachsendem Geschäft, schrumpfenden Gewinnen

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Und schon wieder Markus Krall-Szenario - errodierende Gewinne

Da haben wir den „bösen“ Crash-Propheten Markus Krall gerade erst besprochen, weil die Bauzinsen sich an ihren Tiefpunkt annähern. Starke Konkurrenz bei Banken drückt auf die Margen bei den Zinsen, denn sie müssen unbedingt ihr Geld an den Mann und an die Frau bringen. Das lässt die Zinsüberschüsse noch stärker abschmelzen. Und jetzt? Da sehen wir die heutige Veröffentlichung der Jahreszahlen für 2019 vom Ostdeutschen Sparkassenverband. Und die ist aufschlussreich. Denn in 2019 lag die Kreditvergabe um 9,2 Prozent über dem hervorragenden Vorjahresniveau, so der Verband. Das Sparkassengeschäft wachse überproportional, der Gewinn sinke dennoch (-5,2%).

Ganz klar: Die Nullzinsen und sinkenden Zinsmargen knabbern immer mehr an den Zahlen der Banken und Sparkassen. Auch sagt der Verband, dass die Sparkassen für die Herausforderungen gut vorbereitet seien – sie würden alles daran setzten, ihr Geschäft anzukurbeln, neue Geschäftsfelder zu erschließen und Kosten zu senken. Tja, aber wenn das fast alles entscheidende Geschäftsfeld immer weiter erodiert? So lesen sich aktuelle Aussagen des Verbandschefs auch klipp und klar (zum Beispiel im Handelsblatt). Zusätzliches Geschäftsvolumen könne nur noch die Geschwindigkeit der Ertragsrückgänge bremsen, sie aber nicht aufhalten.

Immer wieder Markus Krall

Und immer wieder aufs Neue erwähnen wir Markus Krall. Warum? Nicht dass wir blind seinen Thesen glauben – seine Diagnose und auch seine Vorhersage was als Nächstes passieren könnte, das klingt alles schlüssig. So sollen die Banken dank immer weniger Zinserträgen irgendwann schrumpfendes Eigenkapital haben, worauf die Kreditkontraktion folgt, also die Verknappung des Kreditangebots, worauf wiederum ein großer wirtschaftlicher Kollaps folgen soll. Nur ob am Ende wirklich ein großer Zusammenbruch des ganzen Wirtschaftssystems dabei herauskommt, das ist wohl kaum eine gesicherte Vorhersage. Zu viele unklare Variablen gibt es in dieser Rechnung?

Aber einmal mehr spricht auch die aktuelle Aussage aus diesem heutigen Sparkassen-Bericht genau für das, was Markus Krall seit geraumer Zeit predigt. Selbst wenn Banken und Sparkassen versuchen durch mehr Geschäftsvolumen die sinkenden Margen aufzufangen, so sinken Zinsüberschuss und Gewinn doch weiter ab, weil die Institute nicht in der Lage sind die Kosten 1:1 abzusenken, im selben Tempo zu den erodierenden Zinserträgen. By the way… der ostdeutsche Sparkassenverband feuert aktuell auch volles Rohr gegen Olaf Scholz und seine neuen Steuerpläne, die vor allem den Kleinsparer treffen würden, der versucht mit Aktien fürs Alter vorzusorgen. Zitat vom Verband:

Nicht hinnehmbar sei, wenn die Politik den Sparkassen und ihren Kunden das Leben zusätzlich erschwere. Beispielhaft nannte Ermrich die aktuellen Überlegungen des Bundesfinanzministers zur Transaktionssteuer. „Von der ursprünglichen Absicht, riskante Sekunden-Deals auszubremsen, sei nichts mehr übrig. Bundesminister Scholz will die großen Spekulanten schonen und bei den langfristig orientierten Vorsorge-Kleinsparern abkassieren. Deren Geldanlagen in Aktien oder Aktienfonds sollen mit einer Umsatzsteuer in Höhe von 0,2 % belastet werden. Das ist das falsche Signal, in einer Zeit, in der Fonds – auch mit Aktien im Portfolio – der einzige Ausweg sind, um denen, die Sparen können, einen Weg zu ebnen, damit sie den Null- und Negativzinsen entkommen und aktiv für das Alter vorsorgen.“

Tja, aber Olaf Scholz sagt es ja selbst… er hat nur ein Sparbuch…

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Bauzinsen sinken Richtung Rekordtief – hat Markus Krall recht?

