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Warum der Anstieg des Ölpreises kurzlebig sein könnte!

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am

Von Naeem Aslam, chief market strategist von ThinkMarkets

Das Rohöl der Sorte Brent hat in diesem Jahr einige explosive Zuwächse verzeichnet: Es ist fast 36 Prozent höher als vor einem Jahr, WTI Rohöl ist sogar 40 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Die hervorragende Performance auf dem Ölmarkt ist hauptsächlich auf die Zusage der OPEC+-Länder zurückzuführen, das Angebot begrenzt zu halten. Ein weiterer Faktor, der die Ölversorgung unter Kontrolle gehalten hat, waren die von den Vereinigten Staaten gegen Venezuela und den Iran verhängten Sanktionen. Hinzu kommt, dass es in Ländern wie Nigeria und Libyen zu erheblichen Versorgungsengpässen gekommen ist, die das Angebot weiter verknappt haben.

 

Trumps bedingungsloser Kampf gegen den Iran

Am Wochenende gab es eine große Entwicklung für den Ölmarkt: Die Trump-Administration beschloss, die Ausnahmen für den Kauf von iranischem Öl, dem viertgrößten Ölproduzenten der OPEC, zu beenden. Das Weiße Haus hatte zunächst  zunächst 6 Monate lang Ausnahmen für größere Käufer von iranischem Öl im vergangenen Jahr gewährt.

Der Plan war und ist offenkundig, die iranische Ölexporte auf null zu senken, und genau dieses Ziel ist es, das Trump unter allen Umständen erreichen will. Das bedeutet den Verlust von 700K bis 800K Barrel iranisches Öl pro Tag. Die Angst vor einer Angebotskrise ist damit wieder auf dem Markt, was den Ölpreis heute in die Höhe treibt. Saudi-Arabien, der größte Ölproduzent im OPEC-Kartell, hat jedoch versichert, dass es alle notwendigen Schritte unternehmen wird, um das fehlende Angebot aufzufüllen.

Händler sehen dies als ein optimistisches Szenario, aber wenn man sich die heutigen Ölmärkte ansieht, sind die Gewinne gar nicht so beeindruckend. Der WTI-Preis steigt nur um 0,48 Prozent, während der Preis für Brent nur um ein halbes Prozent gestiegen ist. Die OPEC und die Vereinigten Arabischen Emirate können die Ölversorgung ohne großen Aufwand um 1,5 Millionen Barrel pro Tag erhöhen. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass der prozentuale Anstieg des Ölpreises nicht so signifikant ist.

Für WTI müsste der Preis eine gewisse Dynamik haben, um die Widerstandsmarke von 68 $ zu überschreiten, ein Preisniveau, das seit Oktober letzten Jahres nicht mehr erreicht wurde. Ein Bruch davon würde den Weg zum nächsten Widerstand von $70 öffnen. Was den Brent-Preis betrifft, so liegt der nächste Widerstand bei 77,41 $, dem Hoch, das der Preis im Oktober erreicht hat. Der größte Widerstand für Brent liegt beim Preis von 80 $, was viele Investoren vor dem aktuellen Ereignis (der Aktion der Trump-Administration) noch ausgeschlossen hatten.

Der CBOE Öl-Volatilitätsindex hat den größten Anstieg seit fast 2 Monaten erlebt und liegt heute bei über 8,8 Prozent. Ein wesentlicher Faktor für den Anstieg ist die Möglichkeit weiterer geopolitischer Konflikte, insbesondere eine Zunahme der Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Teheran wird nicht untätig zusehen, wie die USA ihren Ölexport gegen Null treiben. Das potenzielle Risiko besteht darin, dass die Islamische Republik die Straße von Hormuz, die fünftgrößte Wasserstraße für den Öl-Transport, schließen kann. Dies ist nur eine der vielen Taktiken, über die der Iran verfügt, um sich zu verteidigen.

 

Warum der Anstieg des Ölpreises begrenzt bleiben dürfte

Abschließend möchte ich sagen, dass ich nicht unbedingt der Meinung bin, dass die Beendigung des iranischen Ölexports ein langfristiges Aufwärtsszenario für den Ölmarkt ist. Tatsache ist, dass die Wahrscheinlichkeit nun deutlich geringer geworden ist, dass die OPEC+-Länder bei ihrem nächsten Treffen die Öl-Fördermenge weiter begrenzen. Daher dürften die Gewinne, die wir auf dem Ölmarkt aufgrund dieser Entwicklung erzielt haben, nur von kurzer Dauer sein. Damit der Ölpreis wirklich nachhaltig steigt, bräuchte es schon mehr starke Wirtschaftszahlen aus China und den USA – und weniger unsinnige geopolitische Spannungen..

 


US-Außenminister Mike Pompeo

 

Naeem Aslam

 

 

 

 

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Ohne Abverkauf kein Deal USA-China! Marktgeflüster (Video)

Die Märkte sind in einem Paradox gefangen: einen Deal kann es nur geben, wenn auch der Schmerz für die USA sehr groß ist, wenn die Wall Street abverkauft

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Ein substanzlos optimistischer Tweet von Donald Trump reicht am „magic risk free-Freitag“, um die Aktienmärktre nach oben zu bringen. Nach nichts sehnen sich die Aktienmärkte mehr als diesen angeblich immer wieder kurz vor dem Abschluß stehenden Deal zwischen den USA und China, der derzeit so weit wie noch nie entfernt ist! Und dabei sind die Märkte in einem Paradox gefangen: einen Deal kann es nur dann geben, wenn auch der Schmerz für die USA sehr groß ist, sprich wenn die Wall Street abverkauft – sonst hat Trump keinerlei Grund, seine harte Haltung gegenüber China aufzugeben (zumal die oppositionellen US-Demokraten Trumps harte Haltung teilen!). China aber wird Gespräche nur dann aufnehmen, wenn Trump bei Huawei einen Rückzieher macht..

