Gold/Silber

Warum der Goldpreis fällt und heute Nachmittag weiter abrutschen könnte

Gold mit US-Dollar und Adler

Der Goldpreis fällt in den letzten 24 Stunden um 15 Dollar auf aktuell 1.770 Dollar. Damit positioniert man sich am Goldmarkt schon mal für das heutige Großereignis. Alles dreht sich heute nämlich um das Thema Inflation. In den USA werden heute um 14:30 Uhr deutscher Zeit die Inflationsdaten für November veröffentlicht. Nach 6,2 Prozent im Oktober liegen die Erwartungen für die heutige Meldung für November bei 6,7 bis 6,8 Prozent. Der Goldpreis könnte heute weiter fallen. Aber halt, warum?

Warum der Goldpreis fällt und weiter fallen könnte

Müsste Gold nicht eigentlich ansteigen, wenn die Inflation in den USA immer weiter ansteigt? Denn das zinslose Gold gilt als sicherer Zufluchtshafen und Schutz gegen Inflation. Und bei Zinsen fast bei Null und einer immer höheren Geldentwertung müssten dien Anleger doch eigentlich scharenweise ins Gold fliehen? In den letzten Monaten wäre dies auch ein angemessenes Szenario gewesen. Aber seit Wochen und Monaten wird immer offensichtlicher, dass die Federal Reserve sich der Inflation entgegenstemmen wird. Schon nächste Woche wird sie wohl ein noch schneller als erwartetes Auslaufen ihrer Anleihekäufe verkünden. Damit lässt man die Anleiherenditen steigen, was jetzt bereits am Anleihemarkt eingepreist wird. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen zog zuletzt leicht an, siehe Chart. Durch höhere Anleiherenditen wirkt das zinslose Gold weniger attraktiv, und der Goldpreis fällt. Gibt es heute Nachmittag einen weiteren kräftigen Abrustch im Edelmetall?

Fed wird versuchen die steigende Inflation auszubremsen

Dies ist gut möglich. Wird die Inflation in den USA bei 6,8 Prozent oder höher vermeldet, könnte man sich am Markt sagen: Die für nächstes Jahr bei der Federal Reserve anstehenden Zinsanhebungen könnten früher und massiver ausfallen als erwartet, um diese deutlich ansteigende Inflation auszubremsen. Das Szenario von in den nächsten Monaten spürbar ansteigenden Zinsen in den USA lässt den Goldpreis jetzt schon im Vorfeld schwächelnd erscheinen, und Gold könnte abrutschen. Denn die großen institutionellen Anleger könnten verstärkt auf Anleihen schauen, und weniger auf Gold.

US-Dollar und Anleiherenditen drücken heute Nachmittag gegen Gold?

Der Commerzbank-Experte Daniel Briesemann drückt es heute früh in seinem Gold-Kommentar in klaren Worten so aus (auszugsweise im Zitat): „Daher wäre es unserer Meinung nach nur folgerichtig, wenn Powell nächste Woche nach der Fed-Sitzung ein schnelleres Ende des sog. Tapering ankündigt. Sollte die Inflationsrate heute tatsächlich so hoch (FMW: wie erwartet) oder sogar noch etwas höher ausfallen, könnte daraufhin der US-Dollar aufwerten und die Anleiherenditen steigen. Dies wäre dann wohl potenziell preisbelastend für Gold.

Chart vergleicht Verlauf im Goldpreis mit US-Anleiherendite TradingView Chart zeigt seit dem 2. Dezember in blau den Goldpreis gegen die zehnjährige US-Anleiherendite. Es wirkt so, als würde das Szeanrio der heute kräftig steigenden Inflation in den USA schon mal ein Stück weit eingepreist, mit Aussicht auf eine starke Reaktion der Federal Reserve in den nächsten Wochen und Monaten.



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5 Kommentare

  1. Gut das Gold in Dollar bepreist ist.

    Das würde zumindest den „Wert“ des Goldes in Euro zu gute kommen.

    An eine restriktive Geldpolitik im Euroraum, in der im Nordosten Inflationsraten von über 8 Prozent herrschen bei verhältnismäßigen geringen Schuldenständen und im Südwesten von unter 2 Prozent bei gleichzeitig „explodierter“ Staatsverschuldung, mag man kaum glauben.

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/217052/umfrage/inflationsraten-in-den-laendern-der-eu-monatswerte/

    Gut das die EZB politisch unabhängig ist! (Naja, die Stimmgewichtung in der EZB ist schon etwas skurril;-)

    Ansonsten müsste man ja vermuten, dass die hoch verschuldeten Südstaaten mit ehr geringer oder moderater Inflation, sich gegen eine restriktivere Geldpolitik stemmen würden, da sie sich dadurch „entschulden“ könnten. Und mit Weichwährungen haben diese Länder durchaus Erfahrung und sicher nicht die großen Vorbehalte.

    Ich werde zur Entspannung erst einmal am Wochenende ein Goldbad nehmen ;-)

  2. Naja hätte auch schlimmer kommen können nur 6,8% Inflation in den USA. Wenn man es mal positiv sehen will ist es besser als 7% oder höher.

    Wenn die FED die Zinsen über 7% anhebt gebe ich dem US Dollar eine Chance.
    Aber zurück zur Realität ich denke das die FED 2-3 Mini-Zinsanhebungen macht dann alles zusammenbricht und in 2023/2024 die Zinsen wieder Richtung 0% senkt.

  3. Es gibt immer einen Grund weshalb Gold nicht steigt😄. Für mich ist es klar weshalb – die Bullion Banken kontrollieren den Preis über den Futures Papiermarkt. Das ändert sich erst, wenn sich die Käufer endlich physisches Metall liefern lassen.

    1. Mein eigener Lieblingsgrund ist der, dass wir gerade mal in der Nähe von Peak Gold sind. Die vielbeschworene Vervielfachung des Preises werden wir erst sehen, wenn die Fördermenge signifikant sinkt, analog BTC und das zum neuen Narrativ wird. Neue Fundstätten können das Narrativ natürlich aushebeln, aber Spekulation gehört immer dazu. Das Auseinanderlaufen von Future-Preis und physischem Preis hatten wir 2020 gesehen, aber der Future-Preis wurde auch schnell wieder eingefangen. Ich hatte seinerzeit Papiersilber für ca. 12$ gekauft, während der Markt für physisches Silber geräumt war.

      1. Ich auch. 12$ Silber und spottbillige Minenaktien war der Hammer im Februar/März 2020 als die Covid Misere begann. Zum Glück habe ich diese wieder verkauft, bevor „die“ die Kontrolle wieder übernahmen.

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