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Bauzinsen fallen weiter - hat Markus Krall recht?

Hat Markus Krall recht? Diese Frage hatten wir erst am Montag gestellt. Da sprach ein regionaler Sparkassen-Verband von strukturell sinkenden Zinserträgen aufgrund der EZB-Politik. Heute geht es erneut um die Zinsen. Die Bauzinsen scheinen derzeit immer weiter zu sinken. Mit aktuell 0,51% im Tief kommen sie laut heutiger Veröffentlichung des Anbieters „Dr. Klein“ langsam wieder ran an den absoluten Tiefstand von 0,42%. Man schaue auf den unteren Teil der Grafik. Die Rendite für Bundesanleihen sowie der Bauzins gehen nach unten. Je schlechter die konjunkturelle Lage (dank Bau und Dienstleistungen läuft das BIP insgesamt ja noch auf der Null-Linie), desto stärker ist die Annahme, dass die EZB noch weiter lockert.

Bauzinsen fallen weiter Richtung tief

Man lese bitte die folgende interessante Aussage von Dr. Klein. Zitat:

Bereits seit Ende Januar sinken sowohl die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe als auch die Bauzinsen. Der Bestzins für ein Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung liegt aktuell bei 0,51 Prozent und ist damit nicht mehr allzu weit vom absoluten Tiefstand (0,42 Prozent) entfernt. Michael Neumann geht nicht davon aus, dass sich die Bauzinsen in den kommenden Monaten viel bewegen werden: „Solange sich die Konjunktur nicht nachhaltig positiv entwickelt, wird sich an der aktuellen Zinssituation nichts ändern. Das erneute Absinken der Bauzinsen ist allerdings nicht nur in der Konjunkturschwäche, sondern auch im aktuell starken Wettbewerb zwischen den Banken begründet. Ein neues Rekordtief ist in diesem Jahr nicht auszuschließen.“

Bauzinsen fallen weiter – hat Markus Krall recht?

Und wie schon beim deutlichen Angriff der Sparkassen gegen die EZB, so darf man auch bei den Aussagen von Dr. Klein fragen: Hat Markus Krall recht mit seiner These, dass die Banken dank immer weniger Zinserträgen irgendwann schrumpfendes Eigenkapital haben, wonach die Kreditkontraktion folgt, also die Verknappung des Kreditangebots, worauf ein großer wirtschaftlicher Kollaps folgen soll? Die Aussagen von Dr. Klein über den zunehmend scharfen Wettbewerb der Banken um Kredite vergeben zu können (weiter sinkende Zinsmargen), sprechen jedenfalls für die These von Markus Krall. Ob sein Gesamtszenario vom großen Zusammenbruch wirklich so kommt – das wissen wir wirklich nicht.

Hier noch weitere Aussagen von Dr. Klein von heute im Wortlaut:

Nach acht Jahren der expansiven Geldpolitik unter Mario Draghi hat die EZB nahezu ihren gesamten Instrumentenkasten geplündert: Der Leitzins liegt seit vier Jahren bei null Prozent, der „Strafzins“ für Banken seit mehreren Monaten bei -0,5 Prozent. Darüber hinaus hält die Zentralbank mittlerweile Staatsanleihen und weitere Wertpapiere im Volumen von fast 3 Billionen Euro. Sollte es jetzt zu einer Rezession kommen, hätten die Notenbanker daher nur noch beschränkte Möglichkeiten, der Konjunktur geldpolitisch unter die Arme zu greifen.

