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Warum der deutsche Staat Lufthansa mit allen Mitteln retten wird

Claudio Kummerfeld

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Lufthansa A380 dockt in Frankfurt an

Der deutsche Staat wird die Lufthansa retten, komme was da wolle. Davon bin ich überzeugt. Warum? Da wäre zunächst ein Grund, der nie ausgesprochen wird, der aber immer im Raum über uns allen schwebt. Wie auch Frankreich, Großbritannien oder Italien gehört eine große weltweit fliegende Airline zur Staatsraison einer großen Industrienation in Europa. So auch für Deutschland. Was die Lufthansa für uns ist, das ist zum Beispiel für die Italiener die Alitalia. Und die Alitalia wird gerade komplett verstaatlicht. Sie war schon vor der Krise völlig kaputt, pleite, und wurde seit Jahren mit staatlichen Notkrediten am Leben gehalten. Jetzt wird sie eine Staats-Airline, und wird nun dauerhaft auf Steuerzahlerkosten durchgefüttert werden. Aber Hauptsache eine „eigene“ Airline fliegt raus in die Welt.

Ja, systemrelevant ist es schon, dass es eine Airline gibt, die von Deutschland aus geführt wird, die auch deutsche Drehkreuze betreibt wie München und Frankfurt. Von daher ist die Lufthansa natürlich ein sehr wichtiges Unternehmen für eine Industrienation wie Deutschland, wo man zuverlässig und ohne fünf Mal Umsteigen über Amsterdam oder Kopenhagen an sein Ziel in Asien oder Südamerika kommen kann.

Außer der Lufthansa wird nichts übrig bleiben

Aber jenseits der Staatsraison muss man einfach sagen: Um die Lufthansa herum wird vom deutschen Airline-Markt wohl nichts übrig bleiben. Die schlecht gemanagte Air Berlin schied vor drei Jahren per Insolvenz aus dem Markt aus. Die Lufthansa und andere Airlines filetierten einige Reste aus Air Berlin heraus, und das war es dann mit der Airline. Dann war da noch Condor. Die Airline geriet in Schieflage nach der Thomas Cook-Pleite. Eine eigentlich solide Airline. Dann kam die polnische Staatsairline LOT, und schlug zu. Die Condor geriet in starke Hände, die mit Condor Expansionspläne vorantreiben wollten. Aber nun ändert diese Krise alles. Laut aero.de scheint LOT die Übernahme von Condor nun abzublasen, weil man selbst im Zuge der Coronakrise taumelt. Bis zum 15. April muss Condor ein Massedarlehen über 380 Millionen Euro an den Bund zurückzahlen – illusorisch! Wahrscheinlich gibt es eine Umschuldung oder Aufstockung mit KfW-Krediten? Aber ob die Condor die Krise wirklich überlebt, ist mehr als fraglich.

Und damit kommen wir wieder zur Lufthansa. Die gab gestern bekannt, dass die Tochtergesellschaft Germanwings den Flugbetrieb ganz beendet – also dauerhaft! Alle daraus resultierenden Optionen sollen mit den Sozialpartnern besprochen werden, so die Lufthansa. Es ist also im Augenblick ein massiver Schrumpfungsprozess in Gange. Natürlich betrifft dieser Prozess auch alle ausländischen Airlines, egal ob privat oder staatlich. Es könnte sein, dass am deutschen Airline-Markt nur noch die Lufthansa übrig bleiben wird. Und jede Wette, die deutsche Politik will wohl nicht auch noch die Pleite der letzten deutschen Airline-Marke riskieren, die dazu auch noch die beiden großen Drehkreuze hierzulande betreibt, und daher Direktflüge ab Deutschland überall hinaus in die Welt gewährleistet. Über die vielen Arbeitsplätze brauchen wir gar nicht sprechen – sie sind natürlich auch ein wichtiger Faktor.

Staatsfonds rettet Lufthansa?

