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Warum der Gaspreis fällt – USA sorgen für Hilfe aus Japan für Europa

Tanker für verflüssigtes Gas

Der Gaspreis zeigt sich aktuell entspannt, und das trotz weiter sinkender Füllstände in den Gasspeichern in Deutschland und Europa, wie aktuellste Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen. In Deutschland liegt der aktuellste verfügbare Füllstand mit Stand von Montag bei 34,45 Prozent. Dutch TTF Gas für die Lieferung im März notiert aktuell bei 76,49 Euro nach über 78 Euro am Montag und 82 Euro Ende letzter Woche. Wir berichteten bereits am Montag über gute Gründe für die derzeitige Entspannung im Gaspreis am Terminmarkt, als da wären etwas milderes Wetter in Europa, zahlreiche Flüssiggas-Tanker auf dem Weg nach Europa aus den USA, und etwas mehr Gas aus Russlands Pipelines.

Europa braucht den großen Bruder USA?

Es ist schon interessant, dass die US-Regierung derzeit offenbar Energiepolitik für die Europäer macht. Klar wurde das gestern so richtig, als US-Präsident Joe Biden neben Olaf Scholz stand und sagte, dass es kein Nord Stream 2 geben werde bei einem russischen Einmarsch in die Ukraine – die USA würden dieses Projekt beenden – er verspreche, das werde man schon tun (hier im Wortlaut ab Minute 2 im Video). Interessant ist so eine Aussage, wenn man bedenkt, dass diese Pipeline über die Ostsee Russland mit Deutschland verbindet, und die USA damit nichts zu tun haben. Seit Jahren bereits versuchen die USA Nord Stream 2 zu verhindern.

Gut, man kann grundsätzlich auf die Idee kommen, die USA könnten doch glatt ein finanzielles Interesse daran haben, dass Europa sein Gas besser in den USA kauft statt wie bisher zu großen Teilen in Russland. Aber das ist sicherlich nebensächlich? (Ja, da war ein Schuss Ironie mit dabei). Man sorgt sich in Europa offenbar, dass Russland Lieferungen von allem von Gas einstellt, sollte es zu massiven westlichen Sanktionen nach einem möglichen russischen Angriff auf die Ukraine kommen. Das ist viel „Wenn“ und „Aber“ dabei – zumal ja noch gar nicht klar ist, ob es einen Angriff geben wird, und ob Russland als zuverlässiger Lieferant wirklich den Hahn zudrehen würde.

Gaspreis zeigt sich entspannt – jetzt helfen die Japaner nach Aufforderung durch die USA

Laut japanischen Medienberichten haben die USA Japan gebeten seine Energiehilfe auszuweiten, um eine stabile Energieversorgung für Europa während des Winters zu gewährleisten, als eine Art Nothilfe in der angespannten Auseinandersetzung mit Russland. Aktuell meldet die US-Botschaft in Tokyo, dass US-Botschafter Rahm Emanuel die Ankündigung Japans begrüßt, dass man die europäischen Partner angesichts der russischen Lieferbedrohungen durch die Bereitstellung von Flüssigerdgas (LNG) unterstützt. Die Vereinigten Staaten wissen das große Engagement Japans sehr zu schätzen, das sicherstellt, dass unsere europäischen Freunde ihren Energiebedarf decken können, so das Statement. Der Einsatz der Energieversorgung als Waffe oder geopolitisches Druckmittel sei inakzeptabel.

Trotz der Herausforderungen, die die Deckung des eigenen Energiebedarfs und die Gewährleistung der eigenen Energiesicherheit während der Wintersaison darstellen, stehe Japan entschlossen an der Seite der Vereinigten Staaten und der europäischen Partner und wende sich gegen die Ausübung roher Macht, so die Aussagen im Statement. Botschafter Emanuel kommentierte auch, Zitat: „Japans Hilfe für Europa ist ein Beispiel dafür, wie Präsident Biden und Premierminister Kishida eng mit gleichgesinnten Partnern zusammenarbeiten, um die russische Aggression gegen die Ukraine zu verhindern und unsere gemeinsamen Werte zu wahren. Diese Grundsätze werden immer Vorrang vor Einschüchterung haben.“

Mehr Angebotsmenge für Europa und vorsichtige Anzeichen der Entspannung im Ukraine-Konflikt

Es ist schon mehr als interessant, so meine Meinung – die USA besorgen für Europa Gas am anderen Ende der Welt. Kann Europa das nicht alleine bewerkstelligen? Für den Gaspreis bedeutet das jedenfalls Entspannung -denn wenn nun auch aus Japan Flüssiggas-Tanker nach Europa in See stechen, steigt auf Sicht mehrerer Wochen die Angebotsmenge auf dem europäischen Markt. Laut dem Gas-Experten Stephen Stapczynski hat Japan die Lieferungen für Europa bestätigt – Ladungen für Februar und März seien bereits unterwegs. Er weist aber darauf hin, dass diese Lieferungen zuvor von den Japanern aufgrund der attraktiven Preise verkauft wurden, und nicht aufgrund einer Regierungsanfrage.

Die Experten der Commerzbank verweisen heute darauf, dass die Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Russland-Ukraine-Konflikts aufgrund der jüngsten diplomatischen Bemühungen etwas geringer geworden seien. Der zuletzt gefallene Dutch TTF-Gaspreis deute auf eine leichte Entspannung dieser Krise hin.



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5 Kommentare

  1. Was ist wenn Russland den Ölhahn auch zudreht???

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Dann wird Russland überrannt 😜

    2. Dann ist Russland bald pleite, oder auf Gedeih und Verderb auf die Nachfrage aus China angewiesen. Und zwar bei Öl und Gas. Nette Zukunftsaussichten mit einem vertrauenswürdigen Partner…

  2. Sind die EU denn vertrauenswürdiger Partner, aus Sicht der Russen?
    Es sind die EU und NATO, die Druck auf Russland machen, nicht China.

  3. Ich kann mir nicht helfen, aber ich bekomme immer mehr das Gefühl, die Menschheit fährt
    in eine Sackgasse, an deren Ende es keine Möglichkeit gibt, zu wenden. Dabei haben wir
    alle relevanten Informationen die es früher nicht gab…

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