Während Draghi dennoch bis zuletzt die Handlungsfähigkeit der EZB verteidigte, betont Christine Lagarde auch die negativen Langzeitfolgen der lockeren Geldpolitik und erhöht den Druck auf die Politik. Die nationalen Regierungen müssten die niedrigen Zinsen nutzen und mit konsequenten Reformen in die Zukunftsfähigkeit der Euro-Staaten investieren. Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, hält politische Maßnahmen ebenfalls für unerlässlich. Dennoch bezweifelt er, dass die Forderungen von Lagarde Gehör finden: „Ich erwarte, dass Christine Lagarde die Nationalstaaten mit mehr Vehemenz und in kürzeren Abständen zu Reformen auffordern wird als ihr Vorgänger Draghi. Nur werden sich die Regierungen davon nicht beeindrucken lassen, solange die EZB keine Konsequenzen folgen lässt.“

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Argentinien de facto pleite – IWF fordert radikalen Schuldenschnitt

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Argentinien geht mit großen Schritten dem erneuten Staatsbankrott entgegen. In der Nacht zum Donnerstag erklärte der Internationale Währungsfonds IWF die Schulden des Landes für untragbar. Ein bedeutender Verzicht der Gläubiger sei zwingend notwendig. Ohne Schuldenschnitt steht das Land vor dem Kollaps.

Argentinien kann weder Zins noch Tilgung zahlen

Die nun offizielle Zahlungsunfähigkeit Argentiniens hatte sich bereits in den letzten Monaten abgezeichnet. Ende August letzten Jahres hatte der damalige Finanzminister Hernán Lacunza fällige Zins- und Tilgungszahlungen ausgesetzt und die internationalen Gläubiger zu Verhandlungen über eine „Restrukturierung“ der US-Dollar-Schulden aufgerufen. Am 1. September wurden dann Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die die Lage noch verschlimmerten. Viele Argentinier hatten damals in Panik begonnen, ihr Geld außer Landes zu bringen. Innerhalb von nur 48 Stunden verließen weitere drei Mrd. US-Dollar das Land. Um den Totalabsturz der Landeswährung zu verhindern, limitierte der damalige Präsident Mauricio Macri das Umtauschvolumen von Argentinischen Pesos auf 10.000 US-Dollar pro Kopf und Monat. Die Abwertung des Peso setzte sich dennoch, wenn auch mit geringerem Tempo weiter fort. Aktuell erreicht der Wechselkurs mit 0,0158 ARS zu 1 US-Dollar einen neuen Tiefstand.

Die seit Januar geführten Verhandlungen zwischen der Ende Oktober neu gewählten Regierung in Buenos Aires und den Vertretern der größten Gläubiger waren jedoch geprägt von Misstrauen und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Aktuell geht es um eine Summe von 113 Mrd. US-Dollar, die das südamerikanische Land seinen internationalen Gläubigern nicht zurückbezahlen möchte. Insgesamt hat Argentinien Außenstände in Höhe von 285 Mrd. US-Dollar. Die Pleite konnte trotz des größten Hilfskredits der Geschichte des IWF in Höhe von 57 Mrd. US-Dollar nicht abgewendet werden.

Der IWF gesteht nun ein, dass Argentinien seine Schulden aus eigener Kraft nicht mehr reduzieren kann – die Schuldenlast explodiert hingegen immer weiter. Bedingt auch durch den weiteren Verfall der Landeswährung gegenüber dem US-Dollar.

