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Warren Buffett: Das Orakel von Omaha und seine neueste Käufe

Wie lange war man schon gespannt auf die Veröffentlichung der neuesten Käufe des Berkshire Hathaway-Chefs Warren Buffett! Schließlich sitzt der legendäre Investor schon seit Jahren auf über 120 Milliarden Dollar Cash, weil ihm die Aktien zu teuer erschienen waren und er nur dann kauft, wenn es günstig ist und er das Geschäftsmodell versteht. Jetzt ist es raus: Mit Chevron und Verizon beteiligt sich Warren Buffett an Titeln aus der „Old Economy“. Aber was steckt dahinter?

Die Strategie des Warren Buffett

Value-Investing“ ist der Ansatz des Mannes aus Omaha – wie oft wurde schon versucht seinen Investmentstil zu kopieren? Weil er es geschafft hat, in einem langen Börsenleben, den Kurs seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway (A-Aktien) von 12 Dollar, Mitte der 60-er-Jahre bis dato auf fast 370.000 Dollar zu steigern. Warren Buffet gilt als Vertreter der „Buy and Hold“-Strategie, die Haltedauer für seine Aktien lag bis vor Kurzem noch bei elf Jahren. Natürlich trennt er sich zwischenzeitlich von Aktien, auch er ist nicht unfehlbar und hat keine Glaskugel. Sein Value-Stil orientiert sich an fundamentalen Bewertungen, indem er Aktien auswählt, von denen er annimmt, dass sie mehr wert seien, als an der Börse bewertet.

Im Gegensatz zur Masse der Fondsmanager, die nach „Momentum-Strategien“ verfahren, die Aktien kaufen, die en vogue sind, bei denen die Story stimmt, die aber zumeist nicht mehr billig sind. Value gegen Growth, der jahrzehntelange Kampf der Strategen. Warren Buffett liegt deshalb oft jahrelang mit seiner Performance hinter dem S&P 500 mit seiner Growth-Komponente, wie zum Beispiel besonders ausgeprägt während der Endphase der 1990-er. Was wurde er damals schon als alter Mann gescholten, der die Zeichen der Zeit nicht mehr versteht. Bis der Nasdaq 100 von 2000 bis 2003, als es zur „Mean Reversion“ kam und der Technologieindex um 90 Prozent abstürzte.

Das Halten von Cash-Beständen ist in Haussephase besonders schmerzhaft, aber wenn die Korrektur kommt, es Aktien zu Ausverkaufspreisen gibt, haben die Momentumstrategen in der Regel zu wenig Kapital zum Einstieg. Die Investoren sind verängstigt und der Turnaround nimmt seinen Lauf. Geschehen bereits mehrere Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Aus Langzeitstudien geht hervor, dass Growth Value auf Dauer nicht schlägt – Einzeltitel natürlich ausgenommen. Soweit zur grundsätzlichen Vorgehensweise von Warren Buffett. Auch aktuell wird der Investor ständig kritisiert, weil er seit Jahren auf einem Berg an Cash sitzt.

Buffetts Einstieg in Telekommunikation und Öl

Wie aus der Pflichtmitteilung der SEC hervorgeht, hat Warren Buffett für seine Beteiligungsgesesellschaft Ende das Jahres den Anteil am Mobilfunker Verizon auf 8,6 Milliarden Dollar gesteigert, nachdem er schon im dritten Quartal 2020 bei der Telekomtochter T-Mobile USA mit 639 Millionen Dollar eingestiegen war. Anscheinend sieht der mittlerweile 90-jährige Investor große Einnahmen, die sich auf den neuen Internetstandard 5G stützen.

Mit seinem 4,1 Milliarden Dollar schweren Paket an der Ölfirma Chevron scheint sich der Großinvestor mit dem Zeitgeist zu bewegen, der sich in der Ausrufung eines neuen Super-Zyklus im Rohstoffsektor äußert. Ein Paradigmenwechsel bei Anleihen und bei der Inflation, anscheinend glaubt er noch einmal an ein Comeback der alten Energien.

