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Wann die EZB die Zinswende einleitet? Hier im Zitat die ganz genaue Erklärung der EZB

Wollten Sie es auch schon immer ganz genau wissen, wie wann und wo die EZB nun endlich die Zinswende einleitet? Einige neue Gründe seitens Mario Draghi hatten wir in den letzten Wochen…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wollten Sie es auch schon immer ganz genau wissen, wie wann und wo die EZB nun endlich die Zinswende einleitet? Einige neue Gründe seitens Mario Draghi hatten wir in den letzten Wochen bereits genannt, warum man jetzt noch nicht die lockere Geldpolitik beenden kann. Negativzinsen und Geldschwemme laufen erst einmal weiter. Draghi´s Kollegin im EZB-Direktorium Sabine Lautenschläger hat am Wochenende präzise Stellung genommen im Gespräch mit dem Deutschlandradio. Und da geht es so richtig in Detail. Das wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Hier im Zitat:

Frau Lautenschläger, die Inflation ist zurückgekehrt. Lange gab es sie nicht, im ganzen Euro-Raum ist sie jetzt nach der letzten Schätzung auf 1,8 Prozent für den Euro-Raum angestiegen. Die EZB hat ja immer gesagt, man will eine Inflationsrate nahe 2 Prozent haben, die haben wir jetzt. Wann erhöhen Sie die Zinsen?

Ist die Inflation zurückgekehrt, frage ich Sie zurück, wenn es für einen Monat eine derartige Inflationsrate gibt? Wir haben…

Im Dezember lag sie bei 1,7 Prozent.

Nein, im Dezember lag sie für den Euro-Raum…

In Deutschland bei 1,7 Prozent und im Euro-Raum bei 1,1 Prozent, immerhin.

Genauso ist es. Im Euro-Raum – und die EZB macht ja Geldpolitik für den Euro-Raum – lag im Dezember die Inflationsrate bei 1,1 Prozent und im Januar wird sie auf 1,8 geschätzt. Ich freue mich da sehr darüber, sage ich Ihnen ganz ehrlich – unser Zielwert ist nah – knapp unter 2 Prozent. Nur wichtig ist für mich, dass das nicht ein vorübergehender, kurzer Ausreißer nach oben ist. Ich kann Ihnen sagen, für Januar wissen wir es noch nicht genau. Für Dezember war der Anstieg der Inflationsrate vor allen Dingen durch die Energiepreise bedingt und zwar durch den sogenannten Basiseffekt. Ein Jahr war rum mit den niedrigen Preisen und dann schlägt das ein und – halten Sie sich fest – auch durch die Pauschalreisen, die die Deutschen gebucht haben im Dezember. Das geschieht nun leider nicht jeden Monat, auch wenn wir Reiseweltmeister sind. Und deswegen ist es …

Okay, aber bleiben wir mal bei…

Lassen Sie mich bitte aussprechen: …deswegen ist es wirklich wichtig, dass es einen Trend gibt, dass sichergestellt ist, dass die Inflation auch wirklich zurückgekehrt ist.

Aber bleiben wir mal bei den Energiepreisen. Da ist ja nicht absehbar, dass der Ölpreis in der nächsten Zeit wieder sinkt. Also, eine Inflation – einen Trend – haben wir ja schon, aber die Zinsen liegen immer noch bei 0 Prozent. Wie kann man das verständlich machen? Wann werden Sie denn reagieren?

Also, ich bin eine derjenigen, die am optimistischsten ist, die schnellstmöglich zu einer Normalisierung der sehr expansiven Geldpolitik zurückkehren will. Aber für mich ist es entscheidend, dass es eben nicht nur ein kurzer, vorübergehender Ausreißer nach oben ist, der uns dann wieder – Monate später – zu niedrige Inflationsraten anzeigt und wir dann womöglich mit stärkeren und noch akkommodierenderen geldpolitischen Maßnahmen reagieren müssten. Das wäre, wie soll ich das sagen, mehr als kontraproduktiv. Also, …lassen Sie uns doch, lassen Sie uns einige wenige Monate abwarten und dann können wir auch sicher sein …

Aber Frau Lautenschläger, kann man denn eine Medizin auch vielleicht zu spät absetzen? Denn eine Medizin sollte es ja sein.

