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Indizes

Warum der Dax sich so schlecht entwickelt – und international nur die zweite Geige spielt

Vielleicht ist es nicht verkehrt, sich etwas vom „Home Bias“ zu verabschieden und ein bisschen globaler zu investieren..

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Man hört es von vielen Vermögensverwaltern und Fondsmanagern. Die Deutschen haben eine ausgeprägte „Home Bias“, sprich sie investieren stark in heimischen Dax-Werten, es sollen sogar noch Telekom-Aktien aus der zweiten und dritten Tranche in den Depots schlummern. Aber ist das Investieren in heimische Dax-Titel (M-Dax und Tech-Dax ausgenommen) wirklich eine gute Idee?

 

Der Äpfel-Birnen-Vergleich

Es wird zwar immer wieder erwähnt, dass der deutsche Leitindex ein so genannter Performance-Index ist, bei dem die Dividenden jedes Jahr mit eingerechnet (thesauriert) werden, im Gegensatz zu S&P 500, Nikkei 225 und anderen Indizes, die reine Kursindizes darstellen und damit die Dividende ausschütten. Verschwiegen wird dabei immer, welch ein Unterschied für den Anleger langfristig dabei entsteht, wenn man diesen Zusammenhang einfach ignoriert. Konkret: Vor knapp 20 Jahren stand der Kurs-Dax (ohne Ausschüttungen) bei 5600 Punkten und heute bei 5640 Punkten. Der Dow Jones bewegte sich zu dieser Zeit um die Marke von 10000 Punkten und heute bei über 26500 Punkten – obwohl all die Jahre die Dividenden an die Anleger geflossen waren.

Der Dax läuft aber nicht nur der Wall Street hinterher, sondern auch den Indizes in unseren Nachbarländern wie der Schweiz, Österreich und Dänemark, oder sogar dem Sensex in Indien oder dem Hang Seng in Hongkong. Selbst die Börse in Russland, die unter den Wirtschaftssanktionen des Westens leiden müsste, entwickelte sich besser. Ebenso wie Japan, zumindest in diesem Betrachtungszeitraum. Jetzt könnte man auf die Exportabhängigkeit unseres Index zu sprechen kommen. Aber auch der koreanische Kospi schneidet besser ab – ein Index, dem eine große Verwandtschaft zum Dax zugesprochen wird.

 

Warum entwickelte sich der Dax so schlecht?

Da ist zum einen die absonderliche Hausse um die Jahrtausendwende. Die Kurse von Allianz (383 €), Münchener Rück (365 €), Deutsche Telekom (103 €) oder die Deutsche Bank (100 €) lagen auf Höhen, die selbst nach fast 20 Jahren noch total außer Reichweite liegen. Diese Dax-Werte liegen gegenüber dieser Zeit noch immer zwischen 30 und über 90% im Minus.

Aktien wie die Deutsche Bank oder die Telekom verblieben selbst nach 90%- Rückgängen im Index, weil sie selbst dann noch zu groß waren, um aus dem Index genommen zu werden. Auch sind die Gewinnerwartungen der Dax-Konzerne oft zu optimistisch.

In den Jahren 2011 bis 2016 kamen die Dax-Gewinne kaum von der Stelle. Während man in dieser 5-Jahresperiode zunächst 61 Milliarden Euro vermelden könnte, waren es an ihrem Ende gerade noch 58 Milliarden. Die Zunft der Analysten ging aber jährlich von Gewinnanstiegen zwischen 5 und 20 Prozent aus.

Dann wäre noch die Zusammensetzung der Dax-Investoren zu nennen. Aufgrund der sehr bescheidenen deutschen Aktienkultur liegen die Anteilsscheine im Dax mit 53 Prozent mehrheitlich in ausländischer Hand, ein gutes Drittel im Besitz heimischer Anleger und der Rest ist anscheinend nicht eindeutig zuzuordnen. Die großen angelsächsischen Kapitalanleger sind sehr viel aktiver als deutsche Großanleger und repatriieren ihre Auslandsgelder in Krisenzeiten sehr rasch in ihre Heimatmärkte. Dies ergibt einen Jo-Jo-Effekt, da die Kurse in Boomzeiten zwar „mit bei der Musik sind“, im umgekehrten Fall aber auch überproportional sinken. Worauf skeptische deutsche Aktienmuffel in ihrem Urteil wieder bestätigt werden.

Das bedeutet, dass man bei einer derart schwach ausgeprägten Aktienkultur wie in Deutschland ein bisschen zum Spielball der (ausländischen) Mächte wird. Ein Umdenken tut Not.

 

Fazit

Vielleicht ist es nicht verkehrt, sich etwas vom „Home Bias“ zu verabschieden und ein bisschen globaler zu investieren. Der MSCI World ist nicht nur stabiler als die Länderindizes, sondern auch nicht so anfällig gegen Rezessionen. Der Diversifikationseffekt im Sinne von Harry Markowitz eben.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Übelkeit

    7. Mai 2019 15:07 at 15:07

    Einer Rezession wird man sich heute nirgends mehr entziehen können.

  2. Avatar

    Wolfgang M.

    7. Mai 2019 15:39 at 15:39

    @Übelkeit. Da täuschen Sie sich aber gewaltig. Ich gebe Ihnen nur eine kurze Zahlenreihe für das Weltwirtschaftswachstum. Gobales BIP 2007 +5,6%, 2008 +3,0%, 2009 -0,1%, 2010 +5,4%, 2011 +4,3%, 2012 +3,5%. Jetzt vergleichen Sie dies mal mit den Zuwachsraten der USA oder Deutschlands und vor allem die Tiefe der Rezession 2009 in den Ländern. Es gibt auch weltweit Rezessionen, diese sind aber viel seltener als in Nationalstaaten.
    Viele Grüße

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Der Goldpreis ist bekanntlich nun zweistellig im Minus seit seinem Hoch im August knapp unter der 2100-Dollar-Marke, alleine im November verlor das gelbe Edelmetall 5%. Heute folgt eine kleien Gegen-Reaktion bei Gold mit einem Anstieg über die 1900er-Marke, aber eines ist doch auffällig: die Aktienmärkte erwarten durch die Impfstoffe eine baldige Lösung der Coronakrise nach dem Motto: im Jahr 2021 wird alles so wie früher, oder sogar besser (Allzeithoch vieler Aktien-Indizes). Mit anderen Worten: die Menschen leben wie früher, die Nachfrage zieht an, wodurch tendentiell Inflation entsteht. Das ist die Sicht der Aktienmärkte.

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