Die wirtschaftliche Krise des Landes, zurückzuführen auf jahrzehntelange Misswirtschaft, hatte im Spätsommer zu massiven sozialen Unruhen und schließlich zu Neuwahlen geführt. Als Sieger ging die Mitte-Links Koalition Frente de Todos hervor. Der peronistische Oppositionskandidat Alberto Fernández wurde neuer Präsident. Kritiker fürchten jedoch, dass in Wahrheit die ehemalige Präsidentin und jetzige Vizepräsidentin Argentiniens, Cristina Fernández de Kirchner, die wahre Machthaberin ist. Die Linksnationalistin hegt extreme Abneigungen gegenüber den „Heuschrecken“-Gläubigern, speziell aus den USA. Die Forderungen des IWF nach drastischen Budgetkürzungen im Sozialbereich sowie eine Privatisierungswelle lehnt die neue Regierung ebenfalls ab. Kirchner ist die Witwe des ehemaligen argentinischen Präsidenten und ersten Generalsekretärs der Union Südamerikanischer Nationen Néstor Carlos Kirchner.

Die Peronisten und die Imperialisten

Eine wesentliche Grundidee des Peronismus ist der „Justicialismo“, ein Konzept, das sich an dem europäischen Faschismus orientiert und einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus in einem national orientierten Staat, geprägt von sozialer Gerechtigkeit präferiert (justicia social). Dabei wird eine fortschreitende Industrialisierung, die gleichmäßige und gerechte Verteilung der Einkommen sowie der Aufbau eines Wohlfahrtsstaats angestrebt. Diese Ideologie ist nach Ansicht der Peronisten unvereinbar mit den Zielen des US-amerikanischen Imperialismus und den Auflagen des IWF. Peronisten sind Anhänger des ehemaligen argentinischen Generals Juan Perón, der durch einen Militärputsch am 4. Juni 1943 an die Macht kam und zweimal Präsident des Landes war.

So ist es kaum verwunderlich, dass die linksnationalen Peronisten unter dem neuen Präsidenten Alberto Ángel Fernández selbst die Rückzahlung des IWF-Kredites neu verhandeln wollen. Dies ist eigentlich ein Tabu, da ein Forderungsverzicht des IWF generell nicht vorgesehen ist. Maximal sei eine Prolongierung des Darlehens möglich. Dies ist auch der Grund dafür, warum der supranationale Fonds auf einen radikalen Schuldenschnitt zu Lasten der privaten Gläubiger drängt. Nur so besteht überhaupt eine Chance darauf, dass der IWF sein Geld, also das Geld der Geberländer, jemals zurückerhält. Für den IWF steht damit auch seine eigene Reputation auf dem Spiel.

Nach 2001 und 2014 ist dies bereits der dritte Staatsbankrott Argentiniens seit dem Jahr 2000. Insgesamt wird es der zehnte Staatsbankrott des Landes sein. Die betroffenen Schulden in Höhe von 113 Mrd. US-Dollar rangieren im Vergleich zu früheren Schuldenschnitten ganz oben auf der Rangliste. Lediglich Griechenland brachte es im Jahr 2012 auf einen noch höheren Schuldenschnitt in Höhe von 138 Mrd. US-Dollar.

Fazit und Ausblick

Wie ich bereits gestern in dem Artikel „Wie das Coronavirus wirtschaftliche Wunden wieder aufreißt„ ausführte, besteht im Zusammenhang mit dem aktuellen China-Schock die Gefahr, dass weitere „Schwarze Schwäne“ auftauchen und die Unsicherheit an den internationalen Kapitalmärkten verstärken. Dies wiederum zwing die Notenbanken zu noch aggressiverer Geldpolitik. Da nicht zuletzt die Aufwertung des US-Dollars Mitauslöser für das Schuldendilemma Argentiniens und anderer Staaten (Brasilien, Türkei, Chile etc.) ist, wird auch die US-Notenbank nicht umhinkommen, die Dollar-Zinsen zu senken und somit die Aufwertung der Schuldenwährung Nummer eins zu stoppen. Andernfalls droht ein Dominoeffekt der Staatsbankrotte.

Argentinien steht unmittelbar vor dem nächsten Bankrott

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