Oh ja, natürlich. Und es ist eine starke Medizin mit Nebenwirkungen und Risiken, die man nicht unterschätzen darf. Nur: noch schwieriger wäre es, wir würden sie absetzen, und würden zwei Monate später merken, dass es zu früh war, das Wachstum einbricht, die Arbeitslosigkeit wieder zunimmt, die Deutschen nichts mehr sparen können, weil sie keine Arbeitnehmer, sondern Arbeitslose sind, und weil die Unternehmer wegen mangelndem Wachstum keine Aufträge mehr einfahren. Die ganze Sparfähigkeit ginge zurück und dann nutzen Ihnen auch höhere Zinsen nichts – gar nichts nutzen Ihnen dann höhere Zinsen. Und deswegen ist es wichtig, …

Aber, wenn Sie schon den Deutschen als …

… es im richtigen Moment …

Ja.

…zu machen. So früh, wie nur irgendwie möglich.

Wenn Sie den Deutschen als Sparer nehmen, das ist ja nun ein ganz gutes Stichwort: Können Sie denn verstehen, dass viele Deutsche Sorge haben, dass ihr Geld dahinschmilzt, das sie zurücklegen fürs Alter?

Ja, ich bin Sparer.

Nehmen wir mal ein Beispiel. Also, null Zinsen, null Inflation, das heißt also, wenn jemand 10.000,00 Euro hat, dann hat er bei einer Inflationsrate von 1,7 Prozent – und die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass es sich im nächsten Jahr auch so um den Wert drehen wird – dann hat er noch 9.830,00 Euro [nach einem Jahr] und nach zehn Jahren 8.400,00 Euro. Das Geld schmilzt dahin und die EZB, die tut nichts.

Ich verspreche Ihnen: Wenn wir zehn Jahre lang 1,8 Prozent haben pro Monat, dann …

Dann tun Sie was…?

Nein, früher schon, ganz sicherlich. Nein – wirklich ganz, ganz wichtig ist: jeder Sparer hat einen Grund, warum er sparen kann, er ist entweder Unternehmer, Freiberufler oder Arbeitnehmer. Wenn Sie keine Arbeit haben, wenn Sie keine Aufträge für ihr Unternehmen haben, weil das Wachstum nicht stimmt, weil die Investitionen nicht stimmen, dann können Sie auch nicht sparen. Und wenn Sie einen Monat lang 1,8 Prozent Inflationsrate haben, dann werden natürlich Ihre 10.000,00 Euro nicht um 200,00 Euro weniger, weil es ja nicht auf das ganze Jahr gerechnet werden kann, sondern nur auf einen Monat. Also, es ist ganz klar ein ernstes Thema – vor allen Dingen für Sparer -, auch für mich, ich bin auch Sparer. Ja, und deswegen geht es darum, so schnell wie möglich auszusteigen aus der expansiven Geldpolitik, und zwar weil die beabsichtigten Wirkungen der geldpolitischen Maßnahmen abnehmen über den Zeitraum, während die Risiken, die Nebenwirkungen, zunehmen. Also, es geht wirklich darum, so schnell wie möglich auszusteigen, aber es geht auch darum, nicht der Gefahr zu unterliegen, zu früh auszusteigen, nachdem man einmal für einen Monat einen kurzfristigen – womöglich vorübergehenden – Ausreißer gesehen hat.

Wobei, wir haben natürlich jetzt schon lange eine Phase der niedrigen Zinsen.

Ja.

