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Warum der deutsche Staat Lufthansa mit allen Mitteln retten wird

Lufthansa A380 dockt in Frankfurt an

Der deutsche Staat wird die Lufthansa retten, komme was da wolle. Davon bin ich überzeugt. Warum? Da wäre zunächst ein Grund, der nie ausgesprochen wird, der aber immer im Raum über uns allen schwebt. Wie auch Frankreich, Großbritannien oder Italien gehört eine große weltweit fliegende Airline zur Staatsraison einer großen Industrienation in Europa. So auch für Deutschland. Was die Lufthansa für uns ist, das ist zum Beispiel für die Italiener die Alitalia. Und die Alitalia wird gerade komplett verstaatlicht. Sie war schon vor der Krise völlig kaputt, pleite, und wurde seit Jahren mit staatlichen Notkrediten am Leben gehalten. Jetzt wird sie eine Staats-Airline, und wird nun dauerhaft auf Steuerzahlerkosten durchgefüttert werden. Aber Hauptsache eine „eigene“ Airline fliegt raus in die Welt.

Ja, systemrelevant ist es schon, dass es eine Airline gibt, die von Deutschland aus geführt wird, die auch deutsche Drehkreuze betreibt wie München und Frankfurt. Von daher ist die Lufthansa natürlich ein sehr wichtiges Unternehmen für eine Industrienation wie Deutschland, wo man zuverlässig und ohne fünf Mal Umsteigen über Amsterdam oder Kopenhagen an sein Ziel in Asien oder Südamerika kommen kann.

Außer der Lufthansa wird nichts übrig bleiben

Aber jenseits der Staatsraison muss man einfach sagen: Um die Lufthansa herum wird vom deutschen Airline-Markt wohl nichts übrig bleiben. Die schlecht gemanagte Air Berlin schied vor drei Jahren per Insolvenz aus dem Markt aus. Die Lufthansa und andere Airlines filetierten einige Reste aus Air Berlin heraus, und das war es dann mit der Airline. Dann war da noch Condor. Die Airline geriet in Schieflage nach der Thomas Cook-Pleite. Eine eigentlich solide Airline. Dann kam die polnische Staatsairline LOT, und schlug zu. Die Condor geriet in starke Hände, die mit Condor Expansionspläne vorantreiben wollten. Aber nun ändert diese Krise alles. Laut aero.de scheint LOT die Übernahme von Condor nun abzublasen, weil man selbst im Zuge der Coronakrise taumelt. Bis zum 15. April muss Condor ein Massedarlehen über 380 Millionen Euro an den Bund zurückzahlen – illusorisch! Wahrscheinlich gibt es eine Umschuldung oder Aufstockung mit KfW-Krediten? Aber ob die Condor die Krise wirklich überlebt, ist mehr als fraglich.

Und damit kommen wir wieder zur Lufthansa. Die gab gestern bekannt, dass die Tochtergesellschaft Germanwings den Flugbetrieb ganz beendet – also dauerhaft! Alle daraus resultierenden Optionen sollen mit den Sozialpartnern besprochen werden, so die Lufthansa. Es ist also im Augenblick ein massiver Schrumpfungsprozess in Gange. Natürlich betrifft dieser Prozess auch alle ausländischen Airlines, egal ob privat oder staatlich. Es könnte sein, dass am deutschen Airline-Markt nur noch die Lufthansa übrig bleiben wird. Und jede Wette, die deutsche Politik will wohl nicht auch noch die Pleite der letzten deutschen Airline-Marke riskieren, die dazu auch noch die beiden großen Drehkreuze hierzulande betreibt, und daher Direktflüge ab Deutschland überall hinaus in die Welt gewährleistet. Über die vielen Arbeitsplätze brauchen wir gar nicht sprechen – sie sind natürlich auch ein wichtiger Faktor.

Staatsfonds rettet Lufthansa?

