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Warum Aktienrückkäufe oft nicht im Sinne der Aktionäre sind!

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Symbolbild - der große Wahnsinn der Aktienrückkäufe

Aktienrückkäufe sind ein beliebtes Mittel, um überflüssige Cashbestände abzubauen. Doch warum sind sie ein beliebtes Mittel? Es gäbe schließlich für die Unternehmen diverse Möglichkeiten, Cashbestände zu nutzen. So könnten Investitionen für mehr Wachstum getätigt werden, Dividenden gezahlt oder Firmenübernahmen gestemmt werden. Und doch erreichten die Rückkäufe im 4. Quartal 2018 ein Rekordhoch und lagen auch 2019 nicht wesentlich darunter. Einen Vorteil müssen die Aktienrückkäufe also haben – doch der Vorteil liegt nicht auf Seiten der Aktienbesitzer, sondern des Managements.

Im 4. Quartal 2018 erreichte das annualisierte Volumen von Aktienrückkäufen der 500 im S&P 500 notierten Unternehmen das neue Allzeithoch von etwa 900 Milliarden US-Dollar. Seitdem gingen die Rückkäufe etwas zurück und lagen im 3. Quartal 2019 bei annualisiert etwa 700 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig wurden im vierten Quartal 2019 annualisiert 500 Milliarden US-Dollar Dividenden von den Unternehmen ausgeschüttet. Wäre das Geld für die Aktienrückkäufe in Dividenden geflossen, hätten sich die Anleger also über 1,2 Billionen US-Dollar Dividendenvolumen freuen können.

Aktienrückkäufe sind gleichbedeutend mit Ideenlosigkeit

Das Management von Unternehmen argumentiert gern, dass Aktienrückkäufe genauso gut seien wie Dividenden. Es sei eine von vielen Möglichkeiten, Geld den Aktionären zurückzugeben. Und sicherlich gibt es auch viele Aktionäre, gerade in den USA, die mit regelmäßigen Dividendeneinnahmen kalkulieren. Doch auch diese Anleger investieren ihr Kapital doch vor allem deshalb in Aktien, weil sie sich Kapitalzuwachs versprechen. Und zwar Kapitalzuwachs, den das Unternehmen für den Anleger erzielen soll. Das Management einer Aktiengesellschaft wird dafür bezahlt, für die Aktionäre eine Kapitalrendite zu erwirtschaften.

Nutzt also ein Unternehmen Cashbestände, um eigene Aktien zurückzukaufen, dann heißt das nichts anderes, als dass das Management keinerlei Ideen für zusätzliches Wachstum hat. Hätte das Management von zum Beispiel Apple Ideen, dann läge es auf der Hand, die Ideen zu verwirklichen und die enormen Cashbestände in Forschung & Entwicklung zu investieren, auf dass die Gewinne künftig umso kräftiger sprudeln mögen. Doch dem Management um Tim Cook mangelt es seit geraumer Zeit an Kreativität und so sind Dividenden und Aktienrückkäufe das einzige, was mit den hunderten Milliarden Cashbeständen passiert.

Kauft ein Unternehmen eigene Aktien, steigt temporär die Nachfrage nach den Papieren und damit tendenziell der Kurs. Aktionäre können sich also über zeitweilige Kursgewinne freuen. Das Problem ist nur, dass die Kurse auch genauso gut fallen können. Wer also nicht während des Aktienrückkaufs verkauft, hat wenig von der temporären Kurssteigerung. Das Unternehmen hat jedoch nach dem Aktienrückkauf weniger Cashbestände, die z.B. in einer Krise von Nutzen sein könnten. Bitter erleben das gerade die Aktionäre von Boeing. Der Konzern kaufte eigene Aktien zurück mit Geld, das jetzt dringend benötigt wird. Die Kursgewinne durch den Rückkauf haben sich längst in Luft aufgelöst. Der Konzern muss Kredite aufnehmen, die die künftigen Gewinne durch Zinszahlungen belasten.

