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Warum Chinas Verkäufe von US-Staatsanleihen für die USA (noch) kein Problem sind

FMW-Redaktion

Allein in diesem Jahr hat China US-Staatsanleihen im Umfang von 200 Milliarden Dollar verkauft – inklusive der Verkäufe Belgiens, das China anerkanntermaßen als Vehikel für US-Staatsanleihen genutzt hat, und über das derzeit die Verkäufe Chinas vorwiegend auch abgewickelt werden. Dennoch aber fallen die Renditen für US-Staatsanleihen tendentiell weiter – so lag die Rendite für die 10-jährige Staatsanleihe der USA in der letzten Woche meist unter der Marke von 2%. Normalerweise müßte durch die Verkäufe Chinas die Rendite ansteigen, weil ein großer Verkäufer am Markt aktiv ist. Warum aber passiert ziemlich genau das Gegenteil?

Die Antwort lautet: es sind vor allem Amerikaner, die den Chinesen die amerikanischen Staatsanleihen abkaufen! So ist die Nachfrage nach US-Anleihen bei amerikanischen Mutual Funds so hoch wie noch nie, auch andere US-Investoren greifen beherzt zu und steigern so ihren Anteil an dem 12,9 Billionen Dollar großen Markt. Erstmals seit dem Jahr 2012 steigern damit US-Investoren ihre Käufe von US-Staatsanleihen – und gleichen damit die Verkäufe Chinas mehr als aus. Und damit zeichnet sich eine Trendwende ab, denn bislang waren es vor allem Ausländer (führend die Chinesen), die bei US-Staatsanleihen seit 2008 zugegriffen und ihre Bestände in nur sechs Jahren verdoppelt hatten. Sie hielten zwischenzeitlich knapp die Hälfte aller US-Staatsanleihen – aber diese Tendenz ist mit den Verkäufen Chinas nun rückläufig.

Warum kaufen US-Investoren? Mit einem Wort: weil sie pessimistischer geworden sind. Pessimistischer für das globale Wachstum, für die Inflation, und skeptischer, was die zu erwartenden US-Zinsanhebungen angeht. Bei den Auktionen in diesem Jahr kauften US-Fonds 42% der im Umfang von 1,6 Billionen Dollar emittierten US-Anleihen – 2011 waren es dagegen nur 18%. Nachdem dann Mitte 2014 ein Tiefpunkt erreicht war, steigert sich der Anteil von US-Käufern nun kontinuierlich.

Das ist eine gute Nachricht, hinter der sich jedoch eine schlechte verbirgt. Gut ist für die USA, dass man nicht mehr abbbhängig ist von den Käufen der Chinesen – das macht das Land unabhängiger vom Reich der Mitte. Die schlechte aber ist, dass die US-Investoren die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer baldigen Rezession der US-Wirtschaft einzupreisen beginnen: wer erwartet, dass die Konjunktur schlecht laufen wird, kauft eben als sicheren Hafen US-Staatsanleihen. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Trefferwahrscheinlichkeit am Anleihemarkt besonders hoch ist – sogar noch höher als am Devisenmarkt. Die Aktienmärkte übrigens stehen in dieser Rangliste ganz hinten..



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