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Warum Aktienmärkte wegen Coronavirus bisher wenig reagieren

Wolfgang Müller

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Nichts scheint das große Geld von der Investition in die Aktienmärkte abhalten zu können: da werden in China ganze Millionenstädte wegen des Coronavirus in Quarantäne versetzt – na und, was kümmert es die Amerikaner? Der gestrige Tag gab einen guten Blick auf die Verfassung der Märkte: der Dow Jones schloss nach anfänglichen starken Gewinnmitnahmen bei einem Miniminus von 0,1 Prozent, S&P 500 sowie Nasdaq drehten sogar leicht ins Plus. Woher rührt diese Sorglosigkeit und das Gottvertrauen der US-Anleger in ihre Aktienmärkte?

Die Gründe für die Zuversicht der Aktienmärkte

Die Liquidität

Klar ist diese Rally in erster Linie zunächst eine liquiditätsgetriebene Hausse. Die US-Notenbank kauft weiterhin kurzlaufende Anleihen vom Markt auf, pumpt täglich Milliarden Dollar in den Repo-Markt und sorgt damit nicht nur für Finanzspielraum der großen Player, sondern auch dafür, dass die Zinsmärkte als Konkurrenz für die Aktienmärkte mehr und mehr ausfallen.

Hinzu kommt, dass sich auch ausländische Investoren auf den US-Anleihemarkt stürzen, nicht nur in Krisenzeiten, wie jetzt mit dem Corona-Virus, da die US-Zinsmärkte zumindest etwas Rendite bringen und auch noch Spielraum für Zinssenkungen haben. Das hat die Rendite der 10-jährigen US-Treasury mit gestrigen 1,72 Prozent weiter nach unten gebracht. Damit liegt man in etwa wieder im Bereich der Dividendenrendite des S&P 500 und das steigert die Attraktivität des Aktienmarktes gegenüber dem Rentenmarkt – Stichwort TINA. Was kümmert da ein KGV des S&P 500 von überhöhten 19, wenn das KGV des Rentenmarktes bei circa 58 verweilt?

Die Konjunktur

Im Hinblick auf die weitere Wirtschaftsentwicklung spielt man dasselbe Spiel wie im Jahr 2019. Man hat zwar die Aussichten der Gewinne für die Unternehmen für das erste Halbjahr zurückgenommen, erwartet aber im Präsidentschaftsjahr ein Durchstarten der Wirtschaft im zweiten Halbjahr mit Gewinnsteigerungen der Unternehmen von dann 10 Prozent. Hinzu kommt eine gewisse Befreiung durch den Waffenstillstand mit China nach dem Phase 1- Deal, wo in diesem Jahr erstmal Ruhe einkehren könnte – Europa ausgenommen.

Die letzte Umfrage der Bank of America Merril Lynch bei Fondsmanagern, die immerhin 630 Milliarden Dollar verwalten, hat dies bestätigt: 27 Prozent der Investoren rechnen derzeit damit, dass die Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten höhere Gewinne erzielen, im Dezember lag dieser Wert nur bei 13 Prozent.

Die US-Berichtssaison hat zwar erst begonnen, dennoch fällt eine erste Bilanz positiv aus: Von den 74 Unternehmen, die bis Donnerstag ihre Zahlen vorgelegt haben, hätten 70 Prozent die Erwartungen übertroffen, meldete das US-Datenunternehmen FactSet.

Ein weiteres, stützendes Element sind die immer deutlicher werdenden Andeutungen seitens der US-Regierung bezüglich einer Steuerreform 2.0, zum Zwecke des Stimmungskaufs in der US-Bevölkerung. Eine wiederum auf Pump finanzierte Entlastung der Bürger würde natürlich dem Konsum zugute kommen und die so wichtige Komponente der US-Wirtschaft weiter stützen. Für die Staatschulden hat man die Federal Reserve und die ausländischen Investoren, die die neuen Anleihen kaufen werden – glaubt man.

Die Treiber des Marktes

Da sind eindeutig weiter die großen Hightech-Unternehmen zu nennen. Dies wird ersichtlich, wenn man die Performance von zwei großen ETFs auf Jahressicht betrachtet: Das breit gestreute Tech-ETF (Tech SPDR) kommt auf einen Jahresgewinn von über 52 Prozent, während es das Konkurrenzprodukt aus dem Konsumsektor nur auf 21 Prozent brachte. Wie zuversichtlich man für die Tech-Industrie ist, zeigt die Entwicklung des Philadelphia Semiconductor Index. Dieser als Frühindikator für die Wirtschaft geltende Index erreichte gestern ein 52-Wochenhoch. Dazu sprang auch die im Sommer schwächelnde Aktie von Intel nach besser als erwarteten Quartalszahlen nachbörslich um sechs Prozent in die Höhe. Man hatte Nachholbedarf: Während Konkurrent Advanced Micro (AMD) 2019 um sagenhafte 162 Prozent zulegen konnte, war der Fastmonopolist Intel mit dem gestrigen Sprung nur auf 40 Prozent gekommen.