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Aktienrückkäufe: Kontroverses Thema im Detail besprochen

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Der Börsen-YouTuber Jens Rabe bespricht aktuell ausführlich das Thema Aktienrückkäufe. Und er sagt es ganz zu recht. Es ist ein kontroverses Thema! Im Video spricht er die Grundthematik an wie auch das Pro und Contra. Wir meinen: Kurzfristig und vordergründig mögen Aktienrückkäufe für die Aktionäre vielleicht reizvoll sein. Aber langfristig entziehen sie dem Unternehmen Cash, das man besser für Zukunftsinvestitionen nutzen sollte. Auch haben viele US-Konzerne in den letzten Jahren auf Pump (die tollen Niedrigzinsen) eigene Aktien zurückgekauft. Was für ein Wahnsinn. Und dann am Ende landen einige dieser Unternehmen im Voll-Desaster, siehe General Electric. Aber schauen Sie selbst das folgende Video (bitte erst ab Minute 3 gucken, dann ersparen Sie sich das Intro-Gelaber).

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Anleihen

Griechenland-Anleihen: Laut EuGH Enteignung zum Wohle des Finanzsystems

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Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat gestern ein in der medialen Öffentlichkeit wenig beachtetes Urteil gesprochen. Es geht um die Griechenland-Krise. Auf den zweiten und dritten Blick fördert der offiziell vom Gericht veröffentlichte Urteilstext Interessantes zu Tage. Aber nun erstmal zum ersten Blick auf das Urteil.

EZB gibt Meinung ab

Es geht um die schon Jahre zurückliegende Umschuldung von Anleihen des griechischen Staates. Mit dem überwiegenden Teil der privaten Gläubiger einigte sich Griechenland bestehende Anleihen quasi wertlos zu machen und den Gläubigern dafür neue Anleihen zu geben. Dabei kam es unter dem Strich zu Verlusten für die Gläubiger. Aber diejenigen Gläubiger, mit denen sich Griechenland nicht auf diese Art der Umschuldung einigte, sprachen von Enteignung. Und da Athen die EZB um Rat fragte, ob man für diesen Zweck extra ein Gesetz verabschieden könne, gab die EZB ihren Ratschlag, dass das in ihren Augen kein Problem sei.

Daher klagten diejenigen Gläubiger, die einer Umschuldung nicht zustimmen, gegen die EZB. Von ihr wollten sie Schadenersatz. Aber der EuGH lehnte einen Anspruch gegen die EZB ab. Vereinfacht ausgedrückt: Die EZB hat ja nur ihre Meinung kund getan, nach der sie gefragt wurde. Ansprechpartner für Ansprüche wäre hier wohl der griechische Staat. Tja, dass das EuGH der EZB eine Zahlungspflicht aufdrücken würde für die reine Preisgabe einer Meinung, das war eh unwahrscheinlich. Interessant aber ist wie gesagt der weiterführende Text des EuGH zur Gesamtthematik dieser Enteignung.

Griechenland hat enteignet, aber zum Wohle des Finanzsystems

Denn der EuGH stellt fest, dass es sich in der Tat um eine Enteignung durch Griechenland gehandelt habe! Aber dies sei geschehen zum Wohle des Finanzsystems, so darf man es vereinfacht ausdrücken. Da dieses hohe Gut (das Finanzsystem und Staatsgebilde) über dem Wohl der Investoren stehe, sei eine Enteignung halt in Ordnung gewesen. Der Eingriff in das Eigentumsrecht der Gläubiger sei nicht unverhältnismäßig gewesen, so der EuGH. Gut, sagen wir da. Es mag ok sein, dass sich vor allem auch Banken mal an den Kosten so einer Staatenrettung beteiligen. Doch bei so einer Argumentation könnten ja auch Privatpersonen mal eben so enteignet werden, wenn es der Schutz des Finanzsystems gebietet? Hier der EuGH im Wortlaut:

Insoweit stellt das Gericht fest, dass die in den Verträgen, die den fraglichen Schuldtiteln zugrunde lagen, nicht vorgesehene Ausweitung der Wirkung der mit bestimmten Gläubigern geschlossenen Vereinbarung über die Herabsetzung des Nominalwerts dieser Titel auf Gläubiger, die der Vereinbarung nicht zugestimmt hatten, zu einem Eingriff in das Eigentumsrecht der Gläubiger geführt hat. Jedoch entspricht eine solche Ausweitung der dem Gemeinwohl dienenden Zielsetzung, die Stabilität des Bankensystems des EuroWährungsgebiets in seiner Gesamtheit sicherzustellen, und stellt keinen unverhältnismäßigen und untragbaren Eingriff in das Eigentumsrecht dar.

Explizit weist der EuGH in seinem Text auch auf das Eigentumsrecht hin, welches in Artikel 17 Abs. 1 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union niedergeschrieben ist. Die Ausübung dieses Rechts (also auf den Schutz des Eigentums bestehen) könne beschränkt werden um dem Gemeinwohl dienende Ziele zu erreichen. Nochmal. Es mag ja gut sein, dass Banken hierdurch auch zur Kasse gebeten werden. Doch mit so einer Argumentation könnten auch einfache Privatpersonen enteignet oder teil-enteignet werden, wenn sie Forderungen gegen staatliche Schuldner haben.

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