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Blick auf LNG Warum der Gaspreis trotz eisigen Temperaturen fällt

Der Gaspreis in Europa fällt heute, und das trotz eisiger Temperaturen. Als Hauptentlastungsgrund blickt man auf die LNG-Lieferungen.

Gas-Flamme

Eigentlich müsste der Gaspreis doch steigen? Die Temperaturen in Nordeuropa sind gefallen, es ist eisig kalt. Und die Aussichten zeigen tagelang Minusgrade an. Je kälter, desto größer der Heizbedarf der privaten Haushalte! Und auch die Gasspeicher zeigen seit Tagen eine kräftige Ausspeicherung an. Alleine in den letzten fünf Tagen sanken die deutschen Gasspeicher um mehr als 0,40 Prozentpunkte pro Tag, laut Daten von Gas Infrastructure Europe. Aber nein, der für Europa maßgebliche Terminmarkt-Gaspreis Dutch TTF fällt heute um 3,9 % auf 133,76 Euro pro Megawattstunde.

Gaspreis fällt – Erleichterung über zunehmend LNG-Lieferungen

Das rettende Wort heißt LNG. Immer mehr Flüssiggas kommt aus Übersee nach Europa, sozusagen als Rettung für die nicht mehr fließenden Gasmengen aus Russland. Dies kann man als wichtigsten Faktor sehen, der im Augenblick einem Anstieg im Gaspreis entgegenwirkt. Bloomberg schreibt dazu aktuell: Die europäischen Erdgaspreise fallen, da die LNG-Importe nahe dem Rekordniveau liegen, während Europa mit einem heftigen Wintereinbruch zu kämpfen hat. Die Prognosen sagen für die kommende Woche eine Besserung voraus, wobei für den südlichen Teil des Kontinents wärmere Temperaturen erwartet werden.

Das arktische Wetter stellt die Widerstandsfähigkeit Europas in der Energiekrise auf die Probe, da Russland die Gaslieferungen in die Region gedrosselt hat. Bislang waren die Gaspreise nicht so unbeständig wie in der vergangenen Woche, auch wenn im Norden eisige Temperaturen herrschen und London mit Schnee bedeckt ist.

Die Lieferungen von verflüssigtem Erdgas nach Nordwesteuropa sind in die Höhe geschnellt, da die Region versucht, den Brennstoff zu ersetzen, den sie normalerweise aus Russland beziehen würde. Deutschlands erstes schwimmendes LNG-Terminal soll diese Woche im Hafen von Wilhelmshaven eintreffen und die Gaslieferungen am 22. Dezember aufnehmen.

LNG-Flüsse nach Nordwesteuropa seit 2018

Speicherstände sinken, aber noch relativ gut gefüllt

Die europäischen Speicher sind zu etwa 88 % gefüllt, mehr als zu dieser Jahreszeit üblich, und in Deutschland – der größten Volkswirtschaft der Region – liegt der Füllstand bei 94 %, wie aus Daten von Gas Infrastructure Europe hervorgeht. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, wie schnell der Puffer während des Winters aufgebraucht sein wird.

Weitere Faktoren

Deutschland wird „höchstwahrscheinlich“ weder in diesem noch im nächsten Jahr mit einer Gasrationierung konfrontiert sein, selbst wenn die russischen Lieferungen zurückgehen, so die Analysten der Deutschen Bank in einer Notiz vom Montag. Es wird erwartet, dass die Verträge im Jahr 2023 im Durchschnitt etwas über 100 € pro Megawattstunde liegen werden, wobei das Winterwetter und die Auswirkungen der Wiedereröffnung Chinas wichtige Unsicherheitsfaktoren darstellen“, fügten sie hinzu.

Andere Faktoren tragen dazu bei, den Druck von den europäischen Gasmärkten zu nehmen, darunter eine Zunahme der Pipelinetransporte aus Algerien nach Italien. Die Windenergieerzeugung in Deutschland und im Vereinigten Königreich wird nach einer Periode geringer Leistung ab nächster Woche wieder ansteigen. Und die französische Atomstromerzeugung hat den höchsten Stand seit März erreicht. Electricite de France SA hat am Wochenende keine längeren Ausfälle verzeichnet, und zwei weitere Reaktoren könnten bis Ende der Woche wieder Strom produzieren.

FMW/Bloomberg



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