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Wann ist Inflation? Wenn Cash Trash ist: 8 Definitionen zur Teuerung

Inflation ist, wenn alle so reich sind, dass sich alle nichts mehr leisten können

Inflation: 8 Definitionen wenn Cash Trash ist

Wann eigentlich ist Inflation? Antwort: Wenn Cash Trash ist – Definitionen zur Teuerung

Beliebt ist auch diese Definition: „Inflation ist, wenn alle so reich sind, dass sich alle nichts mehr leisten können.“

Inflation als self-fulfilling-prophecy: magisches Denken

Für die deutschen Ökonomen des 20. Jahrhunderts war Inflation eine Geißel. Für Heiner Flassbeck ist Inflation dagegen ein Problem, das von selbst wieder verschwindet. Dass Inflation nichts anderes sei als eine „self-fulfilling prophecy“, wird zumal von solchen Ökonomen behauptet, welche die Inflation 2021 nicht haben kommen sehen und jetzt die warnenden Kollegen dafür verantwortlich machen, dass sie da ist. Sie hätten mit ihren Warnungen das Problem erst herbeigeredet, so der Vorwurf.

Wirklich? Das ist faktisch ein seltsam magisches Denken! Etliche self-fulfilling-prophecy-Anhänger kommen übrigens ungewollt und unfreiwillig jener Definition erstaunlich nahe, die Carl Gustav Jung in seiner analytischen Psychologie hinsichtlich Inflation gegeben hat. Jung beschreibt „Inflation“ nämlich als eine Form individueller „Aufgeblasenheit“, als die Überschwemmung der eigenen Persönlichkeit mit nicht individuellen psycho-pathologischen Bedeutungen.

Die Ego-Inflation als gesellschaftliches Problem

Das eigene Ego, ballonartig angeschwollen, wirkt sozial schädigend auf die Umwelt. C. G. Jungs Definition von Inflation ist sicherlich zutreffend, leitet sich das Wort doch vom Lateinischen „inflare = aufblasen, aufblähen“ ab, womit zunächst nur die Ausweitung der Geldmenge gemeint ist und erst dann – als dessen Wirkung – die einsetzende Teuerung.

Jenseits des unterhaltsam Amüsanten wollen wir indes zum Kern des Phänomens vordringen. Denn Inflation ist gefährlich. Inflation ist regelmäßig Sprengstoff für eine Gesellschaft. Indem die Benzinpreise gegenwärtig nach oben schießen und die Lebensmittelpreise scharf anziehen, werden die sozialschwachen Schichten als Erste aus der Teilhabe am Markt hinausgeworfen. Diejenigen, die als Besserverdienende weiterhin Zugang zu Konsum und Wohlleben haben, werden dann womöglich sagen: Das ist halt unvermeidbar. Wir müssen schließlich alle den Gürtel enger schnallen! Greenflation, Ecoflation und Coolflation sind notwendig für die große Transformation und also willkommen!

Nur am Rande: Von dem WIR in „WIR müssen den Gürtel enger schnallen/ WIR werden alle ärmer“ sind nicht die Absender der schlechten Botschaft betroffen, sondern in erster Linie die Empfänger.

Die Benzinpreise von heute sind die Weizenpreise von gestern

Inflation wirkt wie eine saftige Steuererhöhung, die von keinem Parlament jemals demokratisch bewilligt worden ist. Genau darin liegt der Sprengstoff. Denn anders als in autokratischen Zwangssystemen oder massenmedialen Bonapartismen stehen in der Demokratie die Regierenden dem Souverän – dem Volk – Rede und Antwort. Und werden in freier Wahl für ihr Fehlverhalten abgestraft. Die exorbitanten Spritpreise vom März und April wirken systemisch übrigens in ähnlicher Form wie die Weizenpreise 1787 und 1789 in Frankreich. Die französische Revolution ist aus Hungerkrawallen nach Missernten entstanden, die Bürger haben Bäckereien gestürmt. Überspitzt ließe sich mit Blick auf die aktuellen Verwerfungen formulieren: Die Weizenpreise von damals sind die Benzinpreise von heute.

Inflation ist, wenn Brandlast und Funke zusammenkommen

Jedes Modell beschreibt die Welt als Möglichkeit. Die Inflation ist vorgezeichnet wie in einer Model, einer Backform. Man braucht nur noch das Wachs hineinzudrücken, dann wird sie augenblicklich augenscheinlich. Über Jahre und Jahrzehnte akkumulierten die Geldberge in unserem Finanzsystem. Hinzu kam der Anlagenotstand durch die Nullzinspolitik der Zentralbanken, welche die Hausse an den Aktien- und Immobilienmärkten kräftig anfachte.

Das viele Geld in allen Märkten bildet gleichsam eine riesige Brandlast. Jeder umsichtige Förster weiß: er darf das dürre Geäst im Wald nicht einfach liegen lassen. Denn im Falle großer Trockenheit kann es leicht Feuer fangen. Dass alles in Flammen aufgeht, ist nicht zwangsläufig. Doch reicht bekanntlich ein einzelner Funke. Inflation entsteht, wo immer unbekümmert liegengelassene Brandlast und Funke unvermittelt und jäh zusammenkommen. „Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen“ konstatierte Milton Friedman lapidar.

Inflation als spontane Selbstallokation der Geldüberhänge

Inflation ist die spontane Selbstallokation überbordender Geldüberhänge in wirtschaftliche Engpässe, Flaschenhälse und Mangelmärkte. Wo immer es sich gerade staut, schießen die Preise nach oben. Viele Ökonomen, zumal solche, welche zur Zeit die öffentliche Bühne medial beherrschen, behaupten unverdrossen, die uferlose Geldmengenausweitung während der Weltfinanz- und Eurorettungskrise hätte zu keiner Inflation geführt. Das ist so nicht richtig. Richtig ist, dass die Konsumentenpreisinflation nicht anzog, sehr wohl aber die Vermögenspreisinflation. Den kräftigen Anstieg der Vermögenspreisinflation seit 2008 hat übrigens Thomas Mayer mit seinem Research Institute bei Flossbach von Storch in einem eigenen Index akribisch erfasst und dadurch sichtbar gemacht.

Inflation als Autoimmunerkrankung des Geldsystems

Hans-Werner Sinn erklärte dieser Tage, die Inflation, die wir in den USA und Europa aktuell gegenwärtigen, habe nichts mit der Ukraine zu tun. Das stimmt. Der Ukrainekrieg ist nur der Funke, der unvermittelt und jäh die von EZB und Fed leichtfertig angesammelte Brandlast in Flammen aufgehen lässt. Insofern ist diese Inflation eine Autoimmunerkrankung unseres Geldsystems. Sie ist das sichtbare Symptom tieferliegender pathogener Mechanismen. Hierzu hat Thomas Mayer die bislang tiefste Analyse vorgelegt. Die ansteigende Inflationskurve verläuft nicht linear nach oben, und kann also nicht linear extrapoliert werden. Sie verläuft vielmehr in Wellen, die interferieren und sich einander aufschaukeln. Was vor allem aber Sorgen bereitet, ist die starke Dynamik. Sie ist ein Warnsignal für das, was möglicherweise noch bevorsteht.



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2 Kommentare

  1. Wenn das keine guten Aussichten sind:
    Dank Mini- Null- oder Negativzinsen plus Inflation und Steuern auf Kapitalertäge brauchen Sie sich um Ihr Vermögen bald keine Sorgen mehr zu machen.

    Viele Grüße aus Andalusien und ein schönes Osterfest

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