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Warren Buffett mit Berkshire Hathaway im Aufholprozess

Der Großinvestor Warren Buffett gilt als Verfechter des Value Investings, einem Ansatz, welcher sich stark an fundamentalen Gesichtspunkten orientiert. Demzufolge schneidet seine Strategie in Zeiten stürmischen Wachstums der Growth-Titel immer schlecht ab. Wie zu Zeiten der Internetblase vor der Jahrtausendwende oder in der letzten Dekade. Seit ein paar Monaten läuft eine Branchenrotation zwischen Growth und Value. Was bedeutet das für Buffetts Portfolio?

Die Quartalsbilanz von Warren Buffett mit Berkshire Hathaway

Warren Buffett ist wieder etwas zufriedener. Bei der Bilanzvorlage für das vierte Quartal 2020 meldete der Investor einen Nettogewinn von 35,8 Milliarden Dollar für seine Beteiligungsgesellschaft, gleichzeitig sind die Gewinne der zugrunde liegenden Firmen um 14 Prozent gestiegen. Ein Zeichen dafür, dass Value wieder im Kommen ist.

Das Gesamtjahr gestaltete sich für das 281 Milliarden Dollar schwere Portfolio als sehr schwierig, man muss nur an seine kleinen Fehlgriffe bei den Fluggesellschaften denken. Der Nettogewinn ging um 48 Prozent auf 42 Milliarden Dollar zurück, der operative Gewinn um neun Prozent auf knapp 22 Milliarden Dollar. In Berkshires Unternehmen fielen im Coronajahr auch 31.000 Stellen dem Rotstift zum Opfer. Und was machte der Investor mit seiner großen Cashreserve? Er kaufte Aktien des eigenen Unternehmens zurück, insgesamt für 24,7 Milliarden Dollar, was allein den Börsenwert der Unternehmen um 5,2 Prozent steigerte, wie Warren Buffett in seinem Aktionärsbrief betonte. Der Cashbestand beträgt immer noch sagenhafte 138,3 Milliarden Dollar und der Investor stellte klar, dass er es für einen Fehler anderer CEOs hält, die eigenen Aktien auf Höchstkurs und mittels Kreditaufnahme zurückzukaufen. Buffett wartet stets auf die günstige Bewertung. Er hat weitere Rückkäufe angekündigt, am Geld sollte es nicht scheitern.

Die letzte Dekade, eine lange Durststrecke für viele Buffett-Investments

Die Entwicklung von Berkshire Hathaway wird weltweit beäugt und stets mit der Benchmark, dem S&P 500 verglichen. Während es Buffett über viele Jahre gelungen war, eine Outperformance mit seiner Titelauswahl zu erzielen, hinkt er in der letzten Dekade doch gehörig hinterher, zu stark war die Dominanz von Growth in den Indizes. Im Coronajahr 2020 brachte es die Beteiligungsgesellschaft nur auf ein Plus von 2,4 Prozent, während der Leitindex um 16 Prozent zu legen konnte. Seit ein paar Monaten hat sich das Blatt gewendet. Die sagenhaft teure, weil nie gesplittete A-Aktie von Berkshire Hathaway ist seit Jahresbeginn um fast acht Prozent gestiegen, gegenüber drei Prozent der Benchmark. Die Branchenrotation von Growth zu Value macht sich bemerkbar.

Buffetts Blick in das neue Jahrzehnt

Seit weit mehr als einem Jahrhundert schwört das Orakel von Omaha auf seine Investments in den Vereinigten Staaten. Trotz eines Ausuferns der Verschuldung lautet nach wie vor seine Devise: „Never bet against America!“

Im vergangenen Jahr hat Buffett das Portfolio von Berkshire Hathaway umgestaltet, ist hier bereits die Handschrift seiner designierten Nachfolger Ted Weschler und Todd Combs erkennbar? Man trennte sich von Airline-Aktien, baute Anteile in der Pharmaindustrie aus und man trennte sich tatsächlich von sechs Prozent der großen Beteiligung an Apple. Dennoch war das Investment Ende des Jahres immer noch über 120 Milliarden Dollar schwer. Wie wichtig diese Firma für die Performance des Investors gewesen ist, zeigt die Tatsache, dass er nur knapp 31 Milliarden Dollar für den Erwerb der Anteile ausgegeben hat. Apple ist die letzten Jahre hauptsächlich wegen seiner Aktienrückkäufe so gestiegen. Warren Buffett und Tim Cook: nothing beats the personal connection! Hier ein kleiner Überblick über seine Beteiligungen (Anteil an den Firmenanteilen):

American Express: 18,8 Prozent
Bank of America: 11,9 Prozent
US Bancorp: 9,8 Prozent
Coca Cola: 9,3 Prozent
Apple: 5,4 Prozent

Anleihen: Der Vier-Jahrzehnte-Superzyklus ist zu Ende

Dem Investor, der die Beteiligungsgesellschaft bereits seit den 1960-er-Jahren managt, ist natürlich nicht entgangen, dass 2020 ein 40 Jahre lange Zinssenkungsprozess zu Ende gegangen ist. Deshalb warnt Warren Buffett vor Rentenpapieren: „Anleiheinvestoren auf der ganzen Welt, seien es Pensionsfonds, Versicherer oder Rentner, stehen vor einer düsteren Zukunft“, so der bodenständige Mann aus Oklahoma.

Versicherer sollten um Gotteswillen nicht auf der Jagd nach Rendite auf Junk Bonds ausweichen, dies werde sich fürchterlich rächen.

Fazit

Kommt jetzt wieder eine Phase der Outperformance des Value-Ansatzes von Warren Buffett und damit die Korrektur der vielen Tech-Titel im Nasdaq? Vermutlich schon, ich habe gestern in meinem Artikel über die Gemengelage Wirtschaftserholung versus Zinsentwicklung auf eine anstehende Kurskorrektur des Technolgie-Index Nasdaq 100 mit seinem formidablen Anstieg von 1043 Punkten (2009) bis auf 13.807 Punkten (2021) hingewiesen. Kein Aktienindex wächst in den Himmel, auch wenn dies im Techsektor nicht einmal Corona einleiten konnte. Zukunftserwartungen größeren Ausmaßes klingen aber etwas seltsam, von einem Urgestein, das im Sommer bereits 91 Jahre alt wird und dessen Stellvertreter Charlie Munger bereits das 97. Lebensjahr überschritten hat. Wahrscheinlich wirkt der langweilige Value-Ansatz sogar lebensverlängernd und der Blick auf die Investments könnte den beiden Veteranen der Investmentszene demnächst durchaus wieder mehr Freude bereiten.

Warren Buffett und seine Kontakte - hilfreich für Berkshire Hathaway



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