Und meine Frage an Sie wäre: Welche Botschaft richtet diese Niedrigzinspolitik eigentlich an die jungen Leute? Die müssen doch jetzt eigentlich beginnen, Geld fürs Alter zurückzulegen, Lebensversicherungen abzuschließen, Bausparverträge abzuschließen, kriegen aber kaum noch Zinsen dafür. Welche Botschaft richten Sie an diese jungen Leute, die eigentlich vorsorgen müssten?

Also, meine Tochter ist 25 und ich sage meiner Tochter sehr deutlich: „Du hast ungefähr 40 Jahre vorzusorgen, wir wollen mit unseren geldpolitischen Maßnahmen dafür sorgen, dass du auch 40 Jahre lang sparen kannst und nicht nur das nächste Jahr mit höheren Zinsen. Wir wollen dafür sorgen, dass du Arbeit hast und dass Wachstum besteht. Lege dein Geld klug an, überlege dir, wann du es anlegst, diversifiziere, wenn du das möglich machen kannst.“ Die Deutschen haben im Übrigen im dritten Quartal letzten Jahres etliche Milliarden an Vermögen hinzugewonnen, also, es ist nicht so, als würden wir alle kein Vermögen haben.

Nicht alle gleichermaßen.

Nicht alle gleichermaßen, da bin ich ganz bei Ihnen.

Aktienbesitzer, Hausbesitzer, die haben gewonnen.

Ja, genau. Und junge Leute heiraten, haben Kinder und wollen ein Haus bauen und bekommen derzeit die Möglichkeit, ein Haus zu bauen zu Zinsen, so wie es früher nie der Fall war. Das heißt, wenn Sie Unternehmer sind oder wenn Sie eine junge Familie sind und Sie möchten gerne Ihren Wohnraum selber im Eigentum halten, dann sind das goldene Zeiten für Sie.

Wie erklärt man eigentlich Kindern heute den Sinn von Sparen, wenn sie gewohnt sind, aufgewachsen sind in einer Situation, wo am Ende des Jahres gar keine Zinsen gezahlt werden?

Man sagt den Kindern sehr deutlich, dass man nicht nur für einen Monat spart, sondern für viele, viele Jahre, und dass sich Anlagebedingungen über vier Jahrzehnte, wenn man für die Altersvorsorge sparen will, verändern, und dass man sich über den langen Zeitraum nicht nur das, was man ansparen kann, sondern auch die Sparfähigkeit, nämlich die Frage der Verdienstmöglichkeit, ansehen muss. Also, es ist wirklich wichtig, dass man als Eltern einem Kind erläutert, dass es nicht darum geht, für einen Monat zu sparen – das ist dann eine Frage des Taschengeldes und ob ich denn gerne mal ins Kino gehen möchte, et cetera – sondern dass man für die Altersvorsorge tatsächlich über Jahrzehnte sparen muss. Da gleichen sich die Zinsen dann sehr aus.

Wenn wir mal davon ausgehen, dass das jetzt nicht nur alles für einen Monat ist, sondern dass wir eine Inflation haben, die auch über mehrere Monate und ins nächste Jahr weiter ansteigen und höher liegen wird, dann hätten wir ja doch die Möglichkeit, in einem anderen Punkt ein bisschen zurückzufahren.

Ja.

Sie haben im Moment ein Anleihe-Kaufprogramm, wo Sie Milliarden und Milliarden ausgeben, um Anleihen zu kaufen, gerade erst verlängert. Am Ende des Jahres werden wir da ein Kaufvolumen von über zwei Billionen Euro erreicht haben – das kann man sich schon kaum vorstellen, diese Zahl. Können Sie da nicht mal ein bisschen zurückfahren, mal den Fuß vom Gaspedal nehmen?