Wie kann man die Lufthansa retten? Natürlich könnte man wie nun viele andere Unternehmen auch die sehr günstigen KfW-Kredite in Anspruch nehmen. Die würde das Unternehmen wohl auch problemlos bekommen. Aber es ist wie es ist – es wären neue Schulden, welche die Lufthansa nach der Krise abbezahlen müsste. Sie würden die Bücher belasten. Aber halt. Olaf Scholz hat ja (für solche Fälle ideal geeignet?) am 23. März einen deutschen Staatsfonds gegründet, der sich vorübergehend an sehr großen deutschen Unternehmen beteiligen kann. Wenn nötig, wird er wohl vor allem große Dax-Konzerne versorgen? Nicht per Kredit, sondern durch den Kauf von Aktien der Unternehmen. Dieser Staatsfonds (offiziell „Wirt­schafts­sta­bi­li­sie­rungs­fonds“) hat ein Volumen von 100 Milliarden Euro für Beteiligungen, und ein Volumen von 400 Milliarden Euro für Garantien. Es würde also Steuerzahlergeld in das Eigenkapital der Lufthansa fließen – wenn es denn so kommen sollte. Man bedenke beispielsweise: Der Staat ist mehr als zehn Jahre nach Ende der Finanzkrise immer noch bei der Commerzbank engagiert.

Tja, wird es eine Teil-Verstaatlichung der Lufthansa geben? Das ist durchaus möglich, wenn nicht gar sehr wahrscheinlich. Die Airline würde neue Aktien ausgeben, welche der Staatsfonds kaufen würde. Die Anteile der Alt-Aktionäre würden verwässert. Aber immer noch besser als eine Pleite der Lufthansa? Schon seit Tagen gibt es Berichte, dass über eine Staatsbeteiligung an der Lufthansa verhandelt werde. Aber aktuell scheint sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr offenbar zu sträuben. Klar, wer hat schon Lust sich den Staat ins Boot zu holen? Aber wird Spohr bald kaum noch etwas anderes übrig bleiben? Oder wählt er doch eher die Karte der KfW-Kredite, um durch die Coronakrise zu kommen? Wie auch immer. Der Bund wird wohl alles tun, damit die Lufthansa auch nach der Krise weiter existiert – denn mindestens eine Airline mit weltweiten Flügen und deutschen Drehkreuzen will und muss man haben.

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Torsten

    9. April 2020 18:18 at 18:18

    Dann ist der neue Flughafen BER doch nicht zu klein. In den nächsten Jahren werden Flüge erheblich teuerer und seltener.

    Fliegen bekommt wieder ein fairen Preis. Die Zeit der Schnäppchen Flüge ist vorbei.

  2. Avatar

    schwarze_pille

    10. April 2020 13:48 at 13:48

    Airlines kann man wieder aufbauen. So ein Bankrott hätte den Vorteil, dass man die Gewerkschaften und die Privilegien, die sie erpressen konnten, schnell los wird.

  3. Avatar

    Ute Seemann

    10. April 2020 15:58 at 15:58

    absolute! die Lufthansa ist ein deutsches Markenzeichen, das nie untergehen darf. Bald hundert Jahre alt und „still going strong“.

  4. Avatar

    Jürgen Kleff

    10. April 2020 20:25 at 20:25

    Die Zeit der Schnäppchen Flüge ist nicht vorbei. Dies ist jetzt eine große Chance für Ryanair einen noch größeren Teil des Markts abzugreifen. Fliegen hat ja erst seit den Billigfliegern und der Deregulierung einen „fairen“ und „marktwirtschaftlichen“ Preis. Soll Ryanair doch 30 Sitze im Flieger verschenken? Wo liegt das Problem? Im Endeffekt decken sie ihre Kosten und sind die umweltfreundlichste Airline Europas. Wenn man bei LH das dreifache zahlt und der Flieger dann im Vergleich zu Ryanair und deren Bestuhlung nur halb gefüllt ist bringt das nachher eben auch nichts.

    • Avatar

      Torsten

      11. April 2020 03:31 at 03:31

      Der Flieger bei LH ist nur halb gefüllt weil es Ryanair mit ihren Kampfpreisen gibt. Ich bin noch nie mit Ryanair geflogen, nur im äußersten Notfall, und den gab es noch nicht.