Dass Aktienrückkäufe auch langfristig keinen Sinn machen, zeigt IBM

Einen theoretischen, dauerhaften Vorteil haben Aktionäre von einem Rückkauf, wenn die zurückgekauften Aktien vom Unternehmen vernichtet werden. Dann verteilen sich künftige Gewinne auf weniger Aktien und für Altaktionäre bleibt somit ein größeres Stück vom Gewinnkuchen übrig. Doch nicht jedes Unternehmen vernichtet zurückgekaufte Aktien. IBM tat es, und vernichtete trotzdem Wert für Aktionäre. IBM kaufte seit dem Jahr 2000 Aktien für 140 Milliarden US-Dollar zurück und hat die Zahl ausstehender Aktien dadurch fast halbiert. Trotzdem ist der Konzern an der Börse heute mit nur 127 Milliarden US-Dollar bewertet und damit deutlich günstiger als vor 20 Jahren. Der Effekt der Aktienrückkäufe ist also vollständig verpufft und 140 Milliarden US-Dollar im Prinzip verschwendet worden.

Doch das Management profitiert von den Rückkäufen. Denn praktisch alle Vorstände haben eine ergebnisabhängige Vergütung. Und das Ergebnis wird teilweise fast ausschließlich am kurzfristig bestimmten Aktienkurs gemessen. Bestes Beispiel dafür ist Teslas CEO Elon Musk. Der hat vom Aufsichtsrat ein Optionspaket im Wert von bis zu 56 Milliarden US-Dollar zugesagt bekommen. Was er dafür tun muss? Im Wesentlichen den Aktienkurs und Umsatz aufblasen und ein bestimmtes EBITDA erzielen. Was ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen für einen Wert haben soll bei einem massiv verschuldeten, kapitalintensiven Unternehmen mit teuren Produktionsstätten und damit hohen Abschreibungen? Niemand weiß es. Was wir aber wissen: In den ersten drei Quartalen 2019 machte das Unternehmen rund 1 Milliarde US-Dollar Verlust, wies gleichzeitig aber ein EBITDA von fast +1,1 Milliarden US-Dollar aus.

Was liegt also für ein Management, dessen Vergütung vom Aktienkurs abhängt, näher, als für ein paar Milliarden US-Dollar Unternehmensvermögen eigene Aktien zurückzukaufen, als dass der Aktienkurs bis zum Stichtag der eigenen Vergütung steigt? Ob der Aktionär langfristig etwas davon hat, spielt dabei gar keine Rolle.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    23. Januar 2020 10:25 at 10:25

    Könnte ja auch sein, daß einfach zu viel Geld da ist. So viele Ideen kann einer gar nicht haben, wie Apple Geld hat. Die bringen dieses Jahr ja eh schon jede Menge neuer Iphones heraus. Was sollen sie also machen? Gold kaufen oder was?
    Aktien sind immer noch das beste Investment.

    • Avatar

      Michael

      23. Januar 2020 20:50 at 20:50

      @Columbo, Steve Jobs hatte sie immer im Überfluss, die guten neuen Ideen. Leider fehlt der Visionär, der längst die Zeichen der Zeit erkannt hätte. Drei weitere Kameras im iPhone, ein etwas größeres Display, das alles für utopische Preise, ist eher die Strategie und Intelligenz vom Trump-Freund Tim Koch Mälzer.

      Wo bleiben die Visionen Apples bei Forschung und Entwicklung, bei all den Abermilliarden sinnlosem und offensichtlich fast schon unerwünschtem Überschuss? Könnte man sein Know-how und die besten Hard- und Softwareingenieure nicht in Zukunftsmärkten wie Energieeffizienz, Datenschutz, Prozessoptimierung oder als Ersatz eines Pseudo-Visionärs und Technik-Scharlatans à la Elon Musk einsetzen?