Also, ich bin eine derjenigen, die für einen sehr frühen Austritt eintritt, wenn denn dann die Voraussetzungen dafür erfüllt sind. Und das bezieht sich natürlich vor allem auf das Staatsanleihekaufprogramm, das ja eine außergewöhnliche Maßnahme – geldpolitische Maßnahme – ist, also nicht zum normalen Standardprogramm gehört. Und sie haben jetzt das nächste, das übernächste Jahr oder einen Zeitpunkt in zehn Jahren angesprochen… Also, ich hoffe doch und bin da optimistisch, dass wir das ein bisschen früher als in fünf oder zehn Jahren sehen. Das Programm selber läuft so oder so im nächsten Jahr aus, wenn es denn dann nicht verlängert wird, falls unsere optimistischen Erwartungen doch nicht zum Tragen kommen und die Inflationsrate wieder niedriger ausfällt. Also, so gesehen, hat es derzeit tatsächlich auch eine gewisse Art von Endzeitpunkt. Ja.

Wenn das alles so bleibt, können wir im Frühjahr dann damit rechnen, dass da vielleicht ein erster Punkt gesetzt wird?

Also, ich werde Ihnen hier jetzt kein Datum nennen. Noch mal: Würde sich die Inflationsrate, so wie wir sie im Januar gesehen haben, fortsetzen, dann würde ich nicht bis nächstes Jahr warten wollen.


EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger. Foto: EZB

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    leser

    20. Februar 2017 12:44 at 12:44

    Vielleicht sollte Frau Lautenschläger diesen Artikel (einer von vielen) lesen, http://www.focus.de/finanzen/boerse/80-prozent-kaufkraftverlust-wie-sich-das-geld-der-deutschen-langsam-aufloest_id_4268471.html
    Der richtige Ratschlag wäre dann vielleicht die Abschaffung der Zentralbanken.

  2. Avatar

    asyoulike

    20. Februar 2017 12:51 at 12:51

    Moin, moin,
    was sagt sie denn nun? Irgendwie typisches Politiker-Deutsch. Fachlich sind diese Herrschaften oft nicht qualifiziert, daher auch diese Art Aussagen. Aber egal, den Big-Peng wird niemand überhören oder verpassen. Solange läuft alles wie gewohnt weiter. EZB dient m.E. nur zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit (=billiges Geld) für die Mittelmeerländer. Ausserdem verkündet die EZB die aktuelle Inflation, alle anderen Daten sind wie immer falsch. Fazit: Die EZB macht wie immer alles 100% richtig, wir verstehen es oft nur nicht.

  3. Avatar

    columbo

    20. Februar 2017 12:57 at 12:57

    Wow, EZB Zinswende noch 2017, denn daß die Inflation sich fortsetzt, ist anzunehmen.

  4. Avatar

    Marcus

    20. Februar 2017 13:26 at 13:26

    Frau Lautenschläger macht genauso ein substanzloses Geplapper zusammen wie alle Zentralbanker. Außerdem kann man herauslesen, das von ihrer „Bundesbank-Denkweise“ schon nicht mehr viel übrig geblieben ist.

  5. Avatar

    KK

    20. Februar 2017 14:05 at 14:05

    Nicht auf den Zinsen herumhacken – die Produkte teurer verkaufen und die Löhne rauf, dann regelte sich das von selbst –
    wenn da nicht der Unwille zu einer Transferunion wäre.

    Fünfer u n d Weggli geht nur, solange noch Fünfer u n d Weggli umä sind – und das ist schon längst vorbei in Euroland.

  6. Avatar

    Stefan

    20. Februar 2017 16:58 at 16:58

    Der ganze Anleihemist muss ja wieder in den Markt zurück. das wird denke ich mal Jahrzehnte dauern. Aber die nächste Krise wird sich vermutlich früher melden. Und dann?

  7. Avatar

    Gixxer

    21. Februar 2017 15:51 at 15:51

    Typisch! Viel Gelaber, aber nichts gesagt!