Wie kann man die Lufthansa retten? Natürlich könnte man wie nun viele andere Unternehmen auch die sehr günstigen KfW-Kredite in Anspruch nehmen. Die würde das Unternehmen wohl auch problemlos bekommen. Aber es ist wie es ist – es wären neue Schulden, welche die Lufthansa nach der Krise abbezahlen müsste. Sie würden die Bücher belasten. Aber halt. Olaf Scholz hat ja (für solche Fälle ideal geeignet?) am 23. März einen deutschen Staatsfonds gegründet, der sich vorübergehend an sehr großen deutschen Unternehmen beteiligen kann. Wenn nötig, wird er wohl vor allem große Dax-Konzerne versorgen? Nicht per Kredit, sondern durch den Kauf von Aktien der Unternehmen. Dieser Staatsfonds (offiziell „Wirt­schafts­sta­bi­li­sie­rungs­fonds“) hat ein Volumen von 100 Milliarden Euro für Beteiligungen, und ein Volumen von 400 Milliarden Euro für Garantien. Es würde also Steuerzahlergeld in das Eigenkapital der Lufthansa fließen – wenn es denn so kommen sollte. Man bedenke beispielsweise: Der Staat ist mehr als zehn Jahre nach Ende der Finanzkrise immer noch bei der Commerzbank engagiert.

Tja, wird es eine Teil-Verstaatlichung der Lufthansa geben? Das ist durchaus möglich, wenn nicht gar sehr wahrscheinlich. Die Airline würde neue Aktien ausgeben, welche der Staatsfonds kaufen würde. Die Anteile der Alt-Aktionäre würden verwässert. Aber immer noch besser als eine Pleite der Lufthansa? Schon seit Tagen gibt es Berichte, dass über eine Staatsbeteiligung an der Lufthansa verhandelt werde. Aber aktuell scheint sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr offenbar zu sträuben. Klar, wer hat schon Lust sich den Staat ins Boot zu holen? Aber wird Spohr bald kaum noch etwas anderes übrig bleiben? Oder wählt er doch eher die Karte der KfW-Kredite, um durch die Coronakrise zu kommen? Wie auch immer. Der Bund wird wohl alles tun, damit die Lufthansa auch nach der Krise weiter existiert – denn mindestens eine Airline mit weltweiten Flügen und deutschen Drehkreuzen will und muss man haben.



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11 Kommentare

  1. Dann ist der neue Flughafen BER doch nicht zu klein. In den nächsten Jahren werden Flüge erheblich teuerer und seltener.

    Fliegen bekommt wieder ein fairen Preis. Die Zeit der Schnäppchen Flüge ist vorbei.

  2. Airlines kann man wieder aufbauen. So ein Bankrott hätte den Vorteil, dass man die Gewerkschaften und die Privilegien, die sie erpressen konnten, schnell los wird.

  3. absolute! die Lufthansa ist ein deutsches Markenzeichen, das nie untergehen darf. Bald hundert Jahre alt und „still going strong“.

  4. Die Zeit der Schnäppchen Flüge ist nicht vorbei. Dies ist jetzt eine große Chance für Ryanair einen noch größeren Teil des Markts abzugreifen. Fliegen hat ja erst seit den Billigfliegern und der Deregulierung einen „fairen“ und „marktwirtschaftlichen“ Preis. Soll Ryanair doch 30 Sitze im Flieger verschenken? Wo liegt das Problem? Im Endeffekt decken sie ihre Kosten und sind die umweltfreundlichste Airline Europas. Wenn man bei LH das dreifache zahlt und der Flieger dann im Vergleich zu Ryanair und deren Bestuhlung nur halb gefüllt ist bringt das nachher eben auch nichts.

    1. Der Flieger bei LH ist nur halb gefüllt weil es Ryanair mit ihren Kampfpreisen gibt. Ich bin noch nie mit Ryanair geflogen, nur im äußersten Notfall, und den gab es noch nicht.

  5. Ich falle altersmässig und wegen ca.2 Flugreisen pro Jahr in die Rubrik „Umweltsau“.Als Kompensation dazu habe ich mein Eigenheim einer Dämmkur(Dach,Wand,Fenster)unterzogen,sowie eine PV und Brauchwassererwärmungsanlage installiert.Ausserdem benutze ich seit über 10 Jahren einen Mitsubishi I-MieV für’s Nähere und ein Model S für weitere Reisen.Soweit zur Daseinsberechtigung.Verschiedene Airlines haben auch verschiedene Plus und Minuszustände(Beurteilungssache).Mit Ryanair bin ich nur 1mal geflogen und dabei wird es bleiben.Diese Sozialdumpinggesellschaft sollte vom Markt verschwinden oder bei Flugreisen zu Stadtbuspreisen wenigstens denselben Komfort bieten!

