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Warum Blockupy vor dem falschen Gebäude demonstriert hat

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Blockupy hat gestern vor dem falschen Gebäude demonstriert. Protestler sowie Randalierer aus ganz Europa fanden in dem neuen EZB-Tower ihr zentrales Babylon, gegen das sie sich auflehnen konnten. Ein anderes Gebäude wäre für einen großen Protestzug viel sinnvoller gewesen, aber es ist einfach nicht symbolträchtig genug.

Bundesfinanzministerium ein besserer Ort für Blockupy

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wäre sinnvoller gewesen für Blockupy: Das Bundesfinanzministerium in Berlin
Foto: Peter Kuley / Wikipedia (CC BY-SA 2.5)

Falsches Gebäude für Blockupy-Demo

Blockupy hätte vor dem Bundesfinanzministerium in Berlin demonstrieren sollen, und zwar aus einem ganz bestimmten Grund. Dass die EZB Staatsanleihen kauft und dass das frei werdende Geld bei den Banken nicht bei Kreditnehmern, sondern an der Börse landet, ist bedauerlich, inakzeptabel, falsch – aber die EZB sah keinen anderen Ausweg. Einen anderen Ausweg, eine einfache konkrete Maßnahme, die kein Geld, sondern nur einen neuen Gesetzestext kostet, könnte das Bundesfinanzministerium einbringen und durch Bundestag + Bundesregierung verabschieden lassen, nämlich die Trennung von Banken und Brokern, dem sogenannten „Investmentbanking“.

Banken und Broker

In den USA hat es jahrzehntelang gut funktioniert – nur durch die „Falken“ in der US-Politik schaffte die Bankenlobby es endgültig die Trennung zwischen Banken und Brokern (heutiger Überbegriff „Investmentbanking“) aufzuheben. Aber davor lief es so: wer Kredite brauchte oder Einlagen verzinsen lassen wollte, ging zur Bank. Wer an der Börse zocken wollte, ging zum Broker, egal ob Privatkunde oder Unternehmen. Es ist ganz einfach. Zockt der Broker auch selbst an der Börse oder verzettelt er sich mit Kundengeldern, ist die Realwirtschaft nicht betroffen, da der Broker nicht die Tochtergesellschaft oder Abteilung einer Bank ist. Da die Bank keine Mond-Renditen aus dem Investmentbanking mehr erwarten kann und dort auch keine Gelder der Sparer arbeiten lassen kann, ist sie aus marktwirtschaftlichen Gründen (!) gezwungen die Gelder der Sparer an Unternehmen herauszureichen, die Kredite für Investitionen benötigen. Das ist ja auch der eigentliche Zweck von Banken – Gelder von Sparern entgegennehmen und an Unternehmen und Privatleute herausreichen, die dieses Geld benötigen. So funktioniert die Realwirtschaft – so werden Investitionen stimuliert. Das funktioniert in Europa derzeit aber überhaupt nicht; warum auch – als Bank kann man das Geld doch in die Börse stecken.

Was 1933 umgesetzt wurde, hielt bis 1999 und wurde vom Demokraten (Ironie der Geschichte?) Bill Clinton durch den Druck der Bankenlobby und vorauseilenden Gehorsam aufgehoben, so dass seit 1999 Banken und Broker wieder ihre Bilanzen verschmelzen können und Kundeneinlagen als Basis von Zockereien nutzen können.
Hier ein interessanter historischer Rückblick zum Thema „Trennung von Banken und Brokern“ von der US-Notenbank (Fed) Filiale in Richmond, Virginia. Zitat vom damaligen Gesetz zur Trennung von Banken und Brokern:

„The emergency legislation that was passed within days of President Franklin Roosevelt taking office in March 1933 was just the start of the process to restore confidence in the banking system. Congress saw the need for substantial reform of the banking system, which eventually came in the Banking Act of 1933, or the Glass-Steagall Act. The bill was designed “to provide for the safer and more effective use of the assets of banks, to regulate interbank control, to prevent the undue diversion of funds into speculative operations, and for other purposes.”
Quelle: http://www.federalreservehistory.org / Federal Reserve Bank Richmond, VA.

Eigentlich braucht man nur diesen „Glass-Steagall Act“ kopieren, und in Deutschland als Gesetz umsetzen.