  8. Avatar

    Tino

    21. Februar 2017 22:02 at 22:02

    Das kann bei unserem wirren Wirtschafts und Geldsystem nur der Anfang sein, es werden weitere Massnahmen folgen um den am Ende unaufhaltbahren Zusammenbruch noch etwas hinauszuzögern

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Immobilien: Der Boom läuft immer weiter – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

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am

Innenansicht eines Einfamilienhauses

Es ist wirklich erstaunlich. Auch wir bei FMW hatten zu Ausbruch der Coronakrise und im brutalen wirtschaftlichen Absturz im Frühjahr erwartet, dass auch der Markt für Immobilien beeinträchtigt sein wird. Schließlich haben derzeit ja zahlreiche Menschen massive Existenzängste, leben dank Kurzarbeitergeld auf Kante, oder haben als Selbständige ihre Existenz gleich ganz verloren. Da müssten die Preise für Immobilien doch eigentlich einbrechen? Die Nachfrageseite für Häuser und Eigentumswohnungen müsste so schwach sein, dass man spürbare Rückgänge bei den Preisen sehen müsste?

Nichts da. Offenbar bringt die große Gelddruck-Orgie der Notenbanken und die Alternativlosigkeit zu Aktien und Immobilien immer noch genug Anleger und Kaufwillige dazu, die Preise für Immobilien immer weiter klettern zu lassen. Und die Rettungsmaßnahmen der Bundesregierung sind wohl derart umfangreich, dass genug Menschen in prekären Situationen (Arbeiter in der Autoindustrie etc) noch nicht ihre Häuser verlieren, welche auf dem Markt folglich auch nicht für ein Überangebot an Häusern und Eigentumswohnungen sorgen können.

Preise für Immobilien weiter am Steigen

Aktuelle Zahlen der Anbieter F+B sowie Dr. Klein zeigen weiter steigende Preise für Immobilien. Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 3. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,6 Prozent. Wie gesagt, diese Steigerung von +5,6 Prozent kommt zustande, weil ich auch Mieten enthalten sind. Und die sind dank Corona doch tatsächlich leicht rückläufig mit -0,9 Prozent im Quartalsvergleich (und noch +0,1 Prozent im Jahresvergleich).

Mieten bremsen nur den Gesamtschnitt aus Immobilienpreisen + Mieten

Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen laut F+B endgültig der Vergangenheit an. Auch die Betrachtung der Top 50-Standorte in Deutschland mit dem höchsten Mietenniveau lege eine ähnliche Interpretation für diesen Trend nahe. So seien im Vergleich zum Vorquartal in 28 der 50 teuersten Städte Deutschlands die Mieten bei der Neuvermietung gesunken (im Vergleich der Quartale Q2/2020 zu Q1/2020 betraf dies 18 Städte). Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2019 gab es reale Mietpreisrückgänge in 10 der teuersten 50 Städte. Nach Beobachtungen von F+B hätten die Corona-bedingten wirtschaftlichen Verwerfungen als Nachwirkungen des ersten Lockdowns vom Frühjahr 2020 zu noch stärkeren Rückgängen bei den Mieten geführt, wenn es die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen nicht gegeben hätte. Wir möchten ergänzen: Hunderttausende Wohnungen in Berlin sind vom dortigen Mietendeckel betroffen, was die Mietpreisentwicklung bundesweit ebenfalls beeinflusst. F+B bespricht dieses Thema in seiner Veröffentlichung ebenfalls.

Nachfrageschub

Im Vergleich zum dritten Quartal 2019 liegen die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen laut F+B mit 5,5 Prozent weiterhin deutlich hinter den Ein- und Zweifamilienhäusern mit 8,6 Prozent. Eigenheime dominieren damit endgültig die Gesamtperformance des Wohn-Index von F+B. Man sei der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub – bei gleichzeitig beschränktem Angebot – erzeugt hat, so F+B. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2004 die Preisentwicklung verschiedener Arten von Immobilien seit dem Jahr 2004. Eigentumswohnungen liegen langfristig klar in Führung.

