Steigende Anleiherenditen sind eine Belastung für den Aktienmarkt. Aber der bloße Blick auf den Iran-Krieg reicht den Aktien-Anlegern heute auch so für fallende Kurse. Die Marktzinsen sind für Aktien heute eher eine Art indirekter Faktor. Interessant: Eigentlich würde man erwarten, dass durch den Iran-Krieg und den angesprungenen Flucht-Trade Richtung Sichere Häfen (siehe Gold) auch die Kurse von Staatsanleihen deutlich steigen würden. Aber genau das Gegenteil sehen wir heute. Die Kurse fallen, die Renditen steigen.
Anleiherenditen steigen
Die Anleiherenditen in den USA und Europa steigen heute. Die zehnjährige US-Rendite steigt gegenüber Freitag Abend um 0,06 Prozentpunkte auf 4,02 %. Die deutsche Rendite steigt um 0,05 Prozentpunkte auf 2,70 %. Zwei Kräfte ziehen aktuell aus gegensätzlichen Richtungen an den Kursen von Staatsanleihen. Zum einen kaufen sicherlich Institutionelle Anleger Anleihen, was Aufwärtsdruck für die Kurse bedeutet. Aber viel stärker ist aktuell offenbar ein anderer Faktor. Im Chart sehen wir die steigenden Anleiherenditen für Deutschland und die USA parallel zum steigenden Ölpreis.
Iran-Krieg
Anleger wollen für den Kauf von Staatsanleihen aktuell niedrigere Kaufkurse sehen, und somit steigende Anleiherenditen. Denn durch den Iran-Krieg springen Ölpreis und Gaspreis heute kräftig in die Höhe. Die Straße von Hormus ist durch den Iran de facto gesperrt, womit große Mengen Öl und Gas nicht auf den Weltmarkt gelangen. In Katar wurde die LNG-Produktion in der weltweit größten Anlage gestoppt, und in Saudi-Arabien die Produktion in der größten Ölraffinerie des Landes. Je länger die Straße von Hormus gesperrt wird, je länger der Iran-Krieg dauert, desto länger gibt es eine Verknappung der Brennstoffe auf dem Weltmarkt.
Ausgleich für Inflation und Zins-Aussichten
Das treibt die Preise in den Endverbrauchermärkten nach oben. Schon heute sieht auch in Deutschland steigende Tankstellenpreise. Wenn diese Eskalation im Nahen Osten länger anhält und die Preise länger ansteigen und hoch bleiben, bedeutet das: Steigende Preise im gesamten Wirtschaftskreislauf in Nordamerika, Asien, Europa – also Inflation!
Und Anleiherenditen sind letztlich nicht nur Risikoprämien für das Risiko eines Zahlungsausfalls, sondern auch ein Ausgleich für Inflation! Und je höher die erwartete Inflation, desto höher setzen die Marktteilnehmer schon mal die Anleiherenditen an. Für EZB und Fed wird es – wenn der Iran-Krieg länger dauert – schwieriger über Zinssenkungen zu reden. Im Gegenteil, man würde in Europa wohl eher über Zinserhöhungen nachdenken? Auch dies bedeutet steigende Anleiherenditen. Und da Börsianer immer die Zukunft handeln, werden diese Szenarien sofort eingepreist.
Für Europa sehen wir heute deutlich gesunkene Marktwetten für Zinssenkungen der EZB, was für die Anleiherenditen Auftrieb bedeutet. Für die USA darf man das selbe annehmen – sinkende Erwartungen für Zinssenkungen der Fed. Die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Fed-Zinsen ist laut CME Fed Watch Tool gegenüber Freitag letzter Woche von von 92,6 % auf 97,5 % gestiegen. Das dürfte Donald Trump gar nicht gefallen. Dieser „Spuk“ kann schnell wieder zu Ende sein, wenn der Iran-Krieg abrupt beendet wird und damit Öl und Gas wieder auf den Weltmarkt fließen, was die Preise sinken lassen sollte.
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Normalerweise müsste die deutsche Umlaufrendite mindestens das Niveau der Jahrtausendwende erreichen.
Das Gleiche gilt für die Amerikanische.
Aber im Hintergrund steht die jeweilige Notenbank. In Europa die EZB und in den USA die FED. Indem beide auslaufende Anleihen immer wieder verlängern, signalisieren sie den Märkten eine Art von Geldpolitik, die mir nicht gefällt.
Die gestiegenen US-Anleiherenditen erhöhen die Kreditkosten für die US-Verbraucher.