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Gold/Silber

Warum der Goldpreis von der nächsten US-Zinssenkung massiv profitiert

Hannes Zipfel

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Gold Barren Beispielfoto

Es ist nur noch eine Frage kurzer Zeit, bis die US-Notenbank erneut an der Zinsschraube drehen wird. Für den Goldpreis eröffnet diese Perspektive das Potenzial für neue Höchststände.

Invertierte Zinsstrukturkurve, zwangsläufige Zinssenkungen und der steigende Goldpreis

Dass die US-Notenbank in Kürze die Zinsen erneut senken muss, hatte ich bereits vor Kurzem in einem Artikel erläutert. Die erneute Invertierung der Zinsstrukturkurve (rote Linie siehe Grafik unten) zwingt die Fed zu dieser Maßnahme, da die Geschäftsbanken ansonsten keine erklecklichen Zinsmargen mehr im Kreditgeschäft erwirtschaften können. Die Geschäftsbanken leihen sich das Geld kurzfristig zu einem Zinssatz von aktuell 1,55 Prozent von der US-Fed und verleihen es dann in Form von längerlaufenden Immobilien-, Auto-, Studenten- oder Konsumdarlehen weiter. Für die Verzinsung dieser Darlehen sind die längerfristigen Zinsen relevant.

Die Zinsspanne zwischen kurz- und längerfristigen Zinsen ist ein wesentlicher Bestandteil der Gewinnmarge einer Kredit-Bank. Dieses Geschäftsmodell des kurzfristigen Geldleihens und längerfristigen Geldverleihens nennt man „Fristentransformation“.
Verdienen die Banken mangels Zinsmarge weniger im Kreditgeschäft, reduziert sich ihre Bereitschaft zur Neukreditvergabe und im Gegenzug erhöhen sich die Kreditanforderungen, da auch der Risikopuffer für Kreditausfälle geringer ausfällt. Für die konsumlastige US-Wirtschaft wäre eine Verringerung der Kreditvergabe ein erheblicher Bremsfaktor, zumal sich gemäß den gestrigen Aussagen des US-Notenbankchefs Jerome Powell die Konsumaktivität der Amerikaner bereits abschwächt. In den letzten Monaten von September bis Januar hat sich die Zinsstrukturkurve entgegen der Erwartung des Großteils der US-Marktteilnehmer erneut stark abgeflacht und sogar partiell wieder invertiert (rote Linie).

Zinsstrukturkurve in den USA

Um die Zinsstrukturkurve wieder zu versteilern, bleibt der Fed nichts anderes übrig, als die Leitzinsen am kurzen Ende weiter abzusenken. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung bereits auf der nächsten regulären Sitzung der Fed am 18. März hat sich von 3,8 Prozent von vor einer Woche auf aktuell 17,7 Prozent erhöht. Für die übernächste Sitzung am 29. April liegt die Zinssenkungswahrscheinlichkeit bereits bei 27,4 Prozent nach nur 12,4 Prozent am 23. Januar.

Im Zuge der sich nun u. a. wegen der 2019-nCoV-Epidemie und dem Boeing-Effekt zwangsläufig verschlechternden US-Wirtschaftsdaten, werden sich diese Wahrscheinlichkeitswerte sukzessive weiter erhöhen. Durch eine weitere Zinssenkung in den USA würde sich das Umfeld für das zinslose Edelmetall Gold weiter verbessern, zumal die Realzinsen (Nominalzins minus Inflation) als einer der wichtigsten Kurstreiber für den Goldpreis auch in den USA bereits deutlich negativ sind.

Die Realzinsen tauchen immer tiefer in den negativen Bereich ab

Neben der Geldmengenausweitung und der erhöhten Risikoaversion im Zuge der 2019-nCoV-Epidemie spielt für das zinslose und unproduktive Geldmetall Gold vor allem das vorherrschende Realzinsniveau (Nominalzins minus Teuerungsrate) eine entscheidende Rolle. Sind die Realzinsen negativ, suchen die Menschen den sicheren Hort Gold vermehrt auf, um die reale Kaufkraft ihres Vermögens zu erhalten. Umso negativer der Realzins, umso größer die Nachfrage nach Gold.

Das gelbe Edelmetall weist nur eine geringe Inflation durch Neuförderung auf und birgt nicht die Gefahr von Negativzinsen (abgesehen von den Lagerkosten). Außerdem schützt es vor Inflation und Risiken im Finanzsystem. Aktuell sind die Realzinsen fast überall auf der Welt im roten Bereich. Das gilt auch für die deutschen Realzinsen. In den USA sind die Realzinsen gemäß den letzten Zahlen aus dem Dezember 2019 mit minus 0,81 Prozent ebenfalls deutlich negativ. Zur Berechnung wird der Zwölfmonatszins von aktuell 1,49 Prozent mit der offiziellen jährlichen Teuerungsrate in Höhe von 2,3 Prozent subtrahiert (Daten von Statista).