  5. Avatar

    Koch

    11. April 2020 10:07 at 10:07

    Ich falle altersmässig und wegen ca.2 Flugreisen pro Jahr in die Rubrik „Umweltsau“.Als Kompensation dazu habe ich mein Eigenheim einer Dämmkur(Dach,Wand,Fenster)unterzogen,sowie eine PV und Brauchwassererwärmungsanlage installiert.Ausserdem benutze ich seit über 10 Jahren einen Mitsubishi I-MieV für’s Nähere und ein Model S für weitere Reisen.Soweit zur Daseinsberechtigung.Verschiedene Airlines haben auch verschiedene Plus und Minuszustände(Beurteilungssache).Mit Ryanair bin ich nur 1mal geflogen und dabei wird es bleiben.Diese Sozialdumpinggesellschaft sollte vom Markt verschwinden oder bei Flugreisen zu Stadtbuspreisen wenigstens denselben Komfort bieten!

    • Avatar

      sabine

      11. April 2020 11:36 at 11:36

      @Koch: „xxx für’s Nähere und ein Model S für weitere Reise“
      Sehr gutes Beispiel, vielen Dank. E-Autofahrer verbrauchen mehr (Umwelt).
      a) Die Umweltbelastung eines Autos braucht bei der Herstellung 70-80%, und beim späteren Verbrauch dann nochmal den Rest 20-30%.
      b) E-Autos brauchen wegen den umweltschädlichen, aber schwachen Akkus zwei Autos. Ein normales Leben ist mit E-Auto nicht machbar. 30-Minuten tanken usw. Man braucht ein zweites.
      c) Nur damit beim Autofahren selbst hinten raus nichts kommt. Stattdessen Atomkraftwerksstrom aus dem Ausland, mehr Windräderherstellung und Wald als Firmengelände… Alles, was den Menschen unbewußt entläuft.

      Natürlich müssen wir die Natur schonen, aber durch Sparen unnötigen Verbrauchs, nicht durch das (seit 70 Jahren) keynsianische Anheizen des Konsums, Abwrackprämie und versteckt-gesetzliche Abwrackprämie (Dieselhysterie). Dann jetzt das Plastik wegen der neuen Influenza. Bei uns laufens schon mit Kunststoff im Gesicht herum. Obwohl Corona nicht mehr Tote generiert als vorher (Absolute Sterbestatistik bleibt gleich. Das war bei der spanischen Grippe nicht so.) Skandalgeschichten hin oder her.

    • Avatar

      sabine

      11. April 2020 13:06 at 13:06

      Cool, Stickoxidwerte trotz Corona (d.h. kaum Autos auf der Straße) weiterhin auf Höchstwerten. Das mit den E-Autos war wohl nix (bzw. ist für den A..!

      https://www.focus.de/auto/news/diesel-fahrverbote-kaum-verkehr-trotzdem-schlechte-luft-corona-entlarvt-fahrverbote-als-sinnlos_id_11866874.html

      Alles für die Tonne! Deutsche Ingenieurs-Spitzenleistungen für die Katze.

  6. Pingback: Warum sollte der Staat die Lufthansa retten? – Today

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Das ist der wahre Beherrscher des Internets – Werbung

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Lieber Börsianer,

haben Sie sich eigentlich einmal Gedanken gemacht, woher Sie als Nutzer die Daten und Informationen beziehen, wenn Sie etwa auf der Seite der Amazon oder der Seite von Google surfen? Die landläufige Meinung: Das kommt alles aus der Cloud bzw. einem zentralen Großserver, der irgendwo in den USA steht.

Das ist ein Irrglaube. Tatsächlich beziehen wir als Internet-Nutzer unsere Daten aus einem weltweit aufgespannten Netzwerk sog. CDN-Server (Content Delivery Network). Wenn Sie als Nutzer aus Deutschland eine Suchanfrage auf der Google-Seite starten, wird Ihre Anfrage also nicht erst über den Atlantik geschickt und anschließend zurück. Stattdessen werden die Internet-Nutzer von einem Server versorgt, der sich in räumlicher Nähe befindet.

Andernfalls wäre die Google-Seite unendlich langsam oder würde sogar kollabieren, wenn innerhalb weniger Minuten Millionen Anfragen zur gleichen Zeit eintreffen. So muss der Suchdienst im Durchschnitt pro Tag 3,5 Milliarden Suchanfragen pro Tag abarbeiten. Das schafft kein Cloud-Server der Welt. Hier gilt: Auch das digitale Internet unterliegt physikalischen Grenzen.