Was bedeutet das für den Dax?

In Europa hat man die Bedrohung der Wirtschaft – Luftfahrt, Tourismus, Konsum – viel ernster genommen als die USA, der Dax fiel weit unter seinen neuen Rekordstand von 13.640 Punkten zurück. Das Doppel-Top hat aber noch nicht so richtig gegegriffen, schließlich konnte der Bereich um die 13.400 Punkte gehalten werden.

Nach einer Auswertung der Käufe der Anlageprofis durch den Sentimentspezialisten Joachim Goldberg seien es in den letzten Tagen vor allem Ausländer gewesen, die den Dax gekauft hätten. Erstaunlicherweise sei die Stimmung bei den heimischen Institutionellen schon fast unterkühlt gewesen. Daraus schließt er auf eine gute Chance, dass der Dax seine Jagd auf das Allzeithoch wieder fortsetzen könnte.

Bei größeren Rücksetzern käme es bereits zwischen 13.200 und 13.250 Punkten zu größerer Nachfrage.

Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass es zu keiner dramatischen Entwicklung in den Ausbreitung des Coronavirus kommt.

Fazit

Nimmt man das Thema Corona-Virus in den USA auf die leichte Schulter? Wahrscheinlich, denn noch lange nicht sind die Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Weltwirtschaft absehbar.

Die USA wähnen sich ein weiteres Mal als Insel, der bedrohliche Virus ist weit weg und Angelegenheit der Asiaten. Ob das in diesem Fall so gerechtfertigt ist, wird man bereits in Kürze sehen. Die Ausbreitung einer Seuche ist wahrscheinlich noch schwerer zu prognostizieren, als die Kursentwicklung der Aktienmärkte!

Nach neuesten Zahlen stieg die Zahl der Todesfälle durch das Virus auf 26, mehr als 881 infizierte Patienten wurden bestätigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht aber noch keinen internationalen Gesundheitsnotstand, es sei aber eindeutig ein Notstand für China, so die WHO. Skurrilerweise bleibt der hauptbetroffene Aktienmarkt, der chinesische, aufgrund der Feierlichkeiten um das Neujahrsfest, jetzt fast eine ganze Woche geschlossen.

Die Aktienmärkte reagieren bisher kaum auf das Coronavirus

 

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Quintus

    24. Januar 2020 09:47 at 09:47

    Erinnert sich noch jemand an den Film „Contagion“ aus 2011?
    Die auf Twitter geposteten Videos jedenfalls haben wenig beruhigenden Charakter:
    https://www.zerohedge.com/geopolitical/china-quarantines-second-city-experts-warn-its-already-too-late-stop-virus

  2. Avatar

    Sven

    24. Januar 2020 09:47 at 09:47

    Die Zahlen sind super, die Wirtschaft brummt, die Notenbanken fluten, Tina – Kaufargumente ohne Ende…das Virus spielt dabei keine Rolle… Die Fahnenstangen bekommen immer mehr Substanz!

  3. Avatar

    Shorti

    24. Januar 2020 11:55 at 11:55

    Es kann auch trügerisch sein, in kritischen Phasen hilft oft der Börsengott ein wenig nach um die bösen Bären abzuschrecken.Wenn die Pandemie wirklich ausarten würde, wäre interessant zu sehen ,welche Medizin die Notenbanken anwenden würden.
    Die Natur wehrt sich gegen erzwungene Importe, somit werden auch Zölle bedeutungslos im Falle von Grenzschliessungen.

  4. Avatar

    Ranzentier

    24. Januar 2020 13:23 at 13:23

    Eine Hysterie bzgl. eines Viruses…ich glaube kaum das es genau so eine Hysterie gibt jedes Jahr, wenn wegen einer Erkältungswelle in Deutschland auch mehrere alte Menschen sterben…das ist nun mal so…ein Virus wird von starken Körpern bekämpft und besiegt…schwache Körper schaffen das nicht…das Thema ist nächste Woche genauso schnell erledigt wie vor zwei Wochen ein angeblicher dritter Weltkrieg…