Entwicklung der Preise für Immobilien seit dem Jahr 2004

Preise in Nordrhein-Westfalen steigen weiter

Der Anbieter Dr. Klein berichtete erst vor wenigen Tagen, dass das Volumen pro Immobilienkredit neue Rekordhochs erreicht hat (hier die Details). Heute berichtet Dr. Klein über die neuesten Preisentwicklungen für Immobilien in Nordrhein-Westfahen. Der bis 2015 zurückreichende Chart zeigt auch jetzt keinen Abknick bei der Preisentwicklung. Im mondänen Düsseldorf dürfe es gerne ein bisschen mehr sein – auch bei den eigenen vier Wänden: Der Trend gehe hin zu mehr Exklusivität und Geräumigkeit. Köln und Dortmund vermelden indessen neue Rekorde bei den Immobilienpreisen. Die Details finden Sie beim Klick an dieser Stelle.

Preise für Immobilien in Nordrhein-Westfalen

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BioNTech, Pfizer und Moderna, erfüllen sich die Impfstoff-Erwartungen?

Wolfgang Müller

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Erfüllen sich die hohen Erwartungen an die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna? Die Börsen sind im Jahresendspurt: Immer wieder werden derzeit die aktuellen Wirtschaftsdaten als Indikatoren herangezogen, verbunden mit dem großen Optimismus vieler Investoren, die nach Korrektur schreien. Aber dies ist neben dem monetären Faktor nicht der entscheidende Treiber für Börsenkurse. Es zählt die mittelfristige Aussicht, auch wenn man in einer Rezession oder in einem Lockdown etwas anderes verspürt. Was die Märkte antizipieren, sind die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und deren Anwendung. Dies kann man auch aus einem Interview schlussfolgern, welches eine Reporterin der Welt am Sonntag aktuell mit dem Chef von Moderna, Stéphane Bancel, geführt hat.

BioNTech & Co: Die große Wende bis zum Sommer 2021

Bei aller Skepsis über die Geschwindigkeit und Validität der Entwicklung eines Impfstoffes ist es nicht zu übersehen: Die Nachrichten über den Fortgang des Kampfes gegen Covid-19 überschlagen sich, Unternehmen für Unternehmen berichtet von den Ergebnissen aus der klinischen Studie-3 und der baldigen Beantragung für eine Zulassung des eigenen Vakzins. Es ist daher sicher interessant, was der langjährige Chef eines der Unternehmen an vorderster Front dazu zu sagen hat, auch unter Berücksichtigung der subjektiven Darstellung des eigenen Unternehmens. Hier die Kernaussagen des CEOs von Moderna:

Der Chef von Moderna fühlt sich von der Erstmeldung von BioNTech und Pfizer nicht überfahren. Man bräuchte mindestens vier oder fünf Unternehmen, um die Welt mit 7,6 Milliarden Menschen impfen zu können.

Bemerkung: Fraglich, ob es zur Impfung von so vielen Menschen durch westliche Impfstofffirmen kommt. China impft sich selbst (1 Mio. Chinesen wurden schon geimpft), ebenso Russland. In Indien sind 750 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt, ein ähnliches Verhältnis dürfte auch für den Milliardenkontinent Afrika gelten. Und wie viele Menschen werden sich einer Impfung verweigern?

Zur Frage, warum BioNTech/Pfizer schneller waren: Pfizer sei100-mal größer als Moderna, man habe vorher noch nie eine Studie mit 30.000 Menschen durchgeführt. Zudem wurde das Vakzin gemeinsam mit der US-Gesundheitsbehörde NIH entwickelt und mit staatlichen Stellen dauere es etwas länger, sich untereinander abzustimmen.