Hier schafft ein ausgeklügeltes CDN-System Abhilfe. Es verteilt die Anfragen auf unzählige weltweit installierte Einzelserver und sorgt auf diese Weise für einen Lastenausgleich in den Internetleitungen. Dadurch bleiben die Internetauftritte der Unternehmen komfortabel und schnell.

Daneben schafft das CDN-System Sicherheit einerseits für die Unternehmen als auch für die Nutzer. So ist es heutzutage nahezu ausgeschlossen, dass Hacker etwa die Seite der Amazon, der Zalando oder anderer Endkunden-Unternehmen lahm legen können. Tatsächlich werden schlimmstenfalls durch Hackerangriffe einzelne Server im CDN-System ausgeschaltet. Das System erkennt einen solchen Angriff und leitet den Nutzer sofort auf den nächsten noch aktiven Server weiter.

Damit schafft CDN sog. Redundanzen. Anders formuliert: Die dezentrale Struktur sorgt dafür, dass die Internetversorgung nie gänzlich zusammenbricht. Damit leisten die CDN-Netzwerke einen ganz wichtigen Beitrag für die Stabilität und Verfügbarkeit des Internets. Sie bilden also das Rückgrat des modernen Internets.

Wer betreibt diese Netzwerke?

Ein US-Unternehmen dominiert dieses Marktsegment quasi nach Belieben. Man unterhält weltweit 300.000 CDN-Server und kontrolliert damit in der Spitze bis zu 30 % des täglichen globalen Internetverkehrs. Nahezu alle Software- und Internetunternehmen des Silicon Valley schwören auf die Dienstleistungen dieses US-Unternehmens. Die Kundenkartei umfasst Adressen wie etwa Amazon, Apple, Facebook, Google oder Microsoft. In Europa bedient man Unternehmen wie Daimler, Nestlé, Wienerberger, Voestalpine oder etwa den Autozulieferer Schaeffler, um nur die wenigsten aus der üppigen Kundenkartei der Amerikaner zu nennen.

Vor allem für Unternehmen mit Endkundenkontakt und stark frequentierten Internetauftritten ist CDN absolute Pflicht. Denn die Nutzer springen heute rasch ab, wenn sich ein Seite langsam aufbaut oder sogar minutenlang gar nicht erreichbar ist. Ich kann Ihnen versichern, eine stabile und schnelle…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Caterpillar meldet Quartalszahlen: Starker Rückgang, aber über Erwartung

Claudio Kummerfeld

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Der weltweit größte Baumaschinenhersteller ist Caterpillar aus den USA. Die Firma gilt daher als Frühindikator, weil Bauwirtschaft und Industrie auf Baumaschinen angewiesen sind, bevor eine Volkswirtschaft expandieren kann. Steigen also die Firmenumsätze, deutet das auf eine weiter florierende US-Wirtschaft hin, und umgekehrt genau so. Deswegen sind die soeben veröffentlichten Quartalszahlen von Caterpillar so extrem wichtig. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz im letzten Quartal liegt bei 9,88 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 12,76/erwartet 9,8). Der Gewinn liegt bei 1,22 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,66/erwartet 1,12).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,3 Prozent.

Die operative Profitmarge sinkt im Jahresvergleich von 15,8 Prozent auf 10,0 Prozent.

Die rückläufigen Umsätze liegen laut Unternehmensaussage an der rückläufigen Kundennachfrage nach Geräten und Dienstleistungen.

CEO-Kommentar:

“I’m proud of our global team’s performance as we continue to safely navigate the pandemic while remaining firmly committed to serving our customers,” said Caterpillar Chairman and CEO Jim Umpleby. “Our third-quarter results largely aligned with our expectations, and we’re encouraged by positive signs in certain industries and geographies. We’re executing our strategy and are ready to respond quickly to changing market conditions.”

Datenblatt mit Details zu den Quartalszahlen von Caterpillar

Caterpillar-Baumaschine - Caterpillar-Quartalszahlen
Eine Baumaschine von Caterpillar auf der Bauma. Foto: Wald-Burger8 CC BY-SA 3.0

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