    • Avatar

      Sven

      24. Januar 2020 13:37 at 13:37

      So sieht es aus… die Märkte wollen weiter hoch, da kommt man nicht dran vorbei. Es kann einfach nicht mehr deutlich fallen, die Situation ist zu gut. Und der Markt für die Notenbanken mittlerweile “too big to fail“…Zinsen werden in den USA auf null fallen, Geld wir immer weiter gedruckt, irgendwann kaufen die Notenbanken Aktien. Das ist wie im Börsen-Bilderbuch. Wenn erst der kleine Anleger dieses Paradies entdeckt…dann sind das alles sehr, sehr konservative Kursziele der Experten für die Indizes…

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Kennen Sie die verborgene Macht der Allzeithochs? – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern wurde Ihnen irrtümlich ein Text – Besprechung der SAP-Zahlen – zugeschickt, den Sie in der Vorwoche bereits erhalten hatten. Leider ist mir das Versehen nicht rechtzeitig aufgefallen, sodass ich die Aussendung nicht mehr zurückholen konnte. Bitte entschuldigen Sie mein Versehen! Im Folgenden lesen Sie nun, warum Rekordhochs für uns als Börsianer so reizvoll sind, weil sie weitere Kursanstiege andeuten.

Haben Sie es auch schon erlebt, dass manche Aktien einfach immer weiter steigen? Es kommt einem manchmal beinahe unheimlich vor, wie wenn eine verborgene Kraft den Kurs immer weiter nach oben hievt. Gerade wenn eine Aktie einen neuen Höchststand erreicht hat, ist das häufig ein Signal für weiter steigende Kurse. Eigentlich ist diese Entwicklung paradox, denn wenn etwas immer teurer wird, dann müssten sich eigentlich weniger Menschen dafür interessieren. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Allzeithochs haben oft eine unterschätzte Wirkung auf die Entwicklung von Aktienkursen. Es ist häufig zu beobachten, dass ein Allzeithoch neue Kräfte freiwerden lässt und die Kurse immer weiter nach oben treibt. Für unerfahrene Börsianer wirkt das Treiben manchmal wie Magie. Denn warum sollte ein Kurs, der eigentlich ständig schwankt, gerade vom Hochpunkt aus noch weiter steigen? Nun, dafür gibt es gleich mehrere Erklärungen. Wenn Sie die Entwicklungen richtig einschätzen können, dann können auch Sie ab sofort von der verborgenen Macht der Allzeithochs profitieren.

Die fundamentale Erklärung

Neue Allzeithochs werden in der Regel nur erreicht, wenn es den betreffenden Unternehmen wirtschaftlich gut geht. Denn nur dann investieren viele Anleger in die Aktie und führen diese auf neue Höchststände. Einem gut laufenden Unternehmen ist meist für längere Zeit Erfolg beschieden. Ein lukratives Geschäftsmodell bleibt in der Regel über einen längeren Zeitraum ertragreich. Und der unternehmerische Erfolg führt dann wiederum zu steigenden Kursen und weiteren Allzeithochs.

Zudem berichten die Medien über Allzeithochs und die Bekanntheit des Unternehmens steigt. Dies führt vor allem bei kleineren Technologie-Unternehmen, die bisher unter dem Radar vieler Anleger waren, zu steigenden Kursen. Diese Unternehmen werden erst nach dem Erreichen neuer Höchststände und den…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Aktien

Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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Aktien

Beschlossen: Dax mit 40 Aktien und neue Qualitätskriterien – hier die Details

Claudio Kummerfeld

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Der Wirecard-Skandal hat die deutsche Börsenlandschaft erschüttert. Ein Dax-Wert geht pleite und löst sich sang und klanglos als Luftnummer in Rauch auf. Die Vorstände sind in Haft oder auf der Flucht. Was für ein Debakel für die Deutsche Börse. Die Aufnahme- und Qualitätskriterien für die Indizes wie dem Dax waren wohl mangelhaft. Nach der Konsultation von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse jetzt Änderungen beschlossen. Hier alle Details, im Wortlaut von der Deutschen Börse:

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Nicht übernommen wird der Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen. Stephan Flägel: „Wir haben ein sehr heterogenes Meinungsbild zu den Themen Nachhaltigkeit und ESG außerhalb der Vorschläge, die wir zur Governance gemacht haben, bekommen. Es wird von vielen Seiten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob diese Kriterien bei der Auswahl der DAX-Mitglieder eine Rolle spielen sollten. Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen. Nachhaltiges Investieren ist und bleibt einer der wichtigsten Trends an den Finanzmärkten und wird das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Thema ESG hat für Qontigo sehr hohe Priorität. Im März haben wir bereits den DAX 50 ESG Index gestartet und wir verfügen seit Längerem über eine breite Palette an ESG-Indizes, die wir auch künftig weiter ausbauen werden.“

Dax und MDax werden von der Deutschen Börse ermittelt
Foto: Deutsche Börse AG

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