Das Riesenpaket Apple-Aktien wurde reduziert

Was hatte Warren Buffett in den letzten Jahren nicht von der Firma mit dem Apfel-Logo geschwärmt! Es hatte ihn geärgert, dass er nicht früher bei der Firma eingestiegen ist und seit 2017 wurden ständig Apple-Aktien nachgekauft, bis das Gewicht der Unternehmensbeteiligung aufgrund der Kurssteigerung jede Diversifikationsregel ad absurdum geführt hat. 887 Millionen Aktien, mit einem Wert im Dezember (darauf bezieht sich die Pflichtmitteilung) von 120 Milliarden Dollar, so groß war das Paket, nachdem sich Warren Buffett von sechs Prozent seiner Apple-Aktien getrennt hat. Was für ein Brocken in einem 250 Milliarden Dollar schweren Beteiligungsportfolio, immer noch. Doch welches Signal sendet er damit in die Börsenwelt? Depotstrukturierung oder auch die Überzeugung, dass das Beste bei dem Börsenhighflyer vorüber sein könnte?

Weitere Umschichtungen:

Anscheinend hat Buffett seine Beteiligungen auch ein wenig den neuen Verhältnissen angepasst, die nach dem Ende von Corona auftreten könnten. Nach dem Run auf die Banken glaubt er wohl nicht so sehr an eine große Gewinnsträhne mit US-Banken, trotz der Versteilung der Zinskurve. Er trennte sich komplett von JP Morgan, PNC und der M&TBank sowie von seiner einstigen Kernbeteiligung Wells Fargo. Hat er ein Auge auf die wacklige Kreditstruktur der Banken geworfen?

Ungewöhnlich erscheint auch seine Auflösung der Beteiligung am Goldproduzenten Barrick, die er doch erst im Vorjahr aufgebaut hatte, obwohl er sich nie an einem Investment in Gold erwärmen konnte.

Fazit

Käufe und Verkäufe des größten Investors der letzten Jahrzehnte werden verfolgt, kritisch begutachtet und auch verhöhnt, wenn es sich um ein Verlustgeschäft gehandelt hat. So wie zum Beispiel der Flop mit den US-Gesellschaften, die er im März 2020 sogar noch etwas aufgestockt hatte, anschließend das Portfolio mit Delta Air Lines, American Airlines, Southwest Airlines und United Airlines total aufgelöst hat, mit Milliardenverlusten. Nur dumm, dass sich die Titel bis heute bereits um über 50 Prozent erholt haben.

Auch ein Warren Buffett kann mit den Folgen einer Pandemie nicht umgehen, die zweijährige „Spanische Grippe“ von 1918 bis 1920 war schon vor seiner Zeit. Eine große Katastrophe mit Millionen Toten, aber auch diese war ohne Impfung nach zwei Jahren vorüber. Aber man sollte fürderhin nicht den Riecher des Mannes in ökonomischen Dingen unterschätzen, allein schon wegen seiner Beziehungen zu der Welt von Tim Cook und Bill Gates. Hatte er doch auch mit seinem Einstieg in Japan im Sommer 2020 ein gutes Näschen bewiesen, der Nikkei 225 ist mit seinem Anstieg über 30.000 Punkte wieder sehr im Gespräch. Ergo: Warren Buffets Portfolio wird bis zu seinem Ausscheiden als CEO weiter unter genauer Beobachtung stehen.

Warren Buffett im Austausch mit Obama



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1 Kommentar

  1. Zu der Erwartung eines Rohstoff Superzyklus hat sich Michael Pettis auf Twitter geäußert:

    „I wonder if they’ve thought through the systemic implications. Given China’s disproportionate share of demand (50% or more of global production of major industrial metals, for example), to predict a new supercycle of rising commodity prices…
    is effectively the same as predicting that China will run another decade or two of 4-6% GDP growth, driven mainly by surging infrastructure and real-estate investment. This in turn implies that China’s debt-to-GDP ratio will rise from 280% today to at least 400-450%.
    This strikes me as pretty unlikely. For those who might argue that „all it would take“ is for India to begin to replicate China’s growth story of the past four decades, it would take at least 15-20 years of replicating China before India were big enough to…
    matter to anywhere near the same extent.

    We could of course get a temporary rise in hard-commodity prices as US infrastructure spending kicks in (although this year I expect Chinese hard-commodity consumption to drop temporarily) , but most of the variation in demand…
    depends ultimately on what happens in China, and of course the more hard commodity prices rise because of non-Chinese factors, the harder it will be – and the faster debt must rise – to maintain the needed Chinese growth rate.“

    Aus meiner Sicht eine sehr stichhaltige Argumentation.

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