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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Goldpreis steigt nicht – Gründe, aktuelle Lage, Expertenkommentar

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Gold und US-Dollar mit Adler

Der Goldpreis war letzte Woche wacklig unterwegs (wir berichteten). Das gilt auch für diese Woche. Wird die runde Marke von 1.900 Dollar zur Dauer-Qual für die Gold-Bullen, weil der Goldpreis immer und immer wieder hierhin zurückfällt? Ganz aktuell fällt der Goldpreis wieder zurück von 1.910 Dollar heute früh auf jetzt 1.901 Dollar.

Zwar sind die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen seit letztem Freitag wieder gesunken von 0,86 auf 0,80 Prozent. Aber der US-Dollar (in Form des Dollar-Index) zeigt sich seit Freitag relativ stabil auf Niveaus um die 93 Indexpunkte. Der Rückfall im US-Dollar konnte letzten Mittwoch gestoppt werden, und ist seitdem abgesagt. Dies ist schlecht für den Goldpreis.

Goldpreis-Anstieg bei Verschärfung der Corona-Lage?

Wir empfehlen beim Klick an dieser Stelle die gestrige Analyse von CMC Markets-Analyst Jochen Stanz zu Gold. Er bespricht ausführlich die Frage, ob im Goldpreis der große Knall bevorsteht. Was, wenn der zweite globale Lockdown umfassend durchgeführt wird? Die Staatsausgaben zur Stützung von Bevölkerung und Wirtschaft überall auf der Welt würden die Staatsverschuldungen immens nach oben treiben, was eine große Chance für Gold darstellen könnte.

Aber im Augenblick klebt der Goldpreis weiter an der 1.900 Dollar-Marke. Die Aktienmärkte fallen, und der US-Dollar sackt nicht weiter ab. Wir erinnern uns. Im März, wo die Corona-Panik weltweit am Schlimmste war, schoss der Dollar-Index von 95 auf 103 Indexpunkte nach oben (Flucht in den Sicheren Hafen US-Dollar), und zwar sehr schnell. Der Goldpreis fiel von 1.700 auf 1.464 Dollar. Also: Könnte der Goldpreis bei einer dramatischen Verschärfung der Corona-Lage erneut nicht profitieren, weil der steigende US-Dollar Gold ausbremst?

Heutige Konjunkturdaten

Derzeit jedenfalls kann der Goldpreis als sicherer Fluchthafen in unsicheren Zeiten nicht von den weltweit stark zunehmenden Corona-Infektionszahlen profitieren. Heute um 13:30 Uhr werden in den USA die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter veröffentlicht, und vermutlich um 12 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht der weltweit größte Baumaschinenhersteller Caterpillar seine Quartalszahlen. Beide Ereignisse könnten Aktienkurse und US-Dollar in Bewegung bringen, wie auch den Goldpreis. Genauso kann auch das um 15 Uhr veröffentlichte US-Verbrauchervertrauen die Kurse bewegen.

Aktueller Analystenkommentar

Die Experten der Commerzbank haben vor wenigen Minuten einen Researchbericht auch zu Gold veröffentlicht. Hier auszugsweise im Wortlaut:

Heute Morgen notiert Gold weiter in unmittelbarer Nähe der 1.900 USD-Marke, die eine starke Anziehungskraft auf den Preis ausübt. Gold in Euro gerechnet notiert seit etwa vier Wochen knapp oberhalb von 1.600 EUR je Feinunze. Eine nennenswerte Preiskorrektur wird unseres Erachtens durch die anhaltend solide Investmentnachfrage verhindert. Gestern verzeichneten die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs Zuflüsse von 3,5 Tonnen. Auch wenn die Dynamik der Zuflüsse in den letzten Wochen nachgelassen hat, erachten offenbar viele Marktteilnehmer den aktuellen Goldpreis noch als attraktive Kaufgelegenheit. In China hat sich die Goldnachfrage gemäß Angaben des Verbands der chinesischen Goldproduzenten zuletzt offenbar erholt: Sie ist demnach im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 29% gestiegen. Der Verband führt dies auf die Erholung der Wirtschaft und auf eine schnelle Rückkehr des Hochzeitsmarktes zurück.

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