    1. @Koch: „xxx für’s Nähere und ein Model S für weitere Reise“
      Sehr gutes Beispiel, vielen Dank. E-Autofahrer verbrauchen mehr (Umwelt).
      a) Die Umweltbelastung eines Autos braucht bei der Herstellung 70-80%, und beim späteren Verbrauch dann nochmal den Rest 20-30%.
      b) E-Autos brauchen wegen den umweltschädlichen, aber schwachen Akkus zwei Autos. Ein normales Leben ist mit E-Auto nicht machbar. 30-Minuten tanken usw. Man braucht ein zweites.
      c) Nur damit beim Autofahren selbst hinten raus nichts kommt. Stattdessen Atomkraftwerksstrom aus dem Ausland, mehr Windräderherstellung und Wald als Firmengelände… Alles, was den Menschen unbewußt entläuft.

      Natürlich müssen wir die Natur schonen, aber durch Sparen unnötigen Verbrauchs, nicht durch das (seit 70 Jahren) keynsianische Anheizen des Konsums, Abwrackprämie und versteckt-gesetzliche Abwrackprämie (Dieselhysterie). Dann jetzt das Plastik wegen der neuen Influenza. Bei uns laufens schon mit Kunststoff im Gesicht herum. Obwohl Corona nicht mehr Tote generiert als vorher (Absolute Sterbestatistik bleibt gleich. Das war bei der spanischen Grippe nicht so.) Skandalgeschichten hin oder her.

    2. Cool, Stickoxidwerte trotz Corona (d.h. kaum Autos auf der Straße) weiterhin auf Höchstwerten. Das mit den E-Autos war wohl nix (bzw. ist für den A..!

      https://www.focus.de/auto/news/diesel-fahrverbote-kaum-verkehr-trotzdem-schlechte-luft-corona-entlarvt-fahrverbote-als-sinnlos_id_11866874.html

      Alles für die Tonne! Deutsche Ingenieurs-Spitzenleistungen für die Katze.

      1. Schon mal eine Universität von innen gesehen? In dem Artikel werden viele Sachen zu einem Mix zusammengerührt, wissenschaftlich wir hier nichts betrachtet. Meinungen werden als Ergebisse dargestellt.
        Wissenschaftler können sich auch irren, deshalb gibt es auch Untersuchungen, diese benötigen nicht 2-3 Wochen sondern länger.
        Ja das NOx ist nicht so stark runtergegangen, aber die anderen Messwerte deutlich über 40% und mehr. Wird garnicht im Artikel erwähnt, passt nicht zur Meinung.

        Focus, ist auch kein Fachblatt.

      2. Das mit den E-Autos war auch hauptsächlich und in erster Linie wegen CO2 und nicht wegen NO2, Frau Schlau 😂 😂 😂

        Ansonsten mag der Artikel im Focus evtl. auf die spezielle geografische und Wind-/Luftschneisen-Situation in Stuttgart zutreffen, nicht aber auf den Rest des Planeten. Wobei der Artikel aber eigentlich nur sagt, dass bei speziellen Windsituationen auch derzeit manchmal noch hohe Werte nachzuweisen sind oder umgekehrt in verkehrsreichen Zeiten die Schadstoffe oft weggeblasen werden. Wie es bei ungünstigen Wetterlagen plus Verkehr aussieht, davon ist vorsorglich nirgendwo die Rede.

        https://www.eea.europa.eu/highlights/air-pollution-goes-down-as
        https://www.eea.europa.eu/themes/air/air-quality-and-covid19/air-quality-and-covid19
        https://www.n-tv.de/wissen/Ist-die-Corona-Krise-gut-fuers-Klima-article21698773.html
        https://earthobservatory.nasa.gov/images/146362/airborne-nitrogen-dioxide-plummets-over-china

  6. Pingback: Warum sollte der Staat die Lufthansa retten? – Today

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