Der US-Staat hat Moderna mit einer Milliarde Dollar unterstützt, aber man brauche das Geld, um im kommenden Jahr eine Milliarde Impfstoffdosen herzustellen. Für die Beschaffung von Grundmaterialien.
Zum Impfstoffpreis: Man werde zwischen 25 und 37 Dollar aufrufen, je nachdem, wie viel die Regierungen bei Moderna bestellen. Damit liege man im Bereich wie bei einer Grippeimpfung, die zwischen 10 und 50 Dollar kostet. Das sei ein fairer Preis, wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für das Gesundheitssystem sind, wenn ein Mensch schwer an Covid-19 erkrankt. Die teuerste Impfung der Welt sei derzeit Pfizers Impfstoff Prevnar gegen Pneumokokken mit 300 Dollar je Dosis.
Zur Dauer der Impfung: Das hänge davon ab, wie viele Impfstoffe das Rennen machen. Wenn es beim Impfstoff von BioNTech und Moderna bliebe, würde es bis zum nächsten Sommer dauern, bis allein die Menschen in Europa und den USA geimpft sind. Für den Rest der Welt würde es vermutlich bis Ende 2022 dauern.
Bemerkung: Reichlich optimistisch, so viele Menschen (mehr als eine halbe Milliarde, auch wenn sich viele verweigern) innerhalb von sechs Monaten zu impfen.

Zur Hektik bei der Notzulassung: Bancel betrachtet jede Morgen die Zahlen der John-Hopkins-Universität. Es gebe täglich weltweit 11.000 Coronaopfer und dies dürfte sich im nächsten Monat noch steigern. Die Impfung habe bereits bewiesen, dass sie wirke und sicher sei. mRNA werde innerhalb von 48 Stunden nach der Impfung im Körper abgebaut, das Lipid als Trägerstoff ebenfalls. Danach sei man geschützt vor Covid und den teilweise schlimmen Langzeitfolgen. Deshalb sei seine Entscheidung klar.

Beim Vergleich mit Biontech-Chef Ugur Sahin: Bancel bezeichnet sich selbst als nicht besonders guten Verkäufer. Was er aber könne sei komplizierte Wissenschaft einfach zu erklären. Zum Beispiel warum mRNA die größte medizinische Revolution seit der Erfindung von kleinen Molekülen wie Aspirin sei.
Zum Stand der Genforschung: Man lebe im Zeitalter der Sequenzierung. Es würde nur fünf Dollar und ein paar Stunden Zeit kosten, bis man das Genom eines Virus entschlüsselt habe, dank mRNA habe man jetzt die Möglichkeit, sehr schnell wirksame Medikamente zu machen. Dies katapultiere die analoge Medizin in das Zeitalter der Digitalisierung. Dieser Erfolg sei aber nicht über Nacht gekommen, wie viele Leute denken. BioNTech und Moderna arbeiten daran seit zehn Jahren.
Bei der ultimativen Frage nach dem eigenen Impfzeitpunkt sagt Bancel: Er könne es gar nicht abwarten, hätte das gern schon vor Monaten getan, denn er wolle sein altes Leben zurück.

Fazit

Egal, wie man die Aussagen eines Unternehmensvorstands zum eigenen Produkt bewertet. Es ist schon erstaunlich, wie konkret die Informationen zu dem Jahrhundertprojekt Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 bereits gediehen sind. Sollte es tatsächlich keine gravierenden Nebenwirkungen des Impfstoffes geben, so könnte man tatsächlich von einer Normalisierung der Verhältnisse im Hinblick auf die Pandemie bereits im Jahre 2021 rechnen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es ein neuer Meilenstein in der Entwicklung des medizinischen Fortschritts der Menschheit. Noch ist Vieles im Konjunktiv.

Erfüllen die Impfstoffe von BioNTech oder Moderna die hohen Erwartungen?

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Warum für Deutschland im Winter eine technische Rezession ansteht

Claudio Kummerfeld

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Leere Restaurants im zweiten Lockdown befeuern die Rezession

Die Industrie liefert wieder, und China als Abnehmer deutscher Waren hilft kräftig mit bei der Erholung der Konjunktur. Aber es ist klar. Die Dienstleistungen vermasseln derzeit der deutschen Wirtschaft die tiefgreifende Erholung. Die Rezession steht bevor oder startet wohl gerade wieder, und das Bruttoinlandsprodukt könnte schrumpfen. Und das nicht nur, weil die Dienstleistungen wie Gastronomie wegen dem aktuellen „kleinen“ Corona-Lockdown zu großen Teilen gar nicht stattfinden. Nein, da ist noch ein Faktor, der auf den ersten Blick übersehen werden kann.