      Der arme Steve würde sich im Grab umdrehen…

  2. Avatar

    Altmodisch- Ökonom

    23. Januar 2020 10:41 at 10:41

    Ganz einfach ,legales Aushöhlen einer Firma. Im Falle von Tesla der sichere Tod der Firma. Der Aufsichtsrat motiviert E.Musk durch Treiben der Börsenkurse etwa 600 Millionen aus dem sowieso total verschuldeten Unternehmen herauszunehmen.Die Aufsichtsräte werden ihren Teil auch beanspruchen. Zurück bleibt eine noch mehr verschuldete Firma ohne Überlebenschance im erst begonnenen Wettbewerb der E- Autos.
    DAS IST TASCHENFÜLLER-ÖKONOMIE.
    Es gibt Leute die haben solche Werte als Alterssicherung !

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    Kritisch on fire

    23. Januar 2020 11:10 at 11:10

    Aus meiner bescheidenen Sicht müßte sich hier im Aktienrecht Wesentliches ändern um dem Eigentümer (Aktionär) wieder mehr Kontrolle zu übertragen. Ich halte es für wesentlich, dass:
    1. Aktienrückkäufe ausschließlich in Höhe von max. 20 % des EBIT.
    2. Grundsätzliches Verbot eines schuldenfinanzierten Rückkaufes.
    3. 2/3 Mehrheit der Eigentümer für ein solches Rückkaufprogramm.
    4. Boni für Manager ausschließlich bei Überschreitung von geplanten Betriebsergebnissen.
    5. Haftung für Manager mit Privatvermögen bei durch die Eigentümer festgestellten Fehlentscheidungen zum Schaden der AG.

    • Avatar

      Scheer

      23. Januar 2020 11:40 at 11:40

      Punkt 5 gefällt mir ganz gut.
      In einer Welt der Verantwortungslosigkeit lässt sich dies aber schon lange nicht mehr umsetzen. Schön wärs aber schon..

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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fashionette: Onlineshop für Luxus-Shopping geht an die Frankfurter Börse

Claudio Kummerfeld

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Bürotürme in Frankfurt

fashionette ist kein normaler Onlineshop für Klamotten und Schuhe. Nein, hier werden nur hochpreisige Handtaschen, Schuhe, Schmuck etc verkauft. Darauf hat sich die Düsseldorfer fashionette AG spezialisiert. Man konzentriert sich auf die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Nach eigenen Angaben bietet das Portal 11.000 Artikel von 150 Premium- und Luxus­marken, und hat pro Monat mehr als 3 Millionen Seitenaufrufe. Die Umsatzerlöse lagen im Jahr 2019 bei 73 Millionen Euro, und der Gewinn (EBITDA) lag bei 6,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 9,3 Prozent.

Die Deutsche Börse hat heute offizielle Angaben zur Aktienzeichnung und zum ersten Handelstag an der Börse für das Unternehmen veröffentlicht. Die Aktienzeichnung für den Börsengang der fashionette AG (ISIN: DE000A2QEFA1) an der Frankfurter Wertpapierbörse ist heute gestartet und wird voraussichtlich bis zum 27. Oktober andauern. Inklusive der Mehrzuteilungsoption werden bis zu 3.605.000 Aktien angeboten, die Bookbuilding-Spanne liegt bei 30,00 bis 38,00 Euro je Aktie. Der erste Handelstag der fashionette AG im Segment Scale ist laut der Deutschen Börse für den 29. Oktober geplant.

Beim Klick an dieser Stelle finden sie alle Detaildaten zu dieser Emission bei der Frankfurter Börse.

Der Börsengang von fashionette hat einen Gesamtumfang von bis zu 137 Millionen Euro. Aber der Großteil der Papiere werden vom aktuellen Hauptaktionär Genui verkauft, womit ein Großteil der Emission nicht in der Firma landet, sondern an den Altaktionär fließt. Im Unternehmen werden von der Emission wohl 36-46 Millionen Euro ankommen.

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