Umsetzung

Es ist ganz einfach. Die Bundesregierung bzw. Finanzminister Schäuble bringt ein Gesetz ein und der Bundestag verabschiedet es. Banken dürfen nur noch Einlagen- und Kreditgeschäft machen, Wertpapiergeschäft und Investmentbanking nur noch Brokerfirmen, die völlig eigenständig sind und in keiner Weise mit Banken verknüpft sein dürfen. Die Broker müssen dann bei Anlegern um Eigenkapital werben. Die Anleger geben den Brokern nur Geld, wenn auch das Vertrauen in die Broker vorhanden ist. Der Broker (Investmentbanker) kann dann nicht mehr einfach drauf los zocken, weil er jetzt weiß: „so ein Mist, ich habe im Hintergrund keine Großbank mehr, deren Bilanz meine Verluste auffängt“. Die Linkspartei, die Grünen und die SPD wären bei so einem Gesetz sowieso dabei, das ist mal sicher. Die Bankenlobby würde bei so einem Gesetzentwurf wohl einen enormen Druck auf die CDU aufbauen, und alles dafür zu tun, dass die „Party“ doch noch weiter geht. Das Argument der Bankenlobby ist bekannt. Wenn man die Banken aufspaltet, können sie ihre Funktion als Allroundversorger der Wirtschaft nicht mehr richtig wahrnehmen. Gegenargument: tun sie es denn jetzt? Und in den USA hat die Wirtschaft von 1933 bis 1999 ja auch marktwirtschaftlich funktioniert.

Mit dieser Aufspaltung wäre wirklich relativ schnell etwas Gutes getan. Es lässt sich auch ohne Geld zügig umsetzen. Banken erhalten eine Übergangsfrist von z.B. 1 Jahr. In dieser Zeit müssen sie sich aufspalten oder Geschäftsbereiche schließen, fertig aus. Daher, liebe Blockupy-Community, nächstes Mal bitte vor dem Bundesfinanzministerium demonstrieren. Danke!

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Joe

    19. März 2015 17:00 at 17:00

    Hallo,

    der Vorschlag enthält meiner Meinung nach nicht mit der Realität in der deutschen Bankenlandschaft stand. In D sind 2/3 aller Banken Sparkassen und Volksbanken (das ist eine weltweite Besonderheit). Diese Banken leben im Prinzip nur von 2 Dingen Baufinanzierungen (aktuell leider defizitär) und Eigenhandel / Depot A-Geschäft also dem angesprochenen Investmentbanking.

    Wenn man dieses 2. Standbein ebenfalls amputiert, werden in kürzester Zeit das Gros der deutschen Kreditinstitute aufgeben. Eine starke Ballung auf der Anbieterseite wird die Folge sein. Ob dies zu einer besseren Versorgung der Realwirtschaft mit Bankdienstleistungen und Krediten führt, möchte ich bezweifeln.

    Deshalb glaube ich, dass der Ort der Demo sehr wohl korrekt gewählt war…

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Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Value-Werte auf der Überholspur

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Es gibt gute Konjunkturindikatoren aus Deutschland und Asien. Laut Markus Koch sind die Value-Werte jetzt auf der Überholspur.

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fashionette: Onlineshop für Luxus-Shopping geht an die Frankfurter Börse

Claudio Kummerfeld

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Bürotürme in Frankfurt

fashionette ist kein normaler Onlineshop für Klamotten und Schuhe. Nein, hier werden nur hochpreisige Handtaschen, Schuhe, Schmuck etc verkauft. Darauf hat sich die Düsseldorfer fashionette AG spezialisiert. Man konzentriert sich auf die Region Deutschland, Österreich und Schweiz. Nach eigenen Angaben bietet das Portal 11.000 Artikel von 150 Premium- und Luxus­marken, und hat pro Monat mehr als 3 Millionen Seitenaufrufe. Die Umsatzerlöse lagen im Jahr 2019 bei 73 Millionen Euro, und der Gewinn (EBITDA) lag bei 6,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 9,3 Prozent.

Die Deutsche Börse hat heute offizielle Angaben zur Aktienzeichnung und zum ersten Handelstag an der Börse für das Unternehmen veröffentlicht. Die Aktienzeichnung für den Börsengang der fashionette AG (ISIN: DE000A2QEFA1) an der Frankfurter Wertpapierbörse ist heute gestartet und wird voraussichtlich bis zum 27. Oktober andauern. Inklusive der Mehrzuteilungsoption werden bis zu 3.605.000 Aktien angeboten, die Bookbuilding-Spanne liegt bei 30,00 bis 38,00 Euro je Aktie. Der erste Handelstag der fashionette AG im Segment Scale ist laut der Deutschen Börse für den 29. Oktober geplant.

Beim Klick an dieser Stelle finden sie alle Detaildaten zu dieser Emission bei der Frankfurter Börse.

Der Börsengang von fashionette hat einen Gesamtumfang von bis zu 137 Millionen Euro. Aber der Großteil der Papiere werden vom aktuellen Hauptaktionär Genui verkauft, womit ein Großteil der Emission nicht in der Firma landet, sondern an den Altaktionär fließt. Im Unternehmen werden von der Emission wohl 36-46 Millionen Euro ankommen.

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