Bevorstehende Rezession befeuert durch höhere Mehrwertsteuer

Eine aktuell womöglich schon gestartete technische Rezession für diesen Winter dürfte ab Anfang Januar verschärft werden. Denn ab 1. Januar wird die seit Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung wieder rückgängig gemacht. Dann dürften die Verbraucherpreise wieder steigen. Wer schon lange Zeit vor hatte einen neuen Fernseher, Küche, Auto oder sonstige hochpreisige Einrichtungsgegenstände anzuschaffen, hat dies wohl schon in den letzten Monaten getan, und dabei nette Mehrwertsteuerbeträge gespart. Umso kräftige dürfte der Konsumrückgang ab Januar ausfallen. Oder darf man mutmaßen, dass die Politik in Berlin dem noch schnell entgegenwirkt, und die Mehrwertsteuer bis zum Sommer 2021 auf reduziertem Niveau belässt? Die Kurzarbeiter-Regelung hat man ja schließlich auch gerade erst bis Ende 2021 verlängert.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, bringt es in einer aktuellen Kurzanalyse auf den Punkt. Warum er sich gerade jetzt äußert? Heute um 10 Uhr wurde mit dem ifo-Index das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer veröffentlicht (hier die Details). Er fiel von 92,5 auf 90,7 Punkte. Die Zahlen waren zwar leicht besser als gedacht, aber eben doch schlechter als im Vormonat. Wie der Chart (geht bis 2016 zurück) zeigt, geht es aktuell wieder leicht bergab mit dem Geschäftsklima in Deutschland.


source: tradingeconomics.com

Experte spricht von bevorstehender technischen Rezession

Deutschland droht eine technische Rezession, das Winterhalbjahr wird hart. Das kann durch die robuste Entwicklung in der Industrie kaum verhindert werden. Erst die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Impfungen werden die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen, so Jörg Krämer. Ein Monat Lockdown koste fast ein Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt. Krämer erwartet eine technische Rezession im Winterhalbjahr, auch wenn sich das verarbeitende Gewerbe super halte. Im folgenden Chart der Commerzbank sehen wir, wie die Industrie in gelb weiter ansteigt, während die Dienstleistungen wieder abschmieren.

Chart zeigt Tendenz der Rezession dank schwachen Dienstleistungen

Laut Jörg Krämer ist ein Abwärtstrend bei den Corona-Neuinfektionen noch nicht erkennbar. Die Bundesländer dürften den Lockdown nach seiner Meinung bis mindestens Weihnachten verlängern und die Kontaktbeschränkungen verschärfen. Sehe man von möglichen Lockerungen rund um Weihnachten ab, dürfte der Lockdown mindestens bis Ende Dezember gelten. Weil die kalte Jahreszeit die Infektionen begünstigt, erwarte man, dass Restaurants, Kneipen, Hotels, Fitness-Center etc auch während des ersten Quartals überwiegend geschlossen bleiben.

Basierend auf dem Anteil der betroffenen Branchen an der gesamten Wertschöpfung drücke ein Monat Lockdown das quartalsweise Bruttoinlandsprodukt wie gesagt um fast 1 Prozent. Entsprechend dürfte laut Jörg Krämer das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2 Prozent schwächer ausfallen als ohne Lockdown – es werde vermutlich schrumpfen. Das dürfte die robuste Entwicklung in der Industrie nicht verhindern. Auch im ersten Quartal, das ohnehin durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar belastet wird, sei kaum mit einem Plus zu rechnen. Deutschland drohe eine technische Rezession. Die Wirtschaft gehe durch ein hartes Winterhalbjahr, bevor die wärmeren Temperaturen und die Impfungen die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen.

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