Devisen

Prognosen der Großbanken Warum der Dollar-Verfall weitergeht – und wer davon profitiert

Dollar-Banknoten. Foto: Bloomberg

Der Dollar rückt erneut ins Zentrum der Finanzmärkte. Sinkende Zinsen in den USA, eine weiter lockere Geldpolitik der Fed und stabilere Rahmenbedingungen im Euroraum verschieben die Kräfteverhältnisse zugunsten des Euro. Investoren stellen sich zunehmend auf eine neue Phase der Dollar-Schwäche ein – doch ob die Fed diesen Trend bestätigt oder die Märkte ein weiteres Mal überrascht, könnte entscheidend für die nächste große Bewegung an den Devisenmärkten werden.

Erwartete Dollar-Schwäche 2026

Laut einem Bericht von Bloombeg rechnen mehrere große Investmentbanken wie die Deutsche Bank, Goldman Sachs und JPMorgan damit, dass der Dollar im kommenden Jahr wieder an Wert verlieren wird. Hintergrund ist die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, die ihren Lockerungskurs fortsetzen dürfte, während andere Zentralbanken – etwa in Europa oder Japan – ihre Zinsen stabil halten oder sogar anheben. Nach Einschätzung zahlreicher Strategen entsteht dadurch ein Zinsgefälle, das Kapitalströme aus den USA in andere Währungsräume lenkt und den Dollar unter Druck setzt. Der Euro dürfte dabei zu den zentralen Profiteuren zählen, ebenso wie Yen und Pfund.

In den vergangenen sechs Monaten hatte sich der Dollar zunächst stabilisiert, nachdem er im ersten Halbjahr so stark gefallen war wie seit den frühen 1970er-Jahren nicht mehr. Auslöser dieser Turbulenzen war vor allem der von Präsident Donald Trump entfachte Handelskonflikt, der die globalen Märkte erheblich belastete. Dennoch sehen Marktbeobachter diese Phase nur als Zwischenstopp: Für 2026 erwarten sie eine erneute Abwertung des Dollar, wenn die US-Zinsen weiter sinken und andere Notenbanken restriktiver agieren.

Zinsdifferenzen als Treiber

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Der Kern der Prognosen liegt in der unterschiedlichen geldpolitischen Ausrichtung. Während die Fed ihre Leitzinsen schrittweise senkt, rechnen viele Banken damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen stabil hält und die Bank of Japan sie moderat anhebt. Diese Divergenz dürfte Investoren dazu bewegen, US-Anleihen zu verkaufen und Kapital in Regionen mit höheren Renditen umzuschichten. Entsprechend gehen die Konsensschätzungen, die Bloomberg zusammengestellt hat, davon aus, dass ein vielbeachteter Dollar-Index bis Ende 2026 um rund drei Prozent nachgibt. Morgan Stanley erwartet sogar einen Rückgang von fünf Prozent bereits im ersten Halbjahr. „Es gibt reichlich Spielraum, damit die Märkte einen tieferen Zinssenkungszyklus einpreisen“, sagt David Adams, Leiter der G-10-Devisenstrategie bei Morgan Stanley. „Das lässt genügend Kapazität für weitere Dollar-Schwäche.“

Im Vergleich zum laufenden Jahr dürfte der Rückgang jedoch moderater ausfallen. 2025 hatte der Greenback gegenüber allen wichtigen Währungen verloren, der Bloomberg Dollar Spot Index lag zeitweise fast acht Prozent im Minus – der stärkste Jahresverlust seit 2017. Der neue Ausblick ist zudem an die Annahme geknüpft, dass sich der US-Arbeitsmarkt weiter abkühlt. Diese Annahme bleibt unsicher, da sich die US-Wirtschaft nach der Pandemie bislang als erstaunlich robust erwiesen hat.

Dollar-Schwäche setzt sich in 2026 fort, sagen Großbanken
Die größten Banken der Welt prognostizieren für nächstes Jahr einen schwächeren Dollar

Unsicherheit und Marktmechanik

Währungsprognosen gelten traditionell als schwierig. Noch Ende des vergangenen Jahres, als Investoren auf den sogenannten „Trump-Trade“ setzten und einen Wachstumsschub durch dessen Politik erwarteten, gingen viele Strategen von einer baldigen Trendwende aus. Stattdessen wurden sie vom Ausmaß des Dollar-Verfalls im ersten Halbjahr überrascht. Dennoch sehen die Experten die Grundkonstellation für 2026 klar: Die Märkte preisen derzeit zwei weitere Zinssenkungen der Fed um jeweils 25 Basispunkte ein. Zudem besteht die Möglichkeit, dass ein von Trump ernannter Nachfolger für Fed-Chef Jerome Powell stärkerem politischen Druck nachgibt und die Zinsen noch schneller senkt.

Gleichzeitig dürfte die EZB abwarten, während Japan vorsichtig in Richtung Zinserhöhungen steuert. „Wir sehen die Risiken klar stärker gegen den Dollar als zu seinen Gunsten verschoben“, betont Luis Oganes, Chefökonom für globale Makrofragen bei JPMorgan in London. Für den Euro bedeutet dies Rückenwind, da höhere oder stabilere Zinsen die Attraktivität europäischer Anlagen steigern könnten.

