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Warum das Coronavirus den Euro beerdigen könnte!

Euro vor dem Aus? Die EZB spielt eine entscheidende Rolle

Dass bei der Konstruktion des Euro entscheidende Fehler gemacht wurden, bemerkten die Menschen spätestens 2011 mit der Krise in Griechenland. Der für alle Teilnehmer einheitliche Wechselkurs ist für schwache Volkswirtschaften zu hoch und für starke Volkswirtschaften zu niedrig. Das verschärft die Ungleichgewichte, statt sie abzubauen, wie es das Ziel der EU ist. Das Coronavirus und die dadurch bedingten rapiden Veränderungen in Europa sind eine Chance, den Euro einvernehmlich aufzugeben und zu nationalen Währungen zurückzukehren. Am Ende profitieren davon alle.

Die Rufe nach Eurobonds, oder jetzt Coronabonds genannt, werden wieder lauter. Gemeint sind Anleihen, für die alle Eurostaaten gemeinsam haften. Die Rufe werden jetzt lauter, weil viele Menschen annehmen, dass Staaten wie Italien, Spanien und auch Frankreich aus der Krise deutlich geschwächter hervorgehen werden als zum Beispiel Deutschland. Insbesondere Italien ist ein Kandidat für massiv in die Höhe schnellende Risikoprämien, auch Zinsen genannt, für die eigenen Staatsanleihen. Das Land war schon vor dem Coronavirus das am zweithöchsten verschuldete Land Europas. Es hat die eigene Wirtschaft eher heruntergefahren als die anderen Eurostaaten und wird ausgerechnet im wirtschaftlichen Herz des Landes am stärksten getroffen, dem Norden. Man braucht nicht viel Phantasie um sich auszumalen, wo die Renditen für italienische Staatsanleihen stünden, wenn die Europäische Zentralbank sie nicht in unbegrenzter Menge kaufen würde. Kleiner Tipp: Nicht bei 1,33% für eine zehnjährige Laufzeit.

Die EZB kauft Euro-Anleihen jetzt in beliebiger Höhe zur Zinsmanipulation

Bevor die EZB ankündigte, für 750 Milliarden Euro Staatsanleihen zu kaufen, stieg die Rendite in 15 Tagen von 0,99% auf 2,43%. Als die Rendite 2,43% erreichte, kündigte die EZB am Abend des 18. März an, 750 Milliarden in Anleihen zu stecken. Die Rendite sank daraufhin bis zum vergangenen Donnerstag wieder aus 1,23%. Als sie am Freitag wieder zu steigen begann, strich die EZB kurzerhand die 750 Milliarden und ersetzte sie durch eine unbegrenzte Menge. Theoretisch könnte die EZB also auch alle Staatsschulden der Eurokrise aufkaufen. Will der Staat mehr Geld ausgeben, druckt die EZB das Geld einfach. Fragt sich nur, wann die Steuerzahler beginnen zu fragen, wozu sie überhaupt Steuern zahlen sollen, wenn die EZB doch auch einfach das Geld drucken könnte…

Die Marktreaktion zeigt, dass sich Italien neue Staatsschulden wahrscheinlich nicht mehr lange leisten könnte, wenn die EZB nicht durch den Druck neuen Geldes die Zinsen unten halten würde. Der Preis dieser Politik ist jedoch erstens eine Ausweitung der Geldmenge und zweitens eine völlige Verzerrung des Marktes. Die Zinsen am Markt spiegeln die Risiken nicht mehr wider, was zwangsläufig zu Fehlallokationen führt. Anleger werden riskante Wertpapiere kaufen, deren Zinssatz Sicherheit suggeriert.

Wann schwindet das Vertrauen in die EZB?

Das Problem ist, dass diese Maßnahmen nur solange wirken, wie die Anleger Vertrauen in die EZB haben und davon überzeugt sind, die Papiere an die Zentralbank verkaufen zu können. Denn die EZB darf derzeit keine Anleihen direkt beim Staat kaufen, sondern nur am Anleihemarkt. Das heißt, wenn Italien eine neue Anleihe herausgeben will, dann müssen zuerst Banken, Fondsmanager, Anleger und Trader das Papier kaufen und müssen anschließend hoffen, dass ihnen das Papier die EZB wieder abnimmt. Schwindet das Vertrauen, wird niemand mehr eine neue zehnjährige italienische Anleihe mit einem 1,23-prozentigen Coupon kaufen. Wenn jedoch die Nachfrage fehlt, muss Italien automatisch mehr Zinsen bieten. Sobald das geschieht, wäre die Macht der EZB gebrochen und der Anleihemarkt würde crashen.

Dass jetzt gefordert wird, die Eurostaaten sollten gemeinsam das Risiko neuer Anleihen tragen, zeigt bereits dieses Risiko. Offensichtlich gehen genügend Menschen davon aus, dass es zu genau dem beschriebenen Szenario kommen kann. Werden die Risiken italienischer Anleihen auch auf die wirtschaftlich stärkeren Schultern Deutschlands, der Niederlande oder Irlands verteilt, dann wird diese Anleihe einen geringeren Zinssatz haben als rein italienische Anleihen, wahrscheinlich aber einen höheren als deutsche Anleihen.