Der Dollar verliert 2025 gegenüber allen wichtigen Währungen an Wert

Folgen für Wirtschaft und Märkte

Ein schwächerer Dollar hätte weitreichende Effekte. Importpreise in den USA würden zusätzlich zu den Zöllen steigen, während die in Fremdwährungen erzielten Gewinne multinationaler Konzerne an Wert gewinnen. Exporte würden günstiger, was einer US-Regierung gelegen käme, die den Handelsbilanzdefizit kritisiert. Zugleich könnte die Entwicklung Kapital in Schwellenländer lenken. Bereits jetzt haben sogenannte Carry-Trades – das Leihen in Niedrigzinswährungen und Investieren in höher verzinste Märkte – die höchsten Renditen seit 2009 erzielt. Banken wie JPMorgan und Bank of America sehen weiteres Potenzial, etwa im brasilianischen Real oder in asiatischen Währungen wie dem südkoreanischen Won und dem chinesischen Yuan.

Goldman Sachs verweist zudem darauf, dass sich die Stimmung gegenüber anderen G-10-Währungen verbessert hat. Stärkere Konjunkturdaten aus Kanada und Australien führen dazu, dass Investoren dort optimistischer werden. Die Analysten erinnern an die „Tendenz des Dollar, abzuwerten, wenn es dem Rest der Welt gut geht“. Auch der Euro profitiert von dieser Perspektive.

Gegenstimmen und Ausblick

Es gibt jedoch auch Kontrarianer. Analysten von Citigroup und Standard Chartered erwarten, dass die robuste US-Wirtschaft – angetrieben vom Boom der künstlichen Intelligenz – weiterhin Kapital anzieht und den Dollar stützt. „Wir sehen ein starkes Potenzial für eine Erholung des Dollar-Zyklus im Jahr 2026“, schreibt das Citigroup-Team um Daniel Tobon. Tatsächlich hob die Fed jüngst ihre Wachstumsprognosen für 2026 an, senkte aber dennoch die Zinsen und signalisierte weitere Lockerung. Powell stellte klar, dass es nun um die Frage gehe, ob weiter gesenkt oder pausiert werde – nicht um Zinserhöhungen.

Für die Deutsche Bank überwiegt dennoch das Abwärtsrisiko. Chef-Devisenstratege George Saravelos verweist auf die Überbewertung des Dollar nach Jahren außergewöhnlicher Stärke. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, wäre dies aus Sicht der Bank der endgültige Beweis, „dass der ungewöhnlich lange Dollar-Bullenmarkt dieses Jahrzehnts vorbei ist“.

FMW/Bloomberg



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10 Kommentare

  1. Ein schwächerer US-Dollar würde wohl einen steigenden Ölpreis mit sich bringen.

  2. „Möchtest du zusätzlich eine kurze Einordnung speziell zu den Auswirkungen auf den Euro-Raum?“

    Nein, vielen Dank liebe Kl.

    :D

    1. Der Satz ist in der Tat sehr verräterisch. Bei KI-generierten Artikeln sollten ‚Autoren‘ beim Kopieren doppelt vorsichtig sein 😃

  3. Hansueli Wermelinger

    Zinsen, Inflation, Dollar und Rohstoffe gehen Hand in Hand nach oben in 2026 und wenn das die Banken alle anders sehen, dann bin ich beruhigt.

  4. Hallo @ Hansueli Wermelinger
    Nur Gold mit einer vielfach höheren Geschwindigkeit als die Inflation oder der Dollarverfall.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Hallo Helmut,

      wenn so weitergeht, dann werden die Minenaktien wieder ihren Hebel auf Gold zeigen. Viellicht solltest Du doch noch das Abenteuer Börse in Angriff nehmen. Neues Lernen hält jung. Viel Erfolg.

  5. Ja- @ Felix
    Da wirst Du wohl recht haben.
    Aber ich bin nun 73.
    Ich wollte nie, und werde nie an der Börse aktiv tätig werden.
    Meine einzige Spekulation war, dass ich 2019 einen kleinen Anteil von Gold nach Silber umgeschichtet habe und 2022 etwa die Hälfte.
    Und auch nur, weil ich dann selber bestimmen kann, in welchem Land ich mein Gold und Silber lagern kann.
    Ich möchte generell kein Drittparteienrisiko haben.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Ist nachvollziehbar. Aber vielleicht die Kinder mal darauf ansprechen?
      Langfristig ist es normal und unausweichlich notwendig, dass sich Bürger mit der Börse befassen. Auch Deutschland war früher ein Land der Aktionäre. Es ist wichtig, dass sich die Bürger direkt an der Wirtschaft beteiligen.
      Das bringt ihnen nicht nur Vermögenszuwachs, sondern auch ein besseres Wirtschaftsverständnis, was mit einem zielführenderem Wahlverhalten einhergeht, und es entzieht den Banken viel Kapital, dass diese derzeit mit viel zu viel Einfluss versieht.

  6. Hallo @ Felix.
    Mein Sohn ist in Aktien investiert. Aber auch in Gold und verwaltet mein Gold was ich ihm geschenkt habe.

    Für meine behinderte Tochter habe ich 50/50 Gold und Silber im Ausland eingelagert.
    Ein Behindertentestament regelt alles legal, damit Sozialbehörden nicht auf ihr Erbe zugreifen können.
    Meine Tochter ist voll geschäftsfähig und kann alles selbst regeln.
    Bei Aktien wäre alles komplizierter.
    Außerdem müssten wir unsere Renten versteuern, wenn wir Kapitalerträge hätten. Wir liegen mit etwa 26.000 Euro ganz knapp unter der steuerlichen Freigrenze.
    Dann noch einen deutschen Steuerberater und einen spanischen.
    Das wäre mir unnötiger Streß.
    Ich kümmere mich jetzt lieber um die Planung unseres Penthouse und die Gründung einer GmbH für die Vermietung unserer jetzigen Immobilie als Ferienwohnungen.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Dann viel Vergnügen damit. Und schöne Grüße.

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