Kredit muss Deutschland den Importnationen ohnehin geben

Doch ob Eurobonds oder Käufe italienischer Anleihen durch deutsche Anleger: Irgendwie muss das Geld aus Deutschland ohnehin in Italien landen, um das Handelsbilanzdefizit zu finanzieren. Wenn Italien mehr importiert als exportiert, dann müssen die Exporteure Italien zwingend einen Kredit geben. Anders könnte Italien schließlich die Importe nicht bezahlen. Deutsches Geld landet also auf jeden Fall in notorischen Defizitländern wie USA, Italien, Griechenland oder auch dem Vereinigten Königreich. Die Frage ist nur, auf welchem Weg es dort landet.

Statt die Risiken jetzt über ein Notkonstrukt zu verteilen und damit den Zusammenbruch der Eurozone nur unter Inkaufnahme massiven Streits zwischen den Ländern zu verschieben, sollte man die Coronakrise als Chance nutzen, den Euro jetzt zu beerdigen. Nationale Währungen hätten den Vorteil, dass die Währungen von Importnationen abwerten und die Währungen von Exportnationen aufwerten. Die Folge wäre eine Verschiebung der Warenströme und damit ein Abbau der Handelsungleichgewichte. Italien würde weniger importieren und mehr selbst herstellen und Deutschland würde weniger exportieren und mehr selbst konsumieren.

Zudem würden die Zinsen wieder das individuelle Risiko widerspiegeln und Länder dazu animieren, Einnahmen und Ausgaben ins Gleichgewicht zu bringen.

Szenario zur Eurozonen-Auflösung

Damit eine Auflösung der Eurozone nicht unmittelbar zum Bankrott diverser Staaten führt, müsste es zumindest für die bereits emittierten Anleihen irgendeine Form der Haftungsverteilung geben. Da die EZB nun ohnehin unbegrenzt Anleihen kauft, könnte sie jedem Anleihebesitzer ein Übernahmeangebot machen. In den kommenden Wochen könnte jeder Anleihebesitzer seine Papiere zu einem bestimmten Kurs bei der EZB abladen. Wer das nicht tut, trägt anschließend das Risiko einer Staatspleite selbst. Nach Ablauf des Ankaufangebots würde die Eurozone aufgelöst werden. Die EZB würde zu einem Sonderfonds der ehemaligen Eurozonenmitglieder umgewandelt werden. Tilgungszahlungen der einzelnen Staaten wären dann an diesen Fonds zu zahlen und flössen dem allgemeinen EU-Haushalt zu.

Ja, dieses Szenario wird negative Effekte haben. Und ja, dieses Szenario beinhaltet eine gemeinsame Risikoübernahme aller Eurzonen-Länder. Doch es wäre ein Ende mit Schrecken statt Schrecken ohne Ende. Wird die Eurozone jetzt noch einmal ein Jahrzehnt künstlich am Leben erhalten, steigen die gemeinsamen Kosten weiter. Steigen werden auch die Streitigkeiten zwischen und die Abneigungen der Eurozonenmitglieder gegeneinander. Totsicher zunehmen werden auch die wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den Staaten, da ohne flexible Wechselkurse weder die starken noch die schwachen Volkswirtschaften einen Ausgleich über Wechselkursanpassungen vornehmen können.



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4 Kommentare

  1. Nein, nein, nein! Nicht das Virus könnte den EURO beerdigen – das hat schon die EZB und Politik selbst geschafft!

  2. Das Problem das viele Kleinunternehmen als sogenannte startups haben, ist das Hausbanken nicht Foerdermittelantraege annehmen und bearbeiten. Die Ausrede ist das sie sich um langjaehrige Kunden kuemmern muessen. Die gutgemeinde Hilfe des Staates erreicht dadurch nicht die Firmen und selbststaendigen die Hilfe benoetigen.

  3. Pingback: Aktuelles vom 31.03.2020 | das-bewegt-die-welt.de

  4. Wenn man ehrlich wäre, würde man feststellen, daß der EURO mit einem Geburtsfehler auf die Welt kam und dies, völlig, unverantwortlich, in Kauf genommen wurde. Die EU ist ein gesteuertes Etwas, was nie zum Wohle der Gemeinwohlwirtschaft hätte sich entwickeln können. Stimmen wie von Prof. Hankel & Co haben nicht gefehlt. Die noch eingebauten Dämme wurden alle, ebenfalls, unverantwortlich, überrannt. Das Pferd wurde von hinten aufgezäumt. Schlimmer, allerdings, bin ich fest davon überzeugt, daß die EURO Zone ein Plan ist, eine Vorwärtsverteidigung, zu Gunsten der Weltwährung US$. Die Herren des FIAT SchuldgeldSystem´ haben keine Alternative aufgebaut, sondern ein „Wrack“. Damit wurde u.a. D, vollends, platt gemacht, wie praktisch! Brüssel ist der „klassische“ Fall einer „erfolgreichen“ Schweigegeldtherapie und tiefer Korruption. Ein Eldorado der Konzerne und Glücksritter. Die EZB der Pate. Mit anderen Worten, die Beerdigung der EU stand schon vorher fest! Dies wird, historisch, genau so gesehen